Die Blume der Aphrodite

Es war an einem kalten Winterabend, als Ben sich mit einer heissen Schokolade und Zigaretten bewaffnet hinter den Computer setzte. Draussen schneite es und der Mond funkelte in der weissen Pracht. Ben wollte sich wieder mal ein bisschen im Internet die Zeit vertreiben und linkte sich in einen Chat, den ihm sein Freund empfohlen hatte. Er wählte die Adresse und stellte schnell fest, dass es sich um eine erotische Plauderecke handelte. Typisch, von Leon konnte man ja nichts anderes erwarten.

Er wählte ohne gross zu überlegen den Nicknamen „Menelaos“, den er vorher in einem Quiz im Fernsehen noch wahrgenommen hatte. Der Chat war gut gefüllt, doch anscheinend nur mit Männern. Kaum lies ein Nickname eine Frau vermuten, stürzten sich die Männer regelrecht auf die arme Frau. Es hatte sich also nichts geändert!

Ben schaute dem Treiben ein bisschen zu und wollte sich gerade ausklicken, als ihn plötzlich jemand mit dem Namen „Athene“ ansprach.

„Guten Abend — wie lautet das Codewort?“ Ben war plötzlich hellwach und wusste zuerst gar nicht was schreiben. Sollte dass ein Witz sein? Warum ein Codewort? Was ist das für ein Chat? Von einem Codewort wusste Ben nichts und schrieb dies dementsprechend der „Athene“ zurück. Eine Antwort kam nicht zurück. Er versuchte es noch einmal und noch einmal. Dann bettelte er sie an, später verflüchte er sie. Doch eine Antwort kam noch immer nicht.

Er fand den Chat völligen Mist und loggte sich in einen Sexchat um sich abzulenken. Doch dort waren anscheinend auch nur Männer. So schaltete er denn PC ab und schlurfte in Richtung Bett.

Am nächsten Tag wurmte ihn die „Athene“ immer noch. Er fragte mal bei seinem Freund Leon nach, ob er auch schon mal ein Codewort angeben musste. Leon war sichtlich überrascht und nervös zugleich. Sein Freund wollte wissen, mit was für einem Nicknamen er in den Chat eingestiegen sei.

Ben erzählte ihm alles und Leon wurde immer ruhiger. Irgendetwas stimmte da nicht, denn Leon kannte er von dieser Seite überhaupt nicht. Er sagte nur „alles klar“ und liess Ben einfach mit den Worten „sorry ich muss gehen“ stehen. Da war was faul dachte sich Ben und konnte es kaum abwarten, zu Hause seine Ermittlungen fortzufahren. Er forschte sich durch das Netz und suchte alles mit dem Namen „Athene“ ab. Doch ausser ein paar geschichtlichen Informationen, fand Ben leider nichts.

Er wollte Leon anrufen, doch auf seinem Handy ertönte nur die freundliche Stimme des Anrufsbeantworter. So entschied sich Ben wieder mit dem gleichen Namen in den Chat zu gehen. Athene war nicht online, schade. Er wartete über eine Stunde und die Zigaretten waren bald alle, als der Chatmaster Athene begrüsste. Er wartete ein paar Minuten und hoffte, dass sie sich wieder bei ihm melden würde. Leider geschah gar nichts und so schrieb Ben folgenden Text an Athene: „Der Austausch zweier Phantasien ist die Berührung zweier Hautschichten“ — keine Antwort.

Er noch einmal einen Anlauf mit den Worten „wir sind Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir uns umarmen“ — wieder keine Antwort. Ben gab Athene (oder sich selber) noch eine Chance und fragte, ob sie die Blume der Aphrodite sei. Dies hatte er bei seinen Nachforschungen über Athene aufgeschnappt, fand jedoch die Aussage ziemlich banal. „Was weißt du über die Blume der Aphrodite?“ kam plötzlich zurück. Ben zuckte zusammen und traute seinen Augen nicht.

Sein Puls schlug schneller, als er folgendes schrieb:

Der Begriff Talisman stammt von dem altgriechischen Wort teleo , was soviel bedeutet wie “einweihen“ oder “magisch aufladen“. Die achtblättrige Blume, die dieser Talisman zeigt, ist ein Symbol für Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe und Schönheit. Aphrodite war unter anderem die Ursache für den trojanischen Krieg: Bei einem Schönheitswettbewerb zwischen ihr und den Göttinnen Hera und Athene bestach sie den Schiedsrichter Paris, den Prinz von Troja, mit dem Versprechen, ihm für den Sieg die schönste Frau der Welt zur Gemahlin zu geben.

Paris wählte Helena von Troja, die Gemahlin des griechischen Königs Menelaos, als Belohnung und so führte die Entführung der Helena zum Beginn des Trojanischen Kriegs. Dieses Amulett wurde früher getragen, um Liebe und Leidenschaft zu entfachen und eine bestehende Partnerschaft zu stärken. Die Symbolik beruht auf der magischen Zahl 6 und steht für das Erblühen der Liebe, der Kraft der Sexualität,

Er hoffte seine einzige Chance nicht verspielt zu haben und wartete geduldig auf Antwort.

Ein paar Minuten später kam prompt die Antwort: „Wer bist du?“. Ben versuchte so gut es ging etwas über sich zu erzählen, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Keine Antwort! Als er dann erzählte, dass Leon ihm den Tipp gegeben hatte, kam folgende Antwort: „Zephyros?“. Jetzt war Ben völlig ratlos und ausser ein „ja“ konnte er nicht mehr schreiben. „Zyphyros hat mich heute vorinformiert, dass du im Chat sein würdest“. Ben verstand überhaupt nichts mehr.

Woher wusste Leon, dass er heute im Chat sein würde? Warum nannte sie Leon Zephyros? Wer war diese Athene und was zum Teufel war hier überhaupt los?

Athene: Hast du eine Webcam?

Ben: Ja

Athene: Starte sie

Ben: Warum?

Athene: Starte sie

Ben: Hast du auch eine?

Athene: Schönen Abend

Ben: Warte… schon gut

Ben startet die Webcam und versuchte einigermassen ein freundliches Gesicht zu machen.

Er konnte sich auf jeden Fall zeigen, denn Ben war 190 gross, schlank, sportlich und durchtrainiert. Seine kurzen dunklen Haare brachten die grünen Augen glänzend zum Vorschein. Sein freundlicher und doch schelmischer Gesichtsausdruck liessen so manche Frauenherzen schmelzen.

Ben: Und?

Athene: Danke

Ben: Bitte gern geschehen und nun?

Athene: Ich melde mich wieder

… und weg war sie.

Ben konnte nicht glauben, was ihm gerade wiederfahren ist. Er zündete sich noch eine Zigarette an und hoffte, dass Athene noch einmal in den Chat kommen würde. Er hatte noch viele Fragen, die eine Antwort suchten. Doch vergeblich…

Es war Samstag, also sah er Leon heute nicht bei der Arbeit. Der Anrufbeantworter leierte noch immer denselben Spruch und Ben machte sich langsam Sorgen. So entschloss er sich in den Wagen zu steigen und bei Leon vorbeizuschauen.

Er klopfte einmal und als sich nichts rührte noch ein zweites mal. Ein gähnendes Knurren war die einzige Reaktion, die Ben wahrnehmen konnte. Wenigstens lebt er noch, dachte Ben sichtlich beruhigt. „Ben? Was machst du hier? Was ist für Zeit? Was soll das?“ fragte Leon verwundert. „Erstens – ich machte mir Sorgen; zweitens — es ist Mittag und drittens — das frage ich dich. “ Leon verstand in seinem Zustand nicht viel und liess Ben erst mal eintreten.

Ben schleuste ihn direkt in die Küche und hielt den Finger vor die Lippen. Ben verstand und schlich leise hinter Leon nach. Anscheinend hatte er Frauenbesuch, denn es lagen etliche Kleider wild verteilt auf dem Boden.

„Also noch einmal, was willst du hier?“ fragte Leon ungeduldig. Ben schilderte seine Erlebnisse im Chat und schaute danach Leon fragend an. Dieser machte sich zuerst ein Kaffe aus der Maschine und setzte sich an den Küchentisch.

Leon wusste, dass Ben durch Zufall schon mehr wusste als ihm lieb war. Zögerlich fing Leon an Ben zu erklären: „Kennst du den Film Eyes wide shut? Gut, denn um einen solchen Geheimbund geht es — nur virtuell.

Alles fing ganz harmlos an. Wie du ja weißt, schreibe ich gerne erotische Geschichten. Per Zufall habe ich ihm Internet Salia kennen gelernt, die ebenfalls eine solche Leidenschaft bekundete. Wir mailten uns in regelmässigen Abständen unsere Fantasien zu und verstanden uns immer besser.

Darauf hin folgten intime Bilder und Videos bis hin zum Cybersex via Cam. Ist übrigens echt geil… Das Verlangen sich einmal zu sehen, wurde immer grösser. Doch wir hatten abgemacht, dass wir uns niemals sehen würden. “ „Ist also Athene diese Salia?“ fragte Ben zwischendurch. „Ja“ war die knappe Antwort. Auf jeden Fall gründeten wir den „Klub der geilen Dichter“ und so kamen immer mehr schreibwütige Cyberdichter auf die Seite. Salia und ich entschieden, wen wir in unseren Klub aufnehmen wollten und wen nicht.

Es gab schliesslich Regeln! Jeder musste sich einen Nicknamen zulegen, wenn möglich ein griechischer Gott. So blieben wir untereinander völlig anonym und trotzdem wussten wir die geheimsten Träume jedes Einzelnen. Dazu musste jeder ein paar Fotos von sich ins Netz stellen, damit jeder sich ein Bild von dem anderen machen konnte. Wohlverstanden, nur Körperbilder. Die ganze Seite wurde natürlich mit Passwörtern und allem drum und dran geschützt. Die Geschichten zu lesen war einfach geil, doch mit der Zeit zuwenig.

Salia hatte den genialen Einfall uns mal zu treffen. Die Idee war, uns zu verkleiden — wie in Eyes wide shut mit einer Maske damit uns niemand gegenseitig erkannte. Salia hatte auch den perfekten Platz gefunden. Eine Villa versteckt in den Bergen. Die Idee war unsere Geschichten in dem exklusiven Kreis vorzulesen und die Reaktionen der anderen zu beobachten. Und so geschah es dann auch“. Leon schlurfte genüsslich seinen Kaffe und zündete eine Zigarette an.

„Und wie ging es dann weiter?“ wollte Ben ungeduldig wissen?

„Das Treffen fand an einem Freitag Abend statt. Ich fuhr also mit einem Umhang und einer Maske bewaffnet zu dieser Villa. Es hatte einen grossen Pool, Sauna, Whirlpool und eben einen grossen Saal. Jeder musste zu einer bestimmten Zeit anreisen, so dass sich ein gegenseitiges Ansehen ausschloss. Jeder Teilnehmer wurde in einen anderen Raum gebracht, wo er sich ausziehen musste. Nur noch ein Umhang sowie eine Maske waren erlaubt.

Es gab ein grosses Buffet mit vielen Spezialitäten. Es war schon eigenartig die Leute aus dem Internet zu treffen, ohne sich zu wirklich zu sehen. Nach dem Essen, zogen sich alle in den grossen Saal um die Geschichten vorzulesen. Salia alias Aphrodite fing an und schon bald wurde die ganze Runde erregt. Jeder konnte machen, was er wollte, ausser den Umhang und die Maske abzulegen. Nach den ersten Geschichten rieben sich die Frauen ihre Spalten und die Männer wichsten genüsslich vor allen.

Man war ja schliesslich anonym! Die Spannung stieg ins Unermessliche und schon bald bildeten sich einige Paare die wild drauflos fickten. Es war ein herrlicher Anblick, denn niemand wusste mit wem er gerade bumste. Am Anfang waren wir 2 Frauen und 2 Männer. Einen Monat später schon deren 6 Frauen und 4 Männer. Heute sind wir 12 Frauen und 10 Männer. Es muss schliesslich im Gleichgewicht bleiben. “

Unser Treffpunkt ist der Chat, den ich dir angegeben hatte.

Ich konnte ja nicht wissen, dass du einen griechischen Gott als Nicknamen verwenden würdest. Deshalb wurde Athene auf dich aufmerksam und wollte dich mit meinem Einverständnis prüfen. “ „Und was heisst das nun?“ fragte Ben völlig gespannt. Die Geschichte klang so unglaublich, dass er nicht wusste war er fühlen sollte. „Du wurdest nun von Athene geprüft und als neues Mitglied aufgenommen. “ Ben schluckte mehrmals und fand keine passenden Worte. „Das nächste Treffen wird dir im Chat mitgeteilt.

Besorg dir einen Umhang und eine Maske und komme pünktlich. Jetzt musst du noch den Schwur ablegen und dann gehörst du zur „Blume der Aphrodite“….

Ben konnte es noch immer nicht fassen! Etwas verstört verliess er die Wohnung von Leon und fuhr zu sich nach Hause. Dort angekommen loggte er sich gleich in den Chat ein, um nicht den nächsten Treffpunkt zu verpassen. Athene war noch nicht im Chat. Plötzlich kam ihm in den Sinn, dass jeder Teilnehmer eine Geschichte vorlesen musste.

Woher soll er die bloss nehmen? War er wirklich so kreativ wie er immer meinte? Ben startete ein anderes Programm und liess seinen Fantasien freien Lauf. Völlig in seine Zeilen vertieft, bemerkte er zuerst nicht, dass Athene im Chat aufgetauchte. Erst als sie ihn ansprach, zuckte Ben zusammen. Jetzt galt es also ernst. „Sei gegrüsst Menelaos“, bekam er zu lesen. „Codewort?“. „Blume der Aphrodite“. „Der nächste Treff ist heute Abend. Du musst pünktlich um 20.

13 eintreffen und im Zimmer 005 dich umziehen. Mit der Maske und dem Umhang bekleidet kommst du in den grossen Saal. Wir begrüssen uns mit den Götternamen und verbeugen uns voreinander. Und weg war sie.

Fortsetzung?.

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