Zuckendes Fleisch im Museum

Das Museum für Moderne Kunst bietet doch immer etwas Neues. Heute gab es die Eröffnung von der schon seit Monaten beworbenen Exhibition : „Thrilling Boxes“. Niemand hatte auch nur die geringste Ahnung, was die Ausstellung eigentlich zeigen würde. Eine Künstlergruppe namens „Glory Holes“ zeichnete für die avantgardistische Schau verantwortlich, das war alles, was man wusste. Viele „informierte“ Journalisten glaubten auf Grund der Künstlerbezeichnung „Glory Holes“ natürlich schon zu ahnen, was uns da erwarten würde: etwas Schmutziges, unsagbar Perverses, Frauen- als auch Männerfeindliches.

Nun denn: Gewissheit würde erst in jenem Moment herrschen, wo der Bürgermeister das rosa Eröffnungsband durchschnitten hatte. Für Spannung und hysterisches Interesse war jedenfalls gesorgt.

Als Pressevertreter war es mir gelungen, fast bis auf Tuchfühlung mit den Honoratioren der Vernissagefeierlichkeiten zu kommen. Und als der faule Bürgermeister nach seinen üblichen Eröffnungsworten: „Da die meisten von Ihnen schon vor Neugier zerplatzen, will ich Sie mit einer langen Rede nicht zu sehr auf die Folter spannen – die Ausstellung ist eröffnet!“ mit einem lauten „Schnipp“ das Band durchschnitt, eilte ich gleichzeitig mit den Honoratioren in den großen Ausstellungssaal.

Hier standen lediglich etwa ein Dutzend mannshoher weißer Würfel. Modern eben. Dazwischen waren Tischchen mit Bergen von Brötchen aufgestellt. Während die Besucher als erstes zu den Tischen eilten, um die Sandwichs (lediglich mit billigem Lachskaviar sowie fettem Schinken) in sich verschwinden zu lassen, wunderte ich mich, ob diese Würfel denn schon die ganze Ausstellung sei. Die Würfel…das war alles. Ach, ja…eines habe ich noch nicht erwähnt: bei näherer Betrachtung zeigten alle Würfel in Hüfthöhe seltsame, kreisrunde Löcher in verschiedener Größe.

„Wundervoll diese Kunst!“ rief die Frau des Bürgermeisters und Herr Wundfett, der großartige Wurstfabrikant unseres Landes pflichtete ihr mit vollem Munde bei. Auch all die anderen Mitglieder der feinen Society, die allmählich in den den Würfelsaal strömten, nickten den durchlöcherten Würfeln wohlwollend entgegen.

Plötzlich ertönte aus einem unsichtbaren Lautsprecher Musik, ich denke, es war der Radetzkymarsch, aber so bewusst konnten meine Ohren die Töne gar nicht aufnehmen – bewegte sich doch just in diesem Augenblick etwas im Innern aller Würfel und aus diesem und jenem Loch guckte urplötzlich ein erigiertes männliches Glied, manch Frauenärschlein, e männliche Gesichter mit herausgestreckter Zunge, einige wohlgeformte Brüste, Mädchengesichter mit offenem Mund und last but not least: da und dort ein komplettes weibliches Becken mit leicht gespreizter Vagina, die beiden Beine der Protagonistin lugten seitlich aus zwei weiteren Öffnungen heraus.

Genau wie die offen wartenden Münder der Würfelakteure so öffneten sich nun die Münder der ehrwürdigen Besucher zu einem runden O.

Der Museumsdirektor hatte nämlich eben laut gerufen: „Bitte keine Scheu, greifen Sie nur zu und essen Sie!“ und hatte dabei auf das Buffet gewiesen. Dieser Aufforderung leistete man allerdings mit Eifer in den nächsten Minuten Folge, allerdings bezog man die ZUGREIF-Empfehlung auf die eben erschienenen Körperteile und nicht auf die Brötchen – ein fatales Missverständnis, das die gesamte Republik in den folgenden Tagen und Wochen in eine Krise stürzen sollte.

Meine Pressekollegen konnten nämlich nicht umhin, die nun folgenden Ereignisse millimetergenau zu berichten und zu filmen und stellten damit all die bemitleidenswerten Personen bloß, welche die wichtigsten Pfeiler unseres Landes darstellten. Internationales Kopfschütteln war die Folge, die EU-Ratspräsidentschaft drückte ihr moralisches Missfallen über das schamlose Verhalten in unserem Lande aus, lediglich aus Italien kam tröstlicher Zuspruch.

Also, was war genau geschehen? Die Gruppe „Glory Holes“ hatte lediglich in altbewährter Aktionisten – Tradition die Nacktheit und die Scham zum Ausstellungsthema gemacht….

die Besucher jedoch waren in rätselhafter Weise in eine Art von Rausch geraten, von dem niemand (auch ich nicht) gefeit war.

Den unheilvollen Beginn machte Frau Nagerl, Möbelhauserbin und Abgeordnete einer Partei, die eigentlich für fleischlose Kost stand: mit Genuss präsentierte sie sich als erste, die diese Aktionskunst als teilnehmende(!) Besucherin dieser Aktionskunst absolut modernes Kunstverständnis zeigen konnte. Sie trat ohne Scheu auf eines der Ausstellungsobjekte (nämlich einen Penis) zu und rief: „Ah, lustig! Angreifen darf man das auch?“ Sie schnipste mit zwei Fingern dagegen und das Glied schaukelte wie der Kopf eines Wackeldackels hin und her.

„Und wie isst man das? Messer und Gabel seh ich nirgends, also ess ich halt mit den Fingern!“ Sie kniete sich davor, nahm den Penisschaft – nicht ungeübt – zwischen Daumen, Mittel – und Zeigefinger und steckte sich die Eichel mit den Worten „Ah, die glänzt aber lecker!“ in den Mund.

Eine verrückte Nudel löst natürlich noch keine Staatskrise aus. Das Schmatzen hatte jedoch Hundglatz, den bekannten TV- Moderator kirre gemacht.

Er musste auch gegenüber der Parlamentarierin, die er in den Nachrichtensendungen schon so oft interviewt hatte wieder einmal Schlagfertigkeit beweisen: Er holte daher sein Gemächt aus dem Stall, rieb daran etwas herum, sodass es sich erhob und rief: „Wer redet da immer vom Essen? Füttern sollten wir doch auch!“

Dann schob er sein Glied gleich bis zum Hodenansatz zwischen zwei Lippen, die ihm aus einer Würfelöffnung entgegenlachten. Es handelte sich hierbei zwar um den Mund eines Mannes, aber dieser Irrtum (falls es sich überhaupt um einen solchen handelte), blieb in der allmählich seltsam seufzenden Menge unbemerkt.

Der Museumsdirektor versuchte die Situation noch zu retten, indem er die Tabletts mit Eiscreme, die eben von einigen Kellnerinnen in den Saal gebracht wurden in die Höhe hielt: „Zum Schlecken gibts auch, echt italienisch!“

Ist die Sachlage verfahren, so führt jede Kurskorrektor nur noch zu einer Verschlimmerung. So war es auch hier: denn niemand hatte Augen für das Gelati, jeder starrte nur noch auf die Münder und die Genitalien.

Und der Mann der schließlich die Lawine ins Rollen brachte war der halblinde, emeritierte Staatsbibliothekar Lupus, der seine Zunge in einer rot leuchtenden Vagina versenkte. Lupus war immer für die meisten Bürger ein ethisches Vorbild, eine moralische Instanz, nicht umsonst trug er zahlreiche Orden, die nun während seines vermeintlichen Eisschleckens fröhlich gegen die Würfelwand klimperten. Das Publikum raunte, da und dort ein Glucksen und halb verschluckte Zurufe.

Der händeringende Museumsdirektor rief noch: „Ein Irrtum, ein Irrtum!“, doch es war zu spät.

Drei verrückte Besucher hatten bereits den Start gemacht, der Rest – wehe, wenn die Meute losgelassen – raufte sich nun um die noch freien Geschlechtsteile und Lippen. Röcke wurden gehoben und Slips herabgezerrt, Glieder in Blitzesschnelle entblößt, Finger flogen erektionierend über diese in solcher Geschwindigkeit, dass nur noch verschwommene Würste sichtbar waren.

Groteske Szene spielten sich ab. Ein berühmter Operntenor stellte sich mit seinem Genital, welches übrigens erstaunlichen Durchmesser aufwies, vor einen Mädchenmund:

„Nun schönes Fräulein, wie geht es Ihnen heute?“ und verstopfte ihr aber sogleich, ohne auf eine Antwort zu warten, den Mund.

Bereits nach wenigen Sekunden schrie er auf – ich glaube, es war ein hohes D – zog sein Glied aus den Lippen und glasierte das Gesicht der armen Künstlerin mit weißer Glasur. Mit seinem Hemdzipfel wischte er ihr Nase und Wangen notdürftig ab, der Nächste sollte nicht zu glitschige Verhältnisse vorfinden.

Gleich daneben werkte ein hässlicher Kerl mit seinem gekrümmten Glied an einer Maid und hielt sich dabei an den herausgestreckten Knöcheln wie an zwei Henkeln fest.

Er penetrierte sie so wuchtig, dass ich Angst hatte, der Würfel würde auseinanderfallen. Er erwies sich jedoch glücklicherweise als professionell stabil gebaute Konstruktion.

Eine Society-Lady gab sich von hinten völlig einem riesigen Schaft mit prallem Scrotum hin. Sie quiekte andauernd, hielt sich mit der Rechten den Rock hoch und stimulierte mit ihrer Linken ihre Klitoris, sodass ihr eine Flüssigkeit die schönen Seidenstrümpfe herablief.

Die Stimmung war derart aufgeheizt, dass einige aufgegeilte Männer sogar die Kellnerinnen zu Geschlechtsverkehr zwingen wollten, diese entkamen jedoch in die Garderobe.

Ein Nimmersatt mit besonders grossem Hodensack hatte sich vorgenommen, möglichst alles auszukosten – eben ejakulierte er (von einem Lachssandwich in seiner Linken abbeissend ) bereits ein drittes mal auf eine weitere Mädchenzunge. Um den schalen Geschmack des Ejakulats aufzubessern, schob er ihr das letzte Stück vom Sendwich nach. Mit Erstaunen sah ich, dass sie ihn fast liebevoll anblickte und sich (allerdings mit vollem Mund!)bedankte.

Weiter hinten waren zwei Scherzbolde damit beschäftigt, ein Wettweitpissen auf einen Po zu veranstalten.

Es war verrückt, denn die konservativsten Bürger (man erkannte sie an ihren unrasierten Haardschungeln am Unterleib) gebärdeten sich im Angesicht des präsentierten nakcten Fleisches wie Säue.

Auch ich wurde nun von dieser sexuellen Flutwelle erfasst. Bald fand ich ein schönes pfirsichartiges Gesäß, in welches ich meinen Penis einschob. Ihr heißer After war eine Sensation – mein Sperma schoss wohl ziemlich tief in ihren Darm. Daher schwor ich mir, in meinem Pressebericht doch auch positive Aspekte dieser Ausstellung hervorzuheben.

Man lehnte, ja verkrallte sich fast in die penetrierbaren Würfel. Die meisten taten, als hätten sie weder Zuhörer noch Zuseher. Mit lauten Schreien wurde jeglicher Verkehr getrieben, der vorstellbar ist. Die schamhaftesten leckten immerhin noch an einigen Nippeln.

Die besonders Wilden stürzten sich auf freigewordene Mädchenmünder, aus welchen noch das Sperma des vorigen Besuchers herablief. Überall vor den Öffnungen glitzerten bereits kleine Pfützen mit Sperma und Vaginaessenz und man musste Obacht geben, dass man darauf nicht ausglitt.

Es duftete nach verschiedenen Körpersäften und viele Besucher und -innen standen mit tropfendem und dampfendem Geschlecht da und wussten nicht, wie sie es wieder vernünftig verstauen sollten.

Die Putzfrau des Museums erschien schließlich mit drei rettenden Küchenrollen.

„Pfui, du ohne Gummi machen, du werden krank! “ schimpfte sie zwar, doch sie wischte mit ihrem Mob brav die Sauereinen vor den Würfeln auf.

Die Presseleute befriedigten noch da und dort ihre Bedürfnisse, dort und da wurden noch einige Nahaufnahmen von sich bewegenden Genitalien gemacht, dann stürmten sie mit ihren News hinaus, um der Welt von diesem Megaskandal zu berichten.

Ich hoffe ich habe mit meinem Vernissage-Bericht Kunstinteressierte nicht allzusehr verschreckt…alles war wiegesagt nur ein Irrtum. Ja…und es war die einzige Vernissage in meinem Leben, in welcher das Sandwichbuffet nicht restlos aufgegessen wurde.

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