Eine schöne Bescherung 06. Kapitel

Eine schöne Bescherung

Von 2b2batiG

Lieber Leser, liebe Leserin, du stehst im Begriff, das 6. Kapitel der Geschichte „Eine schöne Bescherung“ zu lesen. Endlich erfährst du, ob es in der Beziehung zwischen Sascha und Sven zu einem Happyend kommt oder nicht. Wenn du von der turbulenten und ungewöhnlichen Nacht der beiden jungen Männer direkt vor Heiligabend überhaupt noch nichts weißt, dann lies bitte zuerst die Kapitel 1 bis 5, damit dir wegen mangelnden Hintergrundwissens eine Enttäuschung erspart bleibt.

Ansonsten viel Vergnügen bei der Lektüre des letzten Kapitels.

Kapitel 6

Nach einiger Zeit erwachte mein Freund hinter mir zu neuem Leben. Rasch zog er seinen erschlafften Pimmel aus meiner Rosette und entsorgte den prall gefüllten Präser diskret in einer kleinen Mülltonne neben der schweren Truhe.

„Mann, das war der Jahrhundertfick“, strahlte Sven mich an. „Und wie gierig sich dein kleines Arschloch über meinen Steifen hergemacht hat.

Gar nicht wieder loslassen wollte es ihn. Das war megageil, sag ich dir!“. Sven kam aus dem Schwärmen gar nicht wieder heraus. Schließlich machte er die Schnalle an meinem Hinterkopf auf und erlöste mich zu guter Letzt doch noch von dem Gummiknebel. Es war eine wahre Wohltat, nach stundenlanger Maulsperre den Unterkiefer endlich wieder bewegen und den Mund richtig schließen zu können.

„Aber du musst auch auf deine Kosten gekommen sein, sonst hätte dein bestes Stück bestimmt nicht literweise Sperma abgespritzt“, fuhr Sven fort, unsere letzte Aktion Revue passieren zu lassen.

Ganz ohne Frage hatte der Fick mit meinem Freund mir genauso gut gefallen wie ihm. Solch eine überbordende Lust hatte ich beim Wichsen in meiner Studentenbude noch niemals erlebt. Mit Sven war es der helle Wahnsinn gewesen. Aber ich musste unvermittelt auch an die weniger angenehmen Erlebnisse der vergangenen Stunden denken. In dieser Nacht hatte ich so viel einstecken und stumm herunterschlucken müssen, dass ich das Geschehene nicht einfach auf sich beruhen lassen wollte.

So billig sollte mein Freund nicht davonkommen! Ich verspürte den unbändigen Wunsch, mir wegen der erlittenen Demütigungen erst einmal Luft zu machen.

„Das machst du nie wieder mit mir, du verdammter Mistkerl!“, schrie ich meinen total verstört dreinblickenden Kumpel aus heiterem Himmel an. „Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?“

„Hat es dir also überhaupt keinen Spaß gemacht?“, hakte Sven noch einmal nach, nur jetzt deutlich kleinlauter.

„Spaß? Na, hör mal! Es war der reinste Horrortrip, so wie du mich seelisch und körperlich gequält hast. “ O wie befreiend war das für mich, endlich Dampf ablassen zu können.

„Es tut mir aufrichtig leid, dass die Sache so aus dem Ruder gelaufen ist“, räumte Sven reumütig ein. „Aber ehrlich gesagt, bist du auch nicht ganz schuldlos. Kannst ein ziemlicher Dickkopf sein. “

Dabei versuchte mein Freund, mich durch ein zaghaftes Lächeln versöhnlich zu stimmen.

Sofort meldete sich bei mir das schlechte Gewissen, und für einen Augenblick herrschte betretenes Schweigen.

Dann setzte Sven erneut an, unseren Streit zu schlichten.

„Aber das mit der Folter meinte ich gar nicht, als ich dich fragte, ob es dir gefallen hat. Eigentlich wollte ich wissen, ob der Fick für dich genauso geil gewesen ist wie für mich. „

Gespannt schaute mein Kumpel mich an.

„Er wäre vielleicht noch geiler gewesen, wenn du mich vorher von den Ketten befreit hättest“, antwortete ich ihm ausweichend.

Mein Freund erbleichte. Erst jetzt schien ihm bewusst zu werden, dass ich immer noch als wehrloses Opfer an seinem Foltergestell hing. Bislang hatte er mir nur den Knebel aus dem Mund genommen.

„Natürlich. Klar doch!“, reagierte er leicht verwirrt. „Wird sofort nachgeholt. „

Rasch entfernte er mir die Ledermanschetten von den Hand- und Fußgelenken.

Ich war froh, dass ich endlich meine Arm- und Beinfreiheit wiedererlangt hatte. Verschämt nahm er mir auch das Sackgewicht ab. Offensichtlich war es ihm peinlich, in dieser Situation mein Gehänge zu berühren.

„Konnte ich dich denn wenigstens ein klein bisschen überzeugen?“

Sven war wirklich hartnäckig. Gab der Junge denn überhaupt nicht auf? Aber gerade das beeindruckte mich. Längst hatten der martialische Lederkerl und sein Pendant, der sexy Lederboy, mein Herz erobert.

Aber ich wollte die beiden noch etwas zappeln lassen und mein kleines Spielchen mit ihnen nicht ganz so schnell beenden. Auch sie sollten heute Nacht ruhig etwas leiden.

Und deshalb antwortete ich meinem Kumpel auf seine Frage: „Leider hast du mich nicht so ganz überzeugt!“ In Svens Gesicht machte sich Hoffnungslosigkeit breit.

Ich fuhr jedoch unbeirrt fort: „Du scheinst gern die Spielregeln zu bestimmen und hast etwas dagegen, wenn jemand dir reinredet.

Oder warum hast du mir sonst den Mund mit einem Knebel gestopft? Hattest wohl Angst, ich würde dir nicht nur geile Worte ins Ohr flüstern. Stimmt's?“

Sven machte ein ziemlich belämmertes Gesicht. Wortlos zuckte er mit den Schultern, was wohl heißen sollte, dass meine Vermutung der Wahrheit ziemlich nahekam.

Dann legte ich noch mal nach, um endgültig reinen Tisch zu machen: „Und Herr über meine Arme und Beine wäre ich auch gern gewesen….

„Das sagtest du schon“, wagte mein Freund seinerseits aufzubegehren.

Ohne darauf einzugehen, redete ich weiter: „…denn bei der Wahnsinns-Action hätte ich auch gern etwas aktiver mitgemischt. Zum Beispiel dich gern an mich gedrückt und auf deinem Arm meine Beine fest um deinen knackigen Hintern geschlungen. Aber die Wünsche deiner Partner scheinen dich kaum zu interessieren. „

Schuldbewusst senkte mein Kumpel seinen Blick. „Ich gebe ja zu, dass nicht alles so glatt abgelaufen ist, wie ich es mir erhofft hatte.

Aber was hätte ich denn deiner Meinung nach tun sollen?“, machte Sven einen letzten verzweifelten Versuch, zu retten, was noch zu retten war. „Wenn ich mich schon im Wohnzimmer an dich herangemacht hätte, wärst du mir doch mit hundertprozentiger Sicherheit auf Nimmerwiedersehen davongelaufen. „

„Da magst du wohl recht haben“, musste ich ihm notgedrungen zustimmen. Auf einmal tat mein Freund mir leid. Deshalb beendete ich mein Katz-und-Maus-Spiel mit Sven und erlöste ihn endlich von seinen Selbstzweifeln: „Dafür wirst du mich jetzt aber auch nicht mehr loswerden.

Wer so'ne geile Show in seiner Folterkammer abzieht, darf sich nicht wundern, wenn er anschließend so einen Spätzünder wie mich an der Backe hat. „

„Ist das dein Ernst?“ Die Augen meines Kumpels begannen, vor Freude zu leuchten.

„Mein voller Ernst!“, entgegnete ich mit fester Stimme.

Bevor Sven jedoch total aus dem Häuschen geraten und sich auf mich stürzen konnte, ergänzte ich: „Eine Frage habe ich aber noch.

Schlagartig verdunkelten sich seine Gesichtszüge, und er hielt in seiner Bewegung inne. Mit einem breiten Grinsen um die Mundwinkel fragte ich ihn dann: „Ist es eigentlich auch erlaubt, dich großen Meister der Sexfolter nur einfach in den Arm zu nehmen und lieb zu haben?“

Sven bekam plötzlich ganz feuchte Augen. Dann atmete er erleichtert auf.

„Das fragst du noch? Eigentlich habe ich mich danach doch schon den ganzen Abend gesehnt, du geliebter Spätzünder.

Endlich schmiegten wir unsere nackten Körper aneinander und hielten uns minutenlang in den Armen. Keiner sagte ein Wort mehr, denn endlich verstanden wir uns auch, ohne etwas zu sagen. Die Wärme und den Herzschlag des anderen zu spüren, gab uns Trost und Geborgenheit gleichermaßen. Und in uns keimte die Gewissheit auf, wie schön es sein würde, in Zukunft nicht mehr so allein durchs Leben gehen zu müssen. Sanft berührten sich unsere Münder.

Und als sich unsere Lippen öffneten, fanden sich unsere Zungen zu einem ersten erregenden Kuss.

Als unsere Schwänze anfingen, sich aufmüpfig zwischen unseren Bäuchen zu gebärden, als unsere Berührungen mit den Händen fordernder und wollüstiger wurden und als die Sehnsucht nach erneuter Vereinigung mit dem Körper des geliebten Freundes schier unerträglich wurde, verlegten wir unsere Aktivitäten ins Schlafzimmer. Sven entledigte sich noch seines Ledergeschirrs. Mit einem Augenzwinkern nahm er sich auch die Mütze ab, die er mir dann neckisch auf den Kopf setzte.

„Komm, mein geliebter Lederboy“, sagte er locker, „lass uns dem Weihnachtsfest entgegenreiten!“ Dann fasste er mich entschlossen an der Hand und führte mich zu seinem Bett. Dort legte er sich wie selbstverständlich und ohne ein Wort der Erklärung mit dem Rücken auf die große Matratze und spreizte beide Beine weit auseinander. Das war seine Art der Aufforderung an mich, ihn zu nehmen, so wie er mich vorhin in seiner Folterkammer genommen hatte. Ich war dankbar für dieses Angebot, denn es zeigte mir, dass er in unserer Beziehung doch auf Gleichberechtigung setzte.

Schnell rollte ich mir einen Gummi über meinen steifen Pint. Dann packte ich Sven an den Fußgelenken und drückte ihm seine Knie auf die Brust. Und als sein strammer Knackarsch sich mir dadurch einladend entgegenschob, drang ich kraftvoll in meinen Freund ein. Nachdem er sich an meinen Kolben gewöhnt hatte, fickte ich ihn gleichmäßig und ausdauernd. Sven schien die Sache genauso zu genießen wie ich, denn sein lustvolles Stöhnen zeugte davon, dass mein Schwanz ihm alle erdenklichen Freuden der Welt in seinem Arsch bereitete.

Dann wurden unsere Bewegungen wilder und leidenschaftlicher. Sven griff zwischen unsere Bäuche und wichste frenetisch an seinem steifen Rohr. Ich stieß meine Lanze immer rücksichtsloser in seinen wunderbar engen Fickkanal, was ihn jedoch nicht im Mindesten zu stören schien, sondern im Gegenteil auf seinem Weg zum Höhepunkt sichtlich antörnte. Schließlich kam es uns fast gleichzeitig. Und obwohl es nicht unser erster Orgasmus in dieser Nacht war, erlebten wir ihn mit einer solchen Wucht und Intensität, dass es eine ganze Weile dauerte, bis wir aus diesem wohligen Erschöpfungszustand wieder erwachten.

Total glücklich blickte ich meinem Freund in die Augen.

„Nicht schlecht für dein erstes Mal“, sprach Sven mir seine Anerkennung aus. „Du hast mir ganz schön eingeheizt. Kompliment! Und übrigens, die Mütze steht dir ausgezeichnet. Siehst ziemlich sexy damit aus. „

Ich freute mich über das Lob aus dem Munde meines Freundes und entgegnete: „Das habe ich doch alles nur dir zu verdanken. Wenn du mir sexuellem Obertrottel nicht auf die Sprünge geholfen hättest“, übte ich fleißig Selbstkritik, „wäre ich mit Sicherheit ein hoffnungsloser Fall geworden.

„Mach dir darüber keine Gedanken mehr, mein geliebter Sascha“, gab Sven sich großmütig. „Zu guter Letzt hat es doch noch mit uns beiden geklappt. Und das Einzige, was zählt, ist, dass du jetzt bei mir bist!“

Strahlend kam er mit seinem Gesicht zu mir nach oben und gab mir einen dicken Kuss auf die Wange. Dann kuschelten wir verliebt unter der Decke.

Als ich am nächsten Morgen gegen sieben Uhr in Svens Armen erwachte, fiel es mir verdammt schwer, aufzustehen und mich endlich auf den Weg nach Hause zu machen.

Es half jedoch alles nichts, wollte ich den Bogen nicht noch mehr überspannen und so kurz vor dem Fest einen ordentlichen Krach mit meiner Familie riskieren. Es würde mich ohnehin schon meine ganzen Überredungskünste kosten, meinen Lieben plausibel zu machen, warum ich ausgerechnet am Heiligabend erst am frühen Morgen an die Burg kam.

Ganz leise kroch ich unter der Decke hervor, um meinen Lover nicht aufzuwecken. Nach der anstrengenden Nacht konnte er den Schlaf bestimmt gut gebrauchen, um abends wieder fit zu sein.

Da hatte ich jedoch die Rechnung ohne meinen Freund gemacht. Kaum dass ich auf der Bettkante saß, erwachte er ebenfalls. Nachdem er die Nachttischleuchte angeschaltet hatte, zog er mich liebevoll wieder zu sich nach unten.

„Bitte geh noch nicht“, flüsterte er mir flehend ins Ohr. „Wir können doch noch gemeinsam frühstücken. „

„Ach, lass gut sein, Sven“, erwiderte ich schweren Herzens, „aber ich muss jetzt wirklich aufbrechen, wenn ich zu Hause keinen Ärger bekommen will.

“ Voller Verlangen schmiegte ich mich an ihn, um ihm zu zeigen, wie gern ich noch geblieben wäre.

„Wenn du nichts dagegen hast, können wir uns doch morgen schon wiedersehen“, versuchte ich, uns den Abschied zu erleichtern. Und mit Anspielung auf den armen Christian fügte ich hinzu: „Oder hätte ich mich für ein Treffen mit dir erst anmelden müssen?“

Sven wurde rot im Gesicht. Mich fest an sich ziehend, antwortete er: „Ich hoffe, du nimmst mir die Sache mit den Jungen nicht übel.

Aber eins kann ich dir versprechen, das gehört ab heute der Vergangenheit an. Christian & Co müssen sich von nun an neue Spielgefährten und eine andere Folterkammer suchen. Diese ist einzig und allein nur noch für uns beide reserviert. Natürlich nur, wenn du magst. „

„Na, dann frohe Weihnachten, mein Liebster“, strahlte ich Sven an. „Und weißt du was? Auf deine Bescherung morgen freue ich mich ganz besonders. „

***

Als ich bei uns zu Hause die Küche betrat, saß die ganze Familie schon zusammen beim Frühstück.

Natürlich war es Niclas gewesen, der alle noch zu nachtschlafender Zeit aus den Federn geworfen hatte. Hoffentlich würde der kleine Wirbelwind uns an den Feiertagen etwas länger schlafen lassen. Jetzt kam er ganz aufgeregt zu mir gerannt und erklärte mir mit großer Wichtigkeit:

„Sascha! Sascha! Opa hat gesagt: ‚Heute Abend kommt der Weihnachtsmann!'“

Als ich ganz überrascht und ahnungslos tat, freute sich der Kleine wie ein Schneekönig. In der Zwischenzeit hatte meine Mutter mir eine Tasse Kaffee eingeschenkt, die ich nach der turbulenten Nacht gut gebrauchen konnte, was ich meiner Familie natürlich nicht so direkt mitteilte.

„Sorry Leute, dass ich jetzt erst nach Hause komme“, entschuldigte ich mich, nachdem ich mich zu ihnen an den Tisch gesetzt hatte. „Ich habe gestern Abend auf dem Weihnachtsmarkt Sven Neumann, meinen alten Schulkameraden, getroffen. Wir hatten uns schon seit drei Jahren nicht mehr gesehen. Und da gab es natürlich eine ganze Menge zu erzählen. Und als wir dann noch bei ihm in der Wohnung gelandet sind, haben wir bei Punsch und Klönschnack schlichtweg die Zeit vergessen.

“ Und zu meinem Schwager Andreas gewandt, ergänzte ich: „Aber ich habe mich ja noch telefonisch gemeldet, damit ihr wusstet, wo ich war, und ihr euch nicht unnötig Sorgen machen würdet. „

„Ja, ja, das hat Andreas auch gesagt, dass du angerufen hast“, bestätigte mein Vater. Ich merkte jedoch an seinem Tonfall, dass ihm mein Verhalten nicht so recht gepasst hatte. „Aber musstest du denn gerade heute woanders übernachten, wo sich die ganze Familie endlich mal wieder unter einem Dach zusammengefunden hat? So weit ist es doch nun auch nicht von deinem Freund zu uns!“

Ich wollte gerade etwas zu meiner Rechtfertigung sagen, als sich meine ältere Schwester Daniela in das Gespräch einschaltete.

Etwas überrascht schaute ich sie an. Wollte sie mir etwa Schützenhilfe in der Auseinandersetzung mit unserem Vater geben? Ich konnte es kaum glauben, wo sie es doch sonst immer war, die mir noch zusätzlich eins auf den Deckel gab, wenn man mich schon in die Enge getrieben hatte. Wie berechtigt meine Zweifel waren, sollte sich auch sofort herausstellen.

„Sven Neumann?“, fragte sie ganz arglos. „Wenn man den Gerüchten der Leute Glauben schenken darf, dann soll der schwul sein! Hast du das gewusst?“

Jawohl! Da war er wieder gewesen, der berühmte Tiefschlag meiner ach so feinfühligen Schwester.

Fast hätte ich mich an meinem Kaffee verschluckt. Aber nur fast; denn Gott sei Dank war ich ja auf der Hut gewesen. Und aus dem Grunde konnte ich auch gleich zur Retourkutsche ausholen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht antwortete ich ihr: „Nein, hab ich nicht gewusst. Aber vielen Dank für deine Information, Schwesterherz; denn jetzt habe ich endlich eine Erklärung dafür gefunden, warum sich mein Arschloch heute Morgen so wund angefühlt hat!“

Plötzlich herrschte betretenes Schweigen am Tisch.

Alle schauten verlegen auf ihre Teller. Mein Schwager Hartmut räusperte sich geräuschvoll. Nur der kleine Niclas hielt sich überrascht eine Hand vor den Mund und blickte mit weit aufgerissenen Augen in die Runde. Dann sagte er endlich: „Sascha, du hast das A-Wort gesagt. So was tut man aber nicht!“

„Recht hast du, Niclas!“, stimmte unsere Mutter dem Kleinen energisch zu. „Sascha sollte sich wirklich schämen, dass er solche Worte in den Mund nimmt.

Aber hallo! Was hatte ich denn Schlimmes verbrochen, dass alle auf mir herumhackten? Als ich heute Morgen von Sven aufgebrochen war, hätte ich die ganze Welt umarmen können, so überglücklich war ich gewesen. Aber scheinbar musste es immer einige Zeitgenossen geben, wie zum Beispiel meine werte Schwester Daniela, die einem dieses Glück nicht gönnten.

Um meinen verbalen Ausrutscher vor Niclas wieder wettzumachen, versteckte ich mein Gesicht schamvoll hinter meinen Händen, blickte jedoch neckisch zwischen meinen gespreizten Fingern zu dem Knaben hinüber.

Durch den Beistand seiner Oma mutig geworden, tönte es sogleich frech aus seinem Munde: „Du kuckst ja! Das güldet aber nicht!“

Dann sprang der kleine Knirps vom Platz neben seiner Mutter auf und rannte wild durch die Küche. Nach Aufmerksamkeit heischend, rief er immer wieder: „Sascha hat das A-Wort gesagt. Sascha hat das A-Wort gesagt. “ Als er jedoch merkte, dass ihn keiner beachtete, veränderte der kleine Trotzkopf den Satz so provozierend, dass er sich des allgemeinen Interesses gewiss sein konnte.

„Sascha hat Arschloch gesagt. Sascha hat Arschloch gesagt. “

Prompt griff nun sein Vater ein: „Niclas, hör auf damit! Das ist überhaupt nicht mehr witzig. „

Mein Neffe war aber schon so aufgedreht, dass er sich erst beschwichtigen ließ, als Andreas mit ihm nach draußen gegangen war.

Gleich musste ich wieder herhalten, um das entstandene Vakuum auszufüllen. Vorwurfsvoll schaute Daniela zu mir herüber.

„Da kannst du mal sehen, was du wieder angerichtet hast“, sagte sie schnippisch.

Weil Niclas nicht mehr im Raum war, nahm ich jetzt auch kein Blatt mehr vor den Mund.

„Warum bin ich denn wieder einmal der Schuldige? Wer hat denn vorhin damit angefangen, Gerüchte aus unserer ehrenwerten Stadt in unserer sauberen Küche auszubreiten?“

„Ach Kinder, zankt euch doch nicht ständig“, startete meine Mutter einen Versuch, unseren Streit zu schlichten.

„Es ist doch Weihnachten!“

Resigniert zuckte ich mit den Schultern. Wozu musste das schöne, alte Weihnachtsfest denn noch herhalten? In unserer Familie also jedenfalls für Friede, Freude, Eierkuchen. Auf dass die Probleme nicht ausdiskutiert, sondern bis nach den Feiertagen unter den Teppich oder besser noch unter den Tannenbaum gekehrt wurden.

„Apropos Weihnachten“, sagte ich ganz beiläufig, nachdem Andreas und Niclas wieder in die Küche zurückgekommen waren. „Auch Sven wünscht euch allen ein friedliches und besinnliches Fest!“

Daniela sah mich böse an und verdrehte dabei die Augen.

Der kleine Seitenhieb war also angekommen.

Ja, und dass Sven ab heute häufiger bei uns auftauchen würde, das sagte ich meinen Lieben noch nicht. Ich wollte ihnen das Weihnachtsfest doch nicht völlig verderben! Diese schöne Bescherung würde es erst im neuen Jahr geben.

Ende.

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