Chuck & Sarah 02

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02: Unter der Sonne Cos

SPOILERWARNUNG!!! SPOILERWARNUNG!!! SPOILERWARNUNG!!!

Fans der Serie „Chuck“, die sich überraschen lassen wollen, sollten nicht weiter lesen, denn diese Geschichte enthält sehr viele Details und Daten, die euch noch nicht bekannt sind!!!

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Es ist jetzt an der Zeit, auch mal einen Blick auf die anderen Personen zu werfen, die in „Chuck & Sarah — Wendepunkt Paris“ in Erscheinung treten oder erwähnt werden, und auch sie etwas besser kennen zu lernen.

Wer sind diese „Randfiguren“ in Chuck und Sarahs Leben? Natürlich bleibt unser Agentenpärchen der Kern der Geschichte, aber ebenso wie in der Serie, haben diese anderen Charaktere eine große Bedeutung und großen Einfluss auf die beiden Hauptpersonen.

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Die Handlung dieser Geschichte spielt nach dem Ende der dritten Staffel und einige Zeit nach den Ereignissen von „Chuck & Sarah — Wendepunkt Paris“ und könnte durch die Einfälle der tatsächlichen Drehbuchautoren der Serie in der vierten Staffel ad absurdum geführt werden, aber bis es so weit ist, könnte diese Fan-fiction durchaus auch aus der Serie stammen.

Ich wünsche euch jedenfalls viel Vergnügen beim Lesen

Ein schwacher ablandiger Wind, der träge über Wellen strich und den Duft der Vegetation und der heißen, kahlen Felsen mit sich trug, transportierte das entspannende Zirpen der Zikaden, und wehte federleicht über einen kargen, menschenleeren Strand, der im Licht der Mittagssonne keinen Schatten bot.

Eine Eidechse döste zu dieser Stunde träge auf einem Felsen am Strand, der über das Wasser hinausragte, und genoss die heißen Sonnenstrahlen auf dem Stein, der ihren Körper aufheizte.

Es war zweifellos ein schönes Gefühl, zu spüren, wie von der Sonne erwärmtes Blut durch den wechselwarmen Körper pulsierte und der Echse zu einer agilen Beweglichkeit und sehr schnellen Reaktionen verhalf. Diese Beweglichkeit war der Garant dafür, dass die Echse immer ihre Beute fand, und tatsächlich war, seit die Eidechse aus ihrem Ei gebrochen war, jede Jagd erfolgreich gewesen, und das Reptil war daran gewöhnt, zu bekommen was es wollte. Und da es ein sehr heißer und sonniger Tag war, und ihr Schatten direkt unter ihr lag, sprach auch alles dafür, dass die heutige Jagd der Echse auch unter Garantie von Erfolg gekrönt sein würde.

Direkt vor ihr setzte nun eine dicke, fette und zweifellos schmackhafte Libelle zum Landeanflug auf eine der kargen Blumen an, die unter dem Felsen wuchsen. Was die Eidechse beim Anblick dieses schmackhaften Leckerbissens als nächstes tun wollte, würde wohl auf Ewig ihr Geheimnis bleiben, denn im nächsten Augenblick stürzten etliche Steine auf den Felsen hinab und verschüttete die Echse, bevor sie etwas unternehmen konnte…

Die Libelle erhob sich mit etwas, das wie ein triumphierendes Brummen klang, wieder in die Luft und flog die Klippe hinauf, an einer Gruppe von Menschen vorbei und dann weiter ins Landesinnere.

* * *

„He Morgan!! Meine Güte! Pass doch auf!! Ich habe dir doch gesagt, du sollst nicht so nah an den Abgrund gehen!!“ Devon, genannt „Captain Awesome“ oder auch nur „Awesome“ zog Morgan am Kragen wieder auf den Wanderpfad, fort vom abbröckelnden Rand der Klippen, während seine Frau Elenore — kurz Elli — die Feldflasche aufschraubte, und sich einen Schluck kühlenden Wassers genehmigte, um den Staub aus ihrem Mund zu spülen.

„Morgan… Was ist denn nur so interessant dort unten, dass du ständig riskierst, die Felsen hinabzustürzen?“ wollte Elli wissen.

Devon wusste es, und er konnte Morgan irgendwo verstehen, und wenn seine Frau nicht direkt neben ihm gestanden hätte, hätte er selbst — zwar aus anderen Gründen — sicher auch den einen oder anderen interessierten und neugierigen Blick riskiert. In der Bucht am Fuße der Klippen lag ein hochmodernes und sehr teures Speedboat mit den Farben der Küstenwache von Costa Gravas vor Anker, und darauf genossen in diesem Moment zwei sehr besondere Menschen die Sonne.

Für Devon war das Boot der Grund, für Morgan das Pärchen auf dem luxuriösen Speedboat.

Unten in der Bucht, an Bord der „Renovación“, dem neuesten Spielzeug des amtierenden Premierministers, lagen Chuck und Sarah auf der gepolsterten Fläche im Heck, und ließen sich die Sonne buchstäblich auf die Haut brennen. Sarahs Körper, den der knappe Bikini mehr ent- als verhüllte, war der Grund, warum Morgan seit einiger Zeit gefährlich nah am Abgrund wandelte — sowohl im wörtlichen, als auch im übertragenen Sinne.

Morgan, etwas klein und sehr bärtig, war wieder Single, seit er den Versuch seiner Ex-Freundin Anna höflich aber bestimmt abgeschmettert hatte, ihn zurückzugewinnen, nachdem sie ihn zuvor fallen gelassen hatte, wie eine heiße Kartoffel. Und auch wenn er es nie zugegeben hätte, war er etwas neidisch auf das Glück, dass Chuck mit Frauen hatte — und insbesondere mit Sarah. Er hatte eine längere Zeit mit Chuck und Sarah zusammen gewohnt, und so ließ es sich auch nicht vermeiden, dass ihm die, zum Teil nur leicht bekleidete, Blondine oft über den Weg lief, und nicht nur Morgan fand, dass Sarah umwerfend aussah.

Morgan sah aber auch die andere Seite.

Zwar hatte Chuck innerhalb kürzester Zeit vier atemberaubend schöne und kluge Freundinnen gehabt, aber zum einen zählte Jill nicht, denn sie hatte Chuck nur ausgenutzt und manipuliert, um an seine Geheimnisse zu kommen, und zum anderen waren sowohl Lou als auch Hannah nur Chucks verzweifelter Versuch gewesen, die Ablehnung durch Sarah, die anfangs einfach zuviel Angst hatte, sich in Chuck zu verlieben, zu verkraften.

Chuck und Sarah taten einander schlicht gut, und waren für einander geschaffen.

Das änderte aber nichts daran, dass sich Morgan trotz aller Hoffnung, die in Gestalt von Alex langsam an seinem Horizont aufzog, oft sehr alleine fühlte, wenn er sich in der Gesellschaft dieser beiden, fast schon widerwärtig verliebten, Pärchen befand.

„Ich wollte mir nur das Boot ansehen, dass der Premierminister unseren beiden Turteltäubchen zur Verfügung gestellt hat.

“ erklärte er. „Und frage mich, warum ich hier mit euch über Felsen klettere, statt in die kühlen Fluten der Karibik einzutauchen. “ – „Wir wollten den beiden doch etwas mehr Freiraum lassen, schon vergessen? Nach all dem, was wir alle überstanden haben, und vor allem die beiden, sollten sie endlich mal die Gelegenheit haben, Zeit mit einander zu verbringen, meinst du nicht auch?“ Elli fasste Morgan scharf ins Auge. „Wir wollen ja nicht vergessen, wer die beiden beim letzten Mal gestört hat…“

Elli hatte natürlich Recht, und ja, es war Morgan gewesen, der den Liebesurlaub der beiden gestört hatte, und sie mit Caseys Hilfe in diesem Zug auf dem Weg nach Zürich aufgespürt hatte.

Aber zu seiner Verteidigung musste auch gesagt werden, dass sich Chuck und Sarah in Paris unerlaubt vom Dienst entfernt hatten, und weder die CIA — ihrer beider Arbeitgeber — noch ihre Freunde und Angehörigen wussten, wo sie waren. Also hatte Casey im Auftrag von General Beckman Morgan dazu gebracht, Chuck und Sarah ausfindig zu machen.

Und es musste noch angemerkt werden, dass, als Casey und Morgan die beiden gefunden hatten, diese bereits irrtümlich ein Team von INTERPOL außer Gefecht gesetzt hatten, das einen hochrangiges ETA-Mitglied ins Zeugenschutzprogramm eskortieren sollte, also de facto nicht mehr wirklich im Urlaub waren.

Aber Morgan begriff, worauf Eli hinaus wollte.

„Du hast ja Recht, Elli…“ gab er zerknirscht zu. „Aber ich beneide die beiden eben auch. Du kannst mich doch verstehen, oder?“ Elli nahm ihn in die Arme und drückte ihn freundschaftlich. „Morgan, du bist ein sehr netter und liebenswürdiger Kerl. Mach dir keine Sorgen. Bald schon wirst du eine Frau finden, die dich zu schätzen weiß, und dir gut tut. Wer weiß, vielleicht hast du sie ja auch schon gefunden…“ tröstete sie ihn, und konnte nicht glauben, dass sie das wirklich zu ihm sagte… und auch aufrichtig so meinte.

Aber in letzter Zeit hatte Elli ihre Meinung über Morgan beträchtlich revidieren müssen.

Letzten Endes war Morgan nicht nur Chucks bester Freund, sondern war ihm auch seit dem Verlust ihrer Eltern eine unersetzliche Stütze gewesen, und so seltsam es auch klang — und für Elli klang es nicht nur seltsam, sondern fast unvorstellbar — wenn man darüber nachdachte, hatte sich Morgan als Spion und Geheimnisträger sogar besser geschlagen als Devon, der coole, gut aussehende und durchtrainierte Surferdude und überragende Chirurg.

Morgan war allen Erwartungen zum Trotz doch ein zuverlässiger und beherzter Mann… Wenn er es nur wollte.

Als sich Devon dann auch noch an der Umarmung beteiligte, seufzte Elli auf, und schmiegte sich unbewusst an ihrem Ehemann. Devons Umarmung gab ihr immer ein Gefühl der Sicherheit, und gab ihr die Geborgenheit, die sie seit den Ereignissen der letzten Zeit fast schon schmerzlich vermisste. Zu erleben, wie ihr Vater vor ihren Augen ermordet wurde, zu erfahren, dass ihr Bruder Chuck, seine Freundin Sarah und ihr Nachbar John Casey Spione waren… Das war fast zuviel gewesen für die sensible Elli.

Halt fand sie jedoch in den Armen ihres Mannes, den sie liebte und begehrte. So war es, seit sie sich an ihrem ersten Tag an der medizinischen Fakultät kennen und lieben gelernt hatten — und zusammen in der Besenkammer landeten, noch bevor sie sich einander hatten vorstellen können.

Morgan zog sich sehr schnell und diskret aus der Umarmung zurück, und überließ Devon den Platz, schnappte sich die Karte und den Kompass und trieb sie dann zur Eile an.

„Na los… Dann wollen wir mal rauf zu dieser Kapelle. “ rief er. Eigentlich war er auch sehr froh für Chuck und Sarah und für Elli und „Awesome“… Aber wenn er auch eine Freundin hätte, die ihm Halt geben könnte und mit der er sein Leben teilen dürfte, wäre er noch viel froher.

Nachdem sich Elli und Devon nach einer Weile endlich wieder von einander gelöst hatten — ein Zeitraum, der ausreichte, damit Morgan die Augen verdrehen und im Geiste rufen konnte „Nehmt euch doch bitte ein Zimmer!“ — nahmen sie die nächste Etappe des Aufstiegs zur Kapelle Santa Rosa in Angriff.

Devon und Morgan hofften, die Kapelle zeitig genug zu erreichen, um später geduscht, erholt und festlich gekleidet pünktlich zum Galadinner mit Premierminister Allejandro Goya zu erscheinen. Elli hoffte, dass nicht alle Legenden nur Legenden sind.

* * *

Chuck genoss die kühlende Brise, die auf dem Wasser deutlich intensiver war als an Land, und die, wie ein sanfter Balsam, die Hitze der glühenden Sonne auf seiner Haut linderte.

Er schlug die Augen auf, und drehte sich auf die Seite, um Sarah anzusehen, die, ihr Gesicht ihm zugewandt, mit geschlossenen Augen auf dem Bauch lag, und, um störenden Streifen vorzubeugen, ihr Bikinioberteil aufgeschnürt hatte. „Schläfst du, Liebling?“ fragte Chuck flüsternd. Die entspannten Züge und das völlige Fehlen von Reaktionen waren für ihn ein klares Zeichen, dass sie wirklich eingedöst zu sein schien, und jetzt ganz selig in der Sonne Kraft tankte.

Da er in Südkalifornien aufgewachsen war, brauchte er keinen „Intersect“ um zu wissen, dass seine Freundin mit ihren blonden Haaren, ihren grauen Augen und der hellen Haut vorsichtig sein musste, keinen Sonnenbrand zu riskieren.

Darum erhob er sich, und hockte sich über sie, goss sich großzügig Sonnenöl in die Hand, wärmte das Öl, dass im kühlen Schatten gelegen hatte, in seinen Handflächen vor und verteilte es auf ihrer Haut. Zuerst widmete er sich ihren Armen, Schultern und ihrem Nacken, dann, als er eine zweite, etwas größere, Ladung vorgewärmt hatte, massierte er diese in die Haut ihres Rückens ein, um dann mit einer dritten und vierten Handvoll erst ihr rechtes, dann ihr linkes Bein einzuölen.

Dabei massierte und streichelte er ihre Haut weit mehr, als es erforderlich gewesen wäre, um sie nur vor den UV-Strahlen zu schützen.

Chuck genoss es, Sarah zu berühren und zu streicheln, und nach und nach wurde aus dem Einölen ein Liebkosen und Streicheln. Ihr Haut nahm das schützende Öl schnell auf und so verteilte Chuck noch eine großzügige Menge auf ihrer Haut und massierte weiter, jetzt eindeutig ihre Muskeln massierend und lockernd.

Das Öl verlieh ihrer leicht gebräunten Haut einen sinnlichen und seidigen Schimmer, und zum wiederholten Male war Chuck fasziniert von den kräftigen und geschmeidigen Muskeln unter der zarten Haut, die jedoch nichts an ihrer schlanken und biegsamen Gestalt änderten. Mit zartem Druck ließ er nun seine Fingerspitzen über ihren Körper wandern und lächelte, als sich Sarah wie ein Kätzchen unter seinen Berührungen räkelte.

Was Chuck nicht wusste, war, dass Sarah keineswegs eingeschlafen war — im Gegenteil.

Mit fast geschlossenen Augen hatte sie die wärmende Sonne auf ihrer Haut genossen und ihrerseits Chuck betrachtet. Noch immer konnte sie nicht fassen, wie sehr sie sich in ihrer Einschätzung seiner körperlichen Eigenschaften getäuscht hatte. Sie hatte sich von seiner vermeintlichen Schwäche dazu verleiten lassen, zu übersehen, dass Chuck mit seinen 1,93m keineswegs schwächlich und unbeholfen war, sondern einen gut trainierten Körper hatte, der nicht nur über Kraft verfügte, sondern auch sehr geschickt und schlagkräftig sein konnte — mal ganz abgesehen davon, wie geschickt und ausdauernd er sein konnte, wenn er sie verführte.

Als sie dann sah, dass er die Augen öffnete und sich zu ihr drehte, schloss sie schnell die Augen und stellte sich schlafend. Sie war sich selbst nicht darüber im Klaren, warum sie das tat, aber irgendwie war sie neugierig, was Chuck wohl tun würde, wenn er sich unbeobachtet wähnte. Da ihre Augen geschlossen waren, konnte sie sich nur auf ihre anderen Sinne verlassen, und sie konnte genau spüren, wie er sich ihr näherte, und dann über sie hockte und sich nach einer kurzen Weile seine Hände ihrer Haut näherten.

Der vertraute Duft des Sonnenöls stieg ihr in die Nase und sie erkannte, was er vor hatte.

„Wie süß von ihm… Er macht sich Sorgen, dass ich einen Sonnenbrand bekommen könnte…“ Sie lächelte in sich hinein, und genoss die Aufmerksamkeit und Fürsorge, mit der er sie bedachte. Als seine Berührungen dann immer intensiver und intimer wurden, konnte sie sich nur mit Mühe ein Seufzen oder ein Stöhnen verkneifen, und nur ihre gute Ausbildung und Erfahrung im Widerstehen jeglicher physischen Folter verhinderte, dass sie sich verriet, als er schließlich damit anfing, sie gezielt zu verwöhnen, zu reizen und zu erregen.

Sie hatte sich vollkommen im Griff… Wenn man einmal davon absah, dass sie immer erregter wurde, und ihr Puls inzwischen nicht einmal mehr dann als ruhig hätte gelten können, wenn man die Maßstäbe für Kolibris angelegt hätte.

Es kostete sie unendlich viel Konzentration und Selbstbeherrschung, sich nicht zu verraten, als sich Chuck über sie beugte, und seine Lippen fast ihr Ohr berührten.

„Das mit dem schlafend stellen sollten sie aber noch einmal üben, Agent Walker.

“ flüsterte ihr Chuck ins Ohr und küsste dann frech ihren Nacken. „Oder dachten sie, ich würde es nicht merken?“

Chuck hatte ein sehr feines Gespür, wenn es um Sarah ging, und ihm war nicht entgangen, dass sie wohl doch nicht döste, sondern einfach nur genoss, und sich verwöhnen lassen wollte. Das war eine — wenngleich auch nicht laut ausgesprochene — Bitte, die er einfach nicht abschlagen konnte und wollte.

Während er ihren Nacken küsste, ließ er seinen Körper auf ihren sinken und begann damit, das Öl auf ihrer Haut mit seinem Körper zu verreiben, seinen Schoß an ihrem Po zu reiben und sie mit zahllosen Küssen zu überschütten.

„Woran hast du es erkannt, Chuck?“ fragte Sarah, vor Genuss schnurrend, und wand sich etwas unter ihm. „Was hat mich verraten? Sags mir, Liebling“ flüsterte sie. „Kurz bevor ich dich berührt habe, hast du für einen winzigen Moment die Luft angehalten. Außerdem haben deine Mundwinkel gezuckt, und da wusste ich, dass du dir ein zufriedenes Lächeln verkneifen wolltest. “ erklärte er, ihr seine Worte zärtlich ins Ohr hauchend. Dann grinste er, knabberte an ihrem Ohrläppchen und flüsterte, sie plötzlich an den Handgelenken festhaltend: „Und dann habe ich auch ein wenig geblufft.

Ich hätte mich ja irren können, aber als du mir dann geantwortet hast, war alles völlig klar. „

Sarah versuchte sich aufzurichten, und stemmte sich gegen Chuck. „Das ist jetzt nicht wahr, oder?!“ Sie wand sich unter Chuck wie ein Aal. „Sag mir jetzt nicht, du hast mich mit diesem alten Trick aufs Kreuz gelegt, Charles Irwing Bartowski!“ rief sie erregt und schaffte es letztlich, sich unter ihm umzudrehen und ihm in die Augen zu sehen.

Ihr bezauberndes Lächeln, das Chuck wie ein Pfeil ins Herz traf, strafte ihre gespielt zornigen Worte Lügen, und Chuck konnte sowohl das Zwinkern, als auch die Faszination, die sie für ihn empfand, in ihren Augen sehen.

Sie beide genossen dieses Spiel, seit sie es zum ersten Mal in Paris gespielt hatten. Obwohl sie sich in ihren Fähigkeiten und Kenntnissen unterschieden, waren sie sich ebenbürtig, sowohl was Kraft, als auch Geschicklichkeit anging, und sie liebten es beide, sich mit einander zu messen, wenn sie sich einander hingaben.

Es lag beiden nicht wirklich im Blut, sich unterzuordnen, was ihre Beziehung nicht nur im Bett zu einem andauernden Tauziehen machte, andererseits aber auch dafür sorgte, dass sie immer in Höchstform waren.

Mit einer schnellen Bewegung entwand Sarah ihre Handgelenke Chucks Griff und umschlang ihn ihrerseits mit ihren Beinen, ihn mit einer kurzen Bewegung ihrer Hüfte umreißend und sich dann mit Schwung auf seine Brust setzend. „Soviel zum Thema „Aufs Kreuz legen“, mein Schatz.

“ gurrte sie, und dann fiel ihr erst wieder ein, dass sie ihr Bikinitop — zu Gunsten einer nahtlosen Bräune — aufgemacht hatte. Sie sahen es beide auf der Liegefläche neben Chucks Kopf liegen, und beide grinsten sich an. „Oups… Hast du vielleicht was verloren, Liebling?“

Egal wie oft sie Chuck „Liebling“ nannte, dieses Wort machte ihr eine wohlige Gänsehaut, und auch jetzt fühlte sie einen Schauer ihren Rücken hinabwandern. „Chuck ist so gänzlich anders als Bryce…“ ging ihr durch den Kopf.

Ihre Beziehung zu Bryce Larkin, ihrem einstigen Partner, war romantisch und sinnlich, aber in dieser Beziehung waren beide in erster Linie Spione und Agenten, und erst in zweiter Linie Liebende, aber bei Chuck und ihr war es vollkommen anders. Sarah hatte sich in Chuck verliebt, lange bevor er ein Spion und Agent war, und auch wenn sie als Team nahezu unschlagbar waren, war es ihre Liebe zu einander, die sie zu diesen Höchstleistungen befähigte.

Sie waren zu allererst ein Liebespaar, und dann kam erst die Tatsache, dass sie zufällig auch noch Spione waren. Doch egal ob als Liebende oder als Kollegen und Mitglieder eines Teams… Sie lagen immer auf einer Wellenlänge, und ergänzten sich in jeder Hinsicht.

„Stimmt… und es wäre nicht fair, wenn ich als Einzige etwas verlieren würde…“ schnurrte sie, ihre Lippen über sein Ohr streichen lassend — und zog ihm mit einem schnellen Ruck die Badeshorts runter.

„Das hier scheint dir aber sehr zu gefallen. “ schmunzelte sie, als sie spürte, wie seine Erregung frech und neugierig gegen ihren Po klopfte. Der anfängliche Schauer wurde zu einem Prickeln, das sich langsam ihren Bauch hinab und in ihren Schoß ausbreitete. Sie streifte ihm die Badehose zur Gänze ab und sah auf ihn herunter. Sein Lächeln ließ ihr Herz schneller schlagen, und sie war versucht, sich zu ihm hinabzubeugen und ihrem Verlangen nach ihm nachzugeben, aber dann kam ihr ein Gedanke.

Mit seinen Shorts in der Hand sprang sie auf, und stürzte sich mit den Worten „Fang mich, wenn du kannst, dann bekommst du deine Hose vielleicht zurück. “ vom Boot ins erfrischende Wasser der Karibik. „Na warte, wenn ich dich erwische, bekommst du auch was… Und zwar eine Abreibung!“ lachte er, als er hinter ihr her rannte und pfeilschnell in die Fluten eintauchte.

* * *

„Sie ist wirklich wunderschön!“ entfuhr es Eleonore spontan, als sie die kleine Kapelle der Heiligen Rose am äußersten Rand einer Klippe entdeckte.

„Devon, Morgan, beeilt euch, das müsst ihr sehen!“

Die beiden Männer warfen einander einen Blick zu, der zu sagen schien: „Frauen haben alle wirklich einen Knall. Warum tun wir uns das eigentlich an?“

Natürlich wussten beide ganz genau, warum sie drei diesen beschwerlichen Aufstieg auf sich genommen hatten. Zum einen wollten sie das Land, dessen Gäste sie waren, erkunden, zum anderen hatte der Premierminister Elli von einer Tradition seines Landes erzählt, die ihre Augen zum Leuchten und ihren Sinn für Romantik zum Träumen gebracht hatte.

Die Kapelle Santa Rosa war in ganz Costa Gravas berühmt für ihre wunderschönen Rosen und die Legende besagt, dass jede Frau, die sich mit einer Rose aus dem Garten der Kapelle für ihren Liebsten schmückte, ein Leben voller Liebe, Leidenschaft und Glück führen würde. Auch wenn Devon und Morgan mit den Augen rollten, waren sie doch im Grunde ihrer Herzen ebenfalls Romantiker, und außerdem war es nicht leicht, Elli zu widersprechen.

Die Kapelle Santa Rosa war ein relativ kleines Sandsteingebäude, das, so wie es jetzt im Licht der Sonne stand, passend zu den Blumen in einem verwaschenen Rosé erstrahlte.

Höchstens eine Handvoll Personen hätte in ihr Platz gefunden, aber sie lag inmitten eines prächtigen Gartens, und selbst Morgan musste einräumen, dass er in seinem Leben noch nie schönere Rosen gesehen hatte. Der Duft der Rosen war so intensiv, dass ihnen allen drei leicht schwindlig wurde, und sie waren von so strahlendem Purpurrot, dass man fast der Legende glauben konnte, die besagte, die Rosen wären das Herzblut der Heiligen Rosa, die die Schutzpatronin der Insel war.

Berauscht vom Duft der Rosen und atemlos vom anstrengenden Aufstieg, rasteten sie im Schatten einiger Bäume am Rand der Klippen, und entspannten sich bei einer kleinen Stärkung und dem belebenden Ausblick über das Meer und die Landzungen, die die Bucht unter ihnen links und rechts einrahmten.

„Hier ist es wunderschön. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich so gut gefühlt habe. “ meinte Morgan, als er die Reste des Picknicks in seinem Rucksack verstaute und dann an den Baum gelehnt über das Meer blickte.

„Sagt mal… Meint ihr, Casey macht seine Drohung war, und bringt mich um, wenn ich Alex um eine Verabredung bitte?“ fragte er, und sah Elli und Devon an. Es war für alle drei eine ziemliche Überraschung gewesen, zu erfahren, dass Colonel John Casey, ein patriotischer Soldat und notorischer Einzelgänger, wie er im Buche stand, eine Tochter hatte, die die Schönheit ihrer Mutter und den Kampfgeist ihres Vaters geerbt hatte. Und es war fast schon unvermeidlich, dass Morgan auch Gefallen an ihr fand.

Leider konnte er nicht sicher sein, ob es ihr auch so ging — dass Casey davon nicht besonders angetan war, war hingegen so sicher wie das Amen in der Kirche. „Würde es dich denn abhalten, wenn es so wäre, Morgan?“ wollte Devon wissen, und Elli meinte nur: „Du musst dir überlegen, ob sie es denn wert wäre. “ Dabei lächelte sie ihn an. „Nur weil du mit Anna auf die Nase gefallen bist, muss das nicht für Alex gelten.

Und ich denke nicht, dass dich John gleich umbringen würde… Auch wenn er es selbst immer wieder gesagt hat. „

Morgan blieb mit seinen Gedanken alleine unter dem Baum stehen, während Elli und Devon zur Kapelle gingen. „Sie ist süß, sexy und hat die Schlagfertigkeit von ihrem Vater geerbt…“ grübelte Morgan, und meinte mit Schlagfertigkeit die wortwörtliche. „… sie lacht über meine Witze und findet mich nett… Das ist doch schon ein guter Anfang…“ Ganz in Gedanken verloren blickte er über das Meer zum Horizont und spielte mit einem Zweig, den er zwischen den Fingern hin und her wandern ließ, während in der Ferne die Schiffe der Küstenwache und der Marine ihre Patrouille fortsetzten, um die Sicherheit der bei der Party anwesenden Ehrengäste zu gewährleisten.

Dann richtete er sich mit einem Mal auf wie jemand der einen Einfall hat, den er sofort umsetzen will.

Elli und Devon waren schon tief in den Garten vorgedrungen, und Elli zog ihren Mann immer weiter zum abrupten Gefälle der Klippe. Hier war eine besonders schöne Rose… Die weit über den Abhang hinausragte. „Elli, Liebling… Diese Rose hier ist fast genauso schön wie die am Abgrund…“ – „Aber ich will diese eine da, denn sie ist die schönste Rose… oder bin ich nicht die schönste Frau für dich?“ fragte sie ihn herausfordernd.

Devon lächelte sie liebevoll an und versteckte das leicht genervte Seufzen. Er wusste ja auch, wie sinnlos der Protest sein würde. Gegen Elli kam er nicht an, das wussten sie beide. „Awesome“ beugte sich in sein Schicksal und hangelte sich vorsichtig zu dem Rosenstock hinüber, an dem die eine Rose hing, die seine Liebste von ihm forderte. Wie ein Ritter in mittelalterlicher Dichtung oder ein Held in der Antike, erfüllte Devon die Aufgabe, die seine Liebste ihm auftrug, um ihr seine Liebe zu beweisen.

„Wenigstens lässt sie keinen Handschuh in eine Arena voller Tiger fallen. “ dachte er, als er die Rose pflückte.

Auf dem Rückweg sah er Elli dann vor dem Strauch stehen, den er gemeint hatte, und sich sehr genau zwei Rosen ansehen, die der einen Rose, die er soeben gepflückt hatte, weder in Schönheit, noch in Farbe oder Duft nachstanden, und Elli fragte ihn: „Welche der beiden ist schöner?“ – „Elli, hier hast du doch schon eine wunderschöne Rose, wofür brauchst du denn zwei?“

Elli sah ihn mit der Art von Blick an, die Frauen ausschließlich dann aufsetzten, wenn sie der Ansicht waren, ihr Partner hätte etwas selten Dämliches gesagt, oder wäre erschreckend schwer von Begriff.

„Diese Rose ist natürlich für Sarah, eine Art vorgezogenes Verlobungsgeschenk. “ – „Chuck und Sarah wollen sich verloben? Warum weiß ICH nichts davon?“ war auf einmal Morgans Stimme zu vernehmen, und Chucks bester Freund sah sehr angefressen aus, als er bei ihnen ankam.

Morgan hatte schon einmal angenommen, dass Chuck Sarah einen Heiratsantrag machen wollte. Damals wusste er noch nichts von deren Doppelleben, und auch nichts davon, dass der Ring, den er in Chucks Spind gefunden hatte, eigentlich Devon gehörte, und dieser Elli einen Antrag machen wollte.

Damals hatte Morgan Angst gehabt, seinen besten Freund an Sarah zu verlieren, dieses Mal jedoch war er nur beleidigt, weil er scheinbar nicht eingeweiht war. Auch Devon sah etwas ratlos aus und vermittelte den Eindruck etwas Wesentliches verpasst zu haben.

Während Elli eine der beiden Rosen vom Strauch schnitt erklärte sie den Männern ganz geduldig:

„Stellt euch doch nicht so dumm. Ihr beide wisst so gut wie ich, dass sich die beiden über alles lieben und am liebsten nie wieder auch nur einen Tag ohne den anderen verbringen würden.

Als Sarah bei der Hochzeit den Brautstrauß abgewehrt hat, war das aus Angst, nicht, weil sie Chuck nicht liebt. Und ihr „Durchbrennen“ in die Schweiz war auch eine Art vorgezogener Flitterwochen. Die beiden haben einfach noch nicht die Zeit, um auf diesen Gedanken zu kommen… Jedenfalls würden sie den Gedanken noch nicht laut äußern. Aber glaubt mir: Es ist nur eine Frage der Zeit. „

Morgan und Devon sahen sich an, und Ellis Worte hallten in ihren Köpfen nach.

Natürlich hatte Elli Recht, und sowohl Morgan als auch Devon wussten es genau. Sie hatten nur noch nie wirklich darüber nachgedacht.

Das Sarah und Chuck zusammen waren, war für Morgan und Devon genau so natürlich, wie dass die Sonne im Osten aufging und Wasser bergab floss. Es war wirklich nur eine Frage der Zeit, bis Chuck und Sarah mehr sein würden als nur ein Liebespaar. Morgan und Devon hatten daran genauso wenig einen Gedanken verschwendet wie auf die Frage, ob die Sonne am nächsten Morgen wieder über den Bergen im Osten aufgehen würde.

„Deine Frau hat…“ – „…wie immer Recht. “ beendete Devon den Satz von Morgan, und sie klatschten sich lachend ab.

„Die werden euch sicher wundervoll stehen. “ meinte Devon und küsste seine Frau zärtlich auf die Wange. Während Elli die Rosen in einem stabilen Gefäß in ihrem Rucksack verstaute, damit sie auf dem Rückweg keinen Schaden nahmen, schulterte Devon seinen Rucksack wieder und sie machten sich auf den Weg.

„Geht schon mal vor, ich hole euch ein, ich brauch noch einen Moment.

“ rief ihnen Morgan hinterher, als er zu seinem Rucksack ging, der noch unter dem Baum stand.

* * *

Sarah lag an Chucks Brust geschmiegt am Strand. Die Sonne trocknete den Schweiß auf ihrer Haut, und die selige Müdigkeit, die beide umfing, fühlte sich sehr angenehm an. Als Chuck Sarah eingeholt und mit ihr an den Strand geschwommen war, hatten sie einfach ihrer Leidenschaft nachgegeben und sich zwischen den Felsen auf einem Stück des Strandes geliebt, der von feinem Sand bedeckt war.

Jetzt genossen sie einfach die Nähe des anderen und schwiegen, da keine Worte nötig waren. Chuck küsste ihr Haar und streichelte liebevoll ihren Nacken, als sie ein leises Klappern und Poltern aufschreckte. Sofort wandten sie sich der Quelle der Geräusche zu.

Wenige Schritte neben ihren Köpfen bewegten sich ein paar kleinere Steine, und eine etwa handgroße Eidechse schlängelte sich hektisch und mühsam unter einem Steinhaufen hervor. Die Echse sauste dann ein paar Schritte auf sie zu.

Jetzt erst nahm sie die beiden Menschen wahr, verharrte bewegungslos und schien sie eine Weile sehr aufmerksam zu beobachten. Dann machte das Reptil abrupt kehrt und verschwand in einer engen Felsspalte einige Meter weiter weg. Einen Augenblick später lugte sie wieder aus der Spalte, als wollte sie nachsehen ob die Luft rein war, sah, dass die beiden noch immer da waren und zog sich dann so schnell wieder zurück, dass ein kleines Steinchen vor die Öffnung fiel, wie eine zufallende Tür.

Sarah und Chuck sahen sich an, und prusteten dann gleichzeitig vor Lachen los. „Da hat wohl jemand was gegen Gesellschaft. “ lachte Sarah. „Ich auf jeden Fall nicht. Ich könnte den Rest meines Lebens mit dir in meinen Armen verbringen. “ versicherte ihr Chuck und Sarahs Gesichtsausdruck konnte man entnehmen, dass ihr dieser Gedanke sehr gefiel. Sie kuschelte sich an seine Brust und kraulte zärtlich die Haut an seinem Bauch.

„Das klingt sehr schön, Chuck… Den Rest unseres Lebens… Ich habe mir so etwas früher nicht vorstellen können…“

Sarah hatte sich früher nie große Gedanken über Beziehungen gemacht, oder für die Zukunft geplant. Bei ihrem Beruf war sie letztlich froh, wenn sie den kommenden Tag erlebte, und Pläne machte sie nur für ihre Missionen, nicht jedoch für ihr Leben. Doch seit sie Chuck kannte, ging das nicht mehr. Sie spürte ein Verlangen… Ein Verlangen, mehr zu haben… Mehr als nur den nächsten Tag.

Chuck küsste sie liebevoll auf die Stirn und sah ihr lange in die Augen. „Du bist auch nicht mehr die Selbe, die du früher warst, Sarah… So vieles hat sich in deinem Leben verändert. „

Sarah richtete sich auf und sah ernst auf Chuck hinab. „Findest du wirklich, dass ich mich so sehr verändert habe?“ – „Ich finde ja, Sarah… Du wirkst sicherer und gefestigter. Und du lächelst viel mehr als in der ersten Zeit.

Es scheint, als sei eine schwere Last von dir genommen worden. Vielleicht liegt es daran, dass du mich nicht mehr beschützen musst, und keine Angst mehr um mich haben musst. “ Sarah schüttelte den Kopf, überrascht, wie naiv Chuck sein konnte. „Nein Chuck… Das ist es nicht… Ich habe noch immer Angst um dich, und möchte dich beschützen, so gut ich kann… Aber ich habe keine Angst mehr, jemanden zu lieben. Ich weiß jetzt, dass ich mich auf jemand anderen verlassen kann, und dass es jemanden gibt, der sich um mich sorgt.

“ – „Stimmt… Casey mag dich und sorgt sich auch sehr um dich, schließlich sind wir ja alle ein Team. “ Als ihn Sarah in die Rippen boxte, grinste Chuck und umarmte sie liebevoll. „Natürlich sorge ich mich um dich, du kampfwütige Amazone. Schließlich liebe ich dich von ganzem Herzen, und will nicht, dass dir was passiert. Ich denke, da sind wir uns ähnlich, oder?“

Da war es wieder, dieses jungenhafte Lächeln, das sie immer wieder entwaffnete.

Sarah liebte Chuck. Sie liebte seine Macken und Marotten… Sie liebte ihn dafür, dass er sich auf Anhieb gemerkt hatte, dass sie ihre Pizza vegetarisch und ohne Oliven mochte. Sie liebte ihn dafür, dass er sie nie mit Fragen über ihre Vergangenheit bedrängt hatte, sondern geduldig wartete, bis sie sich ihm öffnete… Sie liebte ihn, weil er sie liebte, wie sie jetzt war und sie nie aufgegeben hatte, egal, wie schwer sie es ihm gemacht hatte.

Im Grunde ihres Herzens war sie sich immer schon der Tatsache bewusst gewesen, dass sie in Chuck jemand besonderen gefunden hatte, jemanden, der sich nicht von ihrer harten Schale und ihrem kühlen Gebaren abschrecken lassen würde. Auf seine Art war Chuck das Gefährlichste gewesen, was Sarah passieren konnte. Sein fast schon tollkühner Mut, seine entschlossene Zielstrebigkeit alles richtig zu machen, sein Einfallsreichtum und seine absolute Offenheit waren Eigenschaften, gegen die sie sich nicht hatte wehren können.

Sie selbst hatte ihm doch schon gestanden, dass sie sich irgendwann zwischen dem Moment, in dem er ihr Handy repariert und dem Moment, in dem er eine Bombe mit einem Virus von einer obskuren Pornoseite außer Gefecht gesetzt hatte, in ihn verliebt hatte.

Statt ihm nun seine Frage mit Worten zu beantworten, küsste sie ihn einfach nur lange und voller Sehnsucht. Natürlich waren sie sich in dieser Hinsicht ähnlich, und nicht nur in dieser.

Jeder der beiden hätte gern für den anderen sein Leben gegeben, jeder der beiden hatte schon mehr als einmal für den anderen sein Leben aufs Spiel gesetzt. „Ich liebe dich, Chuck. “ hauchte sie ihm auf die Lippen, als sie sich wieder an ihn schmiegte, und ihren Kopf auf seine Brust legte. „Ich liebe dich, Sarah“ flüsterte er. Wie beruhigend sein Herzschlag auf sie wirkte… Wie sie unbewusst seinen Atemrhythmus übernahm und seine Wärme genoss…

„Liebling… Wir sollten uns auf den Rückweg machen.

Wir wollen uns doch noch frisch machen, bevor wir zum Dinner gehen. “ Ein sanfter Kuss traf ihre Lippen und als sie die Augen öffnete, hatte sich die Sonne ein gutes Stück weiterbewegt. Sie war an seine Brust geschmiegt eingeschlafen. Sarah blinzelte gegen das Licht an und erwiderte seinen Kuss lächelnd. „Eine gute Idee… Ich könnte was zu essen vertragen. Dich zu unterhalten ist ziemlich kräftezehrend. “ neckte sie ihn, und er revanchierte sich dafür, indem er sie zärtlich in den Nacken biss.

„Hee… Langsam, mein Lieber… Den Nachtisch gibt es erst nach dem Essen. „

Sie erhoben sich und wollten sich auf den Weg ins Wasser machen, als Sarah etwas auffiel. „Chuck… Du hast nicht zufällig mein Bikinihöschen gesehen? Ich hatte es zum Trocknen auf den Felsen dort drüben gelegt. “ – „Meinst du diesen Felsen hier, der von der Flut überspült wurde?“ fragte Chuck mit einem Lächeln auf den Lippen. „Oh nein… Sag mir nicht, dass es weg ist…“ stieß sie leicht verzweifelt vor.

Chuck zuckte die Achseln und nahm ihre Hand. „Komm… Wir sollten uns wirklich beeilen… Mach dir keine Sorgen, es sieht dich keiner, und auf dem Boot liegt ja noch dein Pareo, den kannst du dir ja umbinden. “ Sarah ließ sich von ihm mitziehen und maulte ganz leise: „Ja, aber er ist nicht gerade blickdicht…“

* * *

Als das Geräusch des Bootsmotors verklang, wagte sich die Eidechse wieder aus ihrem Schlupfloch und nahm einen neuen Logenplatz auf einem heißen Felsen ein, erleichtert, dass sie wieder alleine war, und diese lärmenden zweibeinigen Wesen ihr Revier endlich verlassen hatten.

Eine herumsummende Libelle, die nicht vorsichtig genug war, brachte der Echse das gewohnte Jagdglück zurück, und während sie das Insekt genüsslich verspeiste, trieb unter ihr Sarahs Bikinihöschen träge in der Dünung, nur ganz leicht auf den Wellen schaukelnd, nachdem die Bugwelle des Bootes es aus seinem Versteck unter einem Felsen einen knappen Meter von seinem ursprünglichen Lageort entfernt gespült hatte.

Hätte die Echse zur anderen Seite der Bucht geblickt, und nicht nur erleichtert dem davonbrausenden Speedboat nachgesehen, wäre ihr ein kleines hölzernes Fischerboot aufgefallen, dass langsam mit gedrosseltem Motor Richtung Norden unterwegs war — in Richtung des Palastes.

Aber auch wenn sie hingesehen hätte, wäre es ihr egal gewesen. In den letzten Tagen waren jede Menge Boote gekommen und wieder abgefahren, die Lebensmittel, Personal und Material für das Fest brachten… Welchen Unterschied sollte da ein weiteres Boot machen?

* * *

In der Bibliothek des ehemaligen Präsidentenpalastes und jetzigen Gästehauses des Premierministers saßen zwei Männer zusammen, nahmen einen Drink und rauchten exquisite Zigarren aus der Privatreserve des Premiers, die sich gegenseitig noch vor kurzer Zeit lieber ein Messer zwischen die Rippen gerammt hätten.

Bei unzähligen Attentatsversuchen in den vergangenen drei Jahrzehnten hatte Colonel John Casey — in Costa Grava auch berüchtigt als „Ángel de la Muerte“ — versucht, den Premierminister Allejandro Goya zu töten. Doch seit kurzer Zeit waren die beiden Männer durch gegenseitigen Respekt — und infolge der gleichen Blutgruppe, eines Killers des RING und, nach einer Verkettung ungewöhnlicher Umstände, auch durch eine kleine Menge Blutes — mit einander verbunden.

Der knurrige NSA-Agent und der playboyhafte und etwas arrogante Premierminister waren noch immer keine engen Freunde, aber nachdem ein Attentäter des RING versucht hatte, Goya zu töten, und von Casey daran gehindert wurde, und Caseys Blut die einzige Möglichkeit war, den Premier zu retten, verband die beiden inzwischen eine gewisse Art von Respekt — und die Vorliebe für Zigarren.

„Colonel, es freut mich, dass sie mir die Ehre erweisen, mit ihrer bildschönen Tochter mein herrliches Land zu besuchen. Ich hatte auch noch keine Gelegenheit gehabt, mich persönlich bei ihnen für meine Rettung und ihr damit verbundenes Opfer zu bedanken. “ – „Exzellenz…“ Bei dem Wort verschluckte sich Casey fast, denn es fiel ihm noch immer etwas schwer, den Ex-Diktator von Costa Gravas so anzureden — auch wenn er erstmals freie und demokratische Wahlen abgehalten hatte, die ihn zum gewählten Premierminister gemacht hatten, konnte Casey ihn aus schlichter Gewohnheit noch nicht anders betrachten.

„Exzellenz, ich habe mir angesehen, wie die Demokratisierungsbestrebungen in ihrem Land voranschreiten. Es ist beeindruckend, dass sie ihr Wort halten und aus Costa Gravas ein freies und demokratisches Land machen wollen, aber mir stellt sich die Frage, warum ich… Warum wir alle hier sind. “ – „Colonel… Ach… Darf ich sie John nennen? Colonel ist so förmlich…“ Goya schenkte Casey seine Version eines gewinnenden Lächelns, und Casey musste sich einen mentalen Tritt versetzen, um freundlich, wenn auch ganz leicht ironisch zu antworten: „Es wäre mir eine Ehre, wenn sie mich so nennen würden, Allejandro… Schließlich sind wir ja so etwas wie Blutsbrüder.

Der Premierminister sah ihn einen Moment verblüfft an, und lachte dann laut auf, scheinbar taub für Caseys Ironie. „Ganz genau das wollte ich, John! Wir teilen das gleiche Blut, und lieben beide gute Zigarren. Und wenn ich mir ihre zauberhafte Tochter ansehe und auf ihre Mutter schließen darf, denke ich, dass wir beide auch den Geschmack bei Frauen teilen, Schön, stark und mutig. Frauen wie meine leider verstorbene Frau, wie Señora Woodcomb oder wie Señorita Walker.

“ Goya nahm sein Glas in die Hand. „Sehen sie her, John. Das ist unser einheimischer Rum. Sie trinken ihn auch gerade. Er ist sehr süß und mild, nicht wahr?“ Casey nickte und fragte sich, worauf der Premier hinauswollte. Goya zog stark an seiner Zigarre, bis die Spitze hellrot glühte, dann hielt er die Glut über den Rum. Zu Caseys Überraschung schlug eine hellblaue Flamme aus dem Glas. „Verstehen sie, was ich meine? So wie unser Rum, sind auch diese Frauen.

Süß, sinnlich, aber auch überaus explosiv. „

Der Premierminister paffte leicht versonnen an seiner Zigarre und fuhr dann nach einer Weile wieder fort: „Charles und Devon sind sehr glückliche Männer, das sieht man ihnen an. Sind es nicht letztlich die schönen Frauen, die uns Männer zu unseren besten Leistungen anspornen? Sehen sie sich nur den Jungen an, wie war sein Name? Ach ja… Morgan Grimes…“ – „Was ist mit Grimes?“ Casey zwang sich dazu, ruhig zu bleiben, aber seit er entdeckt hatte, dass seine Tochter Alex Morgan ihre Nummer gegeben hatte, und es sich gezeigt hatte, dass die beiden sich anfreundeten, war Casey etwas schlecht auf Morgan zu sprechen.

„Señor Grimes scheint ein sehr integerer und ernsthafter junger Mann zu sein, der nur auf die richtige Frau wartet, die ihm hilft sein Potential auszuschöpfen. „

Einerseits erfüllte das Thema des Gesprächs Casey mit einer Form von mildem Terror — der Gedanke an Grimes und seine Tochter war für Casey blanker Horror — andererseits offenbarte Goya mit seinen Worten auch, dass er sich sehr genau über alle Mitglieder dieser kleinen, eigenwilligen Gemeinschaft, die sie darstellten, informiert hatte… Jedenfalls, soweit Informationen verfügbar waren.

„Aber muss diese Frau ausgerechnet meine kleine Tochter sein?“ murmelte Casey geistesabwesend vor sich hin. „Warum sollte sie es nicht sein?“ Augenscheinlich hatte der Premier ein sehr gutes Gehör, wie Casey etwas verlegen zur Kenntnis nehmen musste. „Soweit ich es beurteilen kann, ist Alex sehr selbständig und zielstrebig. Und es scheint, dass sie in diesem Grimes etwas sieht, das ihr gefällt. Warum mögen sie den jungen Mann nicht, John?“

Diese Frage hatte sich Casey schon öfter gestellt, und war noch immer zu keiner für ihn befriedigenden Antwort gekommen, wenn man davon absah, dass er fest davon überzeugt war, dass Grimes ein Trottel und Punk sei, der sich nicht an Regeln und Vorschriften halte, und alles um sich herum ins Chaos stürzte.

Nur glücklichen Zufällen sei es zu verdanken, dass er Missionen nicht ruiniere oder ums Leben käme. Er formulierte seine Antwort für Goya zwar etwas freundlicher, aber das war im Großen und Ganzen die Kernaussage seiner Antwort.

„John… Ich weiß, dass sie es mir nicht sagen können, aber wenn ich bedenke, dass sie, Agent Walker und Agent Bartowski Spione sind, Dr. Woodcomb zumindest kurzzeitig auch für den Geheimdienst tätig war, als er zwei Mal mein Leben rettete, und ich mir sehr gut vorstellen kann, dass Señora Woodcomb auch nicht ganz unbeteiligt an den Aktionen und Missionen ist, die sie drei zu erfüllen haben… Scheint es mir sehr unwahrscheinlich zu sein, dass Señor Grimes als Einziger nicht daran beteiligt, oder gar selbst ein Spion ist.

“ Man muss Casey zugute halten, dass er nicht vor Lachen los prustete, auch wenn der Gedanke, in Morgan einen waschechten Spion zu sehen in seinen Augen ein sehr guter Witz war. Nichts desto trotz dachte Casey auch daran zurück, als er Morgan zu genau so einem Spion „ausbilden“ sollte. Morgan war der Typ Mensch, der mit mehr Enthusiasmus und Mut als mit Vernunft und Sachverstand an eine Sache heranging — etwas, was Casey wahnsinnig machte.

„Allejandro…“ – „Antworten sie nicht, John. Ich weiß, dass sie darüber nicht reden dürfen, und das respektiere ich. Sie sollten sich nur selbst fragen, ob das wirklich die Gründe sind, aus denen sie nicht wollen, dass sich ihre Tochter mit Señor Grimes trifft.

Casey wollte sich diese Frage nicht stellen, denn im tiefsten Inneren fürchtete er die Antwort. „Du willst nicht, dass sie was mit einander anfangen, denn trotz — oder vielleicht gerade wegen — seiner Fehler hat dieser verdammte Morgan Guillermo Grimes Eigenschaften und Fähigkeiten die ihn als guten Spion qualifizieren.

Und damit setzt er sich Gefahren aus, und das könnte Auswirkungen auf Alex haben. „

Allejandro Goya war ein kluger Mann, auch wenn er es sehr geschickt hinter einer perfekten Fassade aus Großspurigkeit und Arroganz verbergen konnte, und stets den Eindruck erweckte, nicht genau zu wissen, was sich in seiner Umgebung abspielte. Das war der Grund, warum er jetzt nur an seiner Zigarre paffte, und Casey die Möglichkeit gab, seinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

„Allejandro, nehmen wir für einen Moment mal an, sie hätten Recht, rein hypothetisch… Würden sie denn ihrer Tochter erlauben, sich mit jemandem einzulassen, der so einer Tätigkeit nachginge? Würde denn überhaupt ein Mann gut genug für sie sein?“ Goya nickte langsam und sah Casey lange an. „Ich verstehe, was sie meinen, mir geht es mit meiner Tochter auch nicht anders, ich will sie auch beschützen. Aber ich denke doch, ihre Tochter weiß genau, wer und was Señor Grimes ist, und letztlich ist es ihre Entscheidung.

Und vergessen sie nicht, dass ihre Tochter auch genau weiß, was sie wirklich von ihm halten — vielleicht sogar besser, als sie selbst. Unsere Töchter sind keine naiven kleinen Mädchen mehr, so ungern wir uns das auch eingestehen. „

Goya erhob sein Glas und prostete Casey zu. „Vertrauen sie ihrer Tochter, und versuchen sie nicht, sich zwischen die Beiden zu stellen. Wenn sie ihnen vertraut, wird sie ihnen nichts verheimlichen. Sie ist eine Frau mit Ehre, und bei Señor Grimes können sie vom Selben ausgehen.

Er ist ein Ehrenmann und wird nichts ohne ihren Segen versuchen. „

Hätte sich Casey einen Moment Zeit genommen, zurückzudenken und ganz ehrlich zu sich zu sein, wäre ihm bereits jetzt klar gewesen, dass Grimes ihn sehr respektierte, und auch bewunderte, und dass Goya voll und ganz Recht hatte. Aber Casey war im Moment noch zu verwirrt, und musste auch erst damit klar kommen, dass er eine Tochter hatte. Eine Tochter die ihre eigenen Entscheidungen traf, und auch wusste, was sie tat — selbst ohne ihn.

„Sie wollten von mir wissen, warum ich vor sie alle hierher eingeladen habe, John…“ Casey merkte auf, denn offenkundig wollte der Premierminister endlich zum Wesentlichen kommen. „Ich wollte mich wirklich bei ihnen allen bedanken. Ganz besonders bei ihnen.

Sie haben mir zu denken gegeben. Obwohl sie selbst in Lebensgefahr gewesen sind, haben sie nichts unversucht gelassen, mein Leben zu retten — das Leben ihres erklärten Feindes.

“ Casey verzichtete darauf, den Premierminister darüber aufzuklären, dass er selbst bewusstlos war, als ihm Devon, Sarah und Chuck Blut abgenommen hatten, um dem Gift im Organismus des Premiers entgegenzuwirken. Es war nicht seine Entscheidung gewesen.

„Ihnen ist es vermutlich nicht einmal bewusst, aber das hat in mir eine Veränderung bewirkt, John. “ Zum ersten Mal sah Casey in Goyas Gesicht echte Offenheit. „Sehen sie uns doch an, John… Wir haben uns bekämpft, fühlten uns obskuren Regeln und Bündnissen verpflichtet.

Sie waren ein kaltblütiger Killer, und ich ein selbstherrlicher Despot, und wohin hat es uns geführt? Jetzt haben sie eine Familie und Freunde — und wir beide wissen, dass das vorher nicht so war, denn sie waren ein Einzelgänger — und ich genieße es endlich, von meinem Volk geliebt zu werden, und ihm das zu geben, was es braucht. „

Goya lehnte sich in seinem Sessel vor und sah Casey tief in die Augen.

„Sehen sie es ein, John. Wir beide sind schon lange nicht mehr die, für die wir uns gehalten haben. Lassen wir diese positive Veränderung in uns zu. Unsere Freundschaft kann eine echte sein. “ Er streckte Casey die Hand hin… Und nach einem sehr kurzen Zögern schlug Casey ein. „Sie haben Recht, Allejandro. „

* * *

Devon stand in der Tür des luxuriösen Badezimmers und sah Elli beim Duschen zu.

Auch nach gut zehn Jahren Beziehung und rund einem Jahr Ehe hatte sich nichts geändert. Er begehrte sie wie am ersten Tag. Jenem ersten Tag vor zehn Jahren, als die beiden in einem Abstellraum über einander hergefallen sind, statt zu ihrer ersten Lehrveranstaltung des Medizinstudiums zu erscheinen. Als sie sich einander noch nicht einmal vorgestellt hatten, bevor sie zum ersten Mal mit einander geschlafen haben.

„Ich liebe diese Frau schon seit zehn Jahren!“ ging ihm durch den Kopf.

Es war eine Liebe, die über die Jahre gewachsen war, und dank derer er auch über sich selbst hinauswachsen konnte. Der ehemalige Sonnyboy und klassische Surferdude, Extremsportler, Topchirurg und Adrenalinjunkie hatte dank Ellis Liebe gelernt, worauf es im Leben ankam. Es war für ihn sehr beeindruckend gewesen, zu sehen, wie sehr sich Elli bemüht hatte, alle ihre Pflichten unter einen Hut zu bekommen; ihr Medizinstudium, die Beziehung zu ihm, und auch ihre aufopfernde Fürsorge für Chuck.

Devon wusste genau, was für ein Opfer es für Elli bedeutet hatte, Chuck großzuziehen, für sie beide zu sorgen und dabei auch noch ein mehr oder weniger normales Leben zu führen. Für Chuck hatte sie ihr eigenes Leben hintan gestellt, und auf ihn aufgepasst, wie sie es ihrem Vater versprochen hatte, bevor er verschwunden war. Devon wusste selbstverständlich auch, wie sehr sich Chuck bemüht hatte, Elli nicht zur Last zu fallen, und seine Kämpfe selbst auszufechten.

Zehn Jahre lang hatte er beobachten können, wie Elli und Chuck versuchten, erwachsen zu werden und ihren Weg im Leben zu finden. Aus diesem Grund respektierte er seinen Schwager, und liebte seine Frau von Herzen.

Als Steven, Ellis und Chucks Vater, vor ihrer beider Augen ermordet wurde, zeigte sich einmal mehr, dass ihr Zusammenhalt stärker war als alle Gefahren, die ihnen begegnen konnten, und auch wenn Elli und Chuck eigene Leben führten, würden sie immer für einander da sein, und für den jeweils anderen einstehen.

Lächelnd und auch voller Stolz betrachtete er seine Frau und lehnte sich an den Türrahmen.

„Du siehst so verlockend aus, Elli… Ich würde am Liebsten…“ murmelte er, während sein Blick ihren Körper liebkoste und er zusah, wie sie sich einseifte und unter dem warmen und massierenden Strahl der Dusche bewegte. Dann wurde ihm bewusst, dass sie beide auf einer traumhaften Insel in der Karibik waren, und die nächsten Stunden ihnen gehörten, ohne Störungen oder Notrufe aus dem Krankenhaus.

Und doch stand er nur an der Tür und sah sie an. „Bin ich eigentlich bescheuert?“ schoss ihm durch den Kopf.

Seine Kleidungsstücke fielen in schneller Folge zu Boden, während er auf die Dusche zuging, und als er den Vorhang zur Seite schob, um sich zu Elli zu stellen, war er schon vollkommen nackt und erregt. Elli hatte kaum Zeit zu reagieren, da hatte sich Devon schon hinter sie gestellt und massierte ihre Brüste mit seinen Händen, während er seine Erregung gegen ihren Rücken presste.

„Dreh dich um. “ hauchte er in ihr Ohr, und schon trafen sich ihre Lippen, als Elli der Aufforderung nachkam, noch bevor sie ganz seine Lippen verlassen hatte. Ihr Verlangen stand dem seinen in nichts nach. Als sich ihre Arm um seinen Hals schlang, waren ihrer beider Zungen schon in einander verschlungen und plötzlich war es Elli, die Devon gegen die Wand drängte, und dann eine Hand über seinen Bauch hinabwandern ließ. „Hallo Herr Doktor… Sind sie bereit für eine gründliche Untersuchung?“

* * *

Auf der anderen Seite des Korridors, in der Suite, die Sarah und Chuck zusammen bewohnten, hatte Sarah das Bettelarmband in der Hand, das ihr Chuck geschenkt hatte, und ließ die Glieder durch ihre Finger gleiten.

Bei jedem Glied, das über ihre Fingerspitzen strich, dachte sie lächelnd an einen Moment der letzten rund drei Jahre zurück. Wie oft sie sich über Chucks Art aufgeregt hatte, oder sich bei seinen Alleingängen Sorgen um ihn gemacht hatte. Aber das war es nicht, was ihr hauptsächlich durch den Kopf ging. Das Armband als Ganzes war bedeutsam, denn Chuck hatte es ihr damals geschenkt, weil er wollte, dass sie etwas hatte, was sie mit ihm verband.

Chuck sehnte sich nach jemandem, zu dem er gehören konnte, und der zu ihm gehörte.

Manchmal hatte Sarah noch immer ein schlechtes Gewissen, weil sie anfangs seine Einsamkeit ausgenutzt hatte, um ihm zu lenken und zu manipulieren. Erst mit der Zeit hatte sie angefangen, in sein Innerstes zu blicken, und was sie sah, schien ihr so vertraut, dass sie es in ihrer Furcht hatte ausblenden wollen:

Wie sie selbst, war Chuck alleine gewesen, ohne echten Halt.

Sie konnte Elli wirklich keinen Vorwurf machen, denn Elli war selbst noch ein Kind gewesen, als sie die Verantwortung für Chuck hatte übernehmen müssen. Und beiden waren die Eltern genommen worden. Elli hat Chuck so gut behütet, wie sie konnte, aber sie hat Chucks sensible Seite nie wirklich verstehen können, denn dafür war sie selbst zu pragmatisch.

Sarah war selbst verloren gewesen, als sie ein Kind war.

Ihr Vater war ein Trickbetrüger, der nicht wirklich in der Lage war, ein kleines Mädchen zu verstehen, und dessen Bedürfnisse zu erfüllen. Jack war weniger ein Vater, als ein Spielgefährte, Komplize und Freund gewesen. Mit achtzehn stand sie dann vor der Wahl, ihrem Vater im Gefängnis Gesellschaft zu leisten, oder das Angebot der CIA anzunehmen, und sich zur Spionin ausbilden zu lassen. Lange Zeit war sie überzeugt, einen Ort gefunden zu haben, an den sie gehörte, eine Gemeinschaft gefunden zu haben, in der sie sie selbst sein konnte.

Stattdessen hatte sie sich selbst verloren, und über ihrer Arbeit vergessen, wer sie wirklich war — bis sie Chuck kennen- und lieben lernte, und er sie dazu brachte, sich wieder daran zu erinnern, wer sie war, was sie wollte, und wonach sie sich sehnte. Auf seine Art hatte Chuck sie ebenso gerettet, wie sie ihn.

Sie legte das Armband vorsichtig auf den Nachttisch, und ging ins Badezimmer, in dem Chuck gerade unter der Dusche stand.

Ganz leise schob sie den Duschvorhang zur Seite, und stellte sich hinter Chuck, strich mit den Fingerspitzen sein Haar aus dem Nacken und hauchte einen Kuss auf seine Haut.

„Sarah…“ – „Shhhtt… Sag jetzt bitte nichts. “ flüsterte sie und legte ihre Arme um ihn. „Halt mich einfach fest. „

Chuck sah sie etwas besorgt an, und umarmte sie liebevoll, bettete ihren Kopf an seiner Brust und versuchte, ihr Sicherheit zu schenken — Sicherheit, die sie, wie auch er, dringend brauchte, nach all dem, was sie durchgestanden hatten.

Unter dem prasselnden Wasser der Dusche hob sie den Kopf und küsste ihn ganz leicht auf den Mund, während ihre Hände sanft den Seifenschaum auf seiner Haut verteilten. „Habe ich dir eigentlich je gesagt, wie glücklich ich bin, dass du Teil meines Lebens bist?“ fragte sie fast schon schüchtern. Chuck sah ihr in die Augen. „Das musst du mir nicht sagen, du zeigst es mir jeden Moment, den wir zusammen sind.

Ich bin es, der wirklich Glück hat, denn du liebst mich, Sarah. „

Es überraschte Chuck nicht mehr, dass Sarah diese melancholischen Momente hatte, denn er hatte schon vor längerer Zeit begriffen, dass sich Sarah erst jetzt von ihrer harten Schale lösen konnte. Erst seit Kurzem konnte sie sich fallen lassen, denn erst jetzt gab es jemanden in ihrem Leben, der sie auffangen konnte — genauso, wie es erst jetzt jemanden in seinem Leben gab, dem er sich vorbehaltlos anvertrauen konnte, ohne sich Sorgen machen zu müssen, diesem Jemand zur Last zu fallen.

Sie hatten beide ihr ganzes Leben lang auf jemanden gewartet, der sie so nahm wie sie waren, und bei den sie einfach sie selbst sein konnten.

Chuck drehte die Dusche ab und nahm Sarah in seine Arme. „Du bist mein Leben. “ flüsterte er ihr ins Ohr, als er sie sanft streichelte. Er nahm ihre Hand in seine, seine Finger mit ihren verschränkt, und sah ihr lächelnd in die Augen.

„Komm…“ wisperte er, und zog sie sanft mit sich auf den Balkon, der über die Klippe ragte, und eine unverstellte Sicht auf das Meer eröffnete. Sich auf eine der Liegen setzend, zog er sie auf seinen Schoß und küsste sie liebevoll. „Wir sind zusammen… Wir gehören zusammen… Und so wird es bleiben. “ hauchte er ihr mit einer Bestimmtheit ins Ohr, die vollkommen unerschütterlich war.

An einander geschmiegt genossen sie die Aussicht, und den kühlenden Wind auf der Haut, während sie sich einfach nur festhielten, liebkosten und küssten.

Es war eine perfekte Idylle. Federleichte Wolken an einem Azurblauen Himmel, tiefblaues Meer, von weiß schäumenden Wellenkämmen gekrönt und ein einzelnes Fischerboot, dass in Küstennähe durch die Wellen glitt.

Eine ganze Weile später lösten sie sich etwas widerstrebend von einander, da es an der Zeit war, sich für das Dinner anzuziehen.

* * *

Morgan hatte nach seiner Rückkehr schnell geduscht, sich in seinen Smoking geworfen, und besah sich seine Erscheinung gerade im Spiegel, als er aus dem Lüftungsgitter über sich die Stimmen von Elli und Devon vernahm.

„… habe in letzter Zeit viel nachgedacht, Schatz. Dich zu heiraten, war das klügste und beste, was ich je getan habe, und ich bin der glücklichste Mann auf der Welt. Was ich mich aber frage, ist…“

Morgan versuchte sich abzulenken, indem er seine Manschettenknöpfe zu richten versuchte, und die Stimmen zu ignorieren, aber der neugierige, bärtige Troll in ihm konnte nicht anders, als zu lauschen.

„… genügend Rückhalt und Unterstützung gegeben habe?“ – „Devon… Ohne dich und deine Kraft hätte ich die letzten Jahre sicher nicht überstanden.

Du warst mir eine Stütze und du warst auch immer für Chuck da, und hast ihm geholfen, wo ich es nicht konnte. Wie kommst du denn überhaupt darauf?“ – „Ich weiß nicht… Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dir den gleichen Halt geben kann, den ich dir früher gegeben habe, nicht nach all dem, was passiert ist…“

Morgan hörte ein Geräusch, das wie ein Kuss klang.

„Sei nicht albern, Devon… Du bist mein Halt.

Alleine, wenn ich daran denke, was du schon alles riskiert hast, um mir und Chuck beizustehen und zu helfen. Diese Sydney hätte dich damals töten können, und nur dir ist es zu verdanken, dass Chuck damals Casey das Leben retten konnte, während du Goya versorgen musstest. Wenn mir das früher bewusst gewesen wäre, wenn ich das nur früher bemerkt hätte… dann hätte der RING nie an mich herantreten können… Und mein Vater wäre vielleicht noch am Leben…“

Ihr Schluchzen rief Morgan in Erinnerung, was er da eigentlich tat.

Er belauschte seine Freunde, und es war ihm mit einem Mal sehr unangenehm. Seine Neugier war ihm peinlich, und er wandte sich schnell ab.

Devon war gut für Elli, das war Morgan schon lange klar, auch wenn er es anfangs nicht wahrhaben wollte, und die beiden liebten sich sehr. Tief in seinem Herzen wünschte sich Morgan auch eine Partnerin, der er gut tun konnte. Trotz der beiden Fehlschläge mit Anna und Carina — einer Kollegin von Sarah, die für die DEA tätig war, und niemals ihre Arbeit zugunsten der Liebe aufgeben würde — glaubte Morgan jetzt mehr denn je an sich.

„Jemand mit dem ich gemeinsam glücklich sein kann…“ dieser Gedanke gefiel ihm. Dann fiel sein Blick auf die Rose in der Schale, die er gepflückt hatte, nachdem sich Elli und Devon auf den Rückweg gemacht hatten. Elli und Devon hatten Recht, diese Rose stand den beiden die Elli für sich und Sarah gewählt hatte, in nichts nach, und aus dem Grund wollte er sie auch Alex schenken — wenn er es lebend an Casey vorbei schaffen konnte.

In Gedanken versunken war er im Zimmer herumgewandert, und ohne es zu merken war er wieder unter dem Lüftungsgitter angekommen, und Ellis Worte rissen ihn aus seinen Gedanken. „Wir sollten uns jetzt aber fertig machen. Ich geh nochmal ins Bad, und versuche den Schaden zu beheben, den ich mit meiner Heulerei angerichtet habe, dann sammle ich Sarah und Alex ein, und ihr Jungs könnt ja unten auf uns warten. Du kannst ja mit Chuck und Casey tun, was ihr Jungs so macht — und wenn du Morgan findest, kannst du ihn ja davon abhalten, Unsinn zu machen.

“ Morgan hörte, wie ihr Lachen zurück kam, als sie ihn — in seiner Abwesenheit — aufzog.

Da kam Morgan eine Idee. Er schnappte sich die Rose vom Tisch, schrieb schnell noch eine kurze Nachricht, warf einen Blick in den Spiegel und war schon aus der Tür. Im nächsten Moment klopfte er an Ellis und Devons Tür.

„Morgan… Was können wir für dich tun?“ Devon war immer noch leicht argwöhnisch, was Morgan anging, aber er mochte ihn von Herzen, und sie hatten Gemeinsamkeiten entdeckt, als sie zusammen mit Elli Chuck, Casey und Sarah aus der Gewalt des wiederauferstandenen Shaw befreit hatten.

„Ich wollte euch um einen Gefallen bitten…“ Als Morgan den misstrauischen Blick von Devon sah, fuhr er schnell fort, „Ich will Alex diese Rose und diese Nachricht zukommen lassen, aber ich will dabei John nicht in die Arme laufen. „

Jetzt hatte Devons Gesicht den komplizenhaften Ausdruck, den Morgan sehen wollte. „Elli will ohnehin kurz zu Alex, bevor sie sich fertig macht, dann kann sie es mitnehmen. Ich bin fast fertig. Treffen wir uns gleich unten an der Bar?“ – „Ich werde mir noch etwas die Beine vertreten, aber ich stoße noch zu euch.

Den Auftritt der Damen darf ich doch nicht verpassen. “ Er reichte Devon die Rose und die Nachricht, dann sah er ihn an. „Danke… Du weißt… Ich mag Alex sehr…“ Devon lächelte ihn an. „Ich denke, sie mag dich auch, und um John solltest du dir keine Sorgen machen, ich weiß, dass er dich schätzt, und irgendwann wird er auch einsehen, dass du Alex glücklich machen kannst. “ Und in Gedanken fügte er halb scherzhaft hinzu: „Solange du meine Frau in Ruhe lässt, tue ich alles.

Als Devon die Tür schloss, war Morgan erleichtert, und er zweifelte keinen Moment daran, dass Elli Alex die Rose geben würde, und auch ein gutes Wort für ihn einlegen würde. Und was John Casey anging, den großen, bösen NSA-Agenten und ausgebildeten Killer… Nun, darum würde sich Morgan Sorgen machen, wenn die Zeit gekommen war. Jetzt wollte er auf jeden Fall erst einmal seine Gedanken sortieren und seine Angst davor überwinden, Alex später beim Dinner kein aufmerksamer und kultivierter Tischnachbar zu sein.

An der Bar im Atrium des Palastes sah Morgan dann mäßig interessiert zu, wie das Personal die Bühne aufbaute, den Tisch deckte, die Elektrik überprüfte, und insgesamt alles tat, um das Dinner vorzubereiten, während er darauf wartete, dass der schlanke und etwas gestresste, aber freundliche Barmann ihn bemerkte. „Dieser Premierminister weiß wirklich, wie man eine Party schmeißt. “ ging ihm durch den Kopf, und er freute sich schon auf das Dinner.

Morgan genoss es sehr, endlich nicht mehr im Buy More festzuhängen und sich statt dessen mit Sarah, Chuck und Casey ins pralle Leben stürzen zu können, von dem er immer nur geträumt hatte. Ihm gefiel es auch, wie jetzt gerade, elegant im Smoking an einer Bar zu stehen und wie ein Mann von Welt einen Drink zu bestellen. An einer Bar die im Atrium eines Präsidentenpalastes stand — als Ehrengast eines Staatsmannes, der ihn persönlich eingeladen hatte.

Er atmete den Duft ein. Für ihn war es der Geruch des Erfolges. Endlich war er, Morgan Guillermo Grimes, ein Jemand. Er war jetzt jemand der in einem Saal voller schöner Frauen und eleganter Männer seine Drinks von den Tabletts der umhergehenden Kellner angelte. Es war nur etwas seltsam, dass einige Kellner eher wie Soldaten oder Rausschmeißer aussahen. „Hmm… Vermutlich sind das getarnte Sicherheitsleute. “ dachte er.

Morgan zuckte mit den Achseln und wandte sich ab.

Der Barkeeper sah ihn fragend an. „Haben sie auch importiertes Bier?“ fragte Morgan. Er war zwar stolz darauf, als eleganter und weltgewandter Mann durchgehen zu können, aber ein Bier war schließlich ein Bier — und Morgan liebte ein gutes Bier. „Sicher, aber wir haben es noch nicht hier oben. Wenn sie warten wollen, ich wollte es ohnehin aus dem Lager am Strand heraufholen. “ Morgan konsultierte seine Uhr und schüttelte dann kurz den Kopf.

„Nein, danke. Ich habe es mit überlegt, ich werde noch etwas frische Luft schnappen, bevor es hier richtig los geht. „

Er machte sich auf den Weg nach draußen, wandelte ziellos und müßig über den makellosen Rasen, und spazierte dann nach einer Weile durch den Garten die breite, geschwungene Marmortreppe hinab zum Bootsanlegesteg des Präsidentenpalastes. In Gedanken und Träumen versunken vertrieb er sich die Zeit, bis es Zeit war, sich zum Dinner zu begeben.

* * *

Alex lächelte, als sie vom Balkon aus nach unten sah, und Morgan beobachtete, wie er durch die Gärten wanderte und dabei so süß aussah. Süß war ja auch seine Nachricht gewesen, die er ihr mit der Rose geschickt hatte.

Diese zarte rote Rose hier,

kann deine Schönheit nur unterstreichen,

trage sie doch bitte mir zuliebe,

wenn du heute Abend mit mir tanzt.

Dein Morgan

Wenn Alex glauben konnte, was ihr Elli erzählt hatte, während sie ihr die Rose zwischen Tür und Angel anvertraut hatte, war Morgan nicht nur an einer reinen, platonischen Freundschaft interessiert, sondern hatte echten Gefallen an ihr gefunden. Sie selbst mochte ihn auch… Vielleicht gerade, weil ihr Vater nicht begeistert von ihm schien.

Die ganze Situation kam Alex so unwirklich vor.

Noch vor wenigen Monaten hatte sie ein langweiliges und stinknormales Leben geführt, fest überzeugt davon, dass ihr Vater Alexander Coburn vor über zwanzig Jahren im Einsatz gefallen sei.

Plötzlich stand John Casey vor ihr, schlug vor ihren Augen einen CIA-Agenten nieder, kidnappte sie fast schon, warnte sie dann vor einer Gefahr, in der sie sei, weil sie ihn kenne und offenbarte ihr schließlich, dass er Alex Coburn sei — ihr Vater.

Kurz darauf lernte sie, als sie Caseys Geschichte überprüfen wollte, Morgan Grimes kennen. Ein kleiner, bärtiger und leicht seltsamer Kerl, aus dem sie nicht so richtig schlau wurde, in dessen Gesellschaft sie sich aber aus irgendeinem Grund wohl fühlte.

Wohl genug, um ihm ihre Telefonnummer zu geben.

Inzwischen wusste sie mehr. Sie wusste, dass ihr Vater — noch immer war es für sie ungewohnt, ihn als solchen zu sehen — Chuck, Sarah, und selbst der scheinbar so schusselige Morgan Spione waren, wobei Morgans Status noch etwas unklar war. John hielt Morgan ja nicht für einen Spion, sondern für eine öffentliche Gefahr, aber etwas sagte Alex, dass sich ihr Vater das eigentlich nur einreden wollte.

Schließlich hatten sie beide hervorragend zusammen gearbeitet, als Chuck und Sarah in ihren „Flitterwochen“ waren. Inzwischen kannte sie ihn auch gut genug, um die verräterischen Anzeichen zu sehen, die besagten, dass er Morgan zumindest genug mochte, um sich um ihn zu sorgen.

Alex konnte sich das Gesicht ihres Vaters vorstellen, als ihm Morgan damals innerhalb weniger Minuten den Aufenthaltsort von Chuck und Sarah verraten konnte — eine Aufgabe, an der die besten Analysten der CIA gescheitert waren.

Morgan war auch maßgeblich daran beteiligt gewesen, den abtrünnigen Spion Daniel Shaw nach dessen vermeintlicher „Wiederauferstehung“ festzunehmen und die führenden Köpfe des RING in Haft zu nehmen, und hatte sich, damit er die Fesseln, die Shaw ihm angelegt hatte, abstreifen konnte, beide Daumen gebrochen, um dann den Alarm auszulösen, der das Buy More evakuiert hätte, das Shaw vermint hatte.

Ihrem Vater war selbstverständlich nur im Gedächtnis geblieben, dass Morgan den Zünder der Minen hatte fallen lassen, nachdem er ihn gefunden hatte — mit seinen beiden gebrochenen Daumen hatte er ihn einfach nicht mehr halten können — aber dass bei der Explosion niemand verletzt wurde, zählte für ihn irgendwie nicht.

Seufzend sah sie wieder vom Balkon, aber Morgan war schon außer Sicht. Sie lächelte beim Gedanken, dass er den ganzen Abend neben ihr sitzen würde, und sie vielleicht auch mit einander tanzen würden. Aus irgendeinem Grund wollte Alex für Morgan möglichst gut aussehen, und selbstverständlich würde sie auch die Rose tragen. Sie mochte Morgan, und würde sich ihre eigene Meinung über den kleinen, bärtigen und liebenswürdigen Mann bilden. John Casey konnte toben und sagen, was er wollte, aber sie würde sich von ihm in dieser Hinsicht keine Vorschriften machen lassen — oder auch in irgendeiner anderen Hinsicht.

Als sie sich im Spiegel betrachtete, war sie etwas unsicher, ob sie mit der rassigen Elli und der eleganten Sarah mithalten konnte. Die eine war Ärztin, die andere eine knallharte Geheimagentin, und beides war nicht wirklich geeignet, Alex‘ Unsicherheit einzudämmen, doch dann ermahnte sie sich, daran zu denken, dass sie mit den beiden auch nicht im Wettbewerb stand, denn Elli hatte ihren Mann und Sarah hatte Chuck. Die beiden waren zwar nicht verheiratet, aber selbst Alex, die die beiden erst wenige Wochen kannte, zweifelte nicht einen Moment daran, dass es nur eine Frage der Zeit war.

Als sie in ihr Zimmer ging, sah sie die Waffe ihres Vaters auf der Kommode liegen, und ihr wurde wieder bewusst, dass sie sich hier in der Gesellschaft von drei — wenn man Morgan hinzuzählte sogar vier — Regierungsagenten auf einem Galadinner eines ausländischen Regierungschefs in der Karibik befand. „Und bis vor Kurzem habe ich noch Kaffee und Kuchen in einem Diner serviert. “ überlegte sie.

Um sie nicht noch zusätzlich in Gefahr zu bringen, war ihr verschwiegen worden, dass Chuck der „Intersect“ war, doch abgesehen davon, war sie mit den meisten anderen Dingen vertraut.

Zum wiederholten Male fragte sie sich, wie sie die Welt jemals wieder mit den gleichen Augen betrachten könnte, mit denen sie sie noch vor kurzer Zeit gesehen hatte.

Gleichzeitig ging ihr aber auch durch den Kopf, dass ihre bisherige Meinung über Agenten und Spione in den letzten Wochen stark verändert wurde. Es gab für sie eigentlich keinen Unterschied, ob sie mit ihrer Mutter, mit Elli oder mit Sarah shoppen war.

„Naja… Ich denke nicht, dass Mom so leidenschaftlich shoppen gehen würde wie Elli oder dabei eine versteckte Waffe tragen würde wie Sarah. “ schmunzelte sie.

Etwas traurig hatte sie die Hoffnung aufgegeben, dass ihr Vater und ihre Mutter in absehbarer Zeit wieder zusammenkommen würden. Es war zuviel Zeit vergangen, und Johns Beruf würde ein zu großes Risiko für ihre Mutter darstellen. Sie selbst durfte ihn auch nur deswegen auf dieser Reise begleiten, weil der Premierminister im Vorfeld die größtmöglichen Anstrengungen unternommen hatte, für Sicherheit zu garantieren.

„Costa Gravas ist zwar jetzt eine Art von Demokratie, aber vergiss nie, dass noch vor sehr kurzer Zeit eine Militärjunta über dieses Land geherrscht hat. Das Land ist nicht so sicher, wie du denkst. Der Premier sorgt zwar für unsere Sicherheit, aber wir dürfen nicht so blauäugig wie Touristen sein. “ hatte ihr Vater gesagt.

„Naja Dad, solange ich das Gelände der Villa nicht verlasse, bin ich ja in Sicherheit.

Und die bösen Menschen werden ja nicht gerade heute Abend den Präsidentenpalast stürmen, oder?“ hatte sie ihm geantwortet, und hoffte, dass er seine Fürsorge nicht übertrieb. Sie war ja kein Kind mehr.

* * *

Der Anlegesteg des Palastes lag mitten auf einem breiten und menschenleeren Strand im Schatten der untergehenden Sonne an der Ostseite der Insel, die „Renovación“ dümpelte träge auf den Wellen und Morgan konnte schon die verschiedenfarbig schillernden Luftschichten der nahenden Nacht ausmachen.

Die Hitze des Tages war zum größten Teil einer sanften Brise gewichen und auch das Summen der Insekten, die den Tag akustisch dominierten, war verstummt. Nur gelegentliches Brummen der Aggregate in der Nähe der Villa und die Rufe des Personals waren zu hören, und in der Ferne sah er noch ein unbeleuchtetes Fischerboot schnell um die Landzunge biegen, dass vermutlich zusätzliches Personal, Vorräte oder weniger bedeutende Gäste zur Party gebracht hatte.

Morgan wusste, dass die Marine von Costa Gravas einen drei Meilen breiten Sicherheitskorridor um den Palast herum bewachte, und die Sicherheitsüberprüfungen, die er, Sarah, Elli, Alex, Casey, Devon und Chuck über sich hatten ergehen lassen, waren ihm noch immer bestens im Gedächtnis.

Nur auf Wunsch von Premier Goya war es Casey, Sarah und Chuck erlaubt gewesen, eine Waffe mitzubringen. Er hatte das im Scherz damit begründet, dass er sich nicht vorstellen könne, wie echte Spione ohne Waffe aussähen.

Der Premierminister faszinierte Morgan. Auf der einen Seite schien er ein gedankenloser Playboy und Despot gewesen zu sein — es musste ja Gründe gegeben haben, warum alleine Casey mehrere Male den Auftrag erhalten hatte, das Leben des Premiers zu beenden — und auf der anderen Seite hatte Goya in den letzten Monaten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sein Land zu demokratisieren.

Es gab Säuberungen und Ermittlungen, von denen Goya selbst — auf eigenen Wunsch — nicht ausgespart worden war.

Gerade diese Haltung, alles aufzudecken und auch seine eigenen Verfehlungen einzugestehen, hatte Goya den Respekt seines Volkes eingebracht, und war der Grund, warum das Volk verlangt hatte, dass er an der Regierung bleibt, bis sich neue politische Strukturen etablieren können. Sie verziehen ihm auch seinen leichten Hang zum Luxus, wie zum Beispiel sein Speedboat oder seine Automobilsammlung, die er zwar zu seinem persönlichen Vergnügen angeschafft hatte, die aber auch der Allgemeinheit dienten… Die Automobilsammlung war zugleich auch das Herzstück des Museums für Technik in der Hauptstadt Costa Gravas‘.

Morgan hatte sich sämtliche Akten und Daten angesehen, und wusste über Costa Gravas vermutlich mehr, als jeder Analyst oder Experte im Pentagon oder bei der CIA.

Morgan schmunzelte, als ihm einfiel, dass er seit dem Vorfall im Zug auf dem Weg nach Zürich auffallend oft mit seinem Wissen punkten konnte. Zwar hatte er keine Datenbank in seinem Schädel wie Chuck, und konnte auch nicht so kämpfen und schießen wie Sarah oder Casey, aber seine Fähigkeit, sich Informationen anzueignen und zu interpretieren war auf jeden Fall ein Grund dafür, dass er einen Platz in diesem Team verdient hatte.

Bei diesem Gedanken lächelnd sah er über das Meer hinaus. „Ob Alex die Rose tragen würde? Ob sie sich über meine Bitte zum Tanz gefreut hat?“ Er sah auf die Uhr. Noch etwa zehn Minuten, dann würden die Damen ihren großen Auftritt des Abends haben, wenn sie alle elegant die Treppe hinabschreiten würden, um dann von ihrem Kavalier zu Tisch geleitet zu werden.

Ein Beobachter hätte gesehen, wie Morgan freudig erregt über den Bootssteg tänzelte, in die Luft schlug und es kaum erwarten konnte, mit Alex zu tanzen…

Und es gab einen Beobachter…

* * *

Die Eidechse war wieder auf der Jagd, und die Abenddämmerung bescherte ihr eine üppige Ausbeute an Glühwürmchen und Zikaden.

Ihr Versagen vom Mittag war längst vergessen, und nur ihr voller Bauch war für sie von Bedeutung, als sie über die Planken des Anlegers huschte und dabei fast über die Füße eines dieser lästigen Zweibeiners rannte, der aus irgendeinem Grund in ihrem Weg rumhüpfte.

Ohne hinzusehen huschte sie weiter, glitt vom Steg und rannte, so schnell sie konnte über den Strand zu den Felsen, die den Strand einrahmten. Dort hatte sie eine Höhle, in der sie ruhen konnte, bis der Morgen graute, und sie sich auf die Suche nach einem leckeren Frühstück machen konnte.

Sie konnte fast die Blicke des Zweibeiners auf ihrem Schwanz spüren, der ihr amüsiert nachsah, als sie um einen Felsen schoss und mit einem weichen, großen und unbeweglichen Hindernis zusammenstieß. Vor ihr lag ein weiterer Zweibeiner, umgeben von leckeren Fliegen, die für sie ein hübsches Betthupferl sein würden, und bewegte sich nicht — ja, er atmete nicht einmal mehr. Wenige Meter weiter lag noch einer, doch der war uninteressant, denn da waren keine Fliegen zu holen.

Jetzt konnte sie den anderen Zweibeiner wieder hören, wie er über den Strand rannte — in ihre Richtung. Vermutlich hatte er die Beine des einen Zweibeiners entdeckt, als er ihr hinterherblickte, und wollte jetzt nachsehen, was los war.

So schnell sie konnte, flüchtete sie unter die Felsen und dachte daran zurück, wie schon es am Strand gewesen war, bevor diese lauten und störenden Zweibeiner aufgetaucht sind.

Als sie gerade vollständig im Loch verschwunden war, hörte sie den Zweibeiner etwas laut ausrufen, dass wie „Scheiße… Das ist nicht gut!!!“ klang. Aus der Sicherheit seiner Höhle hörte das Reptil dann, wie sich die Schritte des Zweibeiners sehr schnell und unregelmäßig entfernten.

* * *

Devon hatte es schließlich doch geschafft, die Aufmerksamkeit des grimmig blickenden und sehr bulligen Barkeepers zu erlangen, und hatte drei Drinks bestellt — und dem Barmann dann erklären müssen, wie sie zu machen waren.

„Goya mag ja ein echter Partylöwe sein, aber was gutes Catering betrifft, braucht er wirklich Nachhilfe. “ dachte Devon finster, und nahm nach einer gefühlten Ewigkeit die drei Drinks in Empfang. Chuck und Casey, wie auch Devon waren beide stilvoll in schwarze Smokings mit schwarzer Fliege gekleidet, standen etwas abseits und unterhielten sich scheinbar angeregt — schon für sich eine Seltenheit — und offenkundig nicht über Belange der nationalen Sicherheit oder anderen Spionagekram — definitiv ein Wunder — während sie auf Devon und die Drinks warteten.

„Worum geht es denn, Jungs? Ihr scheint ja sehr energisch zu diskutieren. “ ließ sich Devon vernehmen, als er bei den beiden ankam. „Nicht im Geringsten, Awesome. Es hat sich nur herausgestellt, dass außer dem Architekten niemand so gut über diesen Palast Bescheid weiß, wie John hier. “ – „Ich habe schon vor zwanzig Jahren die Baupläne auswendig gelernt — ihr wisst ja, warum. “ Chuck stieß ihn an. „Egal warum, Tatsache ist, dass mir John gerade einige sehr interessante Sachen über dieses Haus erzählt hat.

Und schon waren die drei in eine Unterhaltung über das alte Gemäuer und dessen Geheimnisse vertieft, nippten an ihren Drinks und genossen die Atmosphäre des Abends. Unabhängig von einander erkannten sowohl Casey als auch Chuck die verschiedensten Würdenträger, und sie drei wurden von einigen der engsten Vertrauten des Premiers begrüßt und auch für später zum einen oder anderen Drink eingeladen. Die drei galten seit dem Wandel im Land als eine Art Helden.

So vertrieben sich die Gentlemen die Zeit, bevor ihre Begleiterinnen etwa eine halbe Stunde vor Beginn des Dinner mit ihrem Defilée begannen, und dann ihrem jeweiligen Tischherrn Gesellschaft leisten würden. Selbstverständlich waren Elli und Sarah Devons, beziehungsweise Chucks Tischdamen, und irgendwie hatte es Morgan geschafft, auch offiziell der Tischherr von Alex zu werden. Ein Umstand, der Casey keineswegs gefiel, auch wenn er selbst die reizende Tochter des Premiers zu Tisch führen würde.

„Sagt mal… Hat einer von euch Grimes schon gesehen, seit wir hier unten sind?“ Casey sah sich um, etwas verwirrt, weil er es war, dem das Fehlen des „bärtigen Trottels“ als erstem auffiel.

„Also, mir hatte er vorhin gesagt, er wolle sich noch etwas die Beine vertreten, und würde pünktlich zum Auftritt der Damen zurück sein, um Alex in Empfang zu nehmen. „

Das Läuten einer Glocke unterbrach die Unterhaltung. „Ok… Showtime Jungs. Zeigt euer strahlendstes Lächeln. Unsere Ladies verlassen sich darauf, von echten Gentlemen begrüßt zu werden. “ verkündete Devon. „Ich denke, Morgan wird auch gleich hier sein, er würde sich das nie entgehen lassen.

Die Männer nahmen am Fuß der langen, sich nach unten verbreiternden, Marmortreppe Aufstellung und warteten auf ihre Tischdamen. Als erste erschien die Familienministerin von Costa Gravas, deren Tischherr der Premierminister an diesem Abend sein würde, und dieser bot ihr auch gleich seinen Arm und geleitete sie in den Saal. Gleich dahinter erschien Theresa, die 26jährige Tochter des verwitweten Premierministers, und wurde von Casey mit einem Handkuss begrüßt — was Devon zu einem erstaunten Blick und Chuck zu einer anerkennend gehobenen Augenbraue verleitete.

In Caseys Arm gehakt, ließ sie sich von ihm zur Bar führen, wo sie sich bei einem Drink kennenlernen wollten.

Wenig später erschien erst Elli auf der Treppe, die ihrem Mann fast in die Arme fiel, als sie vor Nervosität über den Saum ihres bodenlangen Abendkleides stolperte. Das burgunderrot des Kleides betonte ihre Figur und passte wundervoll zum satten Rot der Rose in dem auf dieser Seite hochgesteckten Haar, während sie es auf der anderen Seite wie eine Welle über ihre Schulter hatte fließen lassen.

Sarah, die sich huldvoll in Chucks Umarmung schmiegte, sah in ihrem reizvoll ausgeschnittenen azurblauen Abendkleid und mit den locker fallenden Locken atemberaubend aus und die Rose, die sie geschickt über ihrer linken Brust nahe ihres Herzens befestigt hatte, war ein sehenswerter Kontrast. Ihre langen Beine wurden durch den asymmetrischen Schnitt des Kleides noch betont, und Chucks sehnsüchtiger Blick zeigte, dass es seine Wirkung nicht verfehlte.

Alex, die schon von der Treppe aus nach Morgan Ausschau hielt, hatte ein dunkelgrün schimmerndes, knöchellanges Seidenkleid gewählt, dass ihre grünen Augen und ihr rotes Haar unterstrich.

Morgans Rose hatte sie mit den Stiel geschickt in ihrem Halstuch verwoben, so dass die Blüte direkt unter ihrer Kehle lag. Etwas nervös bemühte sie sich, ihre Haltung dem Anlass angemessen zu wahren, was ihr gut gelang, wenn man bedenkt, dass sie seit ihrem Abschlussball auf der High School kein Abendkleid mehr getragen hatte.

Gerade als sie fragen wollte, wo Morgan denn steckte, drängte sich seine drahtige und vorlaute Gestalt schon durch die vorderste Reihe, und er ergriff rechtzeitig ihre Hand, damit sie nicht warten musste, mit der anderen fast schon hastig und ungeduldig Chuck, Sarah und Casey heranwinkend.

Etwas gehetzt sah er sich um, fasste einige der Kellner ins Auge, betrachtete intensiv den Bartender und wandte sich dann mit einem gequälten Gesichtsausdruck an Alex. „Es tut mir Leid, Alex… Ich wollte, dass der Abend wunderschön wird. “ Er küsste sie, doch bevor Casey noch reagieren konnte, hatte sich Morgan zu ihm, Sarah und Chuck gewandt.

„Unten am Strand liegen die Leichen eines Sicherheitsmannes mit einer Kugel im Kopf und des echten Barkeepers mit gebrochenem Genick, fast ein halbes Dutzend der Kellner hier sind nicht, was sie zu sein scheinen, und ich vermute mal, keiner von euch ist bewaffnet.

“ brachte er etwas atemlos hervor. „Ich weiß, wo deine Waffe liegt, Dad…“ mit diesen Worten sprang Alex schon die Treppe hoch, bevor sie jemand zurückhalten konnte, schlängelte sich zwischen den nachkommenden Damen der Gesellschaft hindurch und war außer Sicht verschwunden.

„Sagt mir, dass ich mich irre, aber ich denke, wir sitzen verdammt tief in der Klemme, nicht wahr?“

Aus dem Augenwinkel sah Morgan, wie ein Kellner, der unter seinem Jackett eine Pistole hervorzog, nur wenige Schritte hinter Casey stand.

Offensichtlich hatte er alles gehört, was Morgan gesagt hatte. Beherzt rempelte Morgan den überraschten Casey an, der gegen den vermeintlichen Kellner prallte. Binnen Sekunden hatte Sarah das Gemenge genutzt, den Mann entwaffnet und mit einem Schlag gegen die Schläfe kampfunfähig gemacht.

„Eine Armeewaffe! Mist!“ Morgan sah Casey an. „Zumindest sieht das wie die Ausrüstung der Armee aus, wenn man unserer Aufklärung glauben will. “ Er nickte zum Bewusstlosen hin, dem Sarah gerade den Puls fühlte.

„Und der Kerl trägt eine Hundemarke. “ Er sah sich um und reichte Casey die Waffe. „Wir haben den Vorteil auf unserer Seite. Noch weiß niemand, dass wir Bescheid wissen. “

Er zog den Kragen des Angreifers etwas zur Seite und deutete auf die Tätowierung an der Seite des Halses. „Den Erkenntnissen von DEA und CIA zufolge ist dies das Symbol einer Armeeeinheit namens „Schwarze Wölfe“, deren Mitglieder ausnahmslos nach dem Wandel unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurden.

Goya hat die meisten ins Gefängnis werfen lassen, nachdem sich herausstellte, dass sie Drogen gegen Waffen eintauschen. Der hiesige Geheimdienst und Langley nehmen an, dass sie einen Umsturz planen — wie es aussieht, wissen wir jetzt genau, dass es so ist. Sieh dir das Tattoo genau an, Chuck. Du müsstest die Dossiers auch haben. “ Chuck nickte nur. Auch er hielt seine Datenbanken auf dem Laufenden.

Casey sah Morgan für einen Moment sehr überrascht an, dann fing er sich und sah Elli und Devon an, die sich inzwischen zu ihnen gestellt hatten — wie durch Zufall genau so, dass der bewusstlose Kellner aus keiner Richtung mehr entdeckt werden konnte.

„Elli, Devon… Ihr sucht und informiert den Leiter der Leibwache. Er soll Verstärkung anfordern, Goya in Sicherheit bringen — möglichst unauffällig — und dann seine Männer postieren. An der Rückwand des Saals gibt es eine als Spiegel getarnte Geheimtür, die ihr nehmen könnt. Bleibt bei ihm, dann seid ihr außer Gefahr. Mit etwas Glück, ist die Sache vorbei, bevor sie angefangen hat. Unser Vorteil ist auch, dass das Defilée noch andauert.

“ Die beiden machten sich umgehend auf.

„Sarah… du nimmst Morgan mit und gehst sicher, dass Alex oben in Deckung bleibt. Pass bitte auf beide auf. “ Sarah verstand, was Casey sagen wollte, und nickte knapp, bevor sie bewusst langsam und unauffällig hinter Morgan die Treppe hinaufstieg. „Du gehst mit mir, Chuck. Wir versuchen schon mal für etwas mehr Gleichgewicht zu sorgen. Vielleicht können wir den einen oder anderen enttarnen und ausschalten.

Gerade als Sarah die Treppe hinauf außer Sicht war, fiel der erste Schuss.

* * *

Sarah wirbelte Morgan aus dessen Vorwärtsbewegung herum, als dieser reflexartig kehrt gemacht hatte und zur Treppe stürzen wollte. „Bleib hier! Casey und Chuck wissen, was sie tun. “ Sie lenkte Morgans Blick auf ihre Augen. „Wir müssen für Alex‘ Sicherheit sorgen. Sie ist keine von uns, und kann sich nicht selbst schützen.

Außerdem haben Chuck und ich unsere Waffen in unserer Suite, und die ist in dieser Richtung. “ Sie deutete den Korridor hinab.

Nachdem sich Morgan nickend und mit einem flauen Gefühl in der Magengrube umwandte, riskierte Sarah selbst einen Blick zur Treppe. Auch ihr war mulmig und sie machte sich Gedanken um Chuck — und auch um Casey. „Sie kommen schon klar. “ versuchte sie sich Mut zu machen und konzentrierte sich auf das, was jetzt zu tun war.

Sie hatte inzwischen ihre goldfarbenen Sandaletten abgestreift, damit sie die hohen Absätze nicht behindern konnten und rannte hinter Morgan her. Nach wenigen Schritten kam ihnen schon Alex entgegen, mit Caseys TranqGun in der einen Hand und einem Kampfmesser in der anderen. „Ich hab das in Dads Gepäck gefunden, und dachte, wir könnten jede Waffe gebrauchen, die wir finden können. “ erklärte sie und wollte Sarah die TranqGun in die Hand drücken.

Wortlos reichte Sarah die Waffe an Morgan weiter.

„Morgan, du kannst doch mit der Betäubungspistole umgehen, oder?“ Sarah hatte mit Morgan und Chuck oft genug an Konsolen gespielt, um zu wissen, dass Morgan ein ausgezeichneter Schütze war… solange die Waffe keinen Rückstoß hatte. „Du behältst vorerst das Messer, Alex, wenn du damit was anfangen kannst…“ Alex fasste das Messer fester und nickte. „Ich hab lange genug in der Küche gearbeitet, mit Messer kann ich umgehen. “ – „… und wir holen jetzt Chucks und meine Waffen aus unserer Suite.

Während Morgan vor der Tür Wache hielt, holte Sarah schnell ihre und Chucks TranqGuns aus dem Koffer, glücklich darüber, dass Chuck die „30-Fuß-Regel“ endlich verinnerlicht hatte, die besagte, immer wenigstens eine einsatzbereite Waffe in Reichweite zu haben. Ein leises Reißen und Ratschen ließ sie auffahren, aber es war nur Alex, die mit dem Messer ihr Kleid kürzte, um mehr Bewegungsfreiheit für ihre schlanken Kellnerinnenbeine zu haben. Ihre High Heels lagen hinter ihr auf dem Boden.

Mit einem Nicken zu Sarahs Wanderstiefeln hin sagte sie: „Ich hol schnell meine Stiefel aus meinem Zimmer, dann müssen wir nicht barfuß gehen. „

Trotz der Situation musste Sarah schmunzeln. Die junge Frau war sehr anpassungsfähig und dachte mit. „Kein Wunder, dass Casey so stolz auf sie ist — und Morgan verrückt nach ihr. “ Von der Tür her konnte sie Morgans und Alex‘ Stimmen hören, und dann begleitete Morgan Alex zu ihrem Zimmer, um ihr Deckung zu geben.

Sarah folgte schnell noch Alex Beispiel und riss ein gutes Stück vom Kleid ab — Chuck wäre begeistert gewesen, zu sehen, wieviel von ihren schlanken, langen Beinen das Kleid jetzt seinen Blicken preisgeben würden — , griff sich ihre Messerholster und befestigte sie an ihren Schenkeln, dann prüfte sie die TranqGuns, und als Morgan wieder mit Alex ins Zimmer kam, reichte sie ihm die Ersatzmunition. „Wir müssen vorsichtig sein. Konntest du erkennen, wie viele es sind?“ – „Leider nicht genau, aber ich schätze mal noch rund ein halbes Dutzend, die ich bemerkt habe.

“ Sarah fluchte leise, doch dann besann sie sich, wer bei ihr war. „Aber es ist schon mal positiv, dass wir keine weiteren Schüsse gehört haben. „

Gerade als sie sich auf den Weg in den Korridor machen wollten — noch ohne eine Idee, wie sie unbemerkt wieder nach unten gelangen sollten — bemerkte Alex die Eidechse. Die Echse verschwand gerade in einem Spalt der scheinbar massiven Wand. Als Morgan an dem Spalt zog, öffnete er sich zu einer Tür.

„Hmm… Diese Haus hat wirklich seine Geheimnisse. “ murmelte er.

* * *

Es sagt viel über die Geistesgegenwart und das Vertrauen von Allejandro Goya aus, dass er, als er sah, dass sich ihm das Ärzteehepaar Woodcomb mit schnellem Schritt und ernstem Gesichtsausdruck näherte, freundlich seine Gesprächspartner verabschiedete, und schon seinen Sicherheitschef herangewunken hatte, als Devon und Elli ihn erreichten. Mit knappen, aber eindringlichen Worten erklärten sie dem Premier und dem Sicherheitschef die Situation, und Goya übernahm es, den Leiter seiner Sicherheitsabteilung davon zu überzeugen, dass diese beiden Personen absolutes Vertrauen genossen.

Zum Glück war der ehemalige Potentat klug genug, nicht gegen seine Rettung protestieren zu wollen, wie es so mancher getan hätte, um seinen Heldenmut zu unterstreichen, vielmehr schien er sich im Moment den Empfehlungen seiner Sicherheitsberater — zu denen auch Elli und Devon zählten — zu beugen. Etwas erstaunt waren jedoch sowohl Sicherheitschef als auch Premierminister, von der Geheimtür zu erfahren, die dem Premier die sichere Flucht ermöglichen sollte. Beide hatten davon nichts gewusst, was dem pflichtbewussten und sonst so gründlichen Leiter der Security sauer aufstieß.

Unauffällig veranlasste Marquez, der Sicherheitschef, dass Devon, Elli und der Premier an der Geheimtür mit zwei Sicherheitsbeamten in Zivil zusammentrafen, die ihren Rückzug decken sollten. Er selbst und die restlichen neun Leibwächter, die, zusätzlich zu den zwei Dutzend Sicherheitskräften des Militärs, die das Grundstück sicherten, den Saal überwachen sollten, positionierte er dann strategisch im Raum, und fragte sich, wie er die Attentäter — er hatte beschlossen sie genau als solche zu sehen — identifizieren sollte.

Er hatte zwar die Personalakten in Händen gehabt, aber er hatte sich nicht alle 142 Gesichter einprägen können, die mit der Instandhaltung, der Hauswirtschaft, dem Catering, der Musik und den anderen zivilen Bereichen der Party befasst waren.

Mit einem erleichterten Aufatmen sah er, wie sich die Geheimtür hinter dem Ärztepärchen, dem Premierminister und den beiden Sicherheitsagenten schloss, und nahm sich fest vor, alles über die Geheimtüren und Geheimgänge in diesem Gebäude herauszufinden.

„Jetzt zu den Attentätern. Wer könnte es…“

Genau in diesem Augenblick brachte ein lauter Knall das Stimmengewirr der Party zu einem abrupten Verstummen.

* * *

Die beiden Sicherheitskräfte stellten sich im engen Gang hinter der Geheimtür sofort schützend vor den Premier und versuchten ihn vor den Gefahren abzuschirmen. Das Licht, dass durch den Einwegspiegel kam, und auf Ellis Gesicht fiel, zeigte ihre Sorge nach dem Schuss.

„Elli… Wir sprechen hier von Chuck, Sarah und John… Die können definitiv auf sich aufpassen — und auf uns andere noch dazu. Du kennst sie doch. “ Devon sah Ellis skeptischen Gesichtsausdruck.

Die Sicherheitsbeamten drängten sie weiter. „Du weißt selbst am besten, welchen Gefahren sie schon getrotzt haben. Wir müssen uns jetzt konzentrieren, damit wir nicht ins Kreuzfeuer geraten. “ Elli konnte weder seine Zuversicht teilen, noch die Panik übersehen, die sich auf dem Gesicht ihres Mannes breit machte.

Auch wenn er versuchte, es zu überspielen: Devon war genauso besorgt wie sie.

Goyas Gesicht versteifte sich, als er den Mann, den er am meisten hasste und fürchtete, mit geschultertem Sturmgewehr eintreten sah, doch er konnte nichts tun, um die Situation zu ändern. Er konnte die Worte des Anführers sehr genau hören, und war schon versucht, alles auf Spiel zu setzen, und durch den Spiegel zu stürmen, um sich dem Gegner zu stellen, aber ihm war auch genauso klar, dass die Geiseln dann getötet würden, einschließlich seiner Tochter, die sich geistesgegenwärtig hinter die Bar hatte fallen lassen.

Der Mistkerl wollte ihn, und solange er dachte, ihn mit den Geiseln hervorlocken zu können, wären die Geiseln in Sicherheit. Der Premierminister hätte vor Wut und Angst um seine Tochter schreien können, aber trotz allem, war er ein vernünftiger Mann, und riss sich zusammen.

„Los, wir müssen weiter. Der Premierminister muss in Sicherheit gebracht werden. Unsere Kollegen werden mit der Situation klarkommen. “ Der ältere der beiden Männer sah Goya an.

„Machen sie sich keine Sorgen, Herr Premierminister. Ihre Tochter ist nicht in Gefahr, und da, wo sie ist, vielleicht sogar in Sicherheit, denn da wird sie vielleicht niemand vermuten. “ Goya warf ihm einen zweifelnden Blick zu, aber er erkannte, dass der Mann vermutlich Recht hatte.

Im Laufschritt folgten der Premier und die Woodcombs den beiden Sicherheitsleuten den schmalen Korridor entlang, bis sie zu einer steilen Treppe kamen, an deren Ende, dass den Blicken verborgen in der dunklen Tiefe lag, ein leises, rhythmisches Rauschen zu hören war.

„Es scheint ein Zugang zum Meer zu sein. “ stellte Devon fest und begann schon mit dem Abstieg. „Wo werden wir denn da hinkommen, wenn wir jetzt diese Treppe hinabsteigen?“ fragte der jüngere der beiden Sicherheitsmänner. „Wo immer es uns auch hinführt, es wird uns auf jeden Fall von denen da fortführen…“ erklärte er geduldig, den Korridor hinab in Richtung des Ballsaales deutend. „… und das bedeutet auch, in Sicherheit. „

Die aufwärts führende Treppe am anderen Ende des Korridors blieb, übersehen und im tiefen Schatten liegend, unbemerkt hinter ihnen zurück.

* * *

Durch den Schuss überrascht fuhr der falsche Barkeeper, der gerade widerwillig einen Gast bediente, hoch, und prallte, als er seine eigene Waffe zog gegen die vor dem großen Spiegel aufgestellten Flaschen mit Spirituosen. Ein klirrender Regen aus Glasscherben fiel vor dem Barregal zu Boden, als er hinter der Bar hervortrat — gerade in dem Moment, in dem Theresa hinter ihr Schutz suchte, und es war wohl nur ein Wunder, dass er sie nicht sah.

In der Reflektion des Spiegels über der Bar sahen Chuck und Casey dann einen Mann in Uniform, der mit geschultertem AK 74 und einer Pistole in der Hand durch die Terrassentür eintrat, und mit einem fast freundlichen Ton forderte: „Mein Name ist General Ignaćio DeVilla, Oberkommandierender der Revolutionsstreitkräfte von Costa Gravas. Legen sie sich jetzt bitte alle auf den Boden, und ihnen wird nichts passieren. Ich will nur mit der imperialistischen Marionette sprechen, der sich widerrechtlich mit dem Titel Premierminister schmückt, und das Vermögen des Volkes verprasst.

Hinter ihm schleiften zwei Soldaten in Uniform einen der Militärpolizisten, die das Gelände sichern sollten, über den Boden, ließen ihn auf den Marmorboden fallen, salutierten zackig und stellten sich dann zu zwei weiteren Uniformierten links und rechts neben die Terrassentür. Die Bewegungen der gerafften Vorhänge an der Tür bemerkten sie dabei nicht.

Die Blutspur, die der Tote hinterließ, machte deutlich, wo der Schuss hingegangen war. Um effektiv die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, hatte General DeVilla den Militärpolizisten direkt vor der Tür des Atriums exekutiert, um ein Exempel zu statuieren.

Er wollte durch den Anblick des blutigen Leichnams jeden Widerstand im Keim ersticken.

Chuck und Casey wechselten einen kurzen Blick, und sprachen sich mit knappen Gesten ab, dann legten sie sich wie alle anderen auf den Boden. Casey sah für einen kurzen Moment zu seiner Begleiterin hinüber und signalisierte ihr mit einem knappen Blick und einem stirnrunzelnden Nicken, dass sie bleiben solle, wo sie war.

Auf ein Zeichen des Generals hin, nahmen die Eindringlinge den verbliebenen neun Sicherheitsbeamten in Zivil die Waffen und Funkgeräte ab, und fesselten sie alle in einer Ecke des Raums, die gut im Auge zu behalten war.

Hilflos lagen sie unter einem großen Bild, dass die Insel Costa Gravas darstellte — der Wand gegenüber, durch die Goya, Devon, Elli und die beiden Sicherheitsbeamten verschwunden waren.

Die Angreifer verteilten sich dann im Raum. DeVilla fing wieder an zu reden: „Es ist schön, dass sie jetzt alle hier versammelt sind, dass erspart uns die Mühe, sie aus ihren Zimmern und Suiten zu holen. Trotzdem werde ich so frei sein, die Treppe zu versperren, wir wollen ja keine unliebsamen Überraschungen.

“ Drei Männer postierten sich mit entsicherten Sturmgewehren am Fuß der Treppe und behielten die Menge und die Treppe im Auge.

„Wo ist Marquez?“ formulierte Chuck lautlos mit den Lippen in Caseys Richtung. Sie hatten den Leiter der Security, seit der Angriff begonnen hatte, nirgendwo sehen können, und er war nicht mit den anderen Sicherheitsmännern gefangen genommen worden.

In diesem Moment hörte man die Funkgeräte der Sicherheitsbeamten knacken und eine munter-unbekümmerte Stimme ertönte:

„He Lobo, hier ist Marino!“ Einer der Sicherheitsbeamten stöhnte leise auf, aber niemand achtete auf ihn.

„Willst du mal lachen? Das kann ich außer dir echt keinem erzählen! Ich hab hier eine schwarz-grüne Schlange gesehen. Die musst du dir unbedingt ansehen! Sie misst mindestens 24 Zentimeter im Umfang und allein ihr Kopf ist neun oder zehn Zentimeter lang. Vermutlich ist sie hochgiftig, also solltest du dich beeilen, sonst bekommen wir sie nicht mehr aus dem Hühnerstall. Der Premier wird stinksauer sein, wenn dem Hahn was passiert! Noch rennt er mit zwei Junghähnen und zwei Hühnern irgendwo auf dem Grundstück rum, aber wer weiß, wann die Schlange ihn erwischt.

“ Die Stimme fuhr etwas nüchterner fort: „ Außerdem kannst du der Hauswirtschaft sagen, dass hier draußen von den zwei Dutzend Zierfelsen zehn mit Schlingpflanzen bewachsen sind, fünf sind umgefallen, und die restlichen neun sind verkehrt herum aufgestellt und völlig verschimmelt. Das ist sogar für die vier professionelle Gärtner zuviel. Die hatten ja schon genug mit den Blumenarrangements im Saal zu tun. Das ist ein richtiges Chaos hier. Wenn wir so schlampig wären, würde uns der Premier sicher an den Rand der Welt versetzen, wo uns niemand mehr finden könnte.

Hier muss dringend was gemacht werden. „

Das Funkgerät verstummte, und der General winkte die vier Uniformierten zu sich. „Goya wird langsam wirklich nachlässig. Wenn wir früher so banalen Quatsch über Funk ausgetauscht hätten, wären wir einen Kopf kürzer gemacht worden. Ein klares Zeichen, dass er weich wird. “ Er zeigte nach draußen in die zunehmende Dunkelheit des Abends. „Bittet diese Plaudertasche doch mal, sich zu uns zu gesellen. Und beeilt euch, bevor er sich wundert, warum keine Antwort kommt.

Casey und Chuck sahen sich an, und trotz der Situation mussten sie leicht lächeln. Der Sicherheitschef war sein Pulver wert. Er hatte gerade der Küstenwache, die vor der Küste kreuzte, mitgeteilt, dass der Palast gestürmt wurde, sämtliche Kommunikation unterbunden war, und dringend Unterstützung gebraucht wurde. Darüber hinaus hatte er die Angreifer identifiziert, ihre Anzahl durchgegeben, über den Verbleib des Premiers und der Militärpolizisten auf dem Gelände Auskunft gegeben, klargestellt, dass alle Sicherheitskräfte im Inneren außer Gefecht sind, er also alleine dasteht, und auch die vier ausländischen Agenten erwähnt, die unterstützend eingreifen werden, wenn sie können.

„Sieht nicht so aus, als hätte DeVilla etwas bemerkt. “ ließ Chuck Casey wissen. Mit dem Kopf deutete er auf einige der Bewaffneten und dann auf die gefesselten Sicherheitsbeamten, von denen einer, scheinbar durch die Stimme seines Vorgesetzten angespornt, versuchte gegen seine Fesseln anzukämpfen, auch wenn das bei diesen Fesseln kaum Aussicht auf Erfolg haben würde. Die Angreifer waren in der Minderzahl, wenn man Casey, Chuck und Sarah — und auch Morgan, denn genau das hatte Marquez schon getan — einrechnete.

Casey nickte, und sein Gesicht spiegelte nur eine Frage wieder: „Hast du ne Idee?“

* * *

Die beiden Sicherheitsbeamten drückten sich an die Felswand hinter dem Ausgang außerhalb der geräumigen Höhle die am Ende der Treppe lag, und sahen sich um. Sie hatten einzeln aus dem engen und niedrigen Loch kriechen müssen, denn der Ausgang maß höchstens einen Meter im Quadrat — was den Eingang vom Strand aus nicht sichtbar sein ließ.

Der ältere der beiden nahm sich vor, in einem Bericht anzuregen, sowohl sämtliche Geheimgänge, als auch alle Höhlungen und Aussparungen in der Umgebung der Villa kartographieren zu lassen, um die Sicherheit zu erhöhen.

Gemeinsam zogen sie Elli dann aus der Höhle, und nahmen den Premierminister in Empfang, der von Devon nach draußen bugsiert wurde. Schließlich war auch Devon draußen. Sie sahen sich gerade genauer um, und versuchten festzustellen, wo genau sie sich befanden, als sie eine Stimme hörten.

Die Sicherheitsbeamten, die ihren Chef natürlich nur zu gut kannten, erkannten seine Stimme, und begriffen sofort, was der Funkspruch zu bedeuten hatte.

Etwas über 50 Meter weiter lagen zwei Leichen. Die eine Leiche, zu der auch das Funkgerät gehörte, über das die Stimme erklungen war, trug die Uniform der Militärpolizei, die andere trug eine Fliege und eine Schürze, und war mal der Barkeeper gewesen, mit dem sich Morgan unterhalten hatte.

Goya nahm die Waffe des Toten an sich, und fühlte sich gleich etwas wohler, da er jetzt auch zu seinem – ihrem — Schutz beitragen konnte.

„Alles in Ordnung, die Marine wird zweifellos den Funkspruch verstehen, und Verstärkung schicken. “ erklärten sie, nachdem sie den Zivilisten — auch wenn der Premierminister selbst ein Militär war, bevor er an die Macht kam, war er für die Sicherheitsmänner in diesem Moment nur ein Zivilist, dessen Leben es zu beschützen galt — den Inhalt des Funkspruchs erklärt hatten.

„Gut, dann können sie beide ja wieder zurück, und ihre Kollegen unterstützen. Ich denke, dass uns dreien hier keine Gefahr droht. “ schlug Goya vor, und es klang fast wie ein Befehl. „Ich denke, sie werden da drin gebraucht. “ – „Bei allem zu Gebote stehenden Respekt, Herr Premierminister. Wir müssen ihr Anliegen zurückweisen, denn wir sind für ihre Sicherheit verantwortlich. „

Goya wollte gerade auffahren, als ihm Elli die Hand auf den Arm legte.

„Allejandro… Die Männer haben Recht. Wir haben nur notdürftigen Schutz gefunden und können nur hoffen, dass die Verstärkung bald eintrifft. “ Sie blickte unbehaglich zu den beiden Leichen hinüber, und sah Goya noch einmal tief in die Augen. „Sie dürfen sich jetzt nicht in Gefahr bringen. Es wäre dumm von ihnen jetzt den Helden spielen zu wollen. Ich verstehe, dass sie sich Sorgen um Theresa und die anderen da drin machen, aber da drin sind einige Leute damit beschäftigt, zu tun, was nötig ist, damit keiner von uns hier zum Helden oder Märtyrer werden muss.

Lassen sie sie ihre Arbeit tun, Allejandro!“

Goya schmunzelte wider Willen, denn sie hatte Recht, und auch wenn sie alle in Gefahr waren, konnte er den Gedanken nicht unterdrücken, dass er gegenüber John Casey mit seiner Einschätzung der Frauen in der „erweiterten Familie Bartowski“ voll und ganz Recht hatte.

„Sie haben Recht, meine Liebe. “ er wandte sich an die beiden Sicherheitsbeamten. „Und jetzt?“

* * *

Wenn man es genau nahm, war es kein Gang, sondern eine Treppe, die sich vor Sarah, Alex und Morgan auftat.

Staubig, voller Spinnweben, aber offensichtlich nicht baufällig. Morgan betrat als erster den kurzen Absatz, der der Treppe vorgelagert war, und tastete an der Wand entlang nach einem Lichtschalter. Es gab tatsächlich einen Schalter — einen alten Drehschalter, wie sie seit sicher dreißig Jahren keine Verwendung mehr fanden. Ein schwaches Licht glimmte die Treppe entlang auf, als er ihn betätigte. Schwach, aber doch hell genug, dass sie sehen konnten, dass die Treppe an ihrem Ende in einen sehr schmalen Gang überging, von dessen Ende ein leises Rauschen kam.

„Wir sollten es uns auf jeden Fall mal ansehen, dann wissen wir, ob es uns etwas nützt. “ meinte Sarah und hob ihre Waffe. „Ich gehe voraus, und du sicherst unseren Rücken. Du bleibst dicht bei mir, Alex, und sei vorsichtig, wir wissen nicht, wie stabil die Treppe ist. „

Langsam schlichen sie die — noch überraschend stabilen — Stufen hinab, nachdem Morgan die Geheimtür soweit zugezogen hatte, dass sie von Außen — hoffentlich — nicht auffiel.

„Es kommt mir vor, als sei hier seit Jahrzehnten niemand mehr gewesen. “ merkte Alex an, und Morgan antwortet ihr: „Soweit ich weiß, hat Goya diese Villa immer schon hauptsächlich für Besucher verwendet, und sich selbst hier nie großartig aufgehalten. Vermutlich wusste er nichts davon, und wenn sich niemand die Mühe gemacht hat, den Kasten auf den Kopf zu stellen, könnte es wirklich sein, dass die ganzen Geheimgänge hier drin längst vergessen sind. “ – „Ich hoffe, niemand von euch hat Angst vor Spinnen.

“ ließ sich Sarah vernehmen, und deutete auf die Wände. „Das würde erklären, was die Eidechse hier wollte. Die hat hier mehr oder weniger ihre eigene Speisekammer. “ murmelte Morgan unbehaglich, denn er hatte zwar keine Angst vor Spinnen, aber ein Fan war er auch nicht. „Psst! Ich glaube, ich kann Stimmen hören. “ Alex glitt lautlos an Sarah vorbei und presste ihr Ohr an die Wand. „Ja, ich kann etwas hören, klingt wie aus einem Funkgerät.

“ Sarah lehnte sich neben sie an die Wand und lauschte konzentriert dem Funkspruch, den Marquez an die Marine geschickt hatte.

Derweil war Morgan etwa zwei Meter neben den Beiden an die Wand getreten, und hatte etwas entdeckt, was ihn unter normalen Umständen sehr amüsiert hätte. „Hier sind Gucklöcher. “ flüsterte er. Er zog die Abdeckung zur Seite und sah hindurch.

Vor ihm lag das gesamte Atrium, der von drei Seiten von Wänden umschlossene Saal, dessen vierte Wand vollständig aus Fenstern und Terrassentüren bestand, die der großen Prunktreppe gegenüber lag.

Auf der ihm entgegengesetzten Seite des Raums war der große Spiegel, durch den der Premier in Sicherheit gebracht worden war, und in ihm sah er, dass die „Wand“ an der Alex und Sarah lauschten, vom Saal aus gesehen das riesengroßes Bild der Insel war, dass die Südwand des Saals dominierte. „Könnte es sein?“ ging ihm durch den Kopf.

Er sah genauer hin. Alle Gäste und Bediensteten lagen regungslos auf dem Boden — er konnte auch Chuck und Casey entdecken, die sich scheinbar mit winzigsten Gesten verständigten — und wurden von den bewaffneten Soldaten der „Lobos Negres“ bewacht.

Dann sah er es. Ganz hinten in der Ecke saßen die neun verbliebenen Leibwächter gefesselt unter dem großen Bild… „Moment mal! Die sind nicht dort… Die sind HIER!!“ Morgan hatte sich für einen Augenblick vom Spiegelbild verwirren lassen… Die gefesselten Bodyguards lagen weniger als einen halben Meter vor Sarahs und Alex‘ Knien!

Er sah sich nach Alex und Sarah um, und sah, dass Sarah wohl auch auf die gleiche Idee gekommen war.

Sie suchte mit Alex die Wand vor sich nach einem Scharnier oder einer anderen Vorrichtung ab, mit der das riesenhafte Bild bewegt werden konnte. Wenn der Spiegel eine Geheimtür war, warum sollte das Bild nicht auch eine sein?

* * *

„Jago, Manuel, Enrico… hat einer von euch unser Plappermäulchen schon entdecken können?“ Einer der vier Lobos, die DeVilla hinter „Plaudertasche“ hergeschickt hatte, nicht wissend, dass es Marquez war, nahm für einen Moment auf einem Felsen Platz.

„Negativ, noch nichts!“ – „Hier auch nichts. “ – „Kein Zeichen von dem Kerl. “ – „Vermutlich sitzt der irgendwo und hat nichtmal mitbekommen, was los ist. “ ertönten die Antworten aus dem Funkgerät des Mannes, bevor er selbst antwortete: „Hier am Anlegesteg ist er auch nicht, ich werde mich noch etwas umsehen, aber ich wette, der sitzt irgendwo im Gebüsch und raucht. Wer ihn findet, kann ihn behalten. „

Als er das Funkgerät wieder verstauen wollte, riss etwas seinen Kopf nach oben und zur Seite, und sein Genick brach mit einem trockenen Knacken.

Marquez zog die Leiche des Soldaten zwischen die Felsen, und nahm ihm Waffen und Funkgerät ab. „Einer weniger… schon ein Anfang. “ Er atmete tief durch und überprüfte die Waffe des Mannes, den er gerade getötet hatte, dann steckte er sie in seinen Hosenbund und überprüfte auch seine eigene Waffe noch einmal, froh, dass er keinen verräterischen Schuss hatte abgeben müssen.

In diesem Moment hörte er die Stimmen.

* * *

Der ältere der beiden Sicherheitsbeamten wollte gerade um einen Felsen biegen, als er plötzlich nach vorne gerissen wurde, und unvermittelt auf dem Boden lag — verwirrt und benommen in das falsche Ende einer 9mm P. A. blickend. Er hörte, wie sein Partner seine Waffe zog und auf den Angreifer anlegte, den er nicht gut sehen konnte, da dieser größtenteils vom Felsen verdeckt wurde.

„Legen sie die Waffe weg, Ramirez, sie können mich von ihrem Standort aus nicht treffen, und der Schuss würde die Aufmerksamkeit der Falschen wecken.

Das gleiche gilt auch für sie Premierminister. „

Als die beiden die Stimme von Marquez erkannten, atmeten sie erleichtert auf. „Stehen sie auf, Garcia. Ist mit ihnen und den Woodcombs alles in Ordnung, Premierminister?“ – „Ja, es ist alles in Ordnung. Wir sind gleich hier hinten. „

Nachdem ihm von Marquez aufgeholfen wurde, führte Garcia ihn zu Ramirez und den Zivilisten, und erklärte kurz, wie sie es an den Strand geschafft hatten.

„Sie haben Recht, Garcia, wir müssen wirklich sämtliche Geheimgänge kartographieren. “ – „Ich würde empfehlen, dass sie sich dafür mit Colonel Casey kurzschließen, ich denke, er kennt die meisten, wenn nicht sogar alle. “ meinte Devon, und war froh, dass sie doch noch einen weiteren Verbündeten hatten. „Meinen sie, dass die Marine ihren Funkspruch verstanden hat, und was unternimmt?“ wollte Elli wissen, während die drei Sicherheitsmänner die Munition aufteilten, die Marquez dem Toten abgenommen hatte.

„Ich war mit dem Kommandanten der Fregatte, der die Sicherheitsmaßnahmen koordiniert, auf der Schule, und ich denke, dass in diesem Moment schon einige Kampftaucher und andere Einheiten auf dem Weg hierher sind. Er und ich haben immer schon einen guten Draht zu einander gehabt, darum wird er es verstehen können. Außerdem ist „Marino“ ein Codewort, das für die Marine den Befehl zum Eingreifen beinhaltet. Aber sie werden frühestens in zwanzig Minuten eintreffen, und werden hier draußen auf Widerstand treffen.

Wir werden schon früher eingreifen müssen, denn DeVilla ist kein geduldiger Mann. “ Er zog die Gruppe näher an die Felsen und noch weiter außer Sicht.

„Fassen wir mal zusammen: Seit dem ersten Schuss wurden keine weiteren abgegeben, was gut ist. Colonel Casey und Agent Bartowski sind im Saal, und meines Wissens unbewaffnet. Die Agenten Walker und Grimes…“ Elli musste wider Willen etwas schmunzeln, als sie hörte, wie Morgan als Agent bezeichnet wurde, so ungewohnt und seltsam — aber auch richtig — klang diese Bezeichnung in ihren Ohren.

„… sind mit Señorita Coburn im ersten Stock, vermutlich in der Nähe oder in Agent Walkers Suite. Der Premierminister und sie beide sind hier sicher, und ein Teil von DeVillas Männern ist auf dem Gelände hinter mir her. Die Sicherheitskräfte im Saal sind erst einmal außer Gefecht, da kann ich nichts machen. Aber was ich machen kann, ist, zu versuchen, den Geheimgang zu nutzen, um ins Innere der Villa zu kommen, und dann die Lage zu peilen.

Marquez erhob sich und sah sich um. „Sie sind hier vorerst in Sicherheit, bis die Verstärkung eintrifft. “ Inzwischen war es gänzlich dunkel, und nur der Lichtschein des Palastes erlaubte es, irgendetwas zu sehen. Marquez ging nochmal zum toten Soldaten zurück und holte dessen Taschenlampe. „Ein Nachtsichtgerät wäre jetzt nicht schlecht. “ seufzte der oberste Leibwächter und durchsuchte wider besseres Wissen noch einmal die Leiche. Mit einem hoffnungsvollen Blick über das Meer kehrte er zu den vier Menschen, die sich auf ihn verließen, zurück.

„Die eintreffende Verstärkung wird sie in Sicherheit bringen, und wenn sie ihnen zeigen, wie sie in den Geheimgang kommen können, vergrößern sich unsere Chancen, dem ganzen Spuk schnell und ohne große Verluste ein Ende zu machen. Seien sie vorsichtig. “ Mit diesen Worten zwängte er sich durch den engen Eingang in die Höhle, und machte sich auf den Weg.

* * *

Chuck glaubte erst, er hätte sich geirrt, aber als er dann genauer hinsah, stellte er fest, dass er sich nicht getäuscht hatte.

Das große Bild, vor dem die gefesselten Leibwächter lagen, hatte sich wirklich ein kleines Bisschen bewegt, und jetzt konnte er auch ganz kleine Bewegungen bei den Sicherheitsbeamten feststellen. Er sah sich um, aber scheinbar war er der Einzige, der es bemerkt hatte. „He… Psst… Casey…“ zischte er, so laut er es wagen konnte, ohne die Aufmerksamkeit der Wachen zu erregen. Mit den Kopf deutete er auf das Bild und sah Casey an. Ein kurzes Aufblitzen und Nicken machte ihm klar, dass er es jetzt auch gesehen hatte.

Wenn der Spiegel eine Geheimtür war, warum dann nicht auch das Bild. Er sah Casey kurz fragend an, und dieser nickte knapp.

Chuck war sich voll und ganz bewusst, dass ein Großteil dessen, was ihm jetzt durch den Kopf schoss, Wunschdenken war; nichts desto trotz kalkulierte er die Möglichkeit ein, dass in diesem Augenblick die neun Leibwächter befreit würden, und sich hinter diesem Bild sowohl Verstärkung, als auch eine Möglichkeit befand, die Geiseln in Sicherheit zu bringen.

Fieberhaft überlegte er, was er und Casey tun konnten, um die Wachen, und insbesondere den General, der wie ein Tiger im Käfig umherwanderte und an seiner Zigarre paffte, abzulenken, um die Aktionen, die derjenige, der hinter dem Bild war, plante, zu decken. Ein Vorteil war, dass weder der General noch die Wachen einen Blick für die gefesselten Leibwächter übrig hatten, deren Gesichter inzwischen eine Mischung aus Anspannung und Wut zeigten. Vermutlich waren sie der Meinung, dass diese jetzt keine Gefahr mehr darstellten.

Wenn Chuck mit seinen Überlegungen Recht behielt, würden sie eine faustdicke Überraschung erleben.

Chucks Gedanken wurden von der Stimme DeVillas unterbrochen, dem wohl etwas eingefallen war. „Ihr drei seht euch doch mal im oberen Stockwerk um, wir sollten sichergehen, dass wirklich niemand hier die Party schwänzt. “ Die drei Soldaten, die die Treppe besetzt hatten, machten sich auf den Weg hinauf, und soweit Chuck es jetzt überblicken konnte, waren einschließlich des Generals nur noch fünf Eindringlinge da — leider waren alle fünf bis an die Zähne bewaffnet.

Und weder er, noch Casey hatten etwas, was sich als Waffe eignen würde, oder eine Ablenkung darstellte… Oder doch? Chuck sah sich noch einmal um, und dann fiel sein Blick auf etwas, was er die ganze Zeit vor Augen gehabt hatte, aber er hatte den Nutzen einfach nicht erkannt.

* * *

Sarah hatte es geschafft, die Fesseln zweier Bodyguards durchzuschneiden und reichte den Beiden jeweils eines ihrer Messer, damit sie unauffällig die anderen Leibwächter befreiten, die sie nicht erreichen konnte.

Jeder der Wachmänner bekam eines der Messer. Zwar war das keine beeindruckende Bewaffnung, aber wenigstens mussten die Männer nicht mit bloßen Händen kämpfen.

In diesem Moment kam Morgan die Treppe hinauf, die er entdeckt hatte und flüsterte leise: „Die Stufen führen in eine Höhle am Strand, und da ist auch eine Öffnung, durch die die Geiseln an den Strand fliehen können. Ich denke, wenn die Marine den Funkspruch aufgefangen hat, wird bald Hilfe eintreffen.

“ Er sicherte seine Waffe und steckte sie wieder ein. „Wie sieht es im Saal aus, Alex?“

Alex hatte sich ans Guckloch gestellt und behielt die Geiseln und die Geiselnehmer im Auge. „Alles ist noch ruhig. Der Typ mit dem ganzen Lametta sieht zwar sehr angespannt aus, aber sie scheinen zu denken, dass von den Sicherheitsbeamten keine Gefahr ausgeht. Vor ein paar Minuten sind drei von denen nach oben gegangen, aber bis jetzt kam keiner zurück, und wenn du die Tür oben richtig geschlossen hast, sind wir hier noch in Sicherheit.

Obwohl die Situation äußerst ernst war, durchzuckte Morgan das brennende Verlangen, Alex zu küssen. Sie war wirklich die Tochter ihres Vaters, nur dass sie ihn nicht ent- sondern eher ermutigte. So unerschütterlich, wie sie sich gehalten hatte, seit die Geiselnahme begonnen hatte, hätte sie ohne weiteres auch ein Mitglied einer Spezialeinheit oder eine Agentin sein können. Morgan fühlte sich von ihr nicht nur angezogen, sondern auch motiviert und angespornt. Jetzt verstand er das Verhältnis von Chuck und Sarah aus der Anfangszeit besser.

Aber jetzt war nicht die Zeit und auch nicht der Ort, deswegen hielt sich Morgan zurück, ohne zu wissen, dass Alex seine Gefühle in seinem Gesicht ablesen konnte. Sie trat an ihn heran und küsste ihn ganz leicht auf die Wange. „Ich bin mir sicher, dass du die Tür richtig geschlossen hast, sonst wären sie doch schon längst hier. “ Dann wandte sie sich wieder ihrer Überwachung des Saals zu.

Morgan hätte nur zu gerne etwas gesagt, aber in diesem Augenblick ging die Schießerei los, und Sarah zog ihn mit sich durch die nun offene Geheimtür in den Saal — in dem gerade die Hölle losbrach.

* * *

Marquez staunte nicht schlecht, als er die Treppe erklommen hatte, und durch den Einwegspiegel in den Saal blickte. Sämtliche Gäste und Bediensteten lagen mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden, und General DeVilla tigerte durch den Raum wie ein gefangenes Raubtier.

Offensichtlich hatte der General erwartet, den Premierminister auf dem Präsentierteller vorzufinden, um ihn dann vor allen Gästen und Würdenträgern zu demütigen. Zum Glück schien er Theresa hinter der Bar noch nicht entdeckt zu haben, sonst hätte er sie schon längst als stärkstes Druckmittel einsetzen können. Scheinbar fasste er sich noch in Geduld, weil er dachte, Goya noch mit irgendetwas hervorlocken, oder durch seine Männer finden zu können.

DeVilla hatte Goya nie verzeihen können, dass ihn dieser verhaften ließ und ihm den Prozess machte.

Lange hatte der Premier die Augen davor verschlossen, dass einige seiner ehemaligen Kampfgefährten aus der alten Zeit schon lange nicht mehr an die Ideale glaubte, die sie einst dazu veranlasst hatten, die früheren Machthaber zu stürzen. Es war ein Mythos, dass ein Staatschef immer über alle Handlungen und Taten seiner Untergebenen und Mitstreiter informiert war — besonders dann, wenn diejenigen, die ihn informieren sollten selbst diejenigen waren, die sich schuldig machten. Als Goya das ganze Ausmaß der Verbrechen erkannt hatte, war es für ihn eine Frage der Ehre und der Verpflichtung für sein Volk, dem ein Ende zu machen, und die Schuldigen zu bestrafen.

DeVilla, der sich selbst als über dem Gesetz stehend wähnte, fasste das als persönlichen Angriff auf, und schwor Rache. Eigentlich hätte DeVilla zusammen mit fast seiner ganzen Einheit im Staatsgefängnis in der Hauptstadt sitzen sollen. Dass er jetzt hier war, würde etwas sein, was genauestens zu untersuchen war, wenn die Situation erst einmal geregelt war.

Marquez verschaffte sich einen Überblick über die Lage im Saal, und stieg dann die Treppe hinauf, die er zuvor im Licht seiner Taschenlampe entdeckt hatte.

Wie es aussah, führte sie in den ersten Stock, wo sich seines Wissens auch die beiden Agenten Walker und Grimes mit der Zivilistin aufhalten mussten. Vielleicht konnte er mit ihnen eine Strategie entwickeln, um das Terrain für das Eingreifen der Marineeinheiten vorzubereiten.

Lautlos schlicht er die Treppe hinauf, und drückte vorsichtig die Tür am Ende der Treppe auf. Ein rascher Blick zeigte ihm, dass in diesem Teil des Korridors kein Mensch war.

Direkt vor ihm war das Zimmer von Agent Grimes, und als er vorsichtig die Tür aufdrückte, war dahinter nichts als Stille und ein relativ aufgeräumtes Zimmer. Er zog sich zurück und glitt eine Tür weiter in das Zimmer des Ärztepaares Woodcomb. Auch das war menschenleer und vollkommen still.

Gerade als Marquez das Zimmer wieder verließ, traten DeVillas Männern aus der Suite, die Agent Casey mit seiner Tochter bewohnte, und eröffneten das Feuer aus ihren AK 47, als sie ihn sahen.

Er ließ sich zusammensacken und feuerte im Fallen drei Schüsse ab, von denen sich einer in die Wand unter dem Fenster bohrte, ein zweiter einem der Angreifer den Kiefer zertrümmerte, bevor er ins Gehirn drang und ihn tötete, und der dritte Schuss durchschlug die Lunge und die Hauptschlagader eines zweiten Angreifers.

Da der dritte Angreifer das Feuer nicht einstellte, musste sich Marquez in eine Nische drücken, um nicht getroffen zu werden.

Als er hörte, dass das Magazin der Kalaschnikow leergeschossen war, wirbelte er aus seiner Deckung und tötete den letzten der drei Männer mit einem gezielten Kopfschuss, bevor der eine der Waffen seiner gefallenen Kameraden erreichen konnte.

Von draußen war jetzt das Knattern automatischer Waffen und gebrüllte Kommandos zu hören, was bedeutete, dass die Verstärkung eingetroffen war. Doch Marquez wollte nicht warten und riskieren, dass den Geiseln etwas zustieß. Er rannte den Flur entlang und wollte die Treppe hinabrennen, als sich ihm ein Anblick bot, der auch für ihn nicht alltäglich war.

* * *

Als Chuck den ersten Schuss hörte, sprang er auf, riss die Kamera mit sich, die er keinen Meter vor sich auf dem Boden hatte liegen sehen, betätigte den grellen Blitz und rammte dem geblendeten Geiselnehmer den Photoapparat gegen die Kehle, während er ihm gleichzeitig die Waffe entwand. Aus den Augenwinkeln sah er einerseits, dass Casey ebenfalls schon einen Mann entwaffnet hatte, und andererseits entdeckte er, dass das Bild jetzt völlig zur Seite geschoben war, und Alex die Geiseln bereits durch die getarnte Tür trieb, während ihr Morgan und Sarah Feuerschutz gaben und sich die befreiten Leibwächter nach Kräften bemühten, die anderen Angehörigen von DeVillas Privatarmee zu überwältigen und zu entwaffnen.

Derweil waren im ersten Stock noch Schüsse zu hören, und auch von Außen war jetzt Kampflärm zu hören.

Seit dem ersten Schuss von oben waren höchstens 30 Sekunden vergangen, und es sah fast so aus, als hätten sie es geschafft, und die Lage unter Kontrolle, als etwas Unvorhersehbares geschah:

Völlig unvermutet packte einer der Bodyguards Morgan, entwand ihm die TranqGun und stieß ihn in Richtung des Generals, der ihn ergriff und ihm die Pistole an die Schläfe setzte.

„Aufhören!!! Lasst die Waffen fallen und geht von meinen Männern zurück!!! Sonst spritzt sein Gehirn an die Wand!!!“ Alex wollte zu Morgan rennen, wurde aber von dem abtrünnigen Sicherheitsmann abgefangen und festgehalten, bis sie sich ihm mit Gewalt entziehen konnte. Man konnte es DeVillas Gesicht ansehen, dass er es todernst meinte, und Morgan töten würde, wenn sie nicht taten, was er sagte. Nach und nach hörte man, wie Waffen zu Boden fielen, und Chuck, Sarah und Casey konnten nur voller Wut zusehen, wie der General langsam mit Morgan als lebendem Schutzschild rückwärts zur Terrassentür ging.

„Wir ziehen uns nicht zurück, Männer! Ihr haltet die Stellung hier! Wir sind die Zukunft hier, und auch imperialistische Mistkerle wie dieser hier werden uns nicht aufhalten! Sie werden alle sterben, genauso wie er!“ DeVilla spannte den Hahn seiner Pistole.

„Wenn sie ihm nur ein Haar krümmen, mache ich ein Sieb aus ihnen!“ war auf einmal eine Frauenstimme zu hören, und im nächsten Moment hämmerte Alex den Griff der Pistole, die sie ihm gerade aus der Tasche gezogen hat, gegen den Schädel des verräterischen Personenschützers, der sie wenige Augenblicke zuvor festgehalten hatte.

„Ich würde es mir an ihrer Stelle gut überlegen, was sie tun. Sie wissen, dass sie hier nicht rauskommen werden. Draußen sind schon Rettungskräfte auf dem Weg, und die meisten ihrer Männer sind zweifellos außer Gefecht. “ – „Ich bezweifle, dass sie den Mut haben, einen Menschen kaltblütig zu töten, junge Dame. Legen sie die Waffe weg, bevor hier gleich zwei Leichen liegen. Wissen sie denn überhaupt, wie man eine Waffe benutzt?“ – „Wenn sie es nicht weiß, ich weiß es, und ich habe auch keine Hemmungen, ihr Blut über die Wände spritzen zu lassen, Ignaćio.

“ Marquez stand am Kopf der Treppe und sah über den Lauf des AK 47 auf General DeVilla hinab.

„Sie wissen, dass sie keine Chance zur Flucht mehr haben, DeVilla…“ Casey hatte inzwischen seine Waffe wieder aufgehoben und zielte damit ebenfalls auf DeVilla. „Lassen sie die Waffe fallen, und ich bin sicher, der Premier wird Gnade zeigen, soweit er kann. “ – „Ich werde mich nicht noch einmal der Gnade und der Willkür dieses Verräters ausliefern…“ Morgan suchte für einen Moment Caseys Blick, und nickte kaum merklich.

„… lieber sterbe ich!“ Bevor Casey noch richtig begreifen konnte, was er vorhatte, tat Morgan das, was er bei körperlicher Gewalt immer schon am besten konnte: Er machten „den Morgan“, schlug dabei DeVillas Waffe mit der Hand nach oben, und ließ sich dann fast übergangslos fallen. „Das kannst du haben, Arschloch!“ zischte Morgan dabei. Mehrere Schüsse — das Knattern der Kalaschnikow und das heisere Bellen von zwei 9mm P. A. – pfiffen durch die zum Schneiden dicke und bewegungslose Luft des Saals, und Morgan konnte schwören, dass eine der Kugeln nur Millimeter neben seinem Ohr in ihr Ziel flog — seltsamerweise stand in dieser Richtung nur Alex mit einer Waffe da.

General Ignaćio DeVilla, Kommandeur der „Schwarzen Wölfe“, Drogenbaron und verkappter Revolutionär wurde von der Wucht der Kugeleinschläge hin und her geschleudert und fiel dann rückwärts durch die gläserne Terrassentür, schon lange tot, bevor er auf dem Boden aufschlug.

Wie die Schlange, deren Kopf abgeschlagen wurde, waren auch die „Schwarzen Wölfe“ ohne ihren Anführer hilflos und ergaben sich umgehend kampflos. Den bewusstlosen Verräter aus den Reihen der Personenschützer, den Alex außer Gefecht gesetzt hatte, nahm Marquez persönlich in Gewahrsam, die auf dem Gelände der Villa stationierten „Wölfe“ und übergelaufenen Militärpolizisten ergaben sich ebenfalls kampflos der Übermacht der Kampftaucher, der befreiten Militärpolizisten und der Marineinfanteristen, und der überschwänglich dankbare Premierminister kam mit Devon und Elli im Schlepptau in den Saal und beglückwünschte alle Beteiligten zu ihrem beherzten und besonnenen Eingreifen.

Casey hatte, während sich die Angreifer ergaben, schon Theresa hinter der Bar hervorgeholfen und führte sie jetzt zu ihrem Vater. „Sie haben eine sehr tapfere Tochter, Allejandro. Sie hat die Nerven bewahrt, und ist in Deckung geblieben. “ – „Und sie haben eine sehr mutige Tochter, John… die auch sehr viel von ihnen hat. Und offensichtlich kann sie auch auf sich aufpassen. “ Die beiden Väter sahen sich an und verstanden einander.

Während sich Sarah und Chuck in die Arme fielen, sich küssten und dann in eine ruhige Ecke zurückzogen, ging Morgan langsam auf Alex zu, nahm ihr die Pistole aus der zitternden Hand und küsste sie einfach nur liebevoll. „Alles in Ordnung mit dir?“ Er sah ihr lange und tief in die Augen. „Du hast dich für mich in Gefahr gebracht… Warum nur?“ Alex lächelte sehr schwach und schien, als wollte sie gleich umkippen.

„Weil ich dich liebe, du bärtiger Troll. “ flüsterte sie, bevor sie in seine Arme sank. Als sich Casey neben sie stellte, und den Arm um Alex legte, wollte sich Morgan zurückziehen, aber John griff sich seinen Arm und zog ihn mit einem aufmunternden und anerkennenden Nicken zurück in die gemeinschaftliche Umarmung. Er klopfte ihm sogar auf die Schulter. „Ich bin stolz auf dich, Alex…“ nach einer Pause sprach er dann etwas unbeholfen die Worte, von denen er nie dachte, sie zu sagen: „Ich bin auch auf dich Stolz, Morgan.

Das war eine hervorragende Aktion, die ihr drei da improvisiert habt. Und du hast die Nerven behalten. “ – „Ist schon gut, John. Ich habe ja auch von den Besten lernen können. “ – „Pass einfach nur gut auf mein Mädchen auf, Grimes… Ich will nicht, dass sie verletzt wird. “ Mit diesen Worten zog er sich zurück.

Der Premierminister, der mit halbem Ohr gelauscht hatte, schmunzelte nur, und nahm endlich seine Tochter in den Arm, froh, dass ihr nichts zugestoßen war, und doch auch mit einem Gefühl der Schuld, weil sie seinetwegen in Gefahr geraten war, und er nichts tun konnte, um sie zu beschützen.

„Bist du in Ordnung, Theresa?“ Die junge Frau war unverletzt und wirkte gefasst und ruhig, aber Goya wollte sicher sein, dass sie den Angriff unbeschadet überstanden hatte — körperlich, seelisch und emotional. „Papa, mach dir um mich keine Sorgen, ich bin deine Tochter, da braucht es mehr, um mich in Panik zu versetzen. “ Sicher, dass sie ihn zum Teil damit auch auf den Arm nehmen wollte, da sie schon von Kindesbeinen an über die Risiken, die die Position ihres Vaters beinhaltete, Bescheid wusste, und er nicht immer der optimale Vater gewesen war, atmete Allejandro Goya erleichtert auf.

„Ich wollte dich nicht alleine lassen, aber…“ – „Aber es wäre idiotisch gewesen, wenn du in die Falle zurückgelaufen wärst, die DeVilla für dich aufgestellt hatte. Du warst heute Abend nicht nur mein Vater, sondern auch der Führer dieses Landes, und als solcher hast du das getan, was du tun musstest. Es wäre nicht angegangen, dass du den Forderungen von Terroristen nachgibst. “ Sie küsste ihn auf die Wange. „Papa… Ich weiß, dass du uns alle in noch größere Gefahr gebracht hättest, wenn du dich ihm ergeben hättest.

Glaub mir, ich verstehe dich. Außerdem hast du mich ja nicht im Sicht gelassen, sondern in der Obhut von Agent Bartowski und Colonel Casey — zwei fähigen Agenten, denen du dein Vertrauen geschenkt hast. „

Dem Premierminister entging nicht, dass seine Tochter den NSA-Agenten mit sichtlichem Gefallen und Interesse betrachtete. Er nahm sie nochmal in die Arme, erleichtert darüber, dass sie nicht zu Schaden gekommen war, und im Bewusstsein, dass er alles Notwendige unternehmen würde, damit sie nie wieder in solche Gefahr geriet.

Dann entschuldige er sich und ging, um Marquez seine Dankbarkeit auszudrücken und sich mit ihm kurz über das weitere Vorgehen zu beraten.

Theresa ging von hinten auf Casey zu und tippte ihm vorsichtig auf die Schulter. „Ich könnte mich irren, Colonel, aber ich denke, sie schulden mir einen Tanz und ihre Gesellschaft bei einem Essen. “ Dabei bedachte sie ihn mit einem vielversprechenden Lächeln. „Da haben sie zu meiner Schande Recht, Señorita Goya.

Ich hoffe, sie geben mir die Gelegenheit, das wieder gut zu machen. “ – „Gerne. Haben sie für morgen Vormittag schon Pläne?“ Casey sah kurz zu Alex, doch die war in eine — bemerkenswert vertrauliche — Unterhaltung mit Morgan vertieft, und würdigte ihn keines Blickes. „Nein, ich habe offenkundig keinerlei Pläne. “ lächelte er die schöne, junge Tochter des Staatschefs an, auch wenn er in diesem Augenblick eigentlich nur eine sehr charmante und sehr reizvolle Frau in ihr sah.

Eine Frau, die ihm ausnehmend gut gefiel, und ihm mit ihrem Mut sehr imponierte. Eine Frau, deren Lächeln ihn gerade dazu brachte, ebenfalls zu lächeln. „Wann darf ich sie zum Frühstück abholen, Theresa?“

* * *

An Schlaf war in dieser Nacht wirklich nicht zu denken, zu aufgewühlt und aufgedreht waren die meisten Beteiligten.

Im Büro des Premierministers hatten sich die Oberkommandierenden von Luftwaffe, Marine, Heer und paramilitärischen Spezialeinheiten, die Direktoren der Geheimdienste und der Innenminister eingefunden, um aufzuklären, was schief gegangen war, und wie es zu diesem Attentat hatte kommen können.

Die Frage, wie DeVilla und seine Männer aus der Haft entkommen, sich organisieren und bewaffnen, und letztlich das Dinner und dessen Sicherheitsmaßnahmen infiltrieren konnten, war einer der Kernpunkte der Konferenz, und am Ende der Konferenz hatte es einige gravierende Personaländerungen gegeben, da die Verantwortlichen in ihrem Rücktritt eine angemessene Reaktion auf ihre Versäumnisse sahen.

Des weiteren wurden Maßnahmen und Strategien entwickelt, um künftig solchen Angriffen vorzubeugen, und es wurde zum einen beschlossen — auch mit Hilfe von Colonel John Caseys immensen Kenntnissen der Geheimgänge und Geheimtüren im Palast, systemimmanenter Schwachstellen und angreifbarer Risikobereiche — genaueste Lage- und Sicherheitspläne für sämtliche Regierungsgebäude zu erstellen, damit die Situation nie wieder so heikel werden konnte, und zum anderen, dass die Notfallprotokolle von Grund auf zu überarbeiten seien.

In dieser Nacht wurde auch beschlossen, sowohl den Leiter der persönlichen Sicherheitskräfte des Premierministers, als auch den kommandierenden Offizier der Marineverbände, die für die Sicherheit des Premiers an diesem Abend zuständig waren, zu ehren und auch zu befördern.

Während sich Casey, Sarah, Chuck und Alex in dieser Nacht mit den Überresten der Bar zusammensetzten, um zu reden, und damit die drei Agenten, die das Gefühl kannten, jemanden zu töten, mit Alex reden und ihr über das Erlebte hinweghelfen konnten, saß Morgan lange auf dem Rasen vor der — inzwischen erneuerten — Terrassentür und dachte nach.

Irgendwann kam Elli zu ihm raus und setzte sich zu ihm.

„Wie geht es dir, Morgan?“ Morgan sah sie seltsam an. „Ich weiß es nicht, Elli… Ich fühle mich merkwürdig… Eigenartig…“ Er zuckte mit den Schultern. „Es ist ja nicht so, als sei ich es nicht gewohnt, in der Schusslinie zu stehen — du kannst deinen Bruder fragen — und beschossen zu werden, aber Alex hat meinetwegen einen Menschen getötet.

Ich weiß nicht, wie ich das wieder gut machen soll. “ Als er Elli wieder ansah, hätte sie schwören können, dass er leicht lächelte. „Sie hat mir danach gesagt, dass sie mich liebt… Kannst du dir das vorstellen?“

Kopfschüttelnd nahm sie Morgan in den Arm, und sah zu Devon hinüber, der etwas abseits stand, bereit ihnen beizustehen, falls Morgan was brauchen sollte. Ein leichtes Nicken veranlasste ihn dann, sich zu ihnen zu gesellen, und zu dritt saßen sie dann im Garten, sahen in den Himmel und versuchten, jeder für sich, mit dem umzugehen, was sie in den letzten Stunden erlebt hatten.

„Soviel zum Thema „Romantische Ferien“ wenn unsere Familienspione in der Nähe sind. “ murmelte Devon. Da er in der Mitte saß, nahmen ihn Morgan und Elli von beiden Seiten in die Arme. „Daran solltest du doch langsam gewöhnt sein, oder, Awesome?“ erklärte Morgan. „Du bist auch nicht erst seit gestern Teil dieser Familie. Und was meinst du mit „Familienspione“? Warst du nicht selbst schon als Agent im Einsatz?“ Er stieß Devon an.

„Du kannst auf jeden Fall nicht behaupten, es wäre langweilig. Früher konntest du nicht genug Adrenalin bekommen, und jetzt beklagst du dich?“ Devon lächelte gequält. „Ich glaube, ich werde langsam alt. “ – „Nein Schatz… nur erwachsen. “ neckte ihn seine Frau und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.

Dann wurde Morgan jedoch schlagartig wieder ernst. „Meint ihr, mit Alex kommt wieder alles in Ordnung?“ – „Ich weiß es nicht, aber bei den drei ist sie jetzt in guten Händen.

Sie haben das auch schon durchgemacht. Sie werden ihr am besten helfen können. “ Mit diesen Worten angelte Elli drei Flaschen Bier aus einem Stoffbeutel und reichte Devon und Morgan je eine davon. „Und das wird uns jetzt am besten helfen. Anweisung vom Arzt. “ Sie stießen kurz an und dann versuchte jeder von ihnen, seine dunklen Erinnerungen an die letzten Stunden wegzuspülen.

* * *

Es war über eine Stunde vor Sonnenaufgang, als sich Morgan und Alex auf der Treppe begegneten.

Alex hatte sich nach dem Gespräch mit Sarah, Chuck und ihrem Vater noch im Garten die Beine vertreten, und Morgan hatte — nachdem er sich das OK der Küstenwache geholt hatte — die Renovación startklar gemacht, und wollte Alex abpassen. „Ich will dich nicht unnötig aufhalten, du hast heute genug durchgemacht, aber ich habe mir für heute das Boot unter den Nagel gerissen, und wollte dich fragen, ob du vielleicht heute mit mir ausfahren willst.

“ Als Alex zögerte, fuhr er schnell fort: „Natürlich musst du nicht, wenn du nicht willst, wenn du noch Zeit brauchst, um alles zu verarbeiten, kann ich das…“ – „Eigentlich hatte ich eher überlegt, ob sie uns um diese Zeit in der Küche einen Picknickkorb machen könnten. “ war Alex‘ überraschende Antwort.

„Also, soweit ich weiß, haben sie in der Küche heute eine Sonderschicht eingelegt, um die Sicherheitskräfte zu versorgen, also sollte das kein Problem sein.

Aber willst du das wirklich, oder tust du das nur für mich?“

Alex setzte sich auf die Stufen und streifte ihre Stiefel ab. „Ich weiß nicht genau, wo mir der Kopf steht, und noch weniger weiß ich, was ich von diesem Tag, und dem, was ich getan habe, halten soll…“ sagte sie nachdenklich. Morgan sah unbehaglich zu Boden, denn schließlich hatte sie DeVilla seinetwegen getötet. Er war verantwortlich dafür, dass Blut an ihren Händen klebte.

„… aber ich weiß, dass ich mich in deiner Nähe wohl fühle, und auch die dunkelsten Wolken verschwinden, wenn du mich zum Lachen bringst. “ schloss sie gefasster. Jetzt sah Morgan auf. „Ich ziehe mir schnell was anderes an, und du kannst ja versuchen, einen Picknickkorb zu ergattern. Wenn du noch immer willst, kannst du mich ja bei einer Tour um die Insel mit deinem Wissen beeindrucken. „

Auf dem Weg in die Küche stolperte Morgan fast über seine eigenen Füße, und während die Küche den Proviant vorbereitete, zog sich Morgan schnell um, und schaffte es tatsächlich rechtzeitig, um Alex mit dem Picknickkorb am Arm am Fuß der Treppe abzuholen.

„Dieses Mal habe ich es pünktlich geschafft ,dich von der Treppe abzuholen, und gehöre auch wirklich nur dir. “ Verkündete er stolz. „Nur mir? Wirklich?“ fragte Alex mit einem frechen Grinsen.

Keine zehn Minuten später legte die Renovación mit Morgan, Alex und einem gut gefüllten Picknickkorb an Bord zu einer sehr frühen Inselrundfahrt ab, und Morgan ging so in seiner Aufgabe als Fremdenführer auf, dass ihm Alex, um ihn zum Schweigen zu bringen, den Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss verschließen musste, bevor sie ihm sein Hemd abstreifen konnte, und ihn dann auf die Liegefläche des Speedboats drückte.

* * *

Die Sonne hatte sich gerade erst ganz über den Horizont erhoben, als sich Sarah und Chuck wieder an ihrer Lieblingsstelle am Strand ausstreckten und die Augen schlossen. Seit gestern waren ein paar Schrammen und blaue Flecken hinzugekommen, aber sie waren beide fest entschlossen, sich davon nicht stören zu lassen, schließlich hatten sie ja ausreichend Erfahrung damit.

Nach ihrem ausführlichen Gespräch mit Alex waren Chuck und Sarah in der Nacht erschöpft auf ihre Suite zurückgegangen, und hatten sich ein Bad eingelassen, um den Staub, Schmutz und das Blut von ihren Körpern zu waschen.

„Was denkst du, wird Alex damit zurecht kommen, was heute passiert ist?“ fragte Sarah, während sie bedauernd die Überreste ihres Abendkleides betrachtete. Sie hätte gerne mit Chuck getanzt, und einfach den Abend genossen, aber offensichtlich gab es für Spione weder Feierabend noch Urlaubszeit. „Sie ist stark, und es ist so ähnlich, wie bei mir damals in Paris. Sie hatte in ihren Augen keine Wahl, und ich denke, das wird es ihr leichter machen. “ kam es aus dem Badezimmer von Chuck.

„Niemand will ein Killer sein, aber wir haben es alle in uns. Wenn wir jemanden retten wollen, den wir lieben, sind wir auch bereit zu töten. “ Chuck kam aus dem Badezimmer und sah Sarah in ihrem knappen Tanga und dem spitzenbesetzten Bustier dastehen. „Aber ich glaube, das muss ich dir nicht sagen. “ lächelt er sie an. Er nahm das Verbandspäckchen und ging wieder ins Bad, während Sarah am Fenster stand, und auf das Meer blickte.

„Ja… Das musst du mir nicht sagen, Chuck. “ dachte Sarah und strich wieder über das Armband.

„Ich liebe dich, Chuck. “ rief sie leise ins Bad, und genoss das warme Gefühl, das sich in ihrem Herzen ausbreitete. „Ich dich auch, Liebling, aber kann ich dich nicht auch hier in der Wanne lieben? Ich stinke, bin verschwitzt und verdreckt und brauche ein Bad. “ antwortet er. Das warme Gefühl strahlte jetzt auch langsam ihren Bauch hinab bis zu ihrem Schoss, und ein freches Grinsen breitete sich in ihrem Gesicht aus.

Nur in ihren goldfarbenen Sandaletten mit den hohen Absätzen, dem Armband und mit der Rose im Haar betrat Sarah das Badezimmer. „Dich in der Wanne lieben? Klingt gut für mich, Schatz. “ Dabei lächelte sie dermaßen verführerisch, dass Chuck stehen und liegen ließ, was er gerade tat — in diesem Fall ließ er sogar buchstäblich eine ganze Handvoll Badeperlen in die Wanne fallen, die prompt überschäumte — und seine Augen über Sarahs nackten Körper wandern ließ.

„O lá lá… Dass du vor Leidenschaft anfängst zu schäumen, hatten wir noch nie. “ schmunzelte sie, und ergriff Chucks ausgestreckte Hand. „Du hast ja keine Ahnung, aber zieh doch erst mal die Schuhe aus. Ich denke doch, die werden in der Wanne etwas stören. “ – „Warum ziehst du sie mir nicht aus, Liebling. “ Sarah könnte sich wirklich daran gewöhnen, ihn auch Liebling zu nennen — und an die Art, wie er ihren Fuß festhielt und massierte, nachdem er ihr den Schuh abgestreift hatte, konnte sie sich erst recht gewöhnen.

Als er an eine besonders empfindliche Stelle kam, stöhnte sie kurz auf, doch das Stöhnen wurde schnell zu einem wohligeren Laut, als er mit sanften Fingern den Schmerz weg massierte.

„Und jetzt schwing deinen reizenden Hintern in die Wanne, bevor ich dich reinschmeiße. “ Die Wanne war so luxuriös geschnitten, dass er sie auch gefahrlos hätte hineinwerfen können, und gemeinsam ließen sie sich in das heiße, duftende und schaumgekrönte Wasser sinken.

„Ahh… tut…“ – „… das gut!“ stöhnten beide, wie aus einem Munde.

Nachdem sie eine Weile ihre Schrammen und Kratzer eingeweicht hatten, begannen sie, sich gegenseitig einzuseifen, und aus dem Einseifen wurde immer mehr ein gegenseitiges Streicheln und Liebkosen. Als sich Sarah dann endlich auf Chucks Schoss setzte, glitt er ohne jeden Widerstand in sie, und sie warf ihren Kopf mit einem lautlosen aber heftigen Seufzen zurück.

„Meinst du, Morgan und Alex kommen zusammen nach dem, was gestern war?“ wollte Sarah wissen, und riss Chuck aus der sinnlichen Erinnerung an das Bad.

„Ich hoffe es für die beiden, aber denk daran, wie es bei uns war… Wir haben es auch überstanden, oder?“ antwortete er, und streichelte liebevoll ihren Rücken. Sarah legte ihren Kopf an seine Schulter und lächelte. „Ich hoffe, die beiden stellen sich dabei nicht ganz so dämlich an wie wir. “ – Er drückte sie sanft an sich. „Das denke ich nicht. Sie sind heute schon sehr früh mit der Renovación losgefahren, Ziel geheim — noch dazu mit Caseys Segen… Wusstest du, dass sie ihm gesagt hat, dass sie ihn liebt?“ fragte er und sah ihr in die Augen.

Sarah lächelte — ganz leicht wehmütig und bedauernd. „Ein Glück, dass sie dafür nicht so lange braucht wie ich. “ – Er lächelte sie an und küsste ihre Nasenspitze. „Aber das Warten war es wert. “ Er küsste sie liebevoll auf die Lippen… Und je höher die Sonne stieg, desto leidenschaftlicher wurden die Küsse. Bald hatten sie sich gegenseitig die Kleidung abgestreift und liebten sich im Schein der Morgensonne.

* * *

Bei Sonnenaufgang kam Casey die Treppe hinab und wurde von Theresa begrüßt.

„Daran erkennt man wohl den disziplinierten Soldaten, Colonel. Sie sind pünktlich. “ – „Eine schöne Frau darf man als Gentleman nicht warten lassen. Sie hatten gesagt, bei Sonnenaufgang, Theresa. “ – „Hören sie auf, sie wollen mir doch nur schmeicheln. “ Casey hätte schwören können, dass sie errötete. „Ich neige nicht dazu, zu schmeicheln, Theresa. Ich sage nur, was ich denke. Und ich denke, dass sie eine sehr schöne und reizvolle Frau sind. “ Er sah sie genau an, um abzuschätzen, ob sie seine Offenheit schockiert hat, doch sie wirkte vollkommen entspannt und ergriff einfach seine Hand.

„Sie sind direkt, und kommen gleich zum Wesentlichen, das schätze ich bei einem Mann. “ Casey lächelte. „Nennen sie mich doch bitte John. “ Als er ihr durch das gesäuberte Atrium folgte, konnte er sich die Frage nicht verkneifen: „Was schätzen sie denn noch an einem Mann?“ Theresa lächelte schelmisch und zog ihn leicht an sich. „Ich denke, wir beide werden noch Gelegenheit haben, das herauszufinden, meinen sie nicht auch, John?“

Selbst wenn Casey hätte antworten wollen, hatte der Kuss, den sie ihm auf die Lippen drückte, für ihn eine höhere Priorität… Und er genoss den Kuss, den er nur zu gerne leidenschaftlich erwiderte.

Nach einer Weile lösten sie sich von einander, und Casey konnte ein funkelndes Glitzern in ihren Augen sehen. „Sie sind mutig, loyal, zielstrebig und küssen gut… Worin sind sie denn noch gut?“ Er ersparte sich die Antwort, denn es hätte keine unverfängliche Antwort auf diese Frage gegeben, und fragte stattdessen: „Wollen wir frühstücken gehen?“ – „Sind sie denn so ausgehungert?“ Wieder zeigte ihr Gesicht dieses spitzbübische Grinsen, das ihn so erregte.

„Mindestens so sehr wie sie, meine Liebe. “ Auch sein Lächeln war vielsagend.

Arm in Arm betraten sie das Speisezimmer, und als er ihr den Stuhl zurechtrückte, stieg ihm der Duft ihres Haars in die Nase. Ein sehr aufregender Duft, der Casey sehr ansprach. „Wissen sie denn schon, was sie wollen, Theresa?“ fragte er, als er um den Tisch zu seinem Platz ging, und sich ihr gegenüber hinsetzte. Sie sah ihn lange und aufmerksam an, strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte geheimnisvoll.

„Ooh ja. “ Ihre Blicke trafen sich, und die Funken, die hin und her sprangen, waren fast sichtbar. „Sehr gut, ich auch. „

* * *

Alex lag mit Morgan auf dem Bug des luxuriösen Speedboats, und sie ließen die Füße ins Wasser hängen. Die Sonne über ihnen hätte auch die dunkelsten Gedanken vertreiben können, aber keiner von beiden hing auch nur einem düsteren Gedanken nach. Zu glücklich waren beide, einfach zusammen sein zu können.

Wortlos hielten sie sich bei den Händen und genossen einfach die Nähe des anderen und die Wärme, die von Außen auf sie schien und die sich in ihrem Inneren ausbreitete.

Für diesen Moment war alles vergessen, und Morgan konnte sein Glück kaum fassen. „Kann das ein Traum sein?“ ging ihm durch den Kopf, aber wenn er seine Finger bewegte, konnte er den sanften, aber festen Griff spüren, mit dem ihn Alex festhielt… Mit dem sie sich in ihm verankerte.

„Nein, John… Ich werde niemals zulassen, dass sie verletzt wird. Das schwöre ich dir. „

Er beugte sich über Alex, und betrachtete ihre nackte Haut. Milchweiß und von winzigen Sommersprossen überzogen, passte sie perfekt zu ihrem roten Haar und ihren grünen Augen. In diesem Moment war Morgan froh, dass Alex, die viel von ihrem Vater hatte, beim Aussehen eindeutig nach ihrer Mutter kam. Ganz sanft hauchte er ihr einen Kuss auf jede Brust und küsste sie dann verführerisch auf die Lippen.

„Du solltest aus der Sonne raus, sonst bekommst du einen Sonnenbrand. Oder lass mich dich wenigstens eincremen. “ Als Alex ihre Augen aufschlug, glitzerte der Schalk in ihrem Blick wie ein sprichwörtlicher irischer Kobold. „Gute Idee, aber dann solltest du mich auch sehr gründlich eincremen. “ – „Nichts lieber als das. „

* * *

Devon hatte einige Meter den Strand hinunter einige Pinienzapfen entdeckt und brach die schmackhaften Kerne heraus, um Elli damit zu füttern.

„Meinst du, wir können jetzt endlich den Urlaub hier genießen, oder muss ich mich wieder bereit halten, Kugeln auszuweichen und schmutzige Geheimgänge zu erforschen?“ fragte er scherzhaft. Elli wusste, dass ihm die Ereignisse des Vortages noch in den Knochen steckten, auch wenn er sich langsam daran gewöhnte. Schon vor längerer Zeit war Elli klar geworden, dass weder sie, noch ihr Mann dafür geschaffen waren, das alles zu verstehen, was das „Team Bartowski“ überstehen musste.

„Ich vermute mal nicht, und falls doch, werden wir das Einzige tun, was klug wäre… In die andere Richtung weglaufen. “ war ihre, nur halb scherzhaft gemeinte Antwort.

Um nicht mehr darüber nachzudenken, und auch, um ihrem Verlangen nachzugeben, kuschelte sie sich an ihren Gatten, und brachte ihm durch eine enge Umarmung in Erinnerung, warum sie sich diesen abgelesenen, und nicht einsehbaren Strand ausgesucht hatten. Beide lagen so nackt wie am Tage ihrer Geburt in der Sonne, und die Wärme, die Pinienkerne und die Nähe ihres nackten, gut gebauten und auch gut ausgestatteten Mannes hatten auf Elli eine sehr anregende Wirkung.

Sie strich ihm zärtlich über den Bauch und sah ihm in die Augen. „Ich hätte jetzt lieber etwas anderes, als nur Pinienkerne…“ Devon sah sie gespielt ahnungslos an und hatte sogar noch die Stirn, sie zu fragen: „Und was hättest du gerne?“ Ihre Antwort bestand darin, sie ihm umwarf und sich auf ihn setzte.

Awesome wusste, wann er sich geschlagen zu geben hatte, und leistete keine „Gegenwehr“, als sie ihm zeigte, was sie gerne hätte.

* * *

Die Eidechse kroch träge aus einem Loch, keine fünf Meter von den beiden Zweibeinern entfernt, die ihre Ruhe störten und ihr die Beute verscheuchten. Hätte man genau hingehört, hätte man ein genervtes Zischen hören können.

Was nutzte der Echse ein Höhlensystem, dass die gesamte Halbinsel durchzog, mit Geheimgängen, die von der Höhle unter der Villa zu jedem Strand der Landzunge führten, auf der die Villa und die Kapelle stand, wenn an jedem Strand irgendeine Störung auf das Reptil lauerte.

Verschnupft und beleidigt machte der Minidrache kehrt, schlängelte sich in einen der zahllosen Gänge und machte sich auf die Suche nach einem Strand, der nicht belegt und lärmend war.

Hinter ihr am Strand war Gekicher und leises, leidenschaftliches Stöhnen zu hören, aber das war der Echse herzlich egal. Sie dachte nur an ihre nächste Mahlzeit und einen schönes Plätzchen auf einem von der Sonne aufgeheizten Felsen.

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