Incomplete Ch. 02

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das grad vorab: diese geschichte ist nicht autobiographisch.

manch ein übereifriger analytiker mag eventuell die eine oder andere seichte parallele zu dem ziehen wollen, was mein leben tangiert, aber sämtliche geschehnisse in diesem text entspringen meinen kreativen alpträumen, die mich des nachts unterhalten. und nicht der realität, erst recht nicht meiner.

AMEN SHE PRAYED?! ich wünsch euch viel freude mit teil zwei.

* * *

INCOMPLETE, Part II.

EIS Werbung

Katka.

Sie kam mit rasenden Kopfschmerzen zu sich. Einen Moment benebelt ob des stechenden Schmerzes hinter ihrer Stirn, richtete sie sich stöhnend auf. Wo war sie hier?

Bleierne Dunkelheit beherrschte den kalten Raum. Zitternd zog Katka ihre Decke fester um ihre schlotternden Schultern. Ihr Nacken tat ihr weh vom Liegen auf dem harten Untergrund. Holz, stellte Katka fest, als sie über die raue Fläche strich.

Sie kauerte in der Ecke einer Holzhütte.

Wie war sie hierher gekommen?

Und weswegen war sie überhaupt hier?

Katka ließ ihren verschwommenen Blick langsam schweifen.

Fahles Mondlicht fiel durch zerbrochene Fensterscheiben in die Hütte und malte diffuse Schatten an die Wände. Der Raum war nur spärlich eingerichtet; bis auf eine dunkle Kommode und ein paar umgekippte Stühle gab es nichts, das darauf schließen ließ, dass diese Hütte bewohnt war.

Langsam richtete Katka sich auf.

Sie tastete sich fahrig an der Wand entlang. Schwindel bemächtigte sich ihrer, kaum dass sie aufrecht stand. Ihr Kreislauf rebellierte, und ehe Katka wusste, wie ihr geschah, fand sie sich auf dem Boden wieder.

Fiebrig schnappte sie nach Luft, tastete mit den Fingerspitzen dabei über den hölzernen Untergrund — und gefror entsetzt mitten in ihrer Bewegung. Die Finger ihrer linken Hand hatten einen eisernen Gegenstand ertastet, scharfkantig und irgendwie klebrig feucht.

Aber was für ihr eigentliches Entsetzen verantwortlich war, floss langsam ihrer rechten Hand entgegen. Dunkel, zähflüssig… und warm.

Mit lähmendem Entsetzen hob Katka ihre Hand, um ihre Finger im Mondlicht sehen zu können: Sie waren blutverschmiert. Katka unterdrückte einen panischen Schrei, drehte ihren Kopf ganz langsam nach rechts… und wich im nächsten Moment geschockt zurück. Sie spürte, wie sich ihre Kehle merklich verengte. Ihr Herz sprengte wild gegen ihren Brustkorb, und in ihren Gedanken rauschte es.

Da, keine zwei Schritte von ihr und dem blutigen Beil zu ihrer Linken entfernt, lag Toiva in seinem eigenen Blut, der leeren Blick gebrochen, die Eingeweide quollen ihm aus der aufgeschlitzten Bauchdecke hervor.

Katka spürte die Übelkeit in sich aufsteigen, schlug sich die Hände vor den Mund und hechtete haltlos an der grausam zugerichteten Leiche ihres Kindergartenfreunds vorbei nach draußen, wo sie sich herzhaft übergab.

Anschließend wischte sie sich zitternd über die Lippen und ließ sich die klamme Außenwand der Holzhütte hinuntersinken, wo sie verzweifelt schluchzend ihren Kopf hinter ihren angewinkelten Knien in ihrem Schoß vergrub.

Oh Gott, das war doch alles gar nicht wahr…

Die sickernde Wunde quer über ihrem Bauch, die ihr Shirt mit ihrem eigenen Blut durchtränkte, bemerkte sie dabei gar nicht…

Gunilla.

Ein unterdrückter Schrei ließ Gunilla aus unruhigen Träumen aufschrecken.

Vor einer gefühlten Ewigkeit war es ihr gelungen, Katka davon zu überzeugen, die Nacht gemeinsam zu verbringen.

In ihrem Zustand konnte sie Katka einfach nicht sich selbst überlassen. Katka hatte erschöpft zugestimmt. Vermutlich hätte sie jedem von Gunillas Vorschlägen widerstandslos zugestimmt, so ausgelaugt, wie sie sich gefühlt hatte…

Irgendwann war Katka fest an Gunillas warmen Bauch gekuschelt in einen unruhigen Schlaf gefallen. Gunilla hatte an ihrer Seite über sie gewacht, bis die Müdigkeit sie selbst übermannt hatte. Irgendwann musste sie ihren schweren Lidern dann wohl nachgegeben haben…

Nun richtete sie sich benommen auf.

„Kato…?“

Katka saß aufrecht in dem großen Bett, die Decke gegen ihre bebenden Schultern gedrückt, und starrte mit jagendem Atem ins Leere.

Alarmiert rutschte Gunilla zu ihr und schloss sie in die Arme. Katka spürte die vertraute Nähe und schmiegte sich leise wimmernd an Gunillas Oberkörper. Der angenehm blumige Geruch, der Gunilla stets umgab, ließ sie ruhiger werden. Langsam schloss Katka die tränengeröteten Augen.

„Was ist passiert?“, fragte Gunilla mit sanfter Stimme.

Sie musste Katka irgendwie beruhigen. Irgendwie zu ihr durchdringen, um ihr zu beweisen, dass sie hier in Sicherheit war. Hier konnte ihr niemand etwas. Dieses Bett war ihre Zuflucht. Tief in sich schien Katka das zu spüren; augenblicklich wurde ihr Atmen ruhiger, kaum dass sie Gunillas Wärme spürte.

„Sein Blut klebt an mir“, murmelte sie apathisch. „Sein Blut war überall, und ich hab ihn umgebracht… E-er, er… er ist mausetot, Gunilla… weil ich ihn umgebracht hab…“

„Shh“, machte Gunilla und strich Katka liebevoll über die schweißnasse Stirn.

Katka glühte förmlich. Vermutlich hatte sie sich ein Fieber eingefangen, das ihr nun wirre Alpträume bereitete. „Du hast geträumt, Kato. Alles ist gut. „

„Nein, gar nichts ist gut“, widersprach Katka tonlos und wiegte sich dabei vor und zurück in Gunillas Armen. „Toiva ist tot, und ich hab ihn umgebracht. Mit… mit einem Beil, Gunilla. Stell dir das vor, mit einem Beil! Wusstest du, dass man nichts weiter als ein scharfes Beil benötigt, um einem Menschen den Bauch aufzuschlitzen?“

Daran hatte Gunilla gewisse Zweifel, aber das sagte sie Katka lieber nicht.

Manchmal gab es Momente, da machte Katka ihr Angst… tiefe, unerklärliche Angst… Ihr hysterisches Kichern trug sein Übriges dazu bei.

„Das war nur ein Alptraum“, erwiderte Gunilla stattdessen mit ruhiger Stimme. „Du hast niemanden umgebracht. Du bist in meinem Bett und in Sicherheit, und hier kann dir niemand was. Schon gar nicht dieser Toiva. Alles ist gut, Katka. “

„Ja… alles ist gut. Ich hab ihn umgebracht, und jetzt ist alles gut“, murmelte Katka da und gähnte leise.

„Jetzt ist alles wieder gut…“

Sie kuschelte sich eng an ihre Freundin und schloss die Augen. Gunilla wischte ihr den Schweif mit dem Ärmel ihres Schlafpullis von der Stirn und hielt Katka, bis von ihr nur noch gleichmäßiges Atmen zu hören war. Dann legte sie ihre schlafende Freundin liebevoll auf deren liebstes Kuschelkissen, deckte sie zu und stand leise auf.

Sie brauchte jetzt einen starken Kaffee… und dann würde sie Penkos Nacht wohl oder übel für beendet erklären.

Penko.

Was tat Mann nicht alles für die Frauen seines Herzens.

Penko seufzte abgrundtief in seinen Kaffeebecher mit dem kitschigen Herz drauf, den Katka ihm letztes Weihnachten geschenkt hatte.

Zu sagen, dass er es ganz und gar nicht liebte, in einer Samstagnacht um fünf Uhr und elf Minuten aus seinem wohlverdienten Schlaf gerissen zu werden, kam einer schmeichelhaften Untertreibung nahe.

Aber er konnte tun und lassen, was er wollte — Gunilla konnte er einfach nie lange böse sein. Verdammtes Luder. Sie hatte ihm gründlich den Kopf verdreht, und wenn er nicht aufpasste, würde sie seine Prinzipien schneller durcheinander wirbeln, als er ihre unkeuschen Absichten unterbinden konnte!

Grummelig stellte er den leeren Kaffeebecher in die Spüle. Sollten sich doch seine Mitbewohner über seine Unordnung aufregen! Hatten die wenigstens auch mal was zu tun…

Immer noch ungnädig über diese gottlose Uhrzeit, stapfte Penko durch den Flur, zog im Vorbeitapern den schwarzen Vorhang seines Schlafgemachs zu und fischte dann seine warme Lederjacke und den schweren Schlüsselbund vom Haken an der Wohnungstür.

Kurz darauf hallten seine Schritte durchs hellhörige Treppenhaus. Lieben Gruß an die Nachbarn, ihm war deren abrupt beendete Nachtruhe gerade ziemlich gleichgültig. Gleiches Unrecht für alle.

Im Erdgeschoss angekommen, schnappte Penko sich seinen Helm und die dicken Motorradstiefel von der kleinen Gemeinschaftskommode und ließ dann die Haustür hinter sich zufallen. Die stockfinstere Nacht wich gerade erst dem dämmernden Morgen, und es war dementsprechend kalt. Zu allem Unmut musste es auch noch leise nieseln.

Penko verzog die schmalen Lippen zu einer Schnute, gab sich einen Ruck und hielt entschlossenen Schrittes auf seine tiefrote Honda Transalp zu.

Gunilla hatte wirklich einiges wiedergutzumachen!

Katka.

Leises Stimmgemurmel drang von Richtung Flur an ihr Ohr. Stimmen, die sie nicht sofort zuordnen konnte. Vertraute Stimmen, allerdings. Kein Grund für Angst.

Katka seufzte leise im Halbschlaf und drehte sich auf die linke Seite.

Wie von selbst tasteten ihre Finger nach Gunilla. Allerdings vergebens.

Als Katka zwar die Wärme ihrer Freundin spürte, jedoch nicht ihren Körper, öffnete sie blinzelnd ihre Augen. Wo war Gunilla?

Erst dann bemerkte Katka die Schatten, die im Türrahmen lehnten.

Gunilla kehrte ihr den Rücken, aber Penko sah sie direkt an. Katka richtete sich halb auf, die Decke schützend an sich gedrückt, und erwiderte seinen Blick stumm.

Erst, als sich in Penkos hübschem Gesicht das liebevolle Lächeln abzeichnete, das für gewöhnlich für Katka reserviert war, drehte Gunilla sich zu ihr.

„Du bist wach!“ Die Sorge in ihrer Stimme drang nur halb zu Katka durch, die viel zu irritiert über Penkos Anwesenheit war. Was machte er hier, mitten in der Nacht? Sonst kam er doch auch nicht, und wenn, dann nur, um eine seiner Freundinnen abzuholen… oder beide, wenn sie zu dritt auf Achsen waren… was in letzter Zeit allerdings selten geworden war…

„Was macht er hier?“, fragte Katka leise, kaum dass Gunilla vor dem Bett kniete, ihre warmen Hände auf Katkas eisigen Fingern.

„Sich um dich sorgen“, antwortete Gunilla ausweichend. Katkas Blick suchte den ihren, aber Gunillas Augen klebten an Penko, der langsam durch Gunillas dunkles Zimmer auf Katka zukam.

Seit wann kümmerte er sich um ihre Probleme? Penko war nie zu gebrauchen, sobald Katkas Welt ins Schwanken geriet. Das war immer Gunillas Aufgabe — Katkas Zerbrechlichkeit, Gunillas Fürsorge, Penkos Unbekümmertheit. Und plötzlich erschien er mitten in der Nacht in der Mädchen-WG, die er für gewöhnlich mied wie ein Vampir den Sonnenaufgang? Das passte nicht zusammen…

Misstrauisch entzog Katka Gunilla ihre Hände und rutschte mit ihrem Rücken an die Wand.

Den Kontakt mit Männern vermied sie seit sieben Wochen erfolgreich. Und daran würde sie heute Nacht nichts ändern. Auch nicht für ihren Freund, der sich ja doch nicht um sie kümmerte, wenn sie Probleme hatte…

Aus diesem Gedanken heraus richtete Katka ihren Blick finster auf Penko, der neben Gunilla stand, eine Hand besitzergreifend auf ihre Schulter gelegt, die andere Hand nach Katka ausgestreckt. In seinen Augen lag etwas unbeschreiblich Flehendes, ihm doch endlich ihr Herz zu öffnen… aber Katka wehrte sich mit aller Kraft dagegen, ihn an sich heranzulassen.

Egal, in welcher Art und Weise.

„Katka, bitte…“, sagte Gunilla leise. „Ich hatte gehofft, dass du mit ihm redest… Ihn geht das alles schließlich auch was an. “

Aber mit Vernunft war konnte man Katka noch nie ködern. So auch jetzt; statt Gunillas bittendem Blick nachzugeben, winkelte sie abweisend die Knie an und schlang ihre nackten Arme darum. Geschützt von Gunillas Bettdecke, versteckte Katka sich wieder einmal mehr vor der Realität.

Gunilla und Penko tauschten einen kurzen Blick. Katka hegte schon seit Längerem die Vermutung, dass die beiden sich nur ansehen mussten, um sich zu verständigen.

Keinen Herzschlag später bestätigte sich dieser Verdacht aufs Neue, als Gunilla und Penko fast gleichzeitig aufs Bett kletterten und Katka wortlos in ihre Mitte nahmen. Überrumpelt starrte Katka die beiden an, erwog ein paar Atemzüge lang, einfach unter der Bettdecke abzutauchen und beschränkte sich dann doch nur auf eine finstere Schmollmiene.

„Was wollt ihr?“

„Reden. “ Das kam von Penko zu ihrer Linken. Gunilla tastete sanft nach Katkas rechtem Oberarm und schmiegte sich liebevoll an sie. Katka strömte noch immer diese Eiseskälte aus, die direkt aus ihrem Innersten zu dringen schien. Fröstelnd schmuggelte Gunilla sich unter Katkas Decke, die ja eigentlich ihre eigene war.

„Worüber?“, gab Katka sich weiterhin uneinsichtig. Ihr behagte das hier gerade überhaupt nicht, das sah Gunilla ihr an der bleichen Nasenspitze an.

Sie widerstand dem Drang, vorsichtig über die sanft geschwungene Nase ihrer Freundin zu stupsen und lehnte stattdessen den Kopf an Katkas nackte Schulter, die unter ihrem Schlafshirt mit dem weiten Halsausschnitt hervorlugte.

Katka erwiderte die zärtliche Berührung nicht. Ihr Blick war stur geradeaus gerichtet, auf die weiß lackierte Holztür, an der unzählige Fotos hingen. Erinnerungen aus unbeschwerten Sommertagen. Katka erschien der letzte Sommer plötzlich unendlich fern…

„Über das, was dir passiert ist“, sagte Penko leise und strich sanft über Katkas linken Arm.

Er sah sie dabei an, aber Katka wich seinem Blick aus. Sie wollte ihn nicht ansehen. Sie wollte ihn am Liebsten gar nicht in ihrer Nähe haben. Wo war er gewesen, als ihr naiver Glaube an ihren männlichen Beschützer zerbrochen war?

„Wieso verschließt du dich vor mir?“, fragte Penko und klang dabei so verletzt, dass es Katka einen Moment lang eisig auf den Schultern drückte. Dann jedoch fuhren ihre Schutzmauern wieder hoch, und Katka straffte ihre Schultern und schmiegte sich tiefer in Gunillas Decke.

Einen Moment lang herrschte bedrückte Stille in Gunillas gemütlichem Zimmer, dann richtete Penko sich auf und beugte sich so zu Katka, dass sie ihm unweigerlich ins Gesicht sehen musste. Seine Pose entbehrte nicht einer gewissen Komik, und wäre ihre Lage nicht so verflucht ernst gewesen, dann hätte Katka sich spätestens jetzt quietschend in seine Arme gestürzt. So aber schluckte sie bloß an dem schweren Tränenkloß in ihrem Hals und versuchte, den durchdringenden Blick in seinen Augen zu ignorieren.

„Kato“, murmelte Gunilla und drückte sanft ihren Arm. „Er muss es wissen. Schließlich besteht die minimale Wahrscheinlichkeit, dass er der…“

„Sprich es nicht aus!“, fauchte Katka da. In ihren Augen glomm schwarze Wut.

Erschrocken über den Ausbruch ihrer Freundin, wich Gunilla zurück.

Aber ehe sie irgendein Wort der Entschuldigung stammeln konnte, hatte Penko schon gehandelt: Katkas flüchtigen Augenblick der Unaufmerksamkeit gnadenlos ausnutzend, zog er das wehrlose Mädchen an sich und legte die Arme um ihren schmalen Rücken, sodass sie sich nicht ohne Weiteres aus seiner Umarmung befreien konnte.

Katka spürte, wie alles in ihr gegen diese körperliche Nähe rebellierte. Gleichzeitig schossen ihr heiße Tränen in die Augen. Sie wollte das hier nicht…

„Lass mich los“, wimmerte sie, plötzlich wieder das hilflose Nervenbündel, das sie seit seiner Ankunft war.

„Erst, wenn du mit mir redest. “ Penko konnte so verdammt unnachgiebig sein…

Katka stieß einen unverständlichen Laut des Unwillens aus.

Doch schließlich gab sie ihren unnützen Widerstand gegen seine liebevolle Umarmung auf und schlang die Hände um seinen Nacken. „Versprich mir, dass du mich nie wieder allein lässt…“

Penko tauschte einen kurzen Blick mit Gunilla. In Gunillas Augen lag etwas sehr Strenges, das ihn hart schlucken ließ. Er realisierte jäh, dass er scheinbar doch nicht so unfehlbar war, für wie er sich stets gehalten hatte…

Vorsichtig strich er der zitternden Katka über den Hinterkopf.

„Versprochen“, murmelte er dabei in ihren langen Pony und küsste ihr zärtlich die Stirn.

„Er… Er hat mich einfach ins Sofa gedrückt, gegen meinen Willen!“, stieß Katka heftig aus und krallte sich fest in Penkos Shirt. „Ich hab um Hilfe geschrien, so laut ich nur konnte. Aber nicht mal, als Elias davon weinend aufgewacht ist, hat er aufgehört… Es hat ihn überhaupt nicht interessiert, dass ich das nicht wollte… Oh Gott, ich wollte das nicht! Ich hab mich doch gewehrt… und trotzdem… trotzdem…“

Sie schluchzte heftig und Penko drückte sie fest gegen seine Brust.

Katka atmete seinen Geruch ganz tief ein, bis ihr davon schwindelte. „Ich… ich wollte das doch gar nicht…“

Penko. Penko hockte breitbeinig auf dem weichen Sofa im kleinen, aber behaglich eingerichteten Wohnzimmer der Mädchen-WG, hatte die Arme auf der Lehne ausgebreitet und ließ Gunilla nicht aus den Augen.

Auf dem hölzernen Kaffeetisch vorm Sofa leuchteten eine Handvoll Teelichter in gläsernen Haltern, davor hockte Gunilla in ihrem niedlichen oversized Schlafpulli und war vollauf damit beschäftigt, Tee aus einer hübsch bemalten Porzellankanne in zwei marokkanische Becher zu gießen, ohne irgendetwas davon zu verschütten.

Schien schwieriger zu sein, als es aussah. Einen Moment lang zog Penko in Erwägung, großmütig seine Hilfe anzubieten, aber da hielt ihm Gunilla schon einen der beiden dampfenden Becher entgegen.

Penko nahm den gut gesüßten Tee dankbar an. Nach allem, was Katka ihn in der letzten halben Stunde gebeichtet hatte, brauchte er jetzt Zucker. In Form von Flüssigkeit …und in Form von Gunilla. Dummerweise sandte die ihm Signale, die auf alles Andere hindeuteten als auf süße Zweisamkeiten…

Das Mädchen hockte sich in einigem Abstand neben ihn und nippte vorsichtig an ihrem eigenen Tee.

Irgendetwas mit türkischem Apfel und Kardamom. Es roch auf jeden Fall ähnlich verlockend wie Gunilla. Die langen Ärmel ihres Pullis hatte sie schützend um den Becher gelegt, während sie vorsichtig trank und sich anschließend über die Lippen leckte.

„Was machen wir jetzt mit Katka?“, fragte sie dann leise. Penko sah sie von der Seite aus forschend an. „Das fragst du?“

„Ja, scheinbar schon. “ Jetzt sah sie doch zurück.

Penko verstand das angriffslustige Funkeln in ihren Augen nicht, aber er hatte verspürte keine große Lust auf Streit. Also seufzte er nur und nahm einen Schluck Tee. Pure Zeitschinderei. Aber es gab ihm zumindest einen Moment, um seine Antwort gut abzuwägen.

Er wollte kein Kind. Schon gar keines von einem anderen Mann. Nur wie sollte er das Gunilla und vor allem Katka beibringen, ohne wie der kaltschnäuzige Vollpfosten dazustehen, der er ab und an sein konnte, wenn ihm danach war?

Penko räusperte sich.

„Hat Katka… ich mein, habt ihr schon mal über 'ne Abtreibung geredet?“

Zwischen Katka und Gunilla herrschte permanenter Austausch; es gab selten Geheimnisse oder gar Verheimlichungen zwischen den beiden. Manchmal hatte Penko gar den Eindruck, dass sie sich ohne Worte verständigen konnten. Ein einziger Blick genügte, und beide wussten nur zu genau, was die Andere gerade dachte und fühlte… Es war ihm manches Mal unheimlich, gerade weil ihm eine solche Verbindung zu Katka versagt blieb.

Gunilla malte mit dem Zeigefinger langsam über den Rand ihres Bechers und schwieg beharrlich.

So lange, bis ihr gewiss war, dass Penko die peinliche Stille zwischen ihnen allmählich unbehaglich wurde. Dann setzte sie den Becher mit einem heftigen Ruck auf dem Tisch ab, sodass etwas vom Tee über ihre Finger schwappte. Sie merkte es kaum. Mit festem Blick sah sie ihrem Freund in die Augen und sagte ganz leise: „Geh nach oben und schlag Katka das selbst vor, wenn du es drauf anlegst, ihren Glauben an dich als ihren heroischen Ritter komplett zu zerstören.

Ansonsten erwähnst du dieses Wort nie, nie mehr innerhalb dieser Wände. “

Penko schauderte ob der Kälte in ihrer Stimme. Mit einer solch heftigen Reaktion hatte er nicht gerechnet… Für ihn war der Gedanke an einen Schwangerschaftsabbruch das Naheliegendste auf der Welt nach einer Vergewaltigung. Es war ihm unverständlich, dass Katka das anders sah als er…

„Sie will also wirklich das Kind von diesem… diesem Irren?“ Penko spie das Wort geradezu aus.

Seine Stimme triefte vor Verachtung. Tief in sich sann er auf Rache, weil er das furchtbare Unrecht, das Katka widerfahren war, nicht ungestraft davonkommen lassen wollte. Aber er wusste, dass Katka und Gunilla davon nichts wissen wollten.

Penko ballte die Finger unbewusst zu Fäusten. Sollte ihm dieser Toiva begegnen, dann konnte er trotzdem für nichts garantieren…

Gunillas vernichtender Blick traf ihn zielsicher und ohne seine Wirkung zu verfehlen.

„Du kannst so ein selbstgerechtes Arschloch sein“, murmelte sie.

Penko schnaubte. „Und du denkst allen Ernstes, es könnte ebenso gut mein Kind sein. Ausgleich, Gunilla. “

Touché. Darauf wusste Gunilla nichts zu erwidern.

Schweigend starrte sie in ihren Tee. Manchmal trieb ihr Starrsinn Penko schier an den Rand der Verzweiflung. Er verdrehte die Augen und unterdrückte den Drang, dramatisch aufzuseufzen.

Penko war die unangefochtene Dramaqueen in ihrer Beziehung. Aber er spürte, dass sich sein Hang zur Melodramatik diesmal nur kontraproduktiv auf die blöde Situation auswirken würde.

Also stellte er seinen Teebecher auf dem Kaffeetisch ab, rutschte zu Gunilla auf den Teppich und zog sie sanft in seine Arme.

„Hat Katka solche Alpträume öfters?“, fragte er leise in ihr welliges Haar. Gunilla zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht… Sie schläft nicht mehr so oft in meinem Bett in letzter Zeit…“

Was vermutlich in irgendeinem kausalen Zusammenhang mit Gunillas allabendlichen Videochats in ihrem Bett mit erwähnenswert wenig Stoff an ihrem schlanken Körper stand.

Aber das verschwieg Gunilla ihm lieber. Manche Dinge musste Penko nicht zwangsläufig erfahren…

Es war auch nicht so, als würde Katka nach fast zwei Jahren plötzlich Anfälle von grundloser Eifersucht entwickeln, im Gegenteil. Aber sie schien einen unbändigen Hass auf alle männlichen Wesen dieser Welt zu hegen, der auch vor Penko keinen Halt machte… und der sich in ihren Träumen widerspiegelte.

„Sei lieb zu ihr“, raunte Penko und drückte Gunilla einen Kuss aufs Schlüsselbein.

Seine Absichten waren fast zu offensichtlich…

„Lass das! Mir ist jetzt wirklich nicht nach – …“, setzte Gunilla an und versuchte, sich aus Penkos Armen zu befreien. Wie dumm es wäre, wenn ausgerechnet jetzt jemand unangemeldet hereinstolpern und sie in dieser verfänglich eindeutigen Haltung vorfinden würde…

Gunilla stockte mitten in ihrer Bewegung, als sie leises Rumoren auf dem Flur vernahm. Kaum einen Atemzug später erschien eine reichlich verschlafen aussehende Tamsin, die Dritte im Bunde der Mädchen-Wg, im Türrahmen zum Wohnzimmer.

Gähnend rieb sie sich mit dem linken Handrücken über die Augen, blinzelte und starrte Penko dann angewidert an.

„Nee, oder?“, stöhnte sie mit ihrem niedlich britischen Akzent. „Das glaub ich jetzt einfach nicht!“

Noch während ihr fassungsloser Blick von Gunilla über Penko und wieder zurückschweifte, erspähte Gunilla den Schatten einer anderen Person, die sich mit weit aufgerissenen Augen an den Türrahmen klammerte: Katka.

Und die Abscheu in Katkas Augen, ehe sie sich abrupt losriss und die Treppen hinaufstürmte, sprach Bände…

to be continued…

vielen dank fürs lesen!.

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