Schlimm’s Maerchen: Rapunzel Gens

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O je, Rapunzel. Das ist ja geradezu der Prototyp eines Märchens, in das man ohne Anstrengung erotische Handlungen hinein lesen kann. Eine naive, junge Frau, seit ihrem zwölften Lebensjahr weltabgeschieden in einem Turm gefangen, wird von einem abenteuerlustigen Mann aufgesucht, während ihre Kerkerwärterin abwesend ist. Dieses Setting ist ja geradezu plump. Würde ein Lit-Autor seine eigene Geschichte auf diese Weise beginnen lassen, dürfte man ihm guten Gewissens Einfallslosigkeit vorwerfen.

Doch stellt euch mein Grinsen vor, als ich mich von den kindgerechten und massentauglichen Bilderbuch-, Disney- und DEFA-Interpretationen Rapunzels löste und mir den Originaltext vornahm.

Da steht: Rapunzel will den Königssohn „zum Mann nehmen“, weil „er jung und schön war“. Es geht offensichtlich nur ums Körperliche, kein Wort zu den hoch gerühmten inneren Werten oder dem züchtigen Zögern einer ehrbaren Jungfrau.

Und was heißt „zum Mann nehmen“? Nein, es wird im Märchen nicht geheiratet, sondern „sie verabredeten, dass er alle Abend zu ihr kommen sollte. “ Hey, was ist denn das für eine Moral? Und so etwas Ungehöriges übernahmen die Brüder Grimm 1812 in ihre Kinder- und Hausmärchen? Jede Gouvernante und Anstandsdame müsste da doch sofort uneingeschränkt auf der Seite der Zauberin stehen, die offensichtlich verhindern will, dass Rapunzel Männerbesuch empfängt.

Zwar wird nicht beschrieben, was Rapunzel und ihr Prinz des Nachts in dem einsamen Turmzimmer taten, doch es war definitiv mehr, als Händchen halten und sich tief in die Augen schauen. Nach ihrer Verbannung nämlich finden sie sich in der Wüstenei wieder „mit den Zwillingen, die sie geboren hatte“. Ja, wie kommt das Mädel denn bloß zu eigenen Kindern? Auf Wikipedia fand ich sogar eine Anmerkung, dass in einer der Quellen der Brüder Grimm die Titelfigur die verbotenen Besuche nicht durch eine ungeschickte Bemerkung gegenüber der Zauberin verrät, sondern durch ihren von der Schwangerschaft anschwellenden Bauch.

Diese Wendung wurde für die Märchensammlung deutlich entschärft.

Was macht man nun als Autor, der eine erotische Parodie schreiben möchte, aus einer solchen Vorlage? Im Grunde haben die Brüder Grimm den Rahmen schon abgesteckt. Und doch würde zwischen die wenigen Worte zwischen der Verabredung von Rapunzel mit dem Königssohn und ihrer Entdeckung durch Frau Gothel eine ganze Serie von Geschichten passen: wie sich Rapunzel, getrieben von einer Mischung aus Neugier und Verlangen dem Prinzen zum ersten Mal hingibt — wie sich das Paar regelmäßig wiedersieht und die Freuden der Liebe auskostet — wie Rapunzel mit der Zeit die frivolen Möglichkeiten und erotischen Raffinessen ihrer langen Haare entdeckt — Rapunzels Sorgen und Zweifel, als der Prinz sich einmal verspätet und nicht zur gewohnten Zeit zum Stelldichein erscheint — die Beinahe-Entdeckung, als sie eines Morgens verschlafen und Frau Gothel auftaucht, während der Prinz sich in allerletzter Sekunde verstecken kann (im Schrank oder unter dem Bett?) — was geht Rapunzel durch den Sinn, wenn sie entdeckt, dass sie schwanger ist?

Vielleicht versucht sich jemand an diesen Themen, ich würde es sicher gerne lesen.

Mein Stil passt aber nicht dazu. Vielleicht kann man andererseits ein wenig weiter und um die Ecke denken? Ich will es mal versuchen.

Beim Korrekturlesen meiner folgenden Geschichte fällt mir allerdings auf, dass ich mich mit dem Stoff vielleicht doch zu intensiv auseinander gesetzt habe, so dass mir die Leichtigkeit und der Humor, mit dem ich die bisherigen Märchen behandelt habe, in diesem Fall verloren gingen. Entscheidet selbst.

* * *

Die Kaninchen stellten ihre langen Ohren auf.

Das Geräusch brechender Äste war das erste Anzeichen, dass sich größere Wesen der grünen Lichtung im Schatten des hohen Turmes näherten. Dann zeigten Schläge von Metall auf Holz und das zischende Sausen einer schnellen Klinge, dass es Menschen waren, die sich einen Pfad durch das widerstrebende Unterholz bahnten. Noch ehe das dichte Blattwerk am Waldrand begann, sich zu bewegen, waren die scheuen Nager in ihrem Bau verschwunden.

Eine hochgewachsene Gestalt in grün-brauner, bequem geschnittener Jagdkleidung schob sich durch die breitblättrigen Büsche, sah sich kurz aufmerksam um und ließ dann das Schwert mit der dünnen, scharfen Klinge, das sie in der Hand gehalten hatte, in einer einzigen geschmeidigen Bewegung in der am Gürtel befestigten Scheide verschwinden.

Unter der Kapuze, die ihr Gesicht beschattete, hing ein dicker Zopf heraus, zu dem die glänzenden blonden Haare geflochten waren.

Sie drehte sich zum Waldrand um. Die Stimme, mit der sie einen noch unsichtbaren Verfolger anrief, gehörte eindeutig einer jungen Frau.

„Nastur1, nun mach schon! Wir sind da. „

„Warte, Urtica2, bin gleich bei dir. „

1 Nasturtium officinale = Brunnenkresse, 2 Urtica dioica = Brennessel

Darauf folgten ein leiser Fluch und das Geräusch eines Körpers, der auf weichen Boden fiel.

Nach weiterem Fluchen und Rascheln tauchte eine zweite Gestalt aus dem Gebüsch auf, die der ersten glich, deren Kapuze jedoch vom Kopf gerutscht war, so dass man das Gesicht eines jungen Mannes erkennen konnte, dessen kurz geschnittene Haare die gleiche Farbe wie der Zopf seiner Vorgängerin hatten. Ein Dutzend kecker Sommersprossen verteilte sich über seine Wangen. Mit einem verlegenen Kleine-Jungen-Grinsen wischte sich der Bursche die Hände ab und klopfte Schmutz von Ärmeln und Hosenbeinen.

„Ich bin über eine Wurzel gestolpert“, erklärte er entschuldigend.

Ein resigniertes Schnauben erklang unter der Kapuze.

„Sag mir was Neues!“

Die erste Person drehte sich von ihrem jungen Begleiter weg und ein Paar feingliedriger Hände schob ihre Kapuze zurück. Dann hob sie den Blick, um das imposante Bauwerk in der Mitte der Lichtung betrachten zu können.

Es handelte sich tatsächlich um eine junge Frau, deren Züge denen des Mannes, der sich direkt neben sie stellte, so sehr glichen, dass sie eine enge Verwandtschaft nicht ableugnen konnten.

Beide waren sie nach objektiven Maßstäben sehr attraktiv. Sie schienen im gleichen Alter zu sein. Und soweit die weite, lockere Kleidung es zuließ, war auch ihre Statur — bis auf einige naheliegende anatomische Unterschiede – einigermaßen vergleichbar.

„Wow! Hier also haben Vater und Mutter sich kennengelernt. „

Ein hoher Turm ragte vor ihnen in den blauen Himmel, mit Mauerwerk, das für die Ewigkeit errichtet zu sein schien.

Auf den ersten Blick war nirgends ein Eingang oder eine Öffnung zu erkennen. Nur weit oben, knapp unter dem grauen Schindeldach, war ein Schatten zu erkennen, der ein Fenster hätte sein können.

Während Nastur das Fundament umrundete, trat Urtica näher an die Mauer heran. Sie war ohne Mörtel aus großen Steinquadern zusammengesetzt. Efeu klammerte sich in die Fugen, die Ranken waren hier so dick wie ein Unterarm. Prüfend zog Urtica an ihnen, um die Festigkeit zu testen.

Ihr Bruder hatte seine Runde beendet und trat zu ihr.

„Es gibt keine Tür oder sonst einen Zugang. Wie sollen wir reinkommen?“

„Ach, Nastur! Hast du denn gar nie zugehört, wenn Vater uns die Geschichte erzählt hat?“

„Doch, natürlich. Aber ich dachte immer, das mit dem Turm ohne Tür wäre nur eine Übertreibung, damit die Geschichte wie ein Märchen klingt. Spätestens seit ich weiß, wie viel zwanzig Ellen Höhe sind, konnte ich nicht mehr glauben, dass Mutters Haare jemals so lang waren.

Hast du etwa alles ernst genommen?“

„Ich war nicht sicher. Deshalb wollte ich es unbedingt mit eigenen Augen sehen. Du nicht?“

„Ja, schon. Ich hätte aber nie gedacht, dass hier wirklich solch ein Turm steht. Wer glaubt denn so was?“, kopfschüttelnd trat er einige Schritte zurück und legte den Kopf weit in den Nacken, „Tja, das war's dann wohl. Ohne Leiter kommen wir da nie rauf. Wenigstens können wir sagen, wir sind hier gewesen.

Machen wir ein Picknick und dann gehen wir zurück. „

Er nahm seinen Rucksack ab und sah hinein.

„Hm?“, er steckte eine Hand in den Rucksack und tastete sich bis zum Boden durch, „Hm, Urtica? Hast du den Käse eingepackt? Urtica?!“

Seine Schwester hatte die Riemen ihres eigenen Rucksacks festgezurrt und seinen Sitz zu Recht gerückt. Sie stemmte einen Fuß gegen die Mauer und hielt sich an zwei dicken Efeuranken fest.

„Wenn ich oben bin, werfe ich dir ein Seil herab. „

„Äh, was?“, er starrte seiner Schwester nach, deren Füße bereits auf Höhe seines Kopfes nach Halt zwischen den Steinblöcken suchten, „Urtica, lass das! Das ist viel zu gefährlich, das Fenster ist mindestens zwölf Meter über dem Boden!“

„Nein, kein Problem. Der Efeu hatte Jahrzehnte Zeit, um sich festzuklammern, und er wächst bis ganz nach oben.

Siehst du?“

Sie rüttelte noch einmal mit ganzer Kraft an den dicken Trieben und ein Schauer trockener Blätter rieselte auf ihren Bruder herab, der prustend den Kopf schüttelte.

„Aber wer sagt dir, dass er da oben noch genauso stabil ist? Komm bitte wieder runter. „

„Hast du etwa Angst?“, schon wieder hatte Urtica zwei weitere Meter Höhe gewonnen und musste lauter reden, damit er sie verstand.

Sein „Nein!“ kam ein wenig zu schnell und zu laut.

Nastur zog eine Grimasse. Er wollte seiner Schwester gegenüber nicht zugeben, was ihn wirklich bewegte. Auch wenn sie beide gleich alt waren — nun, genau genommen, war Urtica ein paar Minuten älter als er — hatte er sich schon immer, seit er so etwas wie Verantwortung empfinden konnte, für sie verantwortlich gefühlt. Seine Erziehung als Mann und Thronfolger legte ihm das nahe.

Aber schon kurz darauf hatte er lernen müssen, dass sie es nicht schätzte, wenn irgendjemand versuchen wollte, ihr Vorschriften zu machen, und sei es nur zu ihrem eigenen Schutz.

Seither versuchte er, einfach nur da zu sein, wenn sie mal wieder eine ihrer irren Ideen hatte. Er gab ihr das Gefühl, dass sie die Kontrolle hatte und ihm überlegen war. Es machte ihm nichts aus, dazu vor ihr notfalls den Trottel zu spielen, so lange kein Dritter dabei war.

Doch er litt geradezu körperliche Qualen, wenn sie sich in Situationen brachte, in denen er sie beim besten Willen nicht schützen konnte. Bis heute hatte sie ihn nicht durchschaut und hielt ihn für einen Feigling, möglicherweise auch für einen Schwächling.

„Also, dann ist ja alles in Ordnung“, höhnte sie von oben herab, dann nahm ihre Stimme einen beschwichtigenden Tonfall an, „Nastur! Denk doch mal nach. Das ist vermutlich die allerletzte Chance für uns, diesen Ort zu besuchen.

Nächsten Monat werden wir einundzwanzig. Dann übernimmst du die offiziellen Pflichten als Kronprinz und ich kann mich der Tradition gemäß nicht mehr wehren, wenn so ein hergelaufener Königssohn um meine Hand anhält. Wir müssen das jetzt durchziehen. „

„Na gut, einverstanden. Aber pass bitte wirklich auf. „

Nasturs Herz schlug bis zum Hals, während er seiner Schwester zusah, wie sie immer höher am Turm hinauf stieg. Doch seine Sorge war unbegründet.

Behände wie ein kleiner Affe hangelte sich Urtica zwischen dem Efeu an der Wand hoch. Als sie das Fenster erreicht hatte, winkte sie ihm noch einmal kurz zu. Nastur blieb die Luft weg, weil sie sich währenddessen nur mit einer Hand festhielt. Dann verschwand sie im Schatten des Turminnern. Kurz darauf klatschte das Ende eines Seils neben ihm zu Boden. Er murmelte:

„Rapunzels Tochter, lass dein Haar herunter, hätte ich wohl erst rufen sollen, damit es stilecht wird.

Dann zuckte er mit den Schultern, band sich eine Schlinge um den Oberkörper, stellte die Füße gegen den Turm, und als er spürte, wie das Seil nach oben gezogen wurde, fing er an, langsam an der Wand hinauf zu gehen. Dabei vermied er tunlichst, nach unten zu sehen. Das schwierigste Stück, nämlich der Einstieg ins Fenster lag direkt vor ihm, als das Seil ins Stocken geriet. Dann streckte sich ihm eine Hand entgegen, die er dankbar ergriff.

Beider Gesichter waren vor Anstrengung gerötet, als sie sich im Turmzimmer gegenüber standen. Dann grinsten sie glücklich und fielen sich erleichtert um den Hals.

„So, jetzt können wir dein Picknick machen. Packe du aus, ich seh‘ mich rasch um. „

Nastur unterdrückte den Impuls, sie erneut zu Vorsicht zu gemahnen. Der Turm hatte einen Durchmesser von vielleicht vier oder fünf Metern. Das Zimmer, in dem sie standen, offenbar der Wohn- und Schlafbereich, nahm davon bereits den größten Teil ein.

Eine geschlossene Tür führte in den Rest. Urtica verschwand dahinter.

Ein bedrohliches Dröhnen und Quietschen aus dem Nebenraum jagte Nastur einen gewaltigen Schrecken ein. Wie der Blitz war er auf den Füßen und stürzte zur Quelle des Getöses. Dort betätigte seine fröhliche Schwester den Schwengel einer eingerosteten Pumpe. Die beängstigenden Geräusche kamen aus der trocken gefallenen Leitung, die kurz darauf eine dunkelbraune Brühe ausspuckte. Urtica ließ aber nicht locker, und nachdem sie mehrere Liter Flüssigkeit hochgepumpt hatte, floss klares Wasser aus dem Hahn.

„Wusste ich's doch! Wie hätte Mama hier jahrelang ohne frisches Wasser überleben sollen?“, feixte sie und deutete auf eine kupferne Sitzwanne, die an der Wand neben einem Herd stand, „du weißt, wie gerne sie badet. Hätte sie all das Badewasser eimerweise mit ihren Haaren hier herauf ziehen sollen?“

Nach dem Essen standen sie gemeinsam am Fenster und sahen in den Sommeruntergang.

„Danke für deine Beharrlichkeit“, Nastur sah seine Schwester von der Seite an, „ehrlich.

Ich bin sehr froh, dies mit dir erlebt zu haben. „

„Gern geschehen, kleiner Bruder. Morgen gehen wir nach Hause und werden erwachsen. Du bereitest dich darauf vor, König zu werden. Und ich warte auf das Erscheinen meines Märchenprinzen“, ihre Stimme troff vor Sarkasmus, „aber diese eine Nacht haben wir noch. „

Sie begann, ihre Jagdbluse aufzuknöpfen. Nastur zog fragend eine Augenbraue hoch.

„Ich gehe baden.

Was hast du denn gedacht? Ich bin schließlich die Tochter unserer Mutter. „

Er sah seiner Schwester nach, während sie in Richtung des kombinierten Küche-Badezimmers ging. Wie es ihre Art war, kickte sie unterwegs ihre Stiefel von den Füßen und hinterließ eine unordentliche Spur ihrer Kleidungsstücke auf dem Weg zum Bad. Als sie die Tür erreicht hatte, trug sie nur noch ihr Höschen. Ehe sie hindurch ging, drehte sie sich noch einmal halb um und zwinkerte ihrem Bruder zu.

Im Halbdunkel, das sich mit der einbrechenden Dämmerung im Turm verbreitete, konnte er nur ihre Silhouette erkennen, die einen beeindruckend athletischen, weiblichen Körper mit straffen Brüsten, flachem Bauch, hübsch gerundetem Hinterteil und schlanken Beinen zeigte. Ihr langer Zopf hing über den ganzen Rücken herab.

„Aber nicht gucken!“, säuselte sie mit mädchenhaftem Augenaufschlag.

„Ach verschwinde!“, blaffte er zurück.

Es war seit Jahren ein altes Spiel zwischen ihnen.

Seit ihrer Geburt waren sie immer zusammen gewesen, waren gemeinsam gebadet worden und schliefen in einem Bettchen. Ehe sich ihre Körper äußerlich deutlich zu unterscheiden begannen, hatten sie sich manchmal heimlich ausgezogen und ihre Kleider getauscht, um ihre Aufpasser oder Lehrer zu verwirren.

Dann kam der Tag, an dem das Kindermädchen ihnen verbot, sich gegenseitig nackt zu sehen. Weder verstanden sie es, noch hielten sie sich daran. In aller Unschuld lebten sie weiter wie bisher und beobachteten, wie ihre Körper begannen, sich unterschiedlich zu entwickeln.

Mit der zunehmenden Erkenntnis ihrer verschiedenen Geschlechter wurde ihnen bewusst, dass ein äußeres Merkmal sie schon immer als Bruder und Schwester gekennzeichnet hatte.

Nachdem ihre ersten harmlosen Fragen nach dem Warum und Wozu unbeantwortet blieben, verzichteten sie darauf, weiter nachzubohren. Aber sie begannen zu beobachten. Und da sie aufmerksam und intelligent waren, zudem in einem Schloss mit ausgedehnten Stallungen, zahlreichen Hunden und Katzen, sowie umliegenden Gehöften aufwuchsen, reimten sie sich die notwendigen Antworten zusammen.

Mit dem Verständnis kam das Schamgefühl und seither vermieden sie es, sich dem anderen völlig nackt zu zeigen.

Nastur fand eine Handvoll Kerzen in einer Schublade und in deren schwachen Schein sah er sich etwas gründlicher in dem großen Turmgemach um. In der Mitte des Zimmers stand der Tisch mit den zwei Stühlen, an dem sie gegessen hatten. Ein bequem aussehender Polstersessel mit hohem Rücken war so an die Wand geschoben, dass man aus dem Fenster sehen konnte, wenn man darin saß.

Eine bestickte Tagesdecke schützte das einfache Bett, das auf der anderen Seite des Raumes stand. Daneben war ein breiter, mit Blumenmuster bemalter Kleiderschrank platziert. Vor dem Bett war ein hochfloriger Teppich auf dem ansonsten offen liegenden Boden aus dicken Holzdielen ausgebreitet.

Aus dem Nebenraum drangen die Geräusche Urticas, die Feuer gemacht hatte und Wasser für die Wanne erwärmte. Ohne dass er es beabsichtigt hätte, schob sich dadurch das Bild seiner fast nackten Schwester vor sein inneres Auge, wie sie sich für das Bad vorbereitete.

Zwar hatte er ihren Schambereich nicht mehr gesehen, seit sie an der Schwelle zum Erwachsensein gestanden waren. Doch hatte er als junger Mann und Prinz durchaus schon seine Erfahrungen mit verschiedenen, durchweg willigen, jungen Frauen gemacht und kannte die naturgemäßen Details des anderen Geschlechts. Unwillkürlich versuchte er sich vorzustellen, wie seine Schwester völlig unbekleidet aussehen würde.

Erschrocken verscheuchte er die Phantasiebilder, als er bemerkte, wie sie begannen, ihn zu erregen.

Um sich abzulenken, machte er sich geschäftig daran, den Raum für die Nacht vorzubereiten. Die Einrichtung zeigte die Spuren jahrelanger Vernachlässigung und er schüttelte den Staub von Tagesdecke und Teppich aus dem Fenster. Er sammelte die verstreuten Sachen und Kleidungsstücke seiner Schwester ein und legte sie über einen Stuhl. Die übrig gebliebenen Vorräte verstaute er wieder in den Rucksäcken, die er unter den Tisch schob. Dann gab es beim besten Willen nicht mehr viel zu tun.

Das Geschirr abzuräumen und in die Küche zu bringen, wollte er vermeiden, so lange seine Schwester dort badete.

Stattdessen trat er wieder ans Fenster und sah hinaus in die Nacht. Der Mond war zu einer schmalen Sichel geschmolzen und verbarg sich immer wieder hinter vorbeiziehenden Wolkenschleiern. Außer der direkt unter ihm liegenden Lichtung und dem dunklen Dach des dahinter liegenden Waldes konnte Nastur kaum etwas erkennen. Für einen Augenblick vermeinte er, einen großen schwarzen Vogel zu sehen, der über den Wipfeln heransegelte und sich auf einem der Bäume niederließ.

Dann war der fliegende Schatten verschwunden.

Er versuchte sich vorzustellen, wie sich seine Mutter gefühlt haben musste, wenn sie abends hier alleine gestanden war. Doch wollte es ihm nicht gelingen, sich in die Gefühle eines jungen Mädchens zu versetzen, das seit seinem zwölften Lebensjahr von der Frau, die es für seine Mutter hielt, eingesperrt war. War es Einsamkeit, Langeweile, gar Verzweiflung?

Was konnte einen Menschen dazu bewegen, einem Kind Derartiges anzutun? Wut stieg in ihm hoch.

Die Hexe hätte dafür bezahlen sollen. Doch soweit er sich an die Erzählungen erinnerte, war sie ohne Strafe davon gekommen. Nachdem sie Rapunzel verstoßen und seinen Vater dazu gebracht hatte, sich vom Turm zu stürzen, wurde sie im Märchen mit keiner Silbe mehr erwähnt. Was wohl aus der Zauberin geworden war?

Nun, das war lange her. Das Märchen war letztendlich gut ausgegangen und nachträglich konnte er an der Geschichte ohnehin nichts mehr ändern.

Er lebte im hier und jetzt und musste die Probleme angehen, die sich ihm in der Gegenwart stellten.

Urticas Begründung, weshalb sie unbedingt vor ihrem einundzwanzigsten Geburtstag hatte hierher kommen wollen, ging ihm durch den Kopf. Sie hatte Recht, vermutlich würde sie in Kürze heiraten und fortziehen, eigene Kinder bekommen. Mit dieser Idee konnte er sich noch nicht ganz abfinden. Ihr ganzes bisheriges Leben lang waren sie zusammen gewesen und hatten alles geteilt.

Er fühlte sich nicht bereit dafür, dass sie ihn verlassen würde. Wer sollte dann auf sie aufpassen?

Andererseits sah er ein, dass er sie nicht auf ewig beschützen konnte. Zumindest nicht, ohne ihre Freiheit einzuschränken. Selbst ein solch abgeschiedener und geschützter Ort wie dieser Turm bot keine absolute Sicherheit für eine junge Frau, wie ihre Mutter und ihr Vater bewiesen hatten.

Aber konnte er es wirklich verantworten, sie unvorbereitet in eine Ehe mit einem unbekannten Mann gehen zu lassen? Er war sich sicher, dass sie als Prinzessin nicht die Gelegenheit bekommen hatte, sich, so wie er es getan hatte, die sprichwörtlichen Hörner abzustoßen.

Ob sie sich mit Mutter, ihrer alten Amme oder anderen Frauen über die sogenannten ehelichen Pflichten hatte austauschen können? Er bezweifelte es.

Bei aller Wildheit und Unternehmungslust, die seine Schwester an den Tag legte, war sie in seinen Augen doch noch ein unschuldiges Mädchen, das nicht wusste, was auf sie zukam. Seine Unruhe wuchs. Wie könnte er ihr helfen, sich auf die Ehe vorzubereiten? Und wann? Urtica hatte es ausgesprochen: jetzt oder nie.

Diese Nacht war die letzte Gelegenheit, in der sie noch nicht den Fesseln, die ihre Zukunft für sie bereithielt, unterlagen.

Plätschern zeigte an, dass Urtica mittlerweile in die Wanne gestiegen war. Nastur ließ sich in den weichen Sessel sinken und begann zu grübeln. Unbedarft und wehrlos verließ sie sich darauf, dass er hier wachte, um alle drohenden Gefahren abzuwehren. Wie könnte er sie nur jemals allein lassen?

Das Feuer, das sie im Herd entfacht hatte, um das Wasser zu heizen, verbreitete eine angenehme Wärme in dem kleinen Bad.

Urtica saß in der dampfenden Wanne und entspannte sich. Ihren Zopf hatte sie gelöst und die langen Haare umschwammen sie wie ein Teppich aus goldenem Seegras. Seufzend ließ sie die Anstrengung des langen Tagesmarsches hinter sich und erlaubte ihren Gedanken zu wandern.

Ihr kleiner Bruder — immerhin war sie die Erstgeborene — war so ungeschickt und meistens geradezu ängstlich, dass sie sich kaum vorstellen konnte, wie er es ohne ihre Führung und Unterstützung schaffen sollte, König zu sein.

Zwar war ihr bewusst, dass sie weder ein Recht auf die Thronfolge, noch eine Verpflichtung dem Land gegenüber hatte, doch ihr war keineswegs gleichgültig, was aus dem Königreich würde. Die Tradition sagte, dass sie einen König oder Fürsten heiraten und diesem viele Kinder gebären würde. Und traditionsgemäß würde sie jungfräulich in diese Ehe gehen.

Andererseits hatte sie schon mehr als eine Tradition gebrochen. Ihr Vater hatte es ihr nie abschlagen können, wenn sie verlangte, wie ihr Bruder reiten und kämpfen zu lernen.

Und weil sie es nicht akzeptieren wollte, dass er für seine Leistungen in diesen Fertigkeiten gelobt wurde, während man ihr dabei immer nur Kopfschütteln entgegenbrachte, trainierte sie verbissener und härter als er, und war ihm bald in jeder Hinsicht überlegen. Sie trug, wenn es praktische Gründe dafür gab, Männerkleidung, egal wie sehr man hinter ihrem Rücken darüber tuschelte. Und nie hatte sie sich damit abgefunden, dass eine Frau Männern gegenüber zurückhaltend und unterwürfig auftreten sollte.

Sie ging mit Gewissheit davon aus, dass ihre Eltern sie nicht in eine ungewollte Ehe zwingen würden. Dafür waren sie viel zu aufgeschlossen und liberal. So hatte sie zumindest Hoffnung, einen Gatten zu finden, der ihre Freiheiten und Wünsche akzeptierte. Aber dann? Sie würde ihren Bruder zurücklassen müssen. Oder gab es eine Alternative?

Es gab in der Geschichte schon einige Beispiele, dass unverheiratete weibliche Verwandte bei Hofe lebten und andere Aufgaben übernahmen, als Heiratsbündnisse zu besiegeln und den Fortbestand von Dynastien zu sichern.

Allerdings würde ein solcher Weg sie zu einem Leben als alte Jungfer verdammen. Diese Option wollte ihr nicht besonders erstrebenswert erscheinen. Es würde bedeuten, dass sie darauf verzichten würde, einen Mann zu nehmen. Zwar hatte sie keine eigene Erfahrung in solchen Dingen, aber die Tatsache, dass die allermeisten Frauen danach strebten, und die Beobachtung, dass die meisten verheirateten Frauen durchaus zufrieden und eher glücklich wirkten, sagten ihr, dass sie nicht leichtfertig auf diese Chance, ihr Glück zu finden, verzichten sollte.

Noch enthielt ihre Vorstellung einer Hochzeitsnacht einige Fragezeichen, auch wenn sie in ihrem Leben schon ausreichend Hengste, Bullen und Rüden bei Erfüllung ihrer Aufgabe beobachtet hatte. Jedoch folgerte sie aus dem Getuschel der Hofdamen und Zofen, wenn wieder einmal eine von ihnen geheiratet hatte, dass in einem Ehebett noch mehr passierte, als sie sich bisher ausmalen konnte. Alleine ihre angeborene Neugier wäre Motivation genug, dieses Geheimnis zu ergründen. Zudem tat sie sich schwer damit, hinter ihrem Bruder zurückzustehen, oder auf etwas zu verzichten, was ihm erlaubt wurde.

Dieser Gedankengang führte sie zu einem neuen Problem. Auch wenn sie auf Dauer bei ihrem Bruder blieb, würde der sich irgendwann eine Königin suchen, um einen Thronfolger zu zeugen. Und dann müsste sie sich die Kontrolle über ihn mit seiner Frau teilen – wenn diese eine solche Übereinkunft überhaupt zulassen würde. Nun, Urtica selbst würde nie gestatten, dass eine dritte Person maßgeblichen Einfluss auf ihren Mann hätte, wenn sie die Königin wäre.

Wie konnte sie das Dilemma lösen, bei ihrem Bruder zu bleiben, um ihn zu unterstützen und anzuleiten, ihn nicht an eine andere Frau zu verlieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Familienlinie nicht ausstürbe? Eine naheliegende Lösung, die ihr in den Sinn kam, verwarf sie sofort wieder, das wäre einfach unmöglich.

Ihre Überlegungen hatten sie derart aufgeregt, dass sie es nicht mehr aushielt, ruhig sitzen zu bleiben.

Also stieg sie aus der Wanne, wusch im heißen Wasser noch ihr verschwitztes Höschen, das sie nach dem Ausziehen achtlos auf den Boden geworfen hatte, und hing es an eine Leine, die quer durch den Raum gespannt war. Dann wickelte sie sich in das große Leinentuch, mit dem sie sich abgetrocknet hatte, und tapste ins Wohnzimmer.

Eine einzige Kerze auf dem Tisch mühte sich vergeblich, den Raum zu erhellen. Urtica erschrak, als sie ihren Bruder nirgends sehen konnte.

Dann entdeckte sie seinen Schatten im Sessel und trat neben ihn. Schwaches Licht spiegelte sich in seinen Augen, als er zu ihr aufsah.

„Na, so tief in Gedanken?“, Urtica strich ihm über die gerunzelte Stirn und die tief darin eingegrabenen Falten verschwanden, „Was hast du?“

„Nichts. „

Sie konnte spüren, dass er log, nahm aber auch wahr, dass er im Augenblick nicht bereit war, mehr zu sagen.

Also ließ sie es dabei.

„Es ist noch heißes Wasser in der Wanne. Ein Bad würde dir sicher auch gut tun, nachdem wir den ganzen Tag durch den Wald gelaufen sind. Außerdem“, sie grinste, „habe ich keine Lust, mit dir ein Bett zu teilen, wenn du stinkst. „

„Du hast Recht“, er stemmte sich hoch, „ich wasche mich und dann schlafen wir. Der Tag war anstrengend und morgen müssen wir früh los, damit wir zuhause sind, ehe Vater die halbe Armee losschickt, um uns zu suchen.

Er legte eine Hand auf ihren Unterarm, eine einfache Geste, die Nähe und Verbundenheit ausdrückte. Aber unter der Oberfläche war da mehr, eine Art magnetische Anziehung. Es fiel ihm überraschend schwer, den Hautkontakt zu lösen. Auf direktem Weg ging er ins Bad, ohne sich noch einmal umzudrehen. Er musste sich bemühen nicht zu rennen, damit es nicht wie eine Flucht wirkte. Erst nachdem er die Tür fest hinter sich geschlossen hatte, atmete er tief ein und aus, um sich zu beruhigen, dann begann er, sich auszuziehen.

Auf der Suche nach einem Platz, wo er seine Sachen ablegen konnte, entdeckte er das Höschen an der Leine und ihm wurde bewusst, dass Urtica unter dem weiten weißen Tuch nichts weiter an gehabt hatte, als sie neben ihm stand. Schnell verdrängte er diesen Gedanken und beeilte sich, ins Wasser zu kommen.

Wie erhofft half ihm das warme Bad, sich zu entspannen. Die dunklen Gedanken und die Anstrengung des Tages fielen von ihm ab und machten einer tiefen Ruhe Platz.

Ehe ihm die Augen zufallen konnten, wusch er sich den Schmutz des Tages vom Körper, stieg aus der Wanne und trocknete sich ab. Mit um die Hüften geschlungenem Handtuch ging er ins Schlafzimmer.

„Mach die Kerze aus und leg dich hin“, murmelte Urtica im Halbschlaf aus dem Bett.

Nastur sah sich kurz um. Das Leinentuch, in das sich seine Schwester gewickelt hatte, lag in einem unordentlichen Häuflein auf dem Teppich.

Typisch für sie. Ob sie sich etwas anderes für die Nacht angezogen hatte? Er bezweifelte es. Die Rucksäcke, in denen ihre Ersatzkleidung verpackt war, standen unberührt unter dem Tisch, wo er sie verstaut hatte. Sollte er sich wirklich so mit ihr in ein Bett legen?

Aber wenn er nicht auf dem blanken Boden schlafen wollte, hatte er kaum eine Wahl. Nastur war müde genug, um im Stehen einzunicken. Er wollte nur noch ins Bett.

„Ach, was soll's“, sagte er sich, „schließlich sind wir Geschwister und erwachsen genug, um zu wissen, was wir tun. „

Er löschte das Licht und schlurfte im Dunkeln in Richtung der leisen Atemgeräusche seiner Schwester, bis er den Teppich unter den Füßen spürte. Dann ließ er sein Handtuch fallen, tastete nach der Bettdecke und schob sich darunter, vorsichtig darauf bedacht, die Schlafende nicht zu berühren.

Kaum lag er still, rutschte Urtica in seine Richtung und drängte ihre Kehrseite gegen ihn.

Wenn er verhindern wollte, dass sie ihn aus dem Bett warf, musste er sich wohl oder übel dagegen drücken. Dann endlich gab sie nach und Bruder und Schwester lagen aneinander geschmiegt wie zwei Löffelchen auf der schmalen Matratze. Um es bequemer zu haben, legte Nastur seinen Arm über sie.

Verärgert stellte er fest, dass seine Ruhe verflogen war. Er atmete den Duft des frisch gewaschenen Frauenhaars unmittelbar vor seiner Nase ein, er spürte die Wärme des Körpers, der mit ihm unter der Decke lag.

Wo sie sich berührten, prickelte seine Haut. Besonders unheilvoll war das Kribbeln in seiner Lendengegend, wo sich Urticas Po gegen sein Becken drückte. Er konnte spüren, wie das Blut begann, in seinem Glied zu pulsieren. Verzweifelt versuchte er, diese peinliche Reaktion auf die Nähe seiner Schwester zu unterdrücken. Aber je mehr er sich darauf konzentrierte, umso schlimmer wurde es.

Urtica konnte sehr wohl spüren, dass sich etwas Hartes gegen ihren unteren Rücken presste.

Sie fragte sich, was ihr Bruder mit ins Bett genommen haben könnte, obwohl er sich, soweit sie es durch den Hautkontakt beurteilen konnte, so wie sie selbst ganz ausgezogen hatte, bevor er sich hinlegte. Sie hatte aber den Verdacht, dass dies etwas mit der Hochzeitsnachtgeschichte zu tun haben musste. Den Impuls, aus Neugier mit der Hand zu ertasten, was Nastur da versteckte, unterdrückte sie. Doch an der Grenze zwischen Schlafen und Wachen fing ihr benebelter Verstand an, ihre realen Erfahrungen mit Vorstellungen aus ihrer Phantasie zu kombinieren.

Die Bilder, die aus der Traumwelt zu ihr trieben, wurden zunehmend beunruhigend. Urtica befand sich in einem tranceähnlichen Dämmerzustand, in dem die Realität verschwamm. All jene Gedanken und Fragen, die sie noch nicht verarbeitet hatte, wirbelten durcheinander und verwischten jegliche Sicherheit, wer und wo sie war. Sie begann sich zu vorzustellen, was eine Stute, Färse oder Hündin empfinden musste, wenn sie ihrer Bestimmung gemäß Mutter werden sollte. Wortfetzen und Satzfragmente, die sie aus Frauengesprächen aufgeschnappt und nie verstanden hatte, kombinierten sich zu Annahmen und Aussagen, die verstörend und zugleich extrem aufregend waren.

Sie empfand Furcht vor den neuen und unbekannten Konsequenzen, die sie erwarteten, wenn sie diese Gedanken bis zum Ende verfolgte, gleichzeitig aber auch eine unbändige Neugier auf die Wahrheiten, die ihr die Antworten auf all diese Fragen, die sie bewegten, enthüllen würden.

Nastur war verunsichert. Urtica wurde immer unruhiger und fing an, ihren Körper an seinem zu reiben. Ihr vormals gleichmäßiger Atem war lauter und hastiger geworden. Schlaf war das Letzte, woran er jetzt denken konnte.

Sein Ständer war längst steinhart. Die Peinlichkeit, die ihn erfüllte, weil es die Reaktion auf seine eigene Schwester war, wurde nur noch von dem Stolz auf seine Männlichkeit und der Erregung übertroffen, die ihn ergriffen hatte.

Die Sorgen, die er sich über Urticas Unbefangenheit und Unschuld gemacht hatte, holten ihn wieder ein. Sie würde vermutlich einen Mann bekommen, der nach seinen Titeln, Besitztümern oder politischen Notwendigkeiten ausgewählt worden war. Wer würde darauf achten, dass der Bräutigam seine Schwester liebte und achtete? Möglicherweise würde sie einen alten Knacker abbekommen, der den Zenit seiner Ausdauer und Standfestigkeit längst überschritten hatte, oder schlimmer noch einen machtgierigen, brutalen Aufsteiger, der sie nur als Mittel zum Zweck sah und als Gebärmaschine missbrauchte.

Vermutlich würde der Frischangetraute auch noch, betrunken vom Festwein, wankend ins Brautbett fallen, sich seiner ehelichen Pflicht entledigen und Urtica frustriert und desillusioniert zurücklassen.

Wäre es bei solchen Aussichten nicht eine mitfühlende, gute Tat, wenn jemand, der ihr nahe stand, sie schätzte und ihre Bedürfnisse kannte, sie verständnis- und rücksichtsvoll in die Freuden der körperlichen Liebe einführte? Er hob seine Hand, um über ihr Haar streicheln zu können.

Unbemerkt von den Geschwistern hatte sich ein großer Uhu mit nachtschwarzem Gefieder lautlos auf dem Fensterbrett niedergelassen.

Seine kreisrunden Augen durchdrangen die bleierne Dunkelheit, als sei es helllichter Tag. Seine auffallenden Federohren nahmen das Rascheln des kleinsten Mäuschens unter dem Laub des Waldbodens wahr.

Sobald das letzte Licht im Turmgemach erloschen war, hatte er sich von seinem Versteck und Aussichtspunkt auf dem hohen Baum am Waldrand erhoben und wenige Flügelschläge brachten ihn an sein Ziel. Sofort hatte er die beiden Gestalten unter der Bettdecke erkannt und ihre Unruhe bemerkt.

Aufmerksam beobachtete der Vogel das Geschehen und zog die richtigen Schlussfolgerungen. Die beiden jungen Leute benahmen sich ganz und gar nicht so, wie es für Bruder und Schwester angemessen wäre.

Der Beobachter beschloss, seinen ursprünglichen Plan noch ein wenig aufzuschieben und die Situation zu genießen. Er kannte die menschliche Physis gut genug, um die Anzeichen sexueller Erregung als solche interpretieren zu können. Der schnelle Atem, die geröteten Gesichter, die Muskelspannung, der kräftige Puls.

Er war mehr als gespannt darauf, was sich daraus entwickeln würde. Sobald die zwei die Bettdecke abstreifen würden, hätte er den perfekten Blick auf ihre Zweisamkeit.

„Urtica, schläfst du?“

Die Stimme ihres Bruders rief Urtica von der Schwelle zum Schlaf zurück.

„Hm?“, maunzte sie, „was ist los?“

Sie drehte sich um und fand sich nur eine Handbreit von ihm entfernt im selben Bett wieder.

Nur langsam dämmerte ihr, wo sie sich befand und wie sie in diese Situation gekommen war. Sie erinnerte sich vage an merkwürdige Traumbilder und fühlte sich ausgesprochen wohl. Seine Hand strich über ihren Kopf und sie schnurrte leise.

Seine Armbewegung ließ die Decke von ihren Oberkörpern rutschen und enthüllte Urticas wunderschön geformte Brüste, deren Spitzen hart und groß hervorstanden. Seine tastenden Finger fuhren über ihre Wangen, an der Seite ihres Halses herunter, die Schulter entlang und kamen erst knapp vor dem Busen, der sich im Rhythmus ihres raschen Atems hob und senkte, zum Halt.

Ein kühler Luftzug ließ die junge Frau erschauern und sie sah geistesabwesend zum offenen Fenster.

„Was?!“, schreckte sie auf.

Als der Beobachter sich entdeckt sah, reagierte er sofort, stieß sich vom Fensterbrett ab und glitt in einer fließenden Bewegung in das Zimmer. Urticas Kampfreflexe übernahmen die Kontrolle. Ein Schwall Adrenalin ließ alle Müdigkeit verfliegen und spülte die zärtlichen Gefühle fort, die sie eben noch erfüllt hatten.

Sie schnellte aus dem Bett und hechtete zur Stelle, wo sie ihr Schwert abgelegt hatte. Nastur wurde von ihr ein Stück weit mitgerissen, fiel aus dem Bett und landete ungeschickt auf dem Boden. Der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen. Entsetzt starrte er die größer werdende Gestalt an, die in den Turm eingedrungen war.

Noch ehe der Uhu den Boden erreichte, dehnte er sich in Länge und Breite aus.

Dann setzte er als Mensch seine Füße auf den Dielenboden und richtete sich auf. Wallende Gewänder verhüllten seine Figur und gaben ihm eine wahrhaft bedrohliche Erscheinung.

Wertvolle Sekunden verstrichen, in denen Urtica im Dunkeln nach ihrem Schwert tastete. Dann ging ihr auf, dass sie am falschen Platz suchte. Ihr Bruder hatte die verstreuten Kleider aufgeräumt und die Waffe mit ihnen auf den Stuhl gelegt. Aus der Hocke setzte sie zum Sprung an, aber es war zu spät.

Die geheimnisvolle Person vollführte eine komplizierte Geste und sprach mit dunkler Stimme unverständliche Worte. Magische Fesseln aus verfestigter Luft legten sich wie stählerne Bänder um Urticas Hand- und Fußgelenke und stoppten sie unsanft mitten im Flug.

„Wer sind sie? Was wollen Sie von uns?“

Nastur war wieder zu Atem gekommen, aber selbst in seinen eigenen Ohren klangen seine Worte schrill und verängstigt. Die Antwort kam in einem vollen, tief vibrierenden Ton, der eindeutig zu einer Frau gehörte.

„Was ich will? Vergeltung, Genugtuung! Und wer ich bin? Noch kennt ihr mich nicht, aber ich kenne euch. Und vor allem kenne ich eure treulose Mutter. „

Während ihrer Rede hatte sich eine bleiche Hand aus den Falten des Gewandes gelöst und schwach zu leuchten begonnen. Im gleichen Maß, wie das Licht heller wurde, wuchs es zu einer Kugel und schwebte nach oben zur Zimmerdecke, bis es den ganzen Raum hell erleuchtete.

Der grelle Schein blendete die Geschwister und warf harte Schatten. Urtica zischte wütend und kniff ihre Augen zu, während Nastur die seinen mit einer Hand abschattete. Blinzelnd versuchte er zu erkennen, wer die Fremde war. Aber eine weite Kapuze hüllte ihr Gesicht in Dunkelheit. Nur eine einzelne schwarze Haarsträhne hatte sich ins Licht verirrt.

„Lange Jahre habe ich sie und euch beobachtet und auf meine Gelegenheit gewartet, mich für die Schmach zu rächen, die mir Rapunzel zugefügt hat.

Sie war mein mit Haut und Haar! Und dennoch hinterging sie mich auf hinterhältigste Weise mit diesem hergelaufenen Königssohn. Doch nun ist meine Zeit gekommen, es ihr heimzuzahlen und sie zu lehren, wie sehr es schmerzt, wenn man seine Tochter verliert. „

Nastur verstand plötzlich.

„Gothel! Sie sind Frau Gothel. Die Zauberin, die unsere Mutter hier einsperrte. „

„Ja! Ich bin Gothel, die Herrin dieses Turms und eures Schicksals!“

Bedrohlich wie eine Rachegöttin ragte die Hexe über den am Boden kauernden Nastur auf.

Urtica ließ sich von der zur Schau gestellten Macht der Frau aber nicht einschüchtern.

„Lassen Sie uns sofort frei, sonst …“

Ein fast beiläufiger Wink erzeugte einen weiteren Strang aus zäher Luft, der sich wie ein Knebel über Urticas Mund legte und sie mitten im Satz verstummen ließ. Die junge Kämpferin zerrte mit aller Kraft an ihren Fesseln, doch diese waren unzerreißbar. Das Einzige, was sie mit ihrem Widerstand erreichte, war, dass die stahlharten Bänder im Gegenzug ihre Gliedmaßen streckten, bis Urtica wie ein großes X in der Luft hing.

„Ah! So wild und hochmütig. Ich sehe schon, es wird mir viel Vergnügen bereiten, dich bei mir zu behalten und dir deine Unbotmäßigkeit auszutreiben. „

Nastur brach der kalte Schweiß aus. Er musste seiner Schwester unbedingt beistehen und eine Möglichkeit finden, sie zu retten. Doch waren Gewalt und Drohungen offensichtlich der falsche Weg. Gegen die mächtige Magie, über die Gothel gebot, konnten sie nicht ankämpfen. Er rappelte sich auf und trat der Zauberin entgegen.

„Halten Sie ein! Wir sind keine Bedrohung für Sie. Sagen Sie uns nur, was Sie wollen. „

Die Frau lachte hell und fast hysterisch auf, „Hast du mir nicht zugehört? Genugtuung will ich. Und Rache!“

„Genugtuung wofür? Wir haben Ihnen doch gar nichts getan. „

„Nichts getan? Nichts getan!“, kreischte Gothel, „Und ob ihr mir etwas getan habt! Ihr seid der lebende Beweis für den schändlichen Verrat, den Rapunzel an mir begangen hat.

Und darum“, das leise Flüstern, zu dem ihre Stimme erstarb, klang noch viel bedrohlicher als ihr lautes Kreischen kurz zuvor, „seid ihr genau das richtige Werkzeug, um meine Rache auszuführen. „

„Aber Rache ist der falsche Weg. Sie wird nur wieder zu Vergeltung führen. Unser Vater wird Sie aufstöbern und bestrafen, wenn Sie uns etwas antun. Es gibt doch sicher eine andere Möglichkeit, wie ich Ihnen Genugtuung verschaffen kann. „

Die Zauberin kniff ihre Augen zusammen und blickte ihn abschätzig von unten bis oben an.

Bei dem gefälligen Grinsen, zu dem sie ihre Zähne bleckte, lief es Nastur kalt den Rücken herunter. Aber zumindest war seine Absicht gelungen, ihre Aufmerksamkeit von seiner Schwester weg auf sich zu lenken.

Die Hexe legte nachdenklich einen Finger an ihre Wange, während sie den nackten, jungen Mann mit ihren eiskalten Augen weiter taxierte.

„Hm? Vielleicht gibt es tatsächlich eine Art Befriedigung, die du mir verschaffen kannst.

Mit spitzen Fingern löste sie den Verschluss ihrer Robe und streifte das weite Gewand ab. Darunter kam ein überraschend mädchenhafter Körper zum Vorschein, der nicht recht zu den Augen, die einen jahrzehntelang genährten Hass versprühten, passen wollte. Wenn Nastur dieses Wesen unter anderen Umständen getroffen hätte, wäre er sicher davon ausgegangen, dass sie jünger als er selbst war. Lange, glänzende, tiefschwarze Haare fielen ihr vom Haupt über die Schultern.

Bis auf ein weinrotes Lendentuch, das von einer zierlichen silbernen Kette um ihr Becken gehalten wurde, war sie unbedeckt, so dass er ihre überall makellose, leicht gebräunte Haut sehen konnte.

Ihren niedlichen Bauchnabel zierte ein glitzerndes Piercing, von dem drei weiße Perlen herabhingen. Am faszinierendsten waren jedoch ihre großen und doch fest und straff aussehenden Brüste. Deren münzgroße Vorhöfe hatten die kräftige Farbe süßer dunkler Kirschen und zu Nasturs unbeschreiblichem Erstaunen waren die deutlich hervorstehenden Nippel von je einer kurzen silbernen Nadel durchbohrt, an deren Enden kleine rote Vogelfedern bei jeder Bewegung des schlanken, jugendlichen Körpers bebten und flatterten.

„Ah, offenbar gefällt dir mein Schmuck“, ein erfreutes Lächeln entblößte perlmuttfarbene Zähnchen.

„Ja, sehr. „

Nastur musste für diese schmeichelnde Antwort noch nicht einmal lügen. Nie zuvor hatte er eine derart betörende Frau kennen gelernt. Aber noch beschäftigte ihn die Angst um die Sicherheit seiner Schwester zu sehr, als dass er an etwas anderes denken konnte. Im Bemühen, die Aufmerksamkeit der Hexe nicht auf sie zu lenken, vermied er, Urtica direkt anzusehen, vergewisserte sich aber durch Seitenblicke, dass sie in keiner unmittelbaren Gefahr war.

„Ich muss zugeben“, gurrte das bezaubernde Wesen, „auch du gefällst mir. Möglicherweise kannst du mich tatsächlich davon überzeugen, dass Hass heute das falsche Gefühl ist. Komm her!“

Nastur folgte der Aufforderung ohne zu zögern, achtete dabei aber darauf, die wenigen Schritte so zurück zu legen, dass die Zauberin sich immer mehr von Urtica abwenden musste, wenn sie ihn beobachten wollte. Auf Armeslänge hielt er kurz inne, dann überwand er die kurze Distanz und beugte sein Gesicht zum Kuss zu ihr herab.

Überrascht stellte er fest, dass sie fast einen ganzen Kopf kleiner war als er, denn in ihrem selbstbewussten, bedrohlichen Auftreten hatte sie deutlich größer gewirkt.

Die Berührung der weichen Lippen nahm ihm die letzte Scheu, und als sich ihre Zunge nach vorne schob, ging er bereitwillig darauf ein. Eng schmiegte das Paar seine Körper aneinander. Der sinnliche Kuss begann, ihn spürbar zu erregen, was seine Partnerin unmittelbar wahrnehmen konnte. Eine zierliche Hand stahl sich zu seinen Lenden und liebkoste seine wachsende Männlichkeit, während er Kopf, Hals und Rücken seiner Gespielin streichelte.

Nach Atem ringend lösten sich endlich ihre Münder. In den mit Kajal betonten Augen, die hungrig zu ihm aufsahen, loderte nun ein anderes, heißeres Feuer. Nastur ließ sich nach hinten auf den Teppich sinken und wollte den warmen Leib, den er in den Armen hielt, mit sich zu Boden ziehen. Sie aber befreite sich aus seiner Umarmung und stellte sich stattdessen breitbeinig über ihn.

Mit langsamsten Bewegungen, die seine Geduld auf die Probe stellen sollten, zog sie ihr Lendentuch unter der Kette hervor und enthüllte Stückchen um Stückchen das Geheimnis, das darunter verborgen war.

Dann riss sie es zuletzt zur Seite und ließ den dünnen Stoff flatternd fliegen.

Nastur konnte nicht vermeiden, sie von unten anzustarren. Das Geschlecht, das sich ihm offenbarte, war bis auf eine schmale, jungfräuliche Spalte völlig glatt und nur einen zarten Hauch dunkler als die umgebende Haut. Nicht der geringste Flaum behinderte den Blick auf die noch immer geschlossene Pforte ins Glück. Lediglich die Andeutung eines rötlichen Schimmers und verräterisches Glitzern von Feuchtigkeit, die ihren Weg ins Freie fand, gaben Hinweise darauf, dass die Frau bereit war, ihn einzulassen.

Urtica kam sich vergessen vor. Sie konnte sich noch nicht recht entscheiden, ob dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war. Sie hatte eine Ahnung davon, was ihr Bruder beabsichtigte, war sich aber nicht ganz sicher, ob das gut war. Probeweise zog sie an den unsichtbaren Fesseln, konnte aber weder Hände noch Füße auch nur einen Millimeter bewegen. Die beschämende Stellung, in der sie mitten in der Luft hing, gab ihr zudem keinen Ansatzpunkt, ihre Kraft zielgerichteter einzusetzen.

Zumindest behinderte der Knebel, der sie stumm machte, nicht ihre Atmung. Dies war ein Lichtblick und sie beschloss abzuwarten, ob die Konzentration der Hexe und damit die Kontrolle über die Bänder, die ihre Gefangene hielten, irgendwann nachließen.

Besorgt nahm sie zur Kenntnis, wozu sich ihr Bruder hergab. Doch ihre Scham, die sie empfand, als sie ihn erregt wie einen jungen Bullen sah, war mit Neugier vermischt.

Sie befürchtete, dass sie, selbst wenn sie den Kopf hätte wegdrehen können, was die Stränge um ihren Kiefer verhinderten, dies nicht tun würde.

Sie verstand nun, was das Harte gewesen war, das Nastur gegen ihren Rücken gedrückt hatte, als er hinter ihr im Bett lag. Als sie erkannte, wie nahe sie daran gewesen waren, etwas Verbotenes zu tun, erschrak sie zutiefst. Andererseits, da war sie sich ziemlich sicher, war es eigentlich auch nicht gestattet, bei dem zuzusehen, was sich mit Sicherheit in Kürze zwischen dem Pärchen vor ihren Augen abspielen würde.

Warum wollte sie dann nicht, wie es sich gehört hätte, die Augen schließen oder sich abwenden?

Im Gegenteil überkam sie eine Art Gefühl, das sie auch verspürte, wenn sie die tuschelnden und kichernden Zofen belauscht hatte. Hatte sie sich damals jedoch mangels Erfahrung nur vage Bilder zusammengereimt, spielte sich hier direkt vor ihren Augen die Realität ab. Neben einer beinahe kindlichen Neugier, die sie erfasst hatte, war da aber noch ein deutlich stärkeres, erwachseneres Gefühl, das sie dazu trieb, das gebotene Schauspiel genauestens zu verfolgen.

Da die beiden auf dem Teppich keine Notiz von ihr nahmen, konnte sie sich vorstellen, dass sie das Geschehen heimlich wie aus einem Versteck beobachtete. Dies nahm ihr jegliche Vorbehalte und erlaubte ihr, die Bilder direkt auf sich wirken zu lassen. Urtica spürte eine wohltuende Wärme in sich aufsteigen, während sie darauf wartete, dass ihre Phantasien Wirklichkeit wurden.

Die Frau, die ihr Bruder Gothel genannt hatte, senkte ihren unheimlich geschmeidigen Leib auf ihn herab.

Doch nur soweit, dass sie gerade die Spitze seines steil aufgerichteten, zuckenden Glieds berührte. Von hinten sah Urtica zwischen den gespreizten Beinen der anderen hindurch, wie ein zäher Tropfen klarer Flüssigkeit an dem tiefroten Pfahl hinab lief. Sie fragte sich, ob dieser von ihm oder vor ihr stammte. Dabei stellte sie fest, dass sie selbst sich ebenfalls feucht fühlte.

Ein beinahe schmerzhaftes Ziehen durchzuckte ihren Unterleib, als sie wahrnahm, dass die Zauberin sich ein kleines Bisschen nach unten bewegte.

Der Ständer ihres Bruders war dick angeschwollen, insbesondere seine dunkelrote Spitze, die zur Hälfte in der Vagina der Frau verschwand. Urtica vermeinte fast, selbst zu spüren, wie es sich anfühlte, einen Mann in sich eindringen zu lassen, obwohl sie es noch nie am eigenen Leib erlebt hatte.

Auch wenn sie es gewollt hätte, sie konnte ihre Augen nicht mehr von dem für sie völlig neuen und erregenden Anblick lösen. Mit jedem Auf und Ab nahm die Frau eine Winzigkeit mehr von Nasturs Penis in sich auf.

An ihrem federnden Körper vorbei konnte Urtica das Gesicht ihres Bruders erkennen, das einen Ausdruck zwischen Höllenqual und Himmelsfreuden widerspiegelte. Was immer er spürte, musste gleichzeitig schrecklich und wunderschön sein. Und sie teilte diese Empfindungen. Der Anblick der sich immer tiefer vereinigenden Gestalten war schrecklich schön.

Urtica bedauerte, dass sie keine Kontrolle über ihre Gliedmaßen hatte. Das Gefühl, das sich in ihr aufbaute kam jenem gleich, das sie empfand, wenn sie nachts alleine in ihrem Gemach im Schloss heimlich ihren eigenen Händen gestattete, die empfindlichsten Stellen ihres jungfräulichen Körpers zu erkunden.

Fast jedes Mal erreichte sie dabei ein Ziel, an dem sie die Welt um sich vergaß und sich danach verschwitzt und schwer atmend aber überglücklich wieder fand. Sie war sich mehr als sicher, dass sie jetzt auf dem gleichen Weg war, und fürchtete, das Ende nicht zu erreichen, wenn sie sich nicht selbst streicheln konnte.

Als die Hexe sich endlich ohne weitere Zurückhaltung herabsinken ließ, so dass vom blaurot geäderten Glied ihres Bruders auch nicht das Geringste mehr zu sehen war, verfolgte Urtica mit großen Augen und keuchendem Atem das Geschehen auf dem Teppich.

Obwohl sie sich nicht bewegte, brach ihr der Schweiß aus und es kribbelte überall, als würde sie mit tausenden winziger Nadeln gestochen. Am schlimmsten war es rings um ihre Brustwarzen, die sich steinhart und riesengroß anfühlten. Ach, wenn sie nur ihre Hände frei hätte!

Gothel fing an, sich mit leicht kreisenden und bedächtig schneller werdenden Bewegungen von Nastur zu holen, was sie wollte. Obwohl sie nach außen wirkte, als würde sie sich in ihrem Tun verlieren, wahrte sie die absolute Kontrolle über sich und ihren Liebhaber.

Sie hatte ganz und gar nicht vor, ihn vorschnell kommen zu lassen. Und ohne hinschauen zu müssen, wusste sie auch, was hinter ihrem Rücken geschah. Die Geräusche, die Rapunzels Tochter von sich gab, waren Hinweis genug. Die erfahrene Frau fand genau den richtigen Punkt und Rhythmus, um ihr Vergnügen zu haben. Doch als sie den Eindruck bekam, dass der junge Mann es nicht mehr aushalten könnte, hielt sie mit einem Mal inne.

Als seien sie durch ein geistiges Band verbunden, packte Nastur und Urtica dieselbe Frustration.

So kurz vor dem Höhepunkt wurden sie jäh gestoppt!

„Na, Kleiner, willst du mich?“

Auf die nah an seinem Ohr geflüsterte Frage konnte Nastur nur eine Antwort geben.

„Ja, mehr als alles auf der Welt. „

Seine Stimme war nur noch ein heiseres Krächzen und wurde zu einem unartikulierten Stöhnen, als die Zauberin ihren Ritt auf ihm fortsetzte, schneller und kräftiger als zuvor.

Es dauerte trotzdem Minuten, bis er zuckend und laut aufschreiend kam, und auch danach gab die Hexe ihm keine Ruhe, sondern strebte weiter ihrem eigenen Orgasmus entgegen. Währenddessen hing Urtica in ihren unsichtbaren Fesseln, musste dem aufregenden Treiben hilflos zusehen und spürte eine unerträgliche Hitze in ihrem Unterleib, ohne die geringste Hoffnung auf Erlösung zu haben.

Endlich hielt Frau Gothel zufrieden stöhnend inne und ließ ihren Oberkörper auf den ihres Geliebten sinken.

Aus ihrem Blickwinkel konnte Urtica daher genau erkennen, dass der Pfahl ihres Bruders noch immer bis zur Hälfte in der Spalte der Frau versenkt war, aus der weiße Sahne sickerte und an dem Stab hinablief. Obwohl sie sich irgendwie um ihren eigenen Höhepunkt betrogen fühlte, war sie einigermaßen erleichtert, weil ihr Bruder das Ziel erreicht hatte, und es gelang ihr nach und nach, ihren Atem zu beruhigen.

Nachdem sie sein Gesicht und seinen Hals mit unzähligen Küssen bedeckt hatte, erhob sich die Zauberin, so flink und geschmeidig, als habe sie der vorgehende Akt nicht im Mindesten angestrengt.

Ein boshaftes Lächeln umspielte ihren Rosenmund, als sie grazil zu ihrer Gefangenen schritt, ohne dabei den Blickkontakt mit dem am Boden liegenden jungen Mann zu verlieren.

„Nun, mein kleiner Freund, nachdem du deinen Spaß hattest, wollen wir doch mal sehen, wie es deiner Schwester geht. „

Sein mattes „Lassen Sie sie in Ruhe“ war so schwach, dass es kaum verständlich blieb.

Mühsam stemmte er sich auf die Ellbogen hoch.

Da war die Hexe schon hinter die Gefesselte getreten und fasste von hinten zwischen ihre gespreizten Beine. Urtica sog laut die Luft ein, als eine freche Fingerkuppe über ihre angeschwollenen, empfindlichen Schamlippen fuhr.

„Oh! Die zarte Brennnessel ist ja ganz nass. „

Bedächtig zerrieb sie das natürliche Gleitmittel zwischen Zeigefinger und Daumen, dann leckte sie genüsslich ihre Finger ab.

Nastur war inzwischen schwankend auf die Beine gekommen und machte einen unsicheren Schritt auf die beiden Frauen zu.

Unwillkürlich verglich er die zwei Gestalten. Seine durchtrainierte, großgewachsene Schwester mit den langen blonden Haaren, die ihr verschwitzt ins Gesicht hingen, wirkte der anderen deutlich überlegen, wenn sie nicht gefesselt gewesen wäre. Doch obwohl Gothel in einem deutlich zierlicheren und scheinbar jüngeren, dafür aber überaus weiblichen Körper steckte, ließ ihre aufrechte Haltung und ihr Gehorsam gebietender Blick keinen Zweifel, wer die Kontrolle hatte.

„Wie es scheint, mein Lieber, war der bisherige Verlauf des Abends für deine Schwester durchaus anregend.

Da stellt sich natürlich die Frage, wie wir ihn noch angenehmer für sie machen können. „

„Lassen Sie sie gehen!“

„Ach? Und was hätte ich davon?“

Nastur nahm alle verbliebene Kraft und seinen Mut zusammen und richtete sich hoch auf.

„Wenn Sie Urtica frei lassen, bleibe ich freiwillig bei Ihnen. „

„Ich werde es mir überlegen“, das Lächeln der Frau wurde noch breiter, „meine Entscheidung wird vom weiteren Fortgang dieser Nacht abhängen.

Lege dich ins Bett!“

Mit einem um Vergebung heischenden Blick zu seiner Schwester tat Nastur, was ihm befohlen wurde, und sah zu, wie ihm die Zauberin mit der Gewandtheit einer Raubkatze folgte.

„Zumindest“, dachte er bei sich, „kann ich Urtica auf diese Weise retten. „

Doch die, der seine Gedanken galten, war bereits von der Vorstellung gefangen, erneut und immer wieder Zeugin eines faszinierenden Liebesspiels zu werden.

* * *

Soweit meine Geschichte von Rapunzels Nachkommen. Würde sich eine Fortsetzung lohnen? .

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