Ballade von Petra und Peter

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Ich bitte zu beachten, dass die folgende Moritat weder romantisch noch besonders erotisch ist. (Wer das anders sieht, bitte melden – Du scheinst ein interessanter Mensch zu sein!) Andererseits ist sie doch im weiteren Sinn sexuellen Inhalts, und das in (nicht besonders strenger) Knittelversform, also eigentlich ein Fall für die Gedichtabteilung, wo sie aber nicht gelesen (und, falls doch, kaum goutiert) würde, und deswegen in dieser Kategorie. Mein Dank gilt hugluhuglu, der mich inspiriert hat, als Fingerübung mal wieder ein bisschen den Herren Busch, Morgenstern, Waechter, Gernhardt et al.

vergebens nachzueifern. Gruß, Hank

Ballade von Petra und Peter

Peter ist ein Herzchirurg

im sommerschönen Lüneburg,

der lernt gleich eine Petra kennen.

Es fällt uns schwer, sie schön zu nennen.

Er hat jetzt schon, am Feierabend-

Whisky sich seit Stunden labend,

manch Glas in sich hineingefüllt.

Der Wirt sieht ein vertrautes Bild.

Denn Peter ist ein Stammgast hier,

die Pinte ist sein Jagdrevier,

doch leider – ausgerechnet heute! –

sieht weit und breit er keine Beute.

Der Tag war schwer, der Tag war lang

und Peters einziger Gedan-

ke galt der schönen, schlanken Esther.

Die lernt bei ihm als Krankenschwester.

Fast hätte er sich bös verschnitten,

wär seine Klinge abgeglitten,

als Esther im OP sich beugte

und er in ihren Ausschnitt äugte.

Sie merkte das und grinste nur,

doch als er nachher, auf dem Flur,

ihr artige Avancen machte,

wars so, dass sie kopfschüttelnd lachte.

„Mein Freund kommt her und führt mich aus,

wir gehen gleich ins Lichtspielhaus“,

sagte sie und schritt dahin,

die ranke Schwesternschülerin,

verfolgt von Peters Blickes Gier.

Jetzt ist sie dort, und er ist hier.

Der Tag war lang, der Tag war schwer,

und Peter denkt nur wenig mehr,

als an der Esther strammen Busen.

Er tät jetzt gern ein bisschen schmusen.

Erst hängt er an der Bar alleine,

den Blick gesenkt, sieht er dann Beine,

die in Netzstrumpfhosen stecken,

deren Maschen weit sich recken.

Schlaffes Fleisch quillt durch die Löcher,

schwarze Borsten noch und nöcher

verunzieren das Frauenbein,

nur weiter unten, viel zu klein,

gewährt um eine feiste Wade

ein Stiefelschaft dem Auge Gnade.

Sein Kopf liegt auf dem Holz des Tresens,

als alle Pfunde dieses Wesens

neben ihm den Hocker füllen,

oder, sagen wir: umhüllen.

Es klingt fast so, als ob sie bellt,

als sie sich Korn und Bier bestellt.

Egal, denkt Peter, und er winkt

dem Wirt, der neuen Whisky bringt.

Sein Blut enthält soviel Promille,

dass Peter Petras Leibesfülle

glatt ignoriert, er sieht vielmehr

die Chance zum Geschlechtsverkehr.

Dicke kenn doch keine Schranken!,

lallt er stumm, nur in Gedanken,

doch als er mühsam ihren Blick

erwidert, zuckt er doch zurück.

Tief sind all die Pockennarben,

die sich in ihr Antlitz graben.

Unter dunklen Tränensäcken

eitern gelbe Akneflecken.

Teigig glänzt ihr Mondgesicht,

innre Werte sieht man nicht.

Der Wirt sagt: „Peter! Schluss, es reicht!“,

und der steht auf und taumelt leicht,

und wendet sich zur Ausgangstür,

doch Petra dröhnt: „Nu bleib doch hier!“

Ein großes Menschheitsrätsel bleibt,

was den Mann zum Treiben treibt.

Kaum kann er sie von hinten sehn,

denkt er: Och! Von hier könnts gehn.

Sicher, sie hat zweinhalb Zentner,

aber ich bin ja kein Rentner.

Er sagt zu sich: Venus von Milo

ist sie nicht, doch die paar Kilo

kriege ich schon noch gestemmt!

Es ist der Schnaps, der ihn enthemmt.

Er hat sie sich schlicht schöngesoffen!

Es macht uns fertig, macht betroffen,

aber der Chronistenpflicht

entkommt man nun mal so leicht nicht.

Sie trinken Bier, sie trinken Korn,

dann selbiges nochmal von vorn.

Sie trinken Korn, sie trinken Bier.

Ein Taxi kommt. Es ist bald Vier.

Sie fahren knutschend aus der Stadt,

und Peter ist des Schnapses satt.

Er hält sich fest an Petras Eutern,

der Taxifahrer denkt ans Meutern,

als er das im Spiegel sieht.

Die Fahrt geht in ein Waldgebiet.

Dann sind sie da, wo Petra wohnt,

der Droschkenkutscher wird entlohnt.

Sie schwanken in die schiefe Hütte

in des finstren Waldes Mitte.

Kaum drinnen, deutet Petra an,

dass sie ein bisschen Judo kann:

Sie wirft ihn auf den Küchentisch

und spreizt ihr Bein. Es riecht nach Fisch.

Trotzdem wird sein Pimmel fester.

Das liegt daran: Er denkt an Esther.

„Jetzt geht’s los, du junger Bock!“

Petra rülpst und rafft den Rock.

Um Zweihundertvierzig Pfund

landen auf des Doktors Mund,

und die dichte Schambehaarung

nimmt ihm jede Lungennahrung.

Während sie sich auf ihm windet,

sein Bewusstsein langsam schwindet.

Petra kommts, sie ist entrückt

und merkt zu spät, dass er erstickt.

„Peter, Nein! Nicht auch noch du!“

ruft sie seiner Leiche zu,

dann verscharrt sie ihn im Wald.

Sein Körper ist noch nicht mal kalt.

Fünf Hügel liegen nebenan:

Er ist der sechste junge Mann,

dem Petras Wald den Tod gebracht.

Der Morgen kommt, es geht die Nacht.

Petra geht zurück zum Haus

und holt die Fuselflasche raus,

um eine Grabrede zu sprechen.

Dann nimmt sie sich den groben Rechen.

Als sie ihre Gräber harkt,

erliegt sie einem Herzinfarkt,

und nun liegen unter Eichen

insgesamt schon sieben Leichen.

Als nach eines Jahres Frist

das Massengrab gefunden ist,

wird in einem kleinen Saal

im Lüneburger Hospital

die Trauerfeier abgehalten,

und weinend sitzt zwischen den alten

Kollegen auch die schöne Esther

und neben ihr die Oberschwester.

Esther schluchzt: „Wie war ich mies!

Ich ließ ihn stehen, und nun dies!“

Die Schuld, sie lässt ihr keine Ruh,

sie wendet sich der Trunksucht zu.

Ihr Kopf liegt auf dem Holz des Tresens,

und jede Faser ihres Wesens

schreit nach Doppelkorn und Bier.

Sie winkt. Der Wirt, er bringt es ihr.

Esther weint, der Teufel lacht,

denn der hat ja den Schnaps gemacht.

Drum merke Dir, der Du dies liest:

Es sorgt in Gottes Paradies

und erst recht in Satans Hölle

der Alk für unnötige Völle.

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