Raupe/Schmetterling

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Als du heim kommst, blinkt dein Anrufbeantworter wie verrückt. Du lässt die Einkäufe fallen, wo du stehst, läufst du zum Telefon und startest das Band. Und du rufst vor Freude aus, als du die Nachricht hörst.

«Hallo, ich bin's. Ich ruf‘ an wegen neulich. Ich hab's mir überlegt. Ich komme heute Abend vorbei. Aber erst gegen halb zehn. Früher schaffe ich es nicht aus dem Büro. Ist das in Ordnung für dich? Wenn nicht, ruf‘ mich bitte an.

Und zieh‘ dir was Schönes an. Mal schauen, was wir dann unternehmen. OK? Also, Ciao, bis später dann. »

Endlich! Ein Zeichen! Wie sehr du darauf gewartet hast. Wenn du ehrlich bist, hast schon fast nicht mehr daran geglaubt. Und heute ist es so weit. Erst vor ein paar Tagen war es gewesen: Ihr habt euch zufällig in der Stadt wiedergesehen, habt geredet und in einem Restaurant etwas zusammen getrunken. Du hast die ganze Zeit geflirtet, gelächelt, immer wieder betont, wie schön du es findest, dass ihr euch wieder einmal getroffen habt.

Und dass du es sehr schade findest, dass ihr euch in letzter Zeit aus den Augen verloren hattet.

«Wir müssen unbedingt in Kontakt bleiben,» hast du zum Abschied gesagt. «Melde dich doch mal!» Und einen Kuss zur Antwort bekommen. Einfach nur aus Freundschaft? Oder hieß das, dass zwischen euch endlich mehr passieren könnte. «Nun», denkst du, «zumindest für einen Anruf hat es gereicht. » Jetzt liegt es an dir.

Du bringst die Einkäufe in die Speisekammer, fütterst den Hund und gehst ins Badezimmer.

Ziehst dich aus. Drehst die Heizung bis zum Anschlag auf und lässt die Wanne ein. Falls es heute passiert, dann möchtest du wenigstens darauf vorbereitet sein. Du betrachtest dich im Spiegel und greifst einen Rasierer, die Nagelschere, eine Hornhautraspel und steigst in die Wanne. Du nimmst ein ausgedehntes Bad. Mit viel Schaum und Duftöl. Du atmest die Schwaden tief ein und schließt deine Augen. Döst vor dich hin.

Träumst von deiner neuen Verliebtheit.

An die Blicke, den Kopf beim Lachen in den Nacken geworfen, die schlanken Hände. Du erinnerst dich, wie plötzlich mitten in dem Restaurant der Wunsch in dir aufkam, diese Finger mögen dich berühren, am ganzen Körper, dich streicheln, in dich eindringen, in dich stoßen. Und du hast angefangen, deine Schenkel aneinander zu reiben, bis du feucht geworden bist. Das Wiedersehen, der ganze Abend und deine aufkommende Geilheit – am liebsten wäre es dir gewesen, ihr hättet noch am gleichen Abend miteinander geschlafen.

Jetzt liegst du bis zum Hals unter Wasser. Bewegst dich nur langsam und wenn es unbedingt sein muss. Weil du deine Position von Zeit zu Zeit ändern musst um zu verhindern, dass deine Beine, dein Hintern oder deine Fersen einschlafen. Du genießt das wohlige Gefühl, das sich in dir und um dich herum ausbreitet und sich deiner bemächtigt hat. Wenn es doch nur immer so sein könnte. Du streichelst leicht über deine Haut.

«Einfach nur eintauchen, fast vollständig umhüllt. Wie eine Raupe von ihrem Kokon. Ohne jemals ein Schmetterling werden zu müssen. »

Aber Katja hat dich letztlich doch dazu gebracht, dir dabei geholfen, ein Schmetterling zu werden. Die starke Katja, die kluge Katja – ihr seid während euerer gesamten Schulzeit das gewesen, was man damals «beste Freundinnen» nannte. Und dann, nach dem gemeinsamen Abitur hast du ihn kennen gelernt, das «Monster». So hatte Katja ihn immer genannt, wenn sie von ihm sprach.

Die beiden konnten sich nicht ausstehen. Nach dem Grund gefragt, hatte Katja geantwortet: «Weil ich dich mehr liebe, als er es jemals tun wird» und hat sich schluchzend in deine Arme geworfen. Weil es zwischen ihnen permanent Krach gegeben hatte, musstest du dich schließlich irgendwann für einen von beiden entscheiden. Du hast ihn gewählt; sie hat sich darauf hin von euch beiden zurückgezogen.

Als du jetzt so im Wasser liegst, denkst du an Katja und kannst es selbst nicht mehr richtig verstehen.

Aber damals hast du eben ihn geliebt. Damals … du musst lächeln … damals, dabei ist das gerade mal vier Jahre her. Heute nennst du ihn in Gedanken ebenfalls «das Monster».

Du drehst dich träge hin und her. Öffnest die Augen. Greifst hinter deinen Kopf zu Ablage. Dann beginnst du, dich zu rasieren. Zuerst die Beine. Immer gegen den Haaransatz von unten nach oben. Vom Fußknöchel aufwärts zum Knie und rundherum.

Das linke Bein, dann das rechte. Behutsam gleitet die Klinge über deine Haut. Über den Flaum auf dem Bauch um den Nabel herum – blond und spärlich – und die wenigen Haare um die Warzenhöfe deiner Brüste, die dich schon seit deiner Pubertät – als du sie zum ersten Mal entdeckt hast – stören. Dann hebst du die Arme, entfernst die Haare unter den Achseln.

Und zum Schluss kommt deine Scham.

Vorsichtig, damit du dich nicht schneidest, beginnst du bei den Leisten. Mit der linken Hand spannst du die Haut um die Haarwurzeln möglichst tief zu erreichen. Mit der Rechten führst du die Klinge über die Haut. Von den Seiten Richtung Zentrum und den Schamhügel von oben herab. Der ist bereits ganz glatt. Du streichelst ihn, fühlst ihn, drückst ihn leicht. Mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger der linken Hand. Rotierst dich selbst im Zeitlupentempo. Dann gleitest du nach oben zu deinem Bauch, der – natürlich und wie bei allen Frauen unserer Zeit – eine ‚zu‘ üppige Rundung aufweist, obwohl die Männer dir das Gegenteil sagen.

Aber das willst du nicht glauben. Das tut ja keine. Jetzt wird deine Pussy noch von einem schmalen, hellen Haarkranz umrandet. Oben noch ein wenig, am Ende der äußeren Schamlippen, und rechts wie links davon, mit Ausläufern zu den Oberschenkeln hin. Und die fallen der Klinge als nächstes zum Opfer. Der Übergang zwischen Oberschenkeln und Schambein ist besonders empfindlich. Vorsichtig, nur nicht den Rasierer zu kräftig auf die Haut drücken! Zwischen linkem Daumen und Zeigefinger fallen die Haare und treiben im Badewasser davon.

Der Schaum ist mittlerweile merklich weniger geworden.

Die Schamlippen – mit ihren Hautfältchen, den kleinen Wülsten, den Verstecken, den geheimen Kammern und Winkeln – und der Übergang zu den Hinterbacken – der Damm, dieser schmale Grad – sind das Schwierigste. So direkt zwischen den Beinen, wo es eng wird und nicht viel Platz ist für den Rasierer, siehst du kaum, wo du schneidest. Schwierig zumindest in der randvollen Badewanne. Deshalb lässt du jetzt einen Teil des Wassers ab.

Siehst zu, wie dein Körper sich immer mehr vom Wasser befreit und du spürst, wie die Gravitation zunimmt. Es kommt dir fast vor wie eine Wiedergeburt. Die Bewegungen fallen dir schwerer; das Wasser, das nur noch die Hälfte deines Körpers bedeckt, gleitet jetzt anders als vorher um dich. Du spürst deine Wirbelsäule wieder erwachen, wie sie dich zu stabilisieren versucht. Hast plötzlich das Bedürfnis zu stöhnen, zu schreien. Wie ein Kind. Aber du hebst lediglich das linke Bein und legst es auf den Wannenrand, lehnst es an die kühle, gekachelte Wand.

Deine freie linke Hand wandert wieder zwischen deine Beine. Streichelt, liebkost dich.

«Schschsch», denkst du. «Es ist nur wieder deine Fantasie. » Und die droht jetzt mit dir durchzubrechen. Aber weil du weißt, dass es bald an der Tür klingeln wird, hörst du auf. Schickst mit sanften Bewegungen nur noch ein, zwei Schauer durch deinen Körper, wie zum Abschluss, oder besser … damit du nichts vorweg nimmst, was schöner werden wird, weil du es nicht allein erleben musst.

Dann setzt du die Klinge am empfindlichsten Teil deines Körpers wieder an und gleitest – unter Wasser, um dich nicht zu verletzen – mit dem Rasierer sehr vorsichtig an den äußeren Schamlippen entlang. Zuerst rechts der Pussy (dort stört die helfende linke Hand weniger), dann links, fährst du ein, zwei, drei Mal von unten nach oben. Kippst die Schneide behutsam mal zur einen, mal zur anderen Seite über die Hautaufstülpungen deiner Scham. Schabst vorsichtig immer wieder über die empfindliche Haut.

Bis du keine Haare mehr siehst. Du fährst mit den Fingerspitzen über die Haut: Sie ist ganz nackt! Du beugst dich, so weit es geht, mit dem Kopf und dem Oberkörper nach vorn zwischen deine Beine und entfernst die Haare vom Geschlecht bis zum Anus. Spreizt deinen Hintern. Rasierst. Jedes Haar in der Spalte zwischen deinen Backen. Vom Damm durch die Spalte zum Steiß. Einer Orgie gleich hast du sogar den leichten Flaum deiner Unterarme wegrasiert.

Bis dein Körper gänzlich nackt ist. Ohne jedes Haar. Nur noch dein Kopfhaar ist übrig geblieben. Und du denkst: «Vielleicht vögeln wir ja endlich heute Nacht. »

Jetzt lässt du die Wanne leer laufen. Stehst auf und beginnst dich zu frottieren. Steigst über den Rand und wickelst dich in das Handtuch ein. Greifst nach einer Bürste und dem Haartrockner. Du hältst den Fön für ein paar Augenblicke gegen den Spiegel, er beginnt langsam wieder, dein Bild zurückzuwerfen.

Du öffnest das Fenster– die Luft draußen zirkuliert fühlbar mit der des stickigen Badezimmers – und gehst zurück zum Spiegel. Schminkst dir Augenlider und Wimpern. Dabei beugst du dich leicht über das Waschbecken. Und während du dein Bild betrachtest, spürst du langsam die Nachwirkungen der Rasur, ein stärker werdendes Brennen und wie deine Haut zwischen den Schenkeln zu jucken beginnt und dich auf deinen Fehler aufmerksam macht. Instinktiv fasst du dir zwischen die Beine und stöhnst vor Schmerz.

Du spürst, wie deine Haut sich bereits entzündet hat, überall dort, wo du rasiert hast. Vielleicht hilft eine Lotion. Du greifst ins Regal und befeuchtest die Innenfläche deiner rechten Hand mit Hautmilch. Und reibst sie dir sanft über Bauch, Unterleib und über dein Geschlecht. Aber das Brennen hört nicht auf. Im Gegenteil. «Mist», denkst du, «selbst schuld! Hätte ich es doch einfach gelassen! Wenn das jetzt nicht sofort aufhört, ist der Abend gelaufen, bevor er noch richtig angefangen hat.

» Deshalb greifst du dir jetzt auch noch die Wundsalbe aus dem Schrank. Du kremst die wunden Stellen dick und großflächig ein, bis sie milchig weiß glänzen, glitschig sind und nicht mehr so weh tun. Und langsam ebbt der Schmerz ab. Ein Gefühl der Taubheit bleibt zurück.

Mit deinem Handtuch bekleidet gehst du ins Schlafzimmer hinüber, legst es auf den Wäscheständer und öffnest die Schranktür.

«Zieh‘ dir was Schönes an».

Du hast die Stimme von dem Band noch im Ohr – wie eindeutig war sie? Und was ist ‚was Schönes‘ für diesen Anlass?

«Hunderttausend Klamotten – und du behauptest, du hast nichts anzuziehen», hat dein Ex-Freund immer gesagt. Er hat nie kapiert, wie wichtig es dir ist, dich richtig, das heißt dem Anlass angemessen, anzuziehen; nicht zuletzt deswegen hast du dich schließlich von ihm getrennt. Dich passend anzuziehen, ist für dich einfach die Grundvoraussetzung um dich wohl zu fühlen.

Du empfindest es als beklemmend, die falsche Kleidung anzuhaben, weil du nicht willst, dass dich alle anstarren und sich heimlich darüber lustig machen, dass du daneben gegriffen hast. Aber das hast du ihm nie klar machen können. Wie so vieles andere. Du hast dich bei ihm eher unverstanden gefühlt, weil er sich selten in dich hat hinein versetzen wollen oder können. Bis auf die eine oder andere eindeutige Art natürlich (doch das können letztendlich alle Männer).

«Hineinversetzen» – so hast du die Männer bisher jedenfalls kennen gelernt – wollten und konnten sich die Typen ausschließlich körperlich. Denn «Hineinversetzen» ist für Männer gleichbedeutend mit «Reinstecken». Miteinander reden, auf den Gesprächspartner eingehen, zuhören können – das schien hingegen eine Eigenschaft zu sein, die nur Frauen besitzen. In Ruhe gelassen, nicht bedrängt zu werden – eine Wunschvorstellung, ein Ideal, welches du mit ihm gemeinsam nicht verwirklichen konntest. Das war dir mit den Monaten, in denen ihr zusammen ward, immer deutlicher klar geworden.

Denn er dachte die meiste Zeit nur an das Eine. Er wollte, konnte immer und überall. Zumindest behauptete er das. Und war natürlich auch noch stolz darauf. Du selbst empfandest das als unnatürlich. Und du hast lange gebraucht, bis du verstanden hast, wie sehr ihr euch in diesem Punkt unterschieden hattet. Wie er dich anfangs, als ihr euch die ersten Male getroffen habt, noch beeindrucken konnte mit seiner Eloquenz, seiner Reife, seiner Sicherheit. Bis du irgendwann – und leider zu spät – festgestellt hast, dass vieles von dem, was er gesagt, getan hatte, Luftblasen waren, Schönfärberei, er letztlich ganz anders war, als er sich dir zu Beginn präsentiert hatte.

Du warst auf ihn hereingefallen! Hast dich blenden lassen, dich auf ihn eingelassen und bist nicht mehr losgekommen.

Zu dieser bitteren Erkenntnis bist du gelangt, dass du in dieser Beziehung zu lange das Opfer gegeben hast. Dass er dich zertreten würde in dieser Beziehung, wie eine Raupe unter seinem Absatz.

Du hast in einem Café gesessen, mit Katja wieder, und du hast dich bei ihr förmlich ausgespuckt über seine Unarten, seine Ignoranz, und die Überheblichkeit, mit der er sich dir gegenüber verhalten hat.

Der alte Zwist mit ihr war an diesem Abend wie weggeblasen gewesen. Du hattest sie angerufen – einfach aus einer Laune heraus, weil du jemanden zum Reden gebraucht hast. Jemanden, der zuhört. Und Katja hat zugehört. Sie hat dich verstanden, deine Hand auf dem Tisch gehalten, gestreichelt. Und dich ermutigt: «Schätzchen, der ist es nicht wert, dass du dich für ihn kaputt machst. Pack deine Sachen und zieh aus. Wenn du willst, kannst du übergangsweise auch bei mir wohnen.

» Und während eueres letzten Abends ist er dann endgültig ausgerastet. Als ob er gespürt hat, dass die Begegnung mit Katja dir den Mut gegeben hat, dich zu verändern.

Du hast damals an diesem Abend, fast so wie heute, nur mit Strümpfen, Slip und BH im Schlafzimmer gestanden um die Kleider für den Abend auszusuchen. Er hat sich bereits seine Krawatte gebunden, während du noch unschlüssig wie immer vor dem offenen Schrank gestanden hast.

Mit einem Mal ist er von hinten zu dir getreten und hat dir von hinten unter den Armen hindurch seine Hände an die Brüste gelegt. Er streichelte sie durch den dünnen Stoff. Dann hielt er kurz inne, wie um dir eine Chance zum Nein sagen zu geben. Aber gleichzeitig hast du schon seinen Atem im Nacken gespürt und nicht zum ersten Mal fiel dir auf, wie unangenehm fordernd er sein konnte. Und du hast gewusst, dass diese Chance nur theoretisch bestanden hatte.

Denn mit der Rechten umfasste er dich bereits auf Höhe der Rippen und seine linke Hand begann, beide Körbchen deines Büstenhalters herunterzuzerren. Er drückte deine Brüste aus dem Halter heraus, schob das Fleisch nach oben und stellte dich so im Spiegel zur Schau. Dann krallte er sich mit den Fingern in deiner rechten Brust fest und der Schmerz machte dich wehrlos. Du spürtest seine Zunge zwischen den Schulterblättern auf und ab gleiten. Und gleichzeitig fuhr seine Rechte über den Bauch und zwischen deine Beine.

Du warst wie gelähmt. Wie stark, schier unbesiegbar musste er sich in diesem Augenblick gefühlt haben. Er keuchte bereits schwer hinter dir. Du legtest deinen Kopf seitlich auf die Brust gelegt um ihm zu signalisieren, dass dir jetzt nicht danach war. Aber ihn – und das war das eigentlich Erschreckende für dich gewesen – kümmerte das überhaupt nicht. Im Gegenteil: Er hatte dich vornüber gebeugt, so dass du dich jetzt mit beiden Händen am Schrankspiegel abstützen musstest um nicht zu fallen, seine Linke ließ jetzt deine Brust los und griff im Nacken in deine Haare, schob dich hart gegen das Möbel.

Du dachtest an Katja. Die verständnisvolle, zärtliche Katja. Dann trat er einen halben Schritt zurück und du hörtest, wie er mit der rechten Hand seinen Reisverschluss öffnete …

«Oh, Schätzchen, ja, das ist gut, oh ja, das ist geil … megageil. Komm, wir treiben es jetzt gleich. Darauf habe ich schon den ganzen Tag gewartet. Ich will es dir von hinten besorgen. »

Du schließt deine Augen um die Worte auszulöschen, denn du hast sie heute noch im Ohr.

Eingebrannt in dein Gedächtnis. Und du schämst dich für sie, obwohl nicht du es warst, die sie gesagt hatte. An diesem Abend war es das letzte Mal gewesen, dass er dich hatte anfassen, sich in dich hatte «hineinversetzen» dürfen. «Scheißtypen!» Am nächsten Tag hast du seine Koffer gepackt, während er noch im Büro war, und sie vor der Wohnungstür deponiert. Du hast den Schlüssel von innen ins Schloss gesteckt, Katja angerufen und ihr alles erzählt.

Sie hat sich ehrlich mit dir gefreut. Und nach einer kurzen, heftigen Auseinandersetzung an der verschlossenen Wohnungstür – als er heimgekommen ist und festgestellt hat, was du inzwischen getan hattest, hast du ihn nie wieder gesehen. Das ist jetzt fast drei Monate her. In dieser Zeit hat sich für dich alles verändert. Und heute, da bist du dir sicher, heute Abend wird dir so etwas nicht noch einmal passieren. Denn seither hast du dich nie wieder auf Typen eingelassen.

Du hast dich für ein Sommerkleid entschieden – weiß, luftig und leicht. Die Klänge von Chopins «Minuten-Walzer» tropfen durch die Wohnung wie Perlen von einer zerrissenen Kette. Es ist Ende Juni und angenehm warm draußen. Du schaust noch einmal zweifelnd auf deine Beine (sie sind für die Jahreszeit und das Kleid eigentlich viel zu hell), bleibst aber dann bei deiner Entscheidung. Mittlerweile ist es schon nach halb zehn. Nervosität wird in dir wach.

«Und wenn es heute doch nicht geschieht?» …

Dann klingelt es an der Tür und bevor du den Summer drückst, ziehst du deinen Slip aus.

Als du öffnest, steht Katja lächelnd da.

«Hallo, Nadine!», flüstert sie.

«Hallo, Süße!», erwiderst du leise.

Sie trägt die Haare jetzt kürzer als bei euerem unerwarteten Wiedersehen im Restaurant. Aber wie neulich hast du plötzlich wieder einen Schmetterling zwischen den Beinen.

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