Ein heißer Juni 20 – Regen / Traufe

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Ein heißer Juni 20 — Vom Regen in die Traufe

© Helios53, III/2010

Verschlafen

„He! Hallo! Aussteigen, Fräulein, Endstation!“ Jemand rüttelt Sabine wach. So aus dem Tiefschlaf gerissen, dauert es doch ein Weilchen, bis Sabines Sinne erfassen, was die Stimme meint.

„Wie? Was?“, stammelt sie und rappelt sich auf. „Wo bin ich eigentlich?“

„Endstation! Der Zug steht schon zwanzig Minuten da und wird gleich auf das Abstellgleis verschoben.

Sie müssen aussteigen. Wo wollen Sie denn hin?“

Endstation? Sabine ist erschüttert, denkt nach. Da muss sie ja eine ganze Stunde länger geschlafen haben, als sie hätte schlafen dürfen. Mühsam blinzelnd betrachtet sie den Schaffner, der sie auf seinem Kontrollgang entdeckt hat. „Ich wollte doch in Brummerbach aussteigen! Wie komme ich jetzt dorthin?“

Der Schaffner runzelt betrübt die Stirn. „Brummerbach ist nur eine Bedarfshaltestelle. Dort hätten wir sowieso nicht gehalten.

Nicht mit diesem Zug. Jetzt, in den Ferien, hält dort nur der Frühzug um 6:05 in dieser Richtung und abends der Gegenzug um 17:10. Der fährt auf dem Gleis dort drüben Punkt 16:35 ab. Andere Möglichkeit weiß ich keine, es sei denn, Sie fahren bis Walderbruck und schauen, wie Sie von dort nach Brummerbach kommen. Es sind ungefähr sechs Kilometer. Aber was wollen Sie eigentlich in Brummerbach?? Dort stehen grade mal vier Häuser. Wollen Sie wen dort besuchen?“

Sabine erzählt nun, dass sie vorgehabt hatte, von der Haltestelle Brummerbach auf die Brummerhütte zu wandern, nach der Beschreibung von Susi ein Marsch von rund drei Stunden.

Hätte sie vorher gewusst, wann sie dort eingetroffen wäre oder hätte sie wenigstens ihr Handy mit dabei gehabt, wäre es ja kein Problem gewesen, sie abzuholen, aber so? ‚Schlecht organisiert‘, schießt ihr der Gedanke durch den Kopf, leider zu spät.

Der Schaffner meldet sich wieder zu Wort: „Ich denke, es ist am besten, wenn Sie mit dem nächsten Zug zurück nach Walderbruck fahren und sich dort erkundigen, ob es eine Möglichkeit gibt.

Vielleicht nimmt Sie ja jemand mit. Wenn nicht, kommt man auch von Walderbruck auf die Brummerhütte. Es ist zwar ein wenig weiter, aber man muss nicht unbedingt zuerst nach Brummerbach. Man kann unter der Materialseilbahn aufsteigen. Ist halt ein wenig steil, aber Sie scheinen ganz gut in Form zu sein. “ Dass er bei diesen Worten auf Sabines Brüste schielt, weist darauf hin, dass er die gute Form mit Kriterien misst, die mit der physischen Konstitution und Kondition nicht allzu viel zu tun haben.

„Sie sollten sich jedenfalls beeilen, denn wir fahren in zehn Minuten ab. In dem Falle lasse ich Sie so mitfahren und Sie müssen keine Fahrkarte zusätzlich kaufen. Das nehm‘ ich auf meine Kappe. „

‚Und ich auf meinen Busen‘, denkt Sabine, die sehr wohl gemerkt hat, was den Schaffner besonders beeindruckte. Sie lächelt freundlich, bedankt sich höflich und schnappt sich ihren Rucksack und die Tasche mit den neuen Dirndln. Mit dem freundlichen Schaffner wechselt sie den Zug.

Es ist ein so genannter Regionalexpress, der nicht bei jeder Haltestelle stehen bleibt. Immerhin kann sie nun wenigstens die Landschaft betrachten. Die Berge sind ja schon beeindruckend und all das hat sie bei der Herfahrt verschlafen.

Ihr gegenüber sitzt ein älterer Herr mit Goldrandbrille, weißem Haarkranz und buschigem Schnurrbart und liest eine streng gefaltete Zeitung, erstaunlicherweise keine österreichische, sondern die Frankfurter Allgemeine. Die Ausgabe vom vergangenen Samstag, wie Sabine auch noch feststellt, als ihr ein Inserat, Sechzehntelseite, ins Auge sticht.

Afrika ruft, heißt es da, und dass zwei Praktikanten oder Praktikantinnen für eine Safari-Lodge gesucht werden. Der Rest vom Text ist leider zu klein, als dass Sabine ihn auf die Entfernung, noch dazu verkehrt herum, lesen könnte, da mag sie noch so stieren und sich konzentrieren. Plötzlich verlangsamt der Zug seine Fahrt und der Mitreisende steht auf. „Ich steige hier aus, gnädiges Fräulein. Die Zeitung lasse ich Ihnen da, dann tun Sie sich leichter und verderben sich nicht die Augen.

“ Er zwinkert ihr noch zu und verlässt das Abteil.

Sabine kann sich gerade noch bedanken, dann nimmt sie sich das Inserat vor. Sapperlot! Wenn das nicht was für sie und Susi ist! Schnell stopft sie die Zeitung in den Rucksack und genießt über den Rest der Fahrt die Landschaft.

Walderbruck. Sabine steht im kleinen Bahnhof vor der Imbissstube und studiert eine Landkarte, die dort an der Wand hängt.

Hunderte schweißige und schmutzige Finger haben darauf ihre Spuren hinterlassen. Von der Brummerhütte kann sie nichts entdecken. Sie wird wohl bei einem der vielen schmutzig-weißen Flecken zu finden sein, wo hintappende Finger alles wegradiert haben. Aber bei welchem?

Obi, ummi, zuwe, aufi

Sie wendet sich an einen Einheimischen, der gerade den Bahnhof betritt. „Woos megsch, Madl? Auf die Brummahittn?“ Er kratzt sich kurz am Kopf, dreht sich um die eigene Achse und versucht den Weg zu erklären, wobei er wild gestikuliert.

„Do geasch zeascht do obi, nochand entan Boch ummi, beim schellawenggatn Stodl laafsch üban Onga zan Wold zuwe, noa siggsch eh des Steigal aufiwärts. Do steigsch on und kimmsch noch ana Schtund oda so zum Laschtnlift. Nocha kunsch di eh nimma valaafn“ Lüpft sein Hütchen und will gehen.

„Wie bitte!?!“

Der Mann stutzt und schaut irritiert. Er hat es doch perfekt erklärt. Was ist da noch unklar?

„Ea moant — äh – er meint“, mischt sich da ein anderer Mann ein, der gerade mit zwei Bierfässern auf seiner Sackrodel aus dem Imbiss kommt, „Sie sollten die Straße da hinunter gehen, dann über den Bach hinüber, es gibt dort nämlich einen Steg.

Bei dem Heustadel, der schief da steht, sollen Sie über den Anger, die Wiese, zum Wald hin laufen, wo Sie dann den Pfad sehen werden, der dort nach oben führt. Den sollen Sie hinauf gehen, oder hoch gehen, wie ihr Deutschen sagt, und kommen nach etwa einer Stunde zur Materialseilbahn. Von dort weg kann man sich nicht mehr verlaufen. “ Sabine nickt dankbar, aber der Mann hält sie zurück. „Ich weiß aber was Besseres.

Wenn ich hier fertig bin, habe ich noch eine Lieferung beim nächsten Gasthaus, dann fahre ich sowieso dorthin, weil ich auch für die Brummerhütte Nachschub geladen habe. Bis zur Talstation von der Seilbahn kann ich dich mitnehmen. Ich bin übrigens Hannes. „

Sabine betrachtet ihn skeptisch. Er sieht eigentlich nicht gefährlich aus, also nennt sie ihren Namen und nimmt das Angebot dankend an. Immerhin spart das gut eine Stunde Fußmarsch.

Der Bierführer ist auch bald fertig mit diesem Auftrag und Sabine klettert ins Führerhaus.

„Darf ich fahren?“, fragt sie gleich. „Ich hab‘ den Schein, ich darf mit so was fahren. “ Aber Hannes lehnt ab. Im Falle des Falles würde die Versicherung nicht zahlen. Gleich ums Eck ist der nächste Kunde der Brauerei. Sabine hilft dabei, eine Reihe Fässer und Kisten abzuladen und im Keller des Gasthofes zu stapeln. Dann kurvt Hannes hinaus aus dem Ort und schlägt einen weiten Bogen, ehe er einen Forstweg ansteuert. In etlichen engen Kehren geht es den Berg hinauf, dann den Hang entlang in ein alpines Tal hinein.

Sie kommen zu einem kleinen Park- und Wendeplatz. Daneben steht ein Bretterverschlag vor einem massiven Betonblock, an dem das Tragseil der Materialseilbahn befestigt ist. Es führt durch die Hütte durch und zu einer ersten Stütze, die das Seil nach schräg oben umlenkt. Hannes betritt die Hütte, gefolgt von Sabine, und dreht an einer vorsintflutlichen Kurbel.

„Das produziert elektrischen Strom und oben ertönt eine Klingel. So wissen die in der Hütte, dass unten jemand was will.

Was willst du eigentlich dort oben? Mit Rucksack und Tasche, dafür aber allein. Machst du Urlaub?“ Sabines Erklärung, dass sie als Aushilfe angeheuert hat und Bruno der Bruder ihrer besten Freundin ist, wird durch ein Klingelzeichen unterbrochen. „Jetzt steht dein Bruno oben und ist bereit. Mit der Taste da geb‘ ich einen Code ein, dann weiß er, dass Bier kommt und nicht ein gelangweilter Wanderer hier Unfug treibt. “ Hannes tastet den Code. Zur Bestätigung kommt ein weiteres Klingelzeichen, dann fängt das Tragseil an zu vibrieren und gibt summende Geräusche von sich.

„Die Kiste kommt!“

Hannes beginnt, Fässer und Kisten abzuladen und neben der Hütte zu stapeln. Auch Sabine hilft mit. Genau vor ihnen hält eine hölzerne Kiste, etwa zwei Meter lang und knapp ein Meter breit mit einer rund vierzig Zentimeter hohen Bordwand, die mit vier Ketten an zwei Laufrollen hängt, welche wiederum auf dem Tragseil sitzen. Vorne hängt das dünne Zugseil schlaff fast auf den Boden. Die Kiste ist mit Leergut vollgeladen.

Auf einem Fass klebt ein Zettel, darauf steht nur ein Wort: MÜLL. „Aha!“, sagt Hannes, „dann kriegen wir danach noch eine Ladung Müll zur Entsorgung, das heißt eigentlich, ich kriege ihn. Du bleibst ja wohl da. Ich habe da so einen Deal mit Bruno. Ich nehme auf dem Rückweg seinen Müll mit zur Deponie, dafür krieg ich oben mein Bier gratis. „

„Heute habe ich die doppelte Menge zu liefern, weil am nächsten Wochenende ist Sechskampf, da kommen wesentlich mehr Gäste als normal.

Vorausgesetzt, das Wetter bleibt schön. Oder wird wieder schön“, fügt er nach einem Blick auf eine dunkle Wolke hinzu.

Das mit dem Sechskampf, Sabine versteht zunächst nämlich Sexkampf, interessiert sie natürlich brennend. Hannes erklärt, dass es dabei so etwas wie ein doppelter Triathlon ist, der aus Schwimmen im Fluss, und zwar gegen die Strömung, Berglauf, Gleitschirmfliegen, Radfahren mit dem Mountainbike, Kajakfahren und Orientierungslauf besteht. Die Brummerhütte ist dabei zweimaliges Etappenziel, nach dem Berglauf und nach dem Mountainbiken.

Da fließen Bier und Limos in Strömen, was Bruno, den Wirt, natürlich freut. Sabine freut sich auf die Athleten.

Personenbeförderung ist streng verboten

Als Hannes und Sabine die Müllsäcke auf den Laster geladen haben, wirft Sabine ihr Gepäck in die Kiste und will selber hinein klettern. Aber Hannes ruft sie zurück. „Erstens ist das Befördern von Personen streng verboten, weil so eine Seilbahn kein Sicherungsseil hat und zweitens fährt er heute sicher nicht mehr hinauf, weil entweder heute Abend oder morgen Früh noch der Cola-Wagen kommt.

“ Enttäuscht holt Sabine ihr Gepäck wieder heraus und winkt Hannes zum Abschied, der zum Gruß seine Hupe betätigt und langsam bergab rollt. Gerade macht sich Sabine an den mühsamen Aufstieg, als das Zugseil ruckt und anzieht. Also fährt er doch hinauf! Wie der Blitz rennt sie zurück, wirft das Gepäck in die anfahrende Kiste, zögert nur einen Augenblick und springt noch nach, wälzt sich über die niedrige Bordwand und kommt heftig schnaufend auf dem Boden zu sitzen.

Glück muss der Mensch haben! Verboten oder nicht, besser schlecht gefahren als gut gelaufen, oder? Und das Risiko wird schon nicht so groß sein. Jedenfalls will Sabine vorsichtshalber ruhig sitzen bleiben. Ha! Bruno wird Augen machen, wenn er sieht, was da für Fracht kommt!

Aber schon nach weniger als einer Minute ist die Euphorie verflogen. Die Lastengondel wird langsamer, wippt noch ein wenig und rührt sich nicht mehr von der Stelle, hängt zwischen der ersten und zweiten Stütze und darunter sind gut acht Meter Luft.

Noch ist Sabine voller Zuversicht. Es wird schon weiter gehen. — Gleich! — Bald. — Irgendwann? Bruno kann sie doch hier nicht im wahrsten Sinn des Wortes hängen lassen! Oder kann er doch? Langsam wird Sabine klar, dass es nicht weiter gehen wird. Niemand weiß ja, dass Sabine in der Kiste sitzt und mitten in der Wildnis acht Meter über Grund gefangen schwebt. Es weiß ja nicht einmal jemand mit Bestimmtheit, dass sie überhaupt jetzt unterwegs auf die Hütte ist.

Oder wäre, wenn das verdammte Ding hier nicht so nutzlos über dem festen Boden baumeln würde.

Sabine zürnt dem Schicksal und dem Fahrer des Cola-Lasters, weil der nicht kommt. Dann würde Bruno wohl die Scheiß-Kiste wieder runter lassen zum Beladen. Warum hat sie bloß ihr Handy nicht mitgenommen! Ihr heißes Wüten wird brutal abgekühlt, denn binnen Augenblicken fällt ein kalter Schatten auf die Landschaft, kräftiger Wind kommt auf und mit dem ersten Donner geht ein Wolkenbruch nieder, dass Sabine schier die Luft weg bleibt.

Heute trifft es sie wirklich knüppeldick. Zwar dauert der Regenguss nicht lange, aber trotzdem schaut sie aus wie eine getaufte Maus, als nach knapp fünfzehn Minuten die Wolke durchgezogen ist und wieder die Sonne hervor kommt. Der kühle Wind aber bleibt und Sabine friert wie ein Schneider in ihren tropfnassen Kleidern. Sie muss hier raus, runter auf den Boden und rauf zu Bruno. Sabine braucht einen Plan.

Zuerst sieht sie sich einmal genau um.

Nirgends kann sie etwas entdecken, von dem sie Hilfe erhoffen könnte. Schreien nutzt wohl auch nichts, denn es scheint niemand da zu sein, der sie hören könnte. Auf den Cola-Wagen zu warten, bringt auch nichts. Wie sagte Hannes? Heute Abend oder morgen Früh! Das dauert einfach zu lange. Also sichtet sie ihre Habseligkeiten. Das Seil! Könnte sie sich abseilen? Zum dran Runterklettern ist es zu dünn, um eine Strickleiter bis ganz unten zu knüpfen aber zu kurz.

Bettlaken, wie sie die Knastausbrecher im Film verwenden sind auch keine da. Ein Badetuch, ein Ledergürtel, eine Jeansjacke und, ja, ihre Jeans sind wohl stabil genug, um ihr Gewicht, neulich noch knapp sechzig Kilo, auszuhalten.

Einmal geplant, schreitet sie rasch und entschlossen zur Tat, schneidet Stücke von ihrem Seil und verbindet damit die Textilien und den Gürtel, knüpft Trittschlaufen in den Seilrest und befestigt ihre abenteuerliche Strickleiter an einer der Ketten, wirft sie hinunter und beginnt konzentriert den Abstieg.

Ganz am Ende hängt sie jetzt mit beiden Händen am geschlossenen Gürtel und betrachtet den Boden unter ihr. So eine Scheiße! Sie hängt genau über einem Brombeergestrüpp und ihre Jeans hängt zwei Meter über ihr. Wenn sie da hinunter springt, sieht sie erstens nicht, auf welchem Grund sie landet und zweitens würden die Dornen ihren nackten Beinen arg zusetzen. Verzweifelt beginnt sie, hin und her zu schwingen, aber sie findet einfach keinen geeigneten Landeplatz.

Ihre Kraft lässt nach. Sabine starrt nach oben auf ihre kunstvoll verknotetet Fluchtleiter. Niemals kann sie es schaffen, sich da wieder hinauf zu ziehen.

Plötzlich packt jemand ihre Fußgelenke, stabilisiert ihr unkontrolliertes Pendeln. Unten steht ein großer, nett aussehender Mann, der über beide Ohren grinst. „Das Mitfahren in der Lastengondel ist streng verboten. Das hat Ihnen sicher jemand gesagt. Ja, wer nicht hören will, … Aber jetzt kommen Sie mal runter.

“ Der Mann hat mit groben Bergschuhen und dicken Jeans an den Beinen einen Weg in die Dornen gestampft. „Lassen Sie sich einfach fallen, ich fang‘ Sie schon auf. “ Sabine ist so froh, dass sie gar nicht nachdenkt und einfach den Gürtel auslässt. Der Mann fängt Sie auch geschickt auf, stemmt sie über seinen Kopf und steigt aus dem Brombeerbusch. Seine kräftige Hand auf ihrem Po fühlt sich verdammt gut an. Er geht mit ihr bis zum Fußweg.

Dort setzt er Sabine ab und mustert sie ungeniert. „Was hatten Sie eigentlich vor?“

‚Nicht gerade die intelligenteste Frage‘, denkt Sabine. ‚Was wohl? Segeln? Sonnenbaden?‘ Aber er hat sie aus einer unangenehmen Situation befreit. „Ich bin Sabine Wiechert und soll oben auf der Brummerhütte arbeiten. Hannes, der Bierausfahrer hat mich hergebracht und, ja, er hat mir gesagt, dass es verboten ist, aber …“ Sie verstummt und zuckt mit den Achseln. Der Mann grinst schon wieder so unverschämt.

„Ich bin Gabriel. Und wenn Sie länger da bleiben, werde ich Sie noch öfter sehen, glaube ich. Aber jetzt muss ich weiter. Ich war Pilze suchen und habe noch etwas vor. Ich hoffe, Sie kommen jetzt allein zurecht. “ Sabine verabschiedet sich mit einem Kuss, der wohl inniger gedacht war, aber Gabriel küsst nicht richtig zurück, sondern löst sich aus ihrer Umarmung, hebt seinen Sack mit den gefundenen Pilzen auf, winkt zum Abschied und schreitet zügig zu Tal.

Da steht sie nun, ein wenig verwirrt und unschlüssig. Verwirrt, weil sich dieser Gabriel ganz untypisch verhalten hatte. Mit dem nassen T-Shirt, das förmlich an ihrem Oberkörper klebt, dem winzigen Tanga und den nackten Beinen hätte sie doch ein wenig mehr Interesse erwartet. Genau genommen hatte er zwar alles interessiert betrachtet, aber darauf nicht im Mindesten reagiert. Sehr seltsam. Und unschlüssig, weil sie eben so halbnackt im Wald steht. Ihre Hose hängt in der Luft, ihr Rucksack liegt in der Kiste und die Tasche auch.

Blöd! Die Sachen hätte sie vorher abwerfen sollen.

Aufstieg

Jetzt kann wohl nur noch Bruno helfen. Also setzt sich Sabine in Bewegung und beginnt zum zweiten Mal den Aufstieg. Der schmale Fußpfad führt in engen Serpentinen entlang der Lifttrasse ziemlich steil hinauf. Jetzt brennt die Sonne wieder kraftvoll. Es ist Mittagszeit und Sabines Magen knurrt vernehmlich. Frühstück war ausgefallen und Mittag ist auch schon vorüber. Die Sonne knallt ihr schmerzend auf den Hinterkopf, also zieht Sabine nach einem Blick in die Runde ihr T-Shirt aus und bindet es wie einen Turban um den Kopf.

Glücklicherweise ist sie ja schon ziemlich braun gebrannt, da wird sich der Sonnenbrand hoffentlich in Grenzen halten, denn ihre Sonnenschutzcreme liegt im Rucksack oben in der Kiste. Von ihrem Standpunkt aus liegt er sogar unten, man sieht direkt hinein und auch gut die herabhängende Strickleiter. Aus dieser Position gesehen, ist Sabine schon ein gutes Stück nach oben gekommen, aber nun wird es noch steiler und sie muss sich beeilen, sonst wird sie doch noch von der unbarmherzigen Bergsonne gegrillt.

Obwohl sie sonst in guter Kondition ist und auch viel Sport treibt, – nicht nur im Bett! — setzen ihr die durchwachte Nacht, die Sonne, der Hunger und die Höhenlage ordentlich zu. Sie schwitzt und keucht und irgendwann taumelt sie in den schmalen Schatten einer mickrigen Zirbe, lehnt sich an eine senkrechte Felswand, die sich auf einmal quer über die Lifttrasse erstreckt. Der Pfad teilt sich da, führt links und rechts am Felsen entlang.

Weit und breit kein Wegweiser. Sabine drückt ihren brennheißen Rücken an den etwas kühleren Felsen, schnauft heftig und überlegt. Links oder rechts?

Die Kiste mit ihrem Rucksack und ihrer Tasche ist schon lange aus dem Blickfeld verschwunden. Unten im Tal fährt wieder ein Zug. Ganz leise dringt das Geräusch rollender Räder bis in diese Höhe. Die Lok pfeift, dann verschwindet der winzige Zug in einem winzigen Tunnel. Die Stille legt sich wie Balsam auf ihre aufgewühlte Seele.

So viel Pech an einem Tag, und trotzdem ist es hier schön, so schön! Über ihr ziehen langsame Schäfchenwolken unter dem blauen Himmel durch. Sabine fällt auf, dass irgendwann der Wind aufgehört hat. Es ist nun nicht mehr kalt, sondern richtiggehend heiß.

Sabine genießt diesen herrlichen Sommertag in vollen Zügen, atmet tief die köstlich reine Luft ein, da spürt sie auf einmal etwas auf ihren Turban klopfen. Tropfen sprühen! Es kann doch jetzt nicht regnen! Es ist ja gar keine Wolke über ihr.

Sie dreht sich um, schaut nach oben, kriegt ein paar Tropfen auf die Nase.

Das ist kein Wasser! Das ist kein Regen! Das ist – – „Bruno!!!“

Der steht mit heruntergelassener Hose oben am Rande der Felswand und schlenkert mit seinem Urinator. „Sabine???“

Die beiden starren sich ungläubig über vertikale zwanzig Meter an, wobei Bruno mit noch immer in den Kniekehlen hängender Jeanshose und Sabine mit uringetränktem Turban oben, robusten Nikes unten und lediglich einem dünnen Tanga in der Mitte einen gleichermaßen bizarren Anblick bieten.

Sabine fuchtelt und ringt nach Worten. „Du — hast — mich — an — ge — pisst, – Bruno!“

Der fasst sich und meint: „'tschuldigung, Sabine, woher soll ich denn wissen, dass du ausgerechnet da unten stehst? Geh rechts rum, da bist du bald heroben. Du kannst ruhig kommen, es ist außer mir niemand da und ich kenn dich ja auch ganz nackt. „

„Was ist mit Susi?“, fragt Sabine noch, aber Bruno ist schon verschwunden.

Also geht sie rechts rum und tatsächlich kann sie durch einen Felsspalt recht komfortabel die letzten Meter zurücklegen. Dort erwartet sie Bruno und führt sie gleich zum Haus.

„Ich denke, du sehnst dich jetzt nach einer Dusche“, rät er richtig. „Ich übrigens auch, denn ich habe nicht nur die ganzen Fässer in den Keller gestapelt, sondern auch noch Holz gehackt. Wir haben hier nämlich nur wenig Strom. Gerade genug für das Licht, aber zu wenig für den Herd.

Macht es dir was aus, wenn wir, wie schon oft, gemeinsam duschen? Das spart Warmwasser. „

Sabine kommt gar nicht dazu, etwas einzuwenden, schon hat sie Bruno durch die Hintertür in die Hütte gezogen und steigt eine schmale Holztreppe nach oben. „Das hier ist mein Reich. Hierher kann ich mich zurückziehen, wenn ich mich ein wenig vom Trubel erholen muss. Heute ist ja Ruhetag, was aber nicht heißt, dass ich den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen kann.

Jetzt rein da in die Dusche, das wird uns beiden gut tun. „

Ruhetag

Die Dusche ist ein erstaunlich großer Raum, in dem neben einem gemauerten Geviert, das innen blau gefliest ist und drei Duschköpfe, aber keine Trennwände oder Vorhänge aufweist, auch noch eine große Waschmaschine, ein riesiger Boiler, der mit Holz beheizt werden kann, und ein beachtlicher Brennholzvorrat Platz findet. Sabine feuert ihr angepisstes Turban-T-Shirt unter die Waschmaschine und den Tanga gleich hinterher.

„Du besorgst mir nachher was zum Anziehen, sonst bringe ich dich in Verruf und lauf nackt draußen rum!“, droht Sabine.

Bruno lacht nur und wirft seine Kleider auch zur Waschmaschine. „Heute sind ja keine Leute da außer uns und Susi, die bald kommen wird. “ Er dreht das Wasser auf und aalt sich unter dem lauen Regen. Sabine drückt sich eng an ihn, denn sie will ja beim Wassersparen helfen.

Das hat auf Bruno dieselbe Wirkung wie erst vor rund fünfzehn Stunden auf die Nachwuchsrammler in Ramspolding. Sabine grinst und begrüßt den munter Erwachten mit kräftigem Handschlag. Bruno stöhnt wohlig und drängt näher, noch näher, dann ist Schluss.

„Nein, Bruno, jetzt nicht, denn erstens habe ich ausnahmsweise wirklich mal genug Sex gehabt in letzter Zeit und zweitens ist heute Ruhetag — und morgen und übermorgen auch, mein Lieber. Du verstehst, ja?“ Bruno gibt so gleich nicht nach.

Es gäbe ja Alternativen, meint er, doch da beißt er auf Granit. „Das macht vielleicht dir Spaß, aber mir nicht so sehr. Außerdem hattest du das ganze Wochenende Marika da. Einmal muss auch für dich genug sein, Nimmersatt!“ Von einem Bord über dem Waschbecken bedient sie sich rasch aus Marikas Tamponvorrat. Später kann sie ja Susi anpumpen. Selber hat sie mal wieder nicht rechtzeitig daran gedacht.

Plötzlich hören sie Stimmen von unten.

Bruno späht durch ein kleines Fenster, kann aber nichts erkennen. Sabine öffnet es aber, steckt den Kopf und den halben Oberkörper hinaus. Dann berichtet sie: „Zwei Männer und eine Frau. Sie scheinen auch in den Regen gekommen zu sein, aber vor relativ kurzer Zeit. Die dunkle Wolke hängt da oben links, gar nicht so weit von hier. Jetzt sitzen sie unten an einem Tisch. “ Von unten ertönt ein Ruf nach dem Wirt. Drei große Bier werden gewünscht.

Offenbar haben die drei Wanderer nicht erkannt, dass die Wirtschaft geschlossen ist.

„Was ist eigentlich mit Susi?“, will Sabine nun endlich wissen. Bruno klärt sie auf, dass diese mit dem alten Suzuki LJ 80, der nicht zum Verkehr auf öffentlichen Straßen zugelassen ist, zum Supermarkt gefahren ist. Von hinten kann sie auf privaten Feldwegen bis zum privaten Parkplatz fahren. Dort soll sie Lebensmittel kaufen und auf die Hütte bringen. Und außerdem soll sie am Bahnhof nach Sabine Ausschau halten.

Leider hat die ja die Durchfahrt verschlafen und ist aus der anderen Richtung angekommen, als Susi gerade Besorgungen erledigte. Bruno hat sie aber schon per Handy verständigt, dass ihre Freundin angekommen ist, so musste sie nicht auf den nächsten Zug warten. Sabine ist befriedigt. Bald kann sie mit Susi Neuigkeiten austauschen. Es gibt ja wahrlich einiges zu erzählen.

Bruno und Sabine sind sauber und trocken. Auf dem Gang öffnet Bruno einen alten Bauernkasten.

„Hier“, sagt er, „such dir was aus. Es bleiben jede Menge T-Shirts, Socken und auch Hosen liegen, die die Leute verschwitzt, nach dem Kleiderwechsel zum Trocknen auf den Zaun gehängt und vergessen haben. Ich wasche alles und halte es einen Monat zur Abholung bereit. Danach verleihe ich das Zeug an arme Schlucker wie dich, die ihr letztes Hemd hergegeben haben. “ Nach einigem Sichten entscheidet sich Sabine für ein freches dunkelblaues Longshirt, auf dem eine strahlend gelbe Banane abgebildet ist mit der Aufschrift MULTIFUNKTIONSFRUCHT.

Unterwäsche gibt es keine, aber eine fremde, wenn auch gewaschen, hätte sie sowieso nicht angezogen. Sogar passende Birkenstocks finden sich in Brunos Fundus.

Drei Bier, macht elf-vierzig

Wieder unten führt sie Bruno in die Gaststube. „Weißt du was?“, fragt er, „bring doch den drei Wanderern ihre drei Bier. Es fällt uns ja kein Stein aus der Krone. “ Er zapft währenddessen schon das dritte Glas. „Kassiere gleich, elf-vierzig macht's.

Ich mach uns inzwischen auch zwei schöne Biere. Trinkst du auch ein großes?“

„Wenn ich auch was zum Essen kriege, trinke ich auch zwei. Mir hängt der Magen schon in den Kniekehlen!“

„Das trifft sich ja super. Ich habe grade einen Haufen Tiroler Knödel gekocht. Du kannst sie mit Suppe, mit Salat oder mit Sauerkraut haben. Bier passt da fantastisch dazu. „

Sabine stellt die drei großen Bier auf ein Tablett und balanciert es zur Tür hinaus.

Jetzt muss sie nur noch um die Ecke und durch die Hecke … da erstarrt sie mitten im Schritt. Die drei durstigen Wanderer sind in einen heftigen Dreier auf dem Tisch verstrickt. Die Frau liegt auf dem Rücken, die Beine weit angezogen und gespreizt. Der eine Mann umklammert ihre Hüften mit seinen Knien, stützt sich mit den Armen an ihren Fußgelenken ab und rammt ihr seinen dicken, langen Schwanz machtvoll immer wieder weit in ihre Muschi, während sie den des anderen, auf der anderen Seite bei ihrem Kopf stehenden Mannes, tief in ihre Kehle nimmt.

Ihr Kopf hängt dabei über die Tischkante. Ihre vollen Brüste schaukeln stürmisch, die Männer ächzen, die Frau stöhnt immer heftiger.

Sabine ist von diesem Anblick total gefangen, so unerwartet wie geil. Obwohl sie eigentlich nicht zu übersehen ist, kommt sie wie in Trance näher. Niemand scheint sie wahrzunehmen. Plötzlich stößt die Frau den einen Schwanz aus ihrem Mund und schreit in schrillem Ton: „Ja, ja, jetzt, ich komme, ich komme, ich komme!“ Der Mann, der sie gerade noch wie rasend gevögelt hat, stößt noch einmal gewaltig zu, zieht heraus und spritzt ihr auf den Bauch, auf die Brüste, ins Gesicht.

Im gleichen Augenblick geschieht das Unerwartete: Auch die Frau spritzt in hohem Bogen — genau dorthin, wo Sabine steht. Der Strahl trifft sie voll auf der Brust. Vor Schreck schreit sie „Aaahiii!“, wirft das Tablett in die Luft und ein Schwall kalten Bieres ergießt sich über die drei Sexualakrobaten. Aber ihr neues geliehenes T-Shirt ist auch wieder versaut, daher reißt sie es sich vom Körper, sammelt die Biergläser ein, die wunderbarerweise weder jemand getroffen haben, noch zerbrochen sind und marschiert damit vor Zorn bebend, splitternackt, aber in stolzer Haltung von dannen.

Heute ist wirklich nicht Sabines Tag

Nächste Folge: Ein heißer Juni 21 — Probieren geht über studieren.

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