Als Scheidungswitwe

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Als Scheidungswitwe — Ehevermittlung die erste

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Zur Übersicht für die geneigte Leserin und den geneigten Leser — es gibt ja deren einige, denen meine Geschichten gefallen — hier eine chronologische Übersicht meiner bisherigen Geschichten:

[Der Unterschied]

[Die Grundbegriffe]

Das Obligatorische

[Über einen starken Typ]

[Ferienspaß I]

PennälerInnenfeten

Lernen fürs Abitur

[Ferienspaß II]

Erstes Eheleben

Auf Schlingerkurs in den Hafen (mit Ferienspaß III)

Der weltberühmte Pianist hat heute nicht seinen besten Tag

Auf der Durchreise

Der Wanderclub

Die Ernennung

[Hinter unverschlossenen Türen]

Vetternwirtschaft

Vom anderen Ufer

An der Ostsee hellem Strande …

Wenn der Herr außer Haus ist, tanzt das Mäuslein im Bette

Die Rettung aus der Gosse

Die Tröstung

Gartenarbeit

Das Cembalo

Urlaub mit Mama

Als Scheidungswitwe — Ehevermittlung die erste

Die mit [] markierten Texte sind nicht in ### zu finden, denn sie handeln von Jugenderlebnissen, bei denen einige der handelnden Personen noch keine achtzehn Jahre alt sind, oder sie sind kürzer als 750 Wörter.

Wer auch diese Texte lesen möchte, melde ich bei mir, möglichst per E-Mail.

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Die schönen Liebesstunden mit Tadziu waren leider zu Ende, und ich war wieder allein, außer natürlich im Dienst und bei Besuchen bei meiner Mutter oder bei Besuchen von und bei Trudi oder —

Aber allmählich wurde mir das Fehlen eines nahen Partners schmerzlich bewußt. Was immer zwischen Dieter und mir war oder nicht war — bis zu meiner Scheidung hatte ich immer einen Partner im Haus, der — außer wenn er seinen Weibern nachstieg, und das tat er nur am Nachmittag — immer freundlich und hilfsbereit war.

Die Kurzaffäre mit Tadziu und der Nordseeurlaub waren ein wahres Aufatmen gewesen, aber nun war ich nachmittags, abends und nachts wieder fast immer allein, und nie in meinem Leben habe ich mich so oft und mit so raffinierten Tricks selbst befriedigt wie in den nun folgenden Wochen.

Andererseits hatten mich gerade diese Affären bezüglich meiner Wirkung auf Männer wieder selbstsicher gemacht. Wenn ich nicht gerade wieder einmal Trübsinn blies, war mir schon klar, daß ich mir die sympathischsten Männer aussuchen konnte — kaum einer würde meinen Verführungskünsten widerstehen.

Die Auswahl wurde aber wesentlich dadurch begrenzt, daß ich aus weiblicher Solidarität keiner Frau ihren noch so sympathischen Mann oder Freund wegnehmen wollte. —

Ich hatte einen äußerst sympathischen Kollegen, Herbert mit Namen — wir duzten uns mit den meisten Kollegen, sein Nachname war Hecht — mit den Fächern Mathematik und Physik, der mit seiner Frau im Haus seiner Mutter in Ohlstedt, der Endstation der U-Bahn im Nordosten Hamburgs, wohnte; das Haus war aber noch zwei Kilometer von der U-Bahn entfernt.

Als durchgeistigter Mensch meinte er, nie Autofahren lernen zu können, und so fuhr er jeden Tag mit dem Fahrrad zur Endstation der U-Bahn und zuckelte dann mit derselben in fast einer Stunde zu unserer Schule — und abends wieder zurück. Leider war seine Frau vor eineinhalb Jahren ganz unerwartet an Krebs gestorben, und bei der Trauerfeier hatte ich auch seine Mutter und deren Haus kennengelernt.

Es war an einem Spätnachmittag im November nach einer Lehrerkonferenz, daß es in Strömen goß und ich Herbert vorschlug:

„Du kannst doch bei diesem Wetter nicht nach Hause fahren! Willst du nicht bei mir übernachten?“

„Aber Melanie, das geht doch nicht, bei dir als alleinstehender Frau.

Was sollen deine Nachbarn denken?“

„Na, was werden die sich schon denken, wenn sie dich überhaupt sehen? In dem Block, in dem ich wohne, ist es nicht so anonym wie wohl so oft, ich habe lauter nette Nachbarn, und wenn sie sich etwas denken, dann sollen sie. Es muß ja nicht richtig sein, was sie sich denken!“

„Ich kann wirklich nicht zu dir kommen, ich habe noch die Hefte mit der Klassenarbeit für meine Mathestunde morgen zu Hause, die muß ich in jedem Fall abholen!“

„Also dann, Herbert, keine Widerrede, dann fahre ich dich schnell nach Hause.

So weit ist es ja auch nicht, ich kenne den Weg gut“ — von Wanderungen mit Otto, aber das sagte ich Herbert nicht! — „und fahre gern Auto. „

Pro forma brummte Herbert noch eine Art Protest, ließ sich dann aber gern von mir nach Ohlstedt fahren. An der U-Bahn-Station verstauten wir Herberts Fahrrad notdürftig in meinem zu kleinen Kofferraum — vorschriftswidrig ohne rotes Fähnchen — und fuhren die für ein Auto kurze Strecke zu Herberts Haus.

Hier lud mich Herbert noch zu einem Kaffee ein, was ich gerne annahm. Als ich mir die Hände wusch und mich etwas frisch machte, hörte ich, wie Herberts Mutter ihm sagte, er hätte doch gern in der Stadt bei mir bleiben können und nicht den weiten Weg nach Ohlstedt machen müssen — allerdings: die Hefte!

Ich wurde auch noch zum Abendessen eingeladen — und weil es immer noch goß, auch zum Übernachten.

Herberts Mutter gab mir ein Nachthemd und machte mir das Bett im Gästezimmer. Hier schlief ich sanft und selig in der frischen Landluft und dem gemütlichen Rauschen des Dauerregens.

Am nächsten Morgen hatte uns beiden — der „Jugend“, wie sie sagte — Herberts Mutter schon das Frühstück bereitet, und wieder sagte sie, Herbert könne gern bei mir übernachten, wenn wieder es wieder einmal unvernünftig wäre, nur zum Übernachten nach Ohlstedt zu fahren.

Durch ihr ganzes Verhalten gab mir Herberts Mutter zu verstehen, wie sympathisch ich ihr war; sie hoffte wohl, ich könnte Herberts Frau werden.

Weil es immer noch regnete, ließen wir Herberts Fahrrad im Schuppen, und ich fuhr mit ihm zur Schule. Nach dem Unterricht fuhr ich Herbert nicht wieder nach Ohlstedt, denn es war Freitag, und Herbert würde von der U-Bahn zu Fuß nach Hause gehen.

Aber schon in der Woche darauf hatte ich Herbert als Schlafgast.

Er unterrichtete nämlich nicht nur an unserer Schule, sondern gab auch den Kurs in Analysis für Fortgeschrittene an der Volkshochschule. Und dieser Kurs war gerade jetzt im Winter auf Montags und Donnerstags von 20 bis 22 Uhr gelegt worden. Herbert rief mich am Sonntag an, erzählte mir dies — ich wußte es natürlich schon, denn wir hatten im Lehrerzimmer darüber gesprochen — und fragte mich, ob er Montags und Donnerstags bei mir übernachten dürfe — „ich bringe auch Schlafanzug, Zahnbürste und einen Schlafsack mit!“

„Das freut mich“, antwortete ich, „aber den Schlafsack kannst du zu Hause lassen.

Ich bezieh dir das Klappsofa im Wohnzimmer!“

Also schon am nächsten Tag klingelte Herbert — mit einem Rucksack „bewaffnet“ — um halb elf abends bei mir. Wir aßen in der Eßecke in der Küche ein Nasi Goreng, das ich vorbereitet hatte, dann zeigte ich Herbert seine Schlafstatt, und er sah beim Gang ins Badezimmer durch die offene Tür auch meine Spiegel-Schrankwand.

„Du bist ja für alle Eventualitäten ausgestattet! Ich habe bei mir auch so einen Kleiderschrank — ein Geschenk meiner Mutter zu meiner Hochzeit — sie ist eine lebenslustige Frau — du hast sie ja kennengelernt — sie weiß, was ein Männerherz erfreut.

„Ein Männerauge!“, korrigierte ich ihn, aber das war in diesem Augenblick nicht der richtige Ton, denn Herbert wurde etwas wehmütig, als er an seine glückliche und so tragisch zu Ende gegangene Ehe zurückdachte.

„Das tut mir wirklich leid, daß es mit deiner Hilde so schnell zu Ende gegangen ist. Habt ihr denn gar nichts vorher gemerkt?“

„Ich Trottel habe nichts gemerkt, und Hilde hat ihre Leibschmerzen immer verschwiegen, wohl um mich nicht zu belasten.

Und als sie endlich zu einem Internisten ging, war es zu spät. „

Ich gab Herbert einen Kuß auf die Stirn, und wir legten uns schlafen.

Herberts Übernachtungen wurden in den folgenden Wochen zu einem Ritual. Wenn Herbert kam, aßen wir noch etwas zusammen, oder wir trafen uns in einem Restaurant. Manchmal sahen wir noch eine politische Sendung oder einen Film im Fernsehen, aber nie machte Herbert Anstalten, sich mir zu nähern: immer das Korrekte, ganz so, wie er auch seinen Dienst versah.

Dagegen war ja eigentlich nichts einzuwenden, aber ich sehnte mich doch wieder danach, die Wärme eines lieben Mannes neben mir zu spüren — und dann wohl auch das Weitere. Ich merkte auch an Herberts Verhalten, daß ich ihm als Frau nicht ganz gleichgültig war, und wenn es im Film eine etwas gewagtere Szene gab, machten wir schon lockere Bemerkungen.

Als einmal eine Szene mit einer Liebedienerin zu sehen war, schloß ich aus Herberts Bemerkungen, daß er dieses Milieu kannte.

„Du warst doch sicher schon einmal bei einer solchen Dame?“, fragte ich ihn direkt.

„Ja, Melanie, um ehrlich zu sein, nach Hildes Tod war ich manchmal bei einer Thailänderin in ihrer Wohnung. Schockiert dich das?“

„Überhaupt nicht! Das ist doch völlig normal! War es schön mit der Thai-Dame?“

„Sehr schön! Ich war einer ihrer Stammkunden. Aber dann ist sie plötzlich verschwunden, und als ich wieder bei ihr klingelte, öffnete ein blödes dickes Trampel.

Seitdem mache ich Marke Eigenbau — du hast es vielleicht gehört. „

Ja, das hatte ich manchmal aus dem Wohnzimmer gehört!

Aber der korrekte Herbert wollte nicht anbeißen. Ich hatte, wie gesagt, nach dem Ende meiner Liebschaft mit Otto, nach der Scheidung und nach den Appetit-Anregungen mit Tadziu und Ingwer große Sehnsucht nach Wärme und einer Umarmung, wollte mich Herbert aber nicht einfach an den Hals schmeißen, denn eigentlich war mir gerade sein zurückhaltendes Wesen sehr sympathisch.

Nach zwei weiteren Wochen, in denen wir montags und donnerstags wohl den Tisch, aber nicht das Bett geteilt hatten und nur mit Bademantel bekleidet, nie nackt, durch die Wohnung gingen, legte ich Herbert, als wir wieder einmal eine Komödie im Fernsehen sahen, in der es auch um Sex ging, sanft eine Hand aufs Knie und fragte:

„Herbert, ich habe so ein schlechtes Gewissen, daß du immer auf der harten Klappcouch schläfst, willst du nicht — aber ich will dich nicht drängen — mit mir in meinem großen Bett –„

„Aber Melanie, darum habe ich mich doch nicht hier einquartiert! Es ist doch wirklich unpraktisch, daß ich nur zum Schlafen so weit rausfahre.

Es macht mir gar nichts aus, hier auf der Couch zu schlafen, und hart ist sie auch nicht!“

„Das ist sehr edel von dir. Aber mal von der anderen Seite gesehen: Ich bin einfach zu faul, dir hier immer das Bett zu machen! Es wäre doch viel einfacher, wenn wir zusammen –„

„Aber das macht mir doch nichts aus! Ich kann mir doch gern selbst das Bett machen, das mache ich doch zu Hause auch!“

„Du machst es eben zu Hause nicht, sondern schlägst es morgens auf zum Lüften, läßt es den Tag über so liegen uns steigst abends wieder so ins Bett.

Aber hier muß ich immer morgens das Bettzeug wegnehmen, denn wer weiß, welcher Besuch kommt –„

„Aber das mache ich doch gern alles auch selbst! Das hättest du mir doch schon längst sagen sollen! Ich bin doch so froh, daß ich abends hier mit dir sitzen darf!“

„Ich bin ja auch froh, daß du hier bist — wenigstens die zwei Tage — und, Herbert — ich würde so gern wieder die Wärme eines lieben Menschen spüren — komm doch zu mir ins Schlafzimmer — zier dich doch nicht — dein Trauerjahr ist ja auch schon vorüber — ich freß dich nicht auf — und ich verlange auch nicht wegen geraubter Unschuld die Ehe, wenn du das vielleicht befürchtest –„

„Aber denk doch bitte nicht, ich hätte deswegen –„

„Das denk ich doch gar nicht, ich weiß doch, daß du nicht deswegen hier übernachtest — aber ich will nicht immer so allein sein — also, wenn du willst — ich würde mich freuen…“

„Melanie, das kommt jetzt für mich etwas unerwartet –„

„Wirklich?“

„Ja, Melanie, ganz ehrlich: wirklich! Vielleicht — vielleicht das nächste Mal –„

„Na, Herbert, überleg dir's!“

Damit gab ich ihm einen herzhaften Kuß auf die Wange und fuhr fort:

„Gehst du oder gehe ich zuerst ins Badezimmer?“

„Geh mal du und laß mich noch über diesen Abend nachdenken, liebe Melanie!“

Ich machte mich also zum Ins-Bett-Gehen fertig.

„Liebe Melanie“: na ja, vielleicht ja doch!?

Ich legte mich nackt ins Bett und las noch ein paar Seiten. Dann wurde ich schläfrig; ich drehte mich zur Seite, machte das Licht aus und schlief bald ein.

Ich wachte — ich weiß nicht, wieviel später — davon auf, daß sich Herbert an mein Bett schlich, sich hinter mir parallel zu meiner Embryo-Haltung an mich schmiegte und mich mit der freien Hand ganz zart streichelte.

Er war ebenfalls nackt. Ich gab ihm ohne Worte zu verstehen, wie wohl mir das tat. Es war wie mit Fredi — dies ist wohl ein übliches Ritual verführter Männer, die einer eindeutigen Aufforderung anstandshalber nicht auf der Stelle folgen wollen.

Ich bewegte mich noch ein wenig, um unsere Berührungsfläche zu maximieren; dabei fühlte ich Herberts harten Stab. Als ich spürte, daß er eindringen wollte, hob ich etwas mein oberes Bein, um es ihm zu erleichtern.

Wie von selbst fand Herbert den richtigen Eingang und brachte mich mit ganz langsamen, ruhigen Bewegungen zum Höhepunkt, den wir fast gleichzeitig erreichten. „Der Kerl hat kein Kondom benutzt“, dachte ich schlaftrunken; nach der Scheidung war ich zunächst etwas lässig im Nehmen der Pille gewesen. Aber in dieser seligen Stimmung war mir das egal; ja, ich hätte gern auch ein Kind von Herbert bekommen.

Als wir fertig waren, streichelte mich Herbert noch weiter, aber bald schliefen wir beide ein, ohne ein Wort miteinander gesprochen zu haben.

Während der Nacht mußte ich mich im Schlaf umgedreht haben, denn als wir aufwachten, sahen wir einander ins Gesicht, lächelten uns an und umarmten uns zu einem stürmischen Kuß.

Es war aber nun Zeit aufzustehen und zum Dienst zu fahren. Wie meistens stand frau — also ich — zuerst auf und ließ mir wie immer in meinen glücklichsten Tagen viel Zeit im Badezimmer. Als ich aus dem Bad kam — das erste Mal nackt vor Herbert — hatte dieser schon den Frühstückstisch gedeckt.

Während ich mich anzog, machte sich Herbert im Bad fertig, und auch während des Frühstücks wechselten wir kein Wort, sondern lächelten uns „nur“ verliebt an. Erst beim Abräumen des Geschirrs sprachen wir miteinander, das heißt, gleichzeitig sagte ich: „Danke für diese Nacht, Herbert!“ und Herbert: „Das war so schön mit dir, Melanie!“

Über diese gleichzeitigen, sich überkreuzenden Sätze mußten wir beide lachen und küßten uns wieder innig. „Reden wir das nächste Mal miteinander!“ war das Einzige, was wir heute noch sagten.

Während der Fahrt zum Dienst sahen wir uns nur an den roten Ampeln verliebt an. Gut, daß Herbert heute in der Schulbehörde zu tun hatte, ich weiß nicht, ob wir unsere Verliebtheit vor den Kollegen hätten verbergen können.

An den nächsten beiden für Herbert volksschulfreien Tagen grüßten wir uns in der Schule wissend, aber nach außen unauffällig.

Und an unserem nächsten jour oder genauer soir fixe hatte Herbert zum Abendessen einen besonders guten Rotwein mitgebracht.

Während des Essens unterhielten wir uns wie auch bisher immer über die Schule, über die Politik und alle anderen unwichtigen Dinge. Schließlich konnte sich Herbert dann doch nicht zurückhalten und fragte schüchtern:

„Melanie, darf ich auch heute wieder zu dir kommen?“

„Na klar, Herbert — aber ich muß vorher noch etwas mit dir besprechen –„

„Ich auch, ich muß dir auch was sagen. Also, Melanie, –„

„Nicht jetzt: nachher im Bett!“

Wir aßen unsere Rinderrouladen fertig, die ich zu diesem „Festtag“ vorbereitet hatte — und dann auch einen Nachtisch — aber wir konnten beide das warme Bett kaum erwarten.

Allerdings beinhaltete unser normaler Ritus zu dieser noch nicht allzu vorgerückten Tageszeit noch etwas Fernsehen.

„Wollen wir vorher noch die Tagesthemen sehen“, fragte ich pro forma, „oder es läuft in RTL oder Vox, glaube ich, Emanuelle dreizehn, das wird uns vielleicht anregen!“

„Ich hätte das heute nicht nötig! Und du?“

„Ich eigentlich auch nicht! Ich geh dann schon mal ins Bad!“

In Windeseile trafen wir uns im Bett wieder, jeder brav unter der Bettdecke in seiner Hälfte, und Herbert hub an:

„Also, Melanie, ich muß dir etwas sagen –„

„Erstmal ich! Also, Herbert, was hast du dir eigentlich dabei gedacht, mich ohne Kondom und ohne Interruptus zu bearbeiten? Was wird, wenn ich ein Kind bekomm? Willst du mich dann heiraten?“

„Ja, Melanie, da hätte ich wenig gegen –„

„Dagegen hätte ich wenig –„

„Ja, Melanie, du als Deutschlehrerin — also: Natürlich würde ich dich dann heiraten, aber ich dachte, du nimmst sowieso die Pille und –„

„Woher weißt du solche Intimitäten? Die Wahrheit ist, nach meiner Scheidung bin ich etwas nachlässig mit der Pille geworden, war auch manchmal zu faul, in die Apotheke zu gehen, und ich weiß nicht, ob ich im Augenblick gegen Empfängnis geschützt bin.

Ich bin ja gestern gleich wieder eingeschlafen und habe mich nicht gleich gewaschen und ausgespült, und wenn es passiert ist, dann ist es passiert!“

„Ich glaub, ich kann dich beruhigen. Wir haben uns mit Hilde immer Kinder gewünscht und fleißig darauf hingearbeitet, aber Hilde ist nie schwanger geworden –„

„Das konnte ja auch an Hilde liegen!“

„Aber Hilde hat sich untersuchen lassen, und bei ihr war alles in Ordnung.

„Und du hast sich nicht untersuchen lassen?“

„Nein, bisher noch nicht. Ich könnte damit leben, zeugungsunfähig zu sein — man kann ja auch ein Kind adoptieren — ,die Stimme des Blutes` finde ich Quatsch — aber so eine Untersuchung kommt mir wie eine Nazi-Ehetauglichkeitsuntersuchung vor. „

„So ein Vergleich geht ja doch vielleicht zu weit!“

„Ja, da hast du natürlich recht, Melanie.

Ich sollte mich mal untersuchen lassen, um Klarheit zu haben. Machen wir es also erstmal mit Kondom. — Aber ich wollte dir etwas ganz anderes sagen!“

„Na, was denn?“

„Es gibt da noch eine andere Frau. „

„Du lieber Wüstling! Das hätte ich dir gar nicht zugetraut! — Entschuldige, das meinte ich jetzt nicht so! — Bei mir gibt es im Moment keinen anderen Mann.

Aber du hast ja wohl von den Kollegen schon von meinem Ruf gehört: Das könnte sich von einem auf den anderen Tag ändern! — Wer ist es denn?“

„Nicht ganz so, wie du denkst, Melanie! Es ist meine Cousine Karin in Frankfurt. Du hast sie ja auf Hildes Begräbnis kennengelernt — die Frau in Schwarz –„

„Auf dem Begräbnis waren ja fast alle in Schwarz –„

„Ach so, ja, das hatte ich jetzt vergessen.

Aber Karin wäre auch sonst in Schwarz gekommen, denn sie hat kurz vor — zweieinhalb Monate vor Hildes Tod — ihren Mann durch einen Unfall verloren. Die Fahrt zu der Beerdigung war Hildes letzte Reise. Hilde wußte schon, wie es um sie steht, und sie hat Karin und mich quasi miteinander verkuppelt. „

„Wie denn das?“

„Wir saßen nach der Beerdigung von Karins Mann abends noch zu dritt zusammen.

Hilde hat offen zu uns über ihren Zustand gesprochen, sie wußte, daß sie nur noch wenige Wochen oder Monate hatte, und sie sagte zu uns: ,Seid lieb zueinander und paßt aufeinander auf!` in einem Ton, aus dem man heraushören konnte, daß sie noch bei dieser Gelegenheit auf unser Ja-Wort zu einer Heirat gehofft hatte. Du mußt wissen, Melanie: Karin ist immer meine Lieblings-Cousine gewesen, und das wußte Hilde. „

„Und dann habt ihr euch das Ja-Wort gegeben?“

„Nein, das haben wir nicht.

Da Vettern-Ehen ja immer problematisch sind, wollten wir erst einmal mindestens ein Jahr sehen, ob wir nicht andere Partner finden. „

„Und — habt ihr schon andere Partner gefunden?“

„Karin hatte einen netten Freund gefunden, von dem sie zuerst dachte — aber dann war er auf die Dauer doch nicht ihr Typ. „

„Und jetzt probierst du mich aus — ob ich in Frage komme.

— Weiß eigentlich Karin schon von mir?“

„Ich werde es ihr ehrlich erzählen, sie hat mir ja auch von ihrem Joachim erzählt. — Ausprobieren! — Ich hab dich sehr lieb, Melanie — aber in unserem Alter — und heutzutage überhaupt — man sieht doch vor einer dauerhaften Verbindung –„

„– auch intim!“

„Ja, Melanie, auch intim! So hast du es in deinem Leben doch wahrscheinlich auch gehalten! –, ob man zueinander paßt.

Und um es klarzustellen“, fuhr Herbert lachend fort, „du warst diesmal die Verführerin!“

„Da hast du ja recht, Herbert, aber da wußte ich ja noch nichts von deiner Abmachung mit Karin!“

„Karin und ich haben einander volle Freiheit gegeben. Und du bist ja so lieb, da hätte Karin sicher nichts dagegen, wenn wir — eventuell –„

„Ich stehe also auf dem Prüfstand –„

„Melanie, sieh es doch nicht nur so — oder anders ausgedrückt, wir stehen doch immer auf die eine oder andere Weise auf dem Prüfstand!“

„Herbert, sag es ehrlich: tendierst du nicht doch mehr zu deiner Karin?“

„Ich weiß nicht, Melanie! Karin wäre eine prima Hausfrau, aber deine burschikose Art gefällt mir auch sehr, das würde wohl etwas mehr Frische in mein Leben bringen.

Wollen wir es nicht noch etwas miteinander versuchen?“

„Okay — ich hab dich ja auch lieb — das hätte ich jetzt vielleicht nicht sagen sollen — vielleicht nutzt du es aus –„

„Nein, das tu ich nicht — aber ich danke dir für diese Worte!“ Damit begann Herbert, näher an mich heranzurutschen.

„Wie poetisch!“, konnte ich mir nicht verkneifen. „Aber das hätte ich auch nicht so sagen dürfen!“ Damit rutschte ich auch näher an Herbert heran und gab ihm einen saftigen Mundkuß.

„Aber du hast es ja schon bestimmt gehört: Eheliche und schon gar voreheliche Treue ist nicht meine Stärke — und da ist zum Beispiel mein Dauerfreund Peter –„

„Ich weiß, Melanie, natürlich bist du frei, auch mit anderen Freunden –„

„Aber auch du lieber Wüstling wirst vielleicht auch anderweitig rummachen, wenn sich die Gelegenheit bietet –„

„So ist es wohl, Melanie!“

„Ich weiß nicht, Herbert, hast du heute noch Lust auf etwas, oder kuscheln wir nur?“

„Ganz einverstanden! Das Kuscheln war letztes Mal eigentlich das Schönste.

Aber unter einer Bedingung –„

„Also doch Bedingung –„

„Ich bitte dich, Melanie, bevor wir einschlafen, erzählst du mir von Peter und was du sonst so erlebt hast?“

„Erst du!“

„Also gut! Bei mir ist es schnell erzählt. Mein erstes Erlebnis hatte ich auf einer Party mit einer Klassenkameradin, die ich verführt habe — damals habe ich noch so was gemacht — sie war aber keine Jungfrau mehr — und dann habe ich noch während der Schulzeit Hilde kennengelernt, in der letzten Klasse wurden wir ein Paar, nach dem Studium haben wir geheiratet — das wars!“

„Und du bist nie fremdgegangen?“

„Zwei unbedeutende Ganz-kurz-Affären — die ich Hilde gebeichtet habe und die sie mir verziehen hat! — Und du?“

„Ich habe wohl etwas mehr zu erzählen — wenn du wirklich ,alles` wissen willst!“

„Natürlich will ich alles wissen! Du hast einen Peter erwähnt –„

„Aber es fing viel früher an, und natürlich erzähle ich nicht ,alles`! ,Alles über Melanie`, das ist der Stil der Bildzeitung.

Ich sage dir heute nur eine Kurzfassung, es ist schon spät! Also, mein erster richtiger Freund war Rolf, da war ich achtzehn, wir trafen uns auf einer Wiese, die ist jetzt vollgebaut, er war sympathisch schüchtern, und bevor wir zum entscheidenden Schritt kamen, hat mich ein Draufgänger namens Olaf — schwupp! — entjungfert. Rolf wollte dann nicht mehr weiter mit mir, und ich hab ihn seither nie wieder getroffen. Zweimal haben mich Partyhengste genommen — aber jeder nur ein Mal — und dann hab ich mit Uli fürs Abitur gelernt: Mit ihm hatte ich meinen ersten Akt im Bett.

Und dann bin ich sozusagen fremdgegangen, daß heißt, meine Eltern haben nicht gemerkt, daß ich während unser Ferien an der Nordsee einem Jungen namens Fiete in den Dünen den Beischlaf gewährte. Gleich am Anfang meines Studiums kam das mit Peter in Italien — das muß ich dir vielleicht einmal ausführlicher erzählen, das ist eine schöne Geschichte — und mit Peter treffe ich mich auch jetzt noch manchmal –„

„???“

„Ja, Herbert, auch im Bett! Diese Freiheit mußt du mir lassen, auch wenn wir eventuell heiraten sollten! — Und dann hab ich auf einer Party zweimal den Hermann üben lassen, und dann kam schon Dieter — mein Mann.

Und nach drei Jahren merkte ich, daß er zu solchen Damen geht und nach drei weiteren Jahren hatte er eine Freundin — und ich angelte mir nach einem Konzert Theo; mit ihm bin ich das erste Mal richtig fremdgegangen — und ich war die Verführerin. Als Theo nach Husum versetzt wurde, lachte ich mir im Wanderclub den Otto an — oder genauer, er baggerte mich erfolgreich an — und mit ihm führte ich sechs Jahre lang eine Art Einmal-pro-Woche-Ehe — als seine Erstfrau, er hatte noch eine Frau und schon länger eine Freundin, die ich wohl mit meinen Liebeskünsten bald überflügelt hab — Was staunst du so, Herbert, du hast doch im Kollegium sicher von meinem Lebenswandel gehört — ich hab es ja auch nicht immer verbergen können und auch nicht immer verbergen wollen — ,Melanie, was macht denn dein Freund Theo?` ,Den gibt's nicht mehr, der ist nach Husum versetzt worden.

` Und nicht sehr viel später: ,Melanie, hast du wieder einen Freund?` ,Ja, hab ich!` — Also, noch während der Zeit mit Otto treffe ich beim Schulsenator den Karl, und die Stimmung war so, daß wir praktisch vom Sprechzimmer des Schulsenators direkt in Karls Bett landeten — vorher haben wir anstandshalber noch schick gegessen — und dann hat Karl seine Verlobte geheiratet, nicht ohne daß wir noch in der Nacht vor der Hochzeit — ja, kuck doch nicht wieder so: in der Nacht vor Karls Hochzeit — ich glaub, das machen manche Junggesellen so, das hab ich auch anderweitig gehört: in der Nacht vor der Hochzeit noch einmal mit einer Jugendfreundin zum Abschied, das hat Peter mit mir übrigens auch gemacht! — und ich hatte ja noch den Otto.

Dann hatte ich einmal ein Quickie mit einem Kollegen — ich sag dir nicht, mit welchem, du kennst ihn — und auf einer Tagung in Griechenland funktionierte die Hotelreservierung nicht, und ich hätte auf einer Parkbank übernachten müssen, wenn mich nicht Siegfried mit seinem Wohnmobil gerettet hätte — wir haben uns schon für eine weitere Tagung verabredet — ja, Herbert, nicht nur für das Tagungsprogramm, sondern auch für das gemischte Doppel in der Nacht — eigentlich kein Doppel im Tennissinne, sondern nur ein halbes — was rede ich da rum, also: wir haben miteinander geschlafen — und was war dann noch? Ach ja, einmal hatte meine beste Freundin Trudi Liebeskummer und wollte jemand für was Handfestes kennenlernen, und sie hat mich dazu überredet, an einen FKK-Strand an die Ostsee zu fahren.

Da haben uns abends zwei Papagalli aufgerissen — eigentlich gab es nichts mehr aufzureißen — Trudi hatte erstmal ihr Vergnügen und auch für einige Zeit einen Freund gefunden, aber einmal war mir mit denen genug. Dann hatte ich eine kurze Affäre mit einem anderen Kollegen, dessen Namen ich dir auch nicht nenne. Und dann wurde Dieter versetzt, und wir ließen uns scheiden. Während der Prozedur lebte ich auf Anraten meines Anwalts, wie eine Nonne leben sollte.

Dann hatte ich eine Woche lang — ich mag es gar nicht laut sagen — etwas mit einem katholichen Priester. Jetzt während des Nordsee-Herbsturlaubs mit meiner Mutter hatte ich was mit einem Lehrer am dortigen Gymnasoim, den ich bei einem Vortrag über die friesische Sprache kennengelernt hatte — Mama hoffte schon, wir würden dann auch heiraten. Und dann hab ich einen netten Kollegen namens Herbert getroffen, der praktischerweise bei mir übernachtete, und nach langer, langer Zeit haben wir uns dann näher kennengelernt — schlaf nicht ein, Herbert, ist dir das zu langweilig? — und nun sind wir am Überlegen, ob wir nicht vielleicht nach einer Zeit der Prüfung heiraten sollten –„

„Ich hab gar nicht geschlafen, bei solchen Erzählungen kann man doch nicht einschlafen, ich hab nur nachgerechnet –„

„Das hab ich schon lange nicht mehr, es waren viele, einige ganz kurze Beziehungen, Ein-Tages-Ficks, habe ich jetzt sogar weggelassen — soll ich die überhaupt mitzählen?“

„Sag mal, Melanie, sag mal ehrlich: Bist du glücklich gewesen?“

„Ehrlich gesagt: im großen ganzen ja.

Am Anfang war ich natürlich ganz traurig, wenn eine Freundschaft zu Ende gegangen war — als Rolf mich verlassen hat und Uli ,plötzlich` eine andere Freundin hatte, aber bald habe ich gemerkt, daß ich immer wieder nette Freunde finden konnte: den Peter oder jetzt nach der Scheidung den Herbert! — Manche Menschen haben das Leben lang denselben Partner und sind glücklich, manche haben das Leben lang denselben Partner und sind unglücklich — ich kann von mir sagen: Ich hatte viele Partner und bin glücklich!“

„Du bist ja eine tolle Marke — das müßtest du unbedingt mal aufschreiben — danke für deine Erzählung!“

„Danke fürs geduldige Zuhören — aber was machen wir damit?“, und wippte an Herberts fulminantem Ständer.

„Das geht schon zurück, wenn wir schlafen — es ist ja schon nach drei!“

„Sollen wir nicht vielleicht doch — und uns morgen krank melden?“

„Das ist keine so gute Idee, wir beide gleichzeitig. „

„Du hast ja recht! Aber so kannst du doch nicht schlafen! Komm zu mir rüber und mach's mir! Ich bin vom Erzählen auch schon ganz aufgegeilt!“

Und Herbert kam zu mir und spritzte schon beim Eindringen.

„Schlaf jetzt, mein Lieber, den Rest mach ich mir heute selbst!“

Damit begann ich, meinen Kitzler neben Herberts noch steifem Glied zu kneten. Herbert schlief sofort ein, und ich war bei meinem Orgasmus wohl auch schon eingeschlafen.

Am Morgen fanden wir uns noch in derselben Lage wieder, und obwohl wir eigentlich viel zu wenig geschlafen hatten, fühlten wir uns frisch wie neugeboren.

So begann eine wunderbare Freundschaft und Liebe, allerdings immer unter der Unsicherheit, ob sich Herbert nicht für seine Lieblingscousine Karin entscheiden würde.

Ich schlief jetzt an den Wochenenden meistens mit Herbert im Haus seiner Mutter, und sie behandelte mich ganz lieb wie eine zukünftige Schwiegertochter. Es kam die Kunde aus Frankfurt, daß Karin einen neuen Freund habe, Johann, genannt Hans oder Hansi, in den sie irrsinnig verknallt war. Es wurde verabredet, daß die beiden Silvester nach Ohlstedt kämen und wir alle zusammen das Neue Jahr feiern. Weihnachten waren Herbert und ich bei unseren Müttern. Ich erzählte ihr von dem lieben Herbert, aber meine Mutter wollte wieder einmal nichts von meinen Liebesproblemen hören; sie war mir noch — oder wieder — böse, daß ich mich von Dieter hatte scheiden lassen — „wegen so einer Lappalie, wenn Dieter manchmal am Nachmittag — das muß doch eine Frau wie du aushalten!“ Jetzt auf einmal „eine Frau wie du“! Und daß ich bei Ingwer nicht angebissen hatte, war natürlich auch nicht richtig.

Silvester lernten wir also Karins Hans kennen, und er war Herbert und mir auf den ersten Blick unsympathisch — überhaupt und weil er alsbald anfing, sich mit schmierigen Komplimenten an mich heranzuschleimen.

„Da kann Herbert ja glücklich sein mit einer so gut gebauten Frau!“

Er sagte wirklich „gut gebaut“ statt „schön“ oder „charmant“ oder meinetwegen „sportlich“!

„Glotz mich nicht immer so an“, mußte ich ihm am Neujahrsnachmittag schließlich sagen, „deine Karin ist doch viel schlanker und schöner als ich!“

Was wirklich stimmte.

Jedenfalls gab Karin dem Hans noch in Ohlstedt den Laufpaß, er fuhr mit seinem Auto nach Frankfurt, und wir hatten unsere Ruhe. Und Karin sah in mir Herberts Zukünftige; sie machte gar keinen traurigen Eindruck deshalb, vielmehr war sie erleichtert, den Hans losgeworden zu sein.

Nach den Feiertagen fuhr auch Karin zurück nach Frankfurt, und Herbert und ich führten unser Leben wie vorher weiter. Im März hatte Karin wieder einen Freund.

Sie brachte ihn an einem Wochenende nach Ohlstedt zum Vorstellen. Rainer war ein anderes Kaliber als Hans — sympathisch, zuvorkommend, korrekt; Assistent an der Uni — nur: er war neun Jahre jünger als Karin, und sie gestand mir, als wir einmal allein waren, daß es ihr vor allem seine jugendlich stürmischen Liebeskünste angetan hatten.

Als es im Mai warm geworden war, fragte ich Herbert:

„Ich hab dir doch von meinem ersten Erlebnis mit Rolf erzählt — und dann später mit Otto — ich glaube, von daher mache ich so gern Liebe in freier Natur — wollen wir nicht auch am Wochenende auf dieser Wiese –„

„Wo du mit Otto –„

„Genau!“

„Aber da sieht uns doch jeder?!“

„Ich war mit Otto all die Jahre oft da, und es ist nie jemand vorbeigekommen.

Die Leute, die im Sachsenwald wandern, bleiben alle in der Nähe der Bahnhöfe. Dahinten ist kein Mensch. „

„Wir können es ja mal versuchen!“

Und so fuhren wir am nächsten Samstag bei schönem, warmem Wetter zu der Wiese. Ich zeigte sie Herbert auf dem ersten längeren Weg, und auf der Wanderung hatten wir viel Gelegenheit zu einem herzenden und küssenden und busen- und schrittgrapschenden Vorspiel — als wir aber auf der Wiese angelangt waren, war es im Gras doch noch zu feucht.

„Und was machen wir jetzt?“ fragte ich Herbert.

„Bredenbeker Teich — Sommerbad — hoffentlich hat das schon geöffnet — da war ich als Kind immer — und ich kenn da eine Stelle, die abgelegen ist und wo die Sonne scheinen müßte — nur für die Liebe ist es da doch nicht einsam genug — aber zum Sonnenbaden — hast du für alle Notfälle Badezeug dabei?“

„Nein!“

„Ich auch nicht! Dann fahren wir eben bei mir zu Hause vorbei, ich hole mir eine Badehose, und Mama findet für dich sicher einen passenden Bikini!“

„Ich kenne den Bredenbeker Teich auch von Wanderungen mit Otto.

Dann mal schnell los, ich zeig dir einen kürzeren Weg zum Auto!“

Schnell waren wir bei Herberts Haus. Er kramte eine Badehode aus den verstauten Sommersachen hervor, seine Mutter führte bessere Ordnung und hatte sofort einen passenden Bikini in der Hand, und das, obwohl sie sagte:

„Den hab ich seit Jahren nicht mehr angehabt! — Ich hab euch ja gesagt: Auf der Wiese ist es noch zu feucht, aber ihr wolltet ja nicht hören! — Erkältet euch trotzdem nicht am Bredenbeker Teich! Zieht euch was wärmeres an, wenn es zu kühl ist, ihr seid doch oft genug im Bikini oder Badehose oder noch weniger!“

Damit schob sie uns freundlich lachend aus der Tür.

Am Bredenbeker Teich führte mich Herbert, wie ich es mir gedacht hatte, vom Eingang am Nordufer entlang (auf der Sonnenseite!) fast bis ans andere Ende — ein Weg von über einem Kilometer. Dort ist dem Nordufer eine kleine Insel vorgelagert, auf die ein abenteuerlicher Steg führt, und auf der Südseite der Insel kannte Herbert eine Stelle am Ufer, die von einem dichten Gebüsch gegen Nordwind und den dort verlaufenden Spazierweg geschützt ist — eine richtige Badebucht.

„Da haben wir ja Glück, daß hier noch niemand ist!“, meinte ich.

„Hierher verirrt sich kaum jemand, so weit vom Eingang. Am anderen Ende des Teiches kommt man nämlich nicht rein. „

Aber sich nackig zu sonnen traute sich Herbert auch hier nicht — man hätte uns vom gegenüberliegenden Ufer beobachten können, aber da war auch niemand — ich allerdings nahm das Oberteil des Bikinis ab, wie es heutzutage nicht mehr als jugendgefährdend gilt und in fast allen Freibädern üblich ist, jedenfalls in Hamburg.

Als wir uns installiert hatten, beichtete mir Herbert, woher er diese Stelle kannte.

„Ich war auch mit Hilde oft hier und als kleiner Junge mit Karin und unseren Eltern, aber — soll ich dir das überhaupt erzählen — es ist so p-p-painlich –„, und machte so den Satiriker Busse und dessen Lieblingswort nach.

„Was sollst du schon Schlimmes gemacht haben — habt ihr hier eure Schulaufgaben illegal voneinander abgeschrieben?“

„Schlimmer!“

„Ihr wart hier mit kleinen Mädchen, ohne daß eure treusorgenden Eltern davon wußten?“

„Das auch nicht, aber du kommst der Sache näher!“

„Also keine Mädchen — dann habt ihr Jungs hier Weitpinkelwettbewerbe veranstaltet oder die Länge eurer Schwänze verglichen oder andere noch homo-artigere Spiele gespielt?“

„Auch nicht! Also: Einer von uns Jungs hatte das Fernglas seines Vaters mitgebracht, und wir haben aus der Deckung die Mädchen und Frauen betrachtet.

Findest du das schlimm?“

„Was soll daran so schlimm sein? Das macht doch jeder Mann in seiner sexuellen Lehrzeit, und die meisten machen es wohl, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, ihr Leben lang. Mich würde fast mehr schocken, wenn du das nicht gemacht hättest. — Wie war es denn damals?“

„Damals fingen einige Damen damit an, oben ohne zu baden und sich zu sonnen — einige sogar ganz nackt –„

„Siehst du!“

„Aber ich mag das nicht! Sei mir nicht böse, aber mir ist das hier noch nicht einsam genug, wir haben ja, wenn es noch wärmer wird, die Waldwiese! — Übrigens war da noch etwas, was man einer ans-tändigen Frau nun überhaupt nicht erzählen kann!“

„Ihr mußtet euch einen runterholen!“

„Wie hast du das so schnell geraten?“

„Also, ich glaube, ich muß Klein-Herbert aufklären.

Wenn Jungs ab einem gewissen Alter nackte Frauen sehen, dann wird ihr Gießkännchen zu einem aufwärts gerichteten langen –„

„Ist gut, Melanie — wenn uns hier jemand hört — hinter den Büschen geht ja ein Spazierweg –„

„– du sagtest doch, hier kommt fast nie jemand her, und ich sehe und höre niemand!“

„Du hast ha recht! — Wir nannten das übrigens ,weißes Pinkeln`, wenn wir immer mal wieder an den Busch mußten.

„Einzeln oder zusammen?“

„Einzeln natürlich! Anders wäre es uns homo vorgekommen. Und mindestens einer mußte ja Schmiere stehen, wenn doch mal Spaziergänger kamen. „

An den folgenden beiden Wochenenden gingen wir mit Herbert am Samstag, wenn es weniger voll war, zum Bredenbeker Teich und am Sonntag auf die Waldwiese. Dort konnte ich Herbert dazu bewegen, sich nackt zu sonnen und überhaupt den ganzen Tag nackt herumzulaufen.

Wir liebten uns auch, aber Herbert konnte seine Nervosität wegen eventueller Spaziergänger nie ganz ablegen, und so hatten wir unsere schönsten Erlebnisse da, wo es sich nach bürgerlicher Meinung allein schickt: im Bett — allerdings — horribile dictu! — in keinem Ehebett.

So war das nun mal mit Herbert. In seinem Haus in seinem Schlafzimmer, das neben dem seiner Mutter lag, hatte er, nachdem wir uns aneinander gewöhnt hatten, gar keine Hemmungen mehr vor Orgien — soweit man bei Paar-Sex von Orgien sprechen kann: Kissenschlachten, Verfolgungsrennen durchs Zimmer mit umstürzenden Stühlen, Gejuchze und manchmal auch Gestöhne.

Als wir am zweiten Samstag — dem Wochenende vor Pfingsten — zu unserer Badebucht gingen, kamen wir einige hundert Meter davor an einem jungen Mann vorbei, der sich in einer zu knappen Badehose sonnte. Als wir mit Herbert vorbei waren, rief es hinter mir:

„Hallo, Melanie!“

Ich drehte mich um und fragte:

„Woher kennen Sie mich?“

Ich konnte den Herrn in meiner Erinnerung nirgends unterbringen — Schule, Studium, Kollegen an anderen Schulen, Tagungen — verflossene Liebhaber?

„Natürlich, du bist die Melanie — Heilburg –„

„Geborene Heilburg!“

„Ja richtig, Heilburg — du bist also verheiratet? — ich bin der Volker — vor dem Abitur sitzengeblieben und das letzte Jahr in deiner Parallelklasse!“

„Ach ja, der Fokker — so nannten wir dich doch wegen deiner Flugzeugleidenschaft.

Ist daraus was geworden?“

„Leider nein. Bei der Luftwaffe haben sie mich wegen meiner Brille nicht genommen, und ich mußte zur Infanterie. Tempi passati!“

Und damit lagen wir uns in den Armen — halbnackt! — und knutschten uns wie alte Kameraden — oder doch etwas intensiver.

Der gute Herbert machte dazu überhaupt keine saure Miene, sondern freute sich mit uns, versuchte auch, an der Knutscherei teilzunehmen und sagte schließlich:

„Das ist ja schön, daß ihr euch gefunden habt.

Volker — ich darf doch Du sagen? — Fokker, komm doch zu uns rüber da hinter diesen Büschen — natürlich nur, wenn du Lust hast — und erzählen wir uns was!“

Das ließ sich Volker nicht zweimal sagen; er raffte schnell seine Siebensachen zusammen, und wir gingen zu unserer Sonnenlaube.

„Erstens, liebe Leute“, begann Volker, „nennt mich nicht mehr ,Fokker`; die Zeiten sind vorbei! Und zweitens, um ehrlich zu sein, ich kenne diese Stelle, aber als Einzelner überläßt man sie anständigerweise Liebesleuten.

Ich hab euch auch schon hier gesehen, aber dich, Melanie, leider bisher nicht erkannt — obwohl du dich wenig verändert hast!“

„Hhm — also, wenig verändert, danke fürs Kompliment, aber der Bauchspeck — und die Hüften –„

„– aber keine Zellulitis!“, sagte Volker und tippte auf meine Schenkel.

„Was fällt dir ein?“, fragte ich rhetorisch, und Herbert sekundierte ebenfalls lachend: „Laß deine Pfoten von Melanie!“

„Nichts für ungut — ja, einige Falten haben wir ja jetzt.

Man wird nicht jünger, im Gegenteil!“

„,Im Gegenteil` ist doppelt gemoppelt“, korrigierte ich.

„Ja, Melanie, du wolltest ja schon immer Deutschlehrerin werden und hast uns allen ja in der letzten Klasse unsere Aufsätze von solchen Lapsussen gereinigt. „

„Lapsuuuus!“

„Das weiß ich auch noch! Ich wollte ja nur deine Korrekturwut testen! Du hast dich wirklich wenig verändert — Gott sei Dank! — Ihr seid verheiratet?“

„Nicht direkt! Ich bin geschieden, und Herbert –„

„Verwitwet.

„Und du, Volker?“

„Zur Zeit nichts! Und was machst du so, Melanie? Man sieht es dir an: Du bist Lehrerin geworden!“

„Wieso sieht man mir das an?“ — Wieso ist es eine „Schande“, Lehrerin zu sein? — „Du solltest mich mal kennenlernen!“

„Würde ich ganz gerne!“

„Frechdachs! — Und wenn du nicht Flieger geworden bist, was dann?“

„Ich hab das Lebensmittelgeschäft meines Vaters übernommen — ihr habt ja in der Schule immer über mich gelacht, wenn ich nachmittags die Straßen mit unserem Lieferwagen unsicher gemacht hab — dafür hatte ich als erster von unserem Jahrgang einen Führerschein — noch vor achtzehn — auf Antrag meines Vaters — und später hab ich mich mit dem Geschäft an Edeka angeschlossen, dann bin ich aufgestiegen und bin jetzt Geschäftsführer im Edeka-Laden in Ahrensburg — und im Juli werde ich Edeka-Gebietsleiter im Gebiet Weser-Ems –„

„Tüchtig, tüchtig! Dann wirst du also Hamburg verlassen?“

„Leider! Aber Emden soll ja sooo schön sein!“

„Wie man's nimmt“, warf Herbert ein, „ich hab da eine Tante, die fühlt sich da prächtig, aber ob ich da leben könnte –„

Nach einer Pause begann Volker:

„Weißt du eigentlich, Melanie — darf ich das vor deinem Freund sagen, oder ist er eifersüchtig?“

„Das kommt darauf an, was du erzählen willst.

Ich hab vor Herbert keine Geheimnisse, er kennt meinen unsoliden Lebenswandel“, antwortete ich — denn ich ahnte, und zwar richtig, daß etwas Delikates kommen würde — und Herbert sekundierte: „Mich kann bei Melanie nichts mehr erschüttern“, und gab mir einen herzhaften Kuß.

„,Unsolider Lebenswandel`, das klingt ja interessant und vielversprechend –„

„Interessant vielleicht, aber es verspricht gar nichts!“, sagte ich.

„Also, Melanie — hör eventuell weg, Herbert! — hast du nicht gemerkt, wie verknallt ich in dich war, im letzten Jahr auf der Schule? Wir haben das ja alle irgendwie mitgekriegt, wie das mit dir und Rolf wegen dem blöden Olaf zu Ende gegangen ist, und du hast mir sehr leid getan, und ich hätte dich gern getröstet.

„Ich kann mir schon denken, wie!“

„Ach Melanie, das vielleicht auch, aber ich war ja noch so jung und hatte absolut gar keine Erfahrung und hatte wie jeder Junge Angst, mich zu blamieren — nein, einfach, dich zu umarmen, vielleicht ein kleiner Kuß, mehr wollte ich damals wirklich nicht — ehrlich! Aber du hast mich gar nicht beachtet. „

„Ich konnte dich ja auch kaum beachten, nur in den Pausen auf dem Schulhof, denn du warst ja in der anderen Klasse.

Aber du Blödmann, warum hast du mir das damals nicht gesagt oder gezeigt. Ich hätte eine Umarmung und einen ,kleinen Kuß` wirklich nötig gehabt!“

„Ja, ich war da wirklich blöd! — Aber außerdem warst du dann ja mit Uli — oh! — hätte ich das vielleicht nicht sagen sollen? Herbert, hat dir Melanie ihre Sünden gebeichtet?“

„Hat sie!“ „Hab ich!“, sagten wir fast gleichzeitig.

Ich fuhr fort:

„Und ehrlich gesagt, ich weiß nicht, ob ich damals dein über einen ,kleinen Kuß` hinausgehendes Flehen erhört hätte, denn ich hab immer gehofft, auch als ich das mit Uli hatte, daß Rolf zurückkommt.

„Und hast du dich wegen ihm scheiden lassen?“, fragte er mit einer Kopfwendung auf Herbert.

„Seinetwegen sollte es heißen! Nein, nicht Herberts wegen, abgesehen davon, daß dich das eigentlich nichts angeht! Nein, wir haben uns mit meinem Mann auseinandergelebt, und als er von Hamburg weg versetzt wurde, bin ich nicht mitgegangen, sondern wir haben uns getrennt. Damals existierte Herbert noch gar nicht. „

„Und sonst?“

„Sonst war da manches –„

„Das mußt du mal aufschreiben“, warf Herbert ein.

„– was dich auch eigentlich nichts angeht. — Und du bist wirklich ohne Freundin?“

„Ich war bis vor einem halben Jahr verlobt — und dann hat sie mir ein anderer weggeschnappt. Aber ich glaube, es bahnt sich wieder was an. „

„Und warum ist sie nicht hier?“

„Weil sie in Emden lebt. Ich hab sie kennengelernt, als ich mich da schon mal vorgestellt habe, einfach im Café angesprochen, und wir waren uns gleich sympathisch.

Sie hat mich hier schon einmal besucht. „

„Das freut mich“, schloß ich diesen Teil des Gespräches ab. „Herbert, hast du was dagegen, wenn ich vor meinem Ex-Schulkameraden Volker zum Sonnen meinen BH abnehme?“

„Nein! Gönnen wir ihm den himmlischen Anblick!“, scherzte Herbert.

„Wie ein junges Mädchen!“, schwärmte Volker ob meinem Busen.

„Schnauze! Ich bin ja auch ein junges Mädchen! So, jetzt laßt mich in Ruhe etwas dösen! Ihr könnt euch ja weiter miteinander bekannt machen — oder Schach spielen — oder sonst was — Herbert, hast du kein Fernglas dabei? Erzähl doch Volker auch deine Jugendsünden!“

Ich schlief sanft etwa eine Stunde, und als ich wieder aufgewacht war, wollte Volker wissen:

„Wann heiratet ihr denn?“

„Das wissen wir noch nicht“, antwortete ich, „– Herbert, darf ich das erzählen?“

„Ja, ja, natürlich, hab doch keine Geheimnisse vor Volker! — Wir sind in einer komischen Ausprobierphase.

Ich bin der Schuldige. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die liebe Melanie oder meine Lieblingscousine heiraten soll. „

„Das ist eine Jugendliebe von Herbert“, klärte ich Volker weiter auf, „und auch vor kurzem verwitwet. „

„Na, dann entscheid dich, Herbert! — Das sage ich nicht aus Eigennutz!“

„Na, na, das soll ich glauben?“, meinte ich.

Wir schwammen noch ein wenig in dem schlammigen Wasser, dann war es Zeit zum Aufbruch, denn Herbert und ich waren wie meistens bei seiner Mutter zum Kaffee geladen.

In der „nackten Minute“ des Abtrocknens zwischen dem Ausziehen des nassen Bikinis und dem Anziehen des Straßendresses konnten meine beiden Galane natürlich kein Auge von mir lassen, und ich machte ein paar neckische Bewegungen.

„Du solltest an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen!“, schwärmte Volker.

„Ja, in Ahrensburg in der Klasse der Senioren!“, scherzte ich zurück.

Wir gingen dann den Weg zum Ausgang, und beim Abschied fragte Volker:

„Sehen wir uns nochmal?“

„Das könnte schon sein!“

„Morgen vielleicht schon?“

„Nein, morgen sicher nicht, da haben wir schon was anderes vor.

Nämlich die Waldwiese, wenn das Wetter schön bleiben würde.

Nach dem Kaffe mit Herbert und seiner Mutter machte ich auch meiner Mutter einen Anstandsbesuch. Ich hätte sie auch öfter besucht wie unmittelbar nach der Scheidung, aber als ich ihr von Herbert erzählte, wollte sie von ihm nichts wissen, bis nicht feste Heiratsabsichten bestünden.

„Mußt du immer wieder mit anderen Männern?“

„Dafür sind wir Frauen doch auch da, Mama!“

Ich blieb bis zum nächsten Tag im Haus meiner Mutter und holte am Vormittag Herbert zu einem Tag auf der Waldwiese ab.

Die nächste Zeit würden wir keine Gelegenheit dazu haben, denn am nächsten Wochenende war zwar Pfingsten und danach eine Woche Ferien, aber es sollte auch Karin und Rainer kommen.

Als wir auf der Wiese unsere vom Vortag aufgestaute Lust erst einmal gestillt hatten, fragte mich Herbert noch in der Umarmung:

„Hattest du wirklich nichts mit Volker?“

„Was ist denn jetzt in dich gefahren? So was hast du doch noch nie gefragt! Nein, da war wirklich nichts, ich hab Volker damals gar nicht als Mann wahrgenommen, wie man so sagt.

Aber wie kommst du jetzt zu solchen Fragen?“

„Ich muß nur immer an Karin denken, ob ich nicht doch lieber –„

Ich drückte Herbert noch fester an mich und flüsterte ihm ins Ohr:

„Ich hab dich sehr lieb, Herbert, und auch die Karin, und ehrlich, ich glaub auch, du paßt besser zu ihr als Rainer. Fühl dich also bei allem Schönen, was zwischen uns gewesen ist, frei, die Karin zu heiraten!“

Herbert fing an zu weinen und sagte mir stammelnd:

„Danke, Melanie, so eine Freundin wie dich kann man jedem nur wünschen!“

Männer, die von sich behaupten, nie zu weinen, sind mir zwar ein Brechmittel.

Aber real weinende Männer sind auch schwer zu ertragen, und so setzte ich wieder meinen burschikosen Ton auf und sagte:

„So Herbert, jetzt Schluß mit dem Weinen, das ist doch etwas Schönes, daß du jetzt wohl deine Lieblingscousine und Jugendfreundin heiraten wirst. Jetzt genieß noch dein Junggesellendasein, solange du noch nicht offiziell verlobt bist!“

Damit legte ich mich auf den Rücken, zog die Beine an und bot Herbert meinen weit gespreizten Schoß dar.

Ich erschrak gleich: War diese Geste nicht doch zu drastisch eindeutig? Aber Herbert folgte sofort meiner Einladung, und wir liebten uns so wild wie nie zuvor. Danach blieben wir eng umschlungen liegen, bis es am Abend kühl wurde, und flüsterten uns Liebesworte zu, in denen wir uns an unsere Zeit erinnerten — war das wirklich nur ein halbes Jahr gewesen? Dies war mein Abschied von Herbert als Liebhaber.

Am Montag und Donnerstag übernachtete Herbert turnusmäßig wieder bei mir, auch in meinem Bett, aber wir hielten „nur“ Händchen.

Und am Samstag nachmittag kamen Karin und Rainer. Händchenhaltend stiegen sie aus dem Auto — so kam es einem vor, in Wirklichkeit hielten sie gleich wieder Händchen, nachdem sie ausgestiegen waren — und kamen ins Haus, wo Herbert, seine Mutter und ich schon mit dem Abendessen warteten. Irgendwie aber kam mir Karin verändert vor.

Herbert hatte seiner Mutter gesagt, daß er nun Karin bitten wolle, seine Frau zu werden.

Sie war gleich einverstanden und hatte mich gebeten, ihrem Haus freundschaftlich verbunden zu bleiben. Wir schliefen mit Herbert aber jetzt in verschiedenen Zimmern.

In der Nacht hörte ich aus dem Gästezimmer, wo Karin und Rainer schliefen, einen heftigen Streit, ich konnte aber keine Worte verstehen. Am nächsten Morgen konnte ich Karin allein sprechen und fragte sie:

„Arme Karin, worüber hast du denn gestern nacht mit Rainer gestritten — oder willst du mir das nicht sagen?“

„Ich hab mit ihm geschimpft, weil er immer anderen Frauen auf die Beine sieht und sich sogar manchmal nach ihnen umdreht — und der sagt, das täten doch alle Männer!“

„Liebe Karin, in diesem Punkt muß ich Rainer recht geben: Das tun wirklich alle Männer, vielleicht nicht immer so auffällig — das macht Herbert auch ausgiebig, daran mußt du dich gewöhnen, aber er ist wohl geschickter –„

„Wieso muß ich mich daran gewöhnen? Ich will mich nicht daran gewöhnen! Und was geht mich Herbert an? Ihr seid doch praktisch verlo — aber — habt ihr euch gestritten, daß ihr nicht mehr zusammen geschlafen habt?“

„Nein, wir haben uns nicht gestritten, sondern — aber das muß dir Herbert sagen — da kommt er gerade — endlich ist er aufgestanden — Herbert, komm doch mal her und sag der Karin — du weißt schon!“

„Also Karin –„, stotterte Herbert, „die Melanie meinte –„

„Schieb nicht mich vor — es ist deine Entscheidung!“

„Also, Melanie hat mich freigegeben –„

„Freigegeben! Wir waren ja gar nicht einander versprochen! Ich glaub, ich laß euch jetzt lieber allein! Ich freu mich ja so sehr für dich, Karin!“

Was der in solchen Dingen etwas ungeschickte Herbert seiner Karin gesagt hat, weiß ich nicht, aber man sah die beiden kurz darauf in einer nicht enden wollenden innigen Umarmung.

Auch Rainer erkannte die Lage sofort und machte einen auf ritterlich — aber es war wohl doch ernst gemeint.

„Du hast dich also für Herbert entschieden, Karin“, sagte er, „ich wünsche euch von Herzen alles Gute. Ich fahr dann schon mal nach Frankfurt; ich laß dir das Auto hier und fahr mit dem Zug!“

„Danke, Rainer“, antwortete Karin, „aber du kannst gern das Auto nehmen, ich werd ja erst in einer Woche nach Frankfurt kommen.

„Aber ihr werdet ja einiges zu erledigen haben, und Herbert hat ja kein Auto. „

„Danke, Rainer, das ist wirklich ganz lieb von dir!“

Ich verabschiedete mich dann auch, ließ die glückliche Familie Hecht unter sich weiterfeiern und brachte Rainer zum Hauptbahnhof.

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